Sys­te­mi­sche The­ra­pie und Beratung

Hand­out — Sys­te­mi­sche Ansätze Systemische Therapie und Beratung Einblick in das Ideenkonstrukt der systemische Therapie und der systemischen Beratung.

Die sys­te­mi­sche The­ra­pie ist ein aner­kann­ter Ansatz in der Psy­cho­the­ra­pie, der sich auf sozia­le Kon­tex­te psy­chi­scher Stö­run­gen kon­zen­triert. Seit 2008 wird sie in der Aus­bil­dung gelehrt und beson­ders in der Fami­li­en- und Paar­the­ra­pie ange­wen­det. Sie behan­delt ver­schie­de­ne Stö­run­gen wie affek­ti­ve Stö­run­gen, Ess­stö­run­gen und Abhängigkeiten.

Die­ser Arti­kel führt in die Grund­la­gen, his­to­ri­sche Ent­wick­lung und Metho­den der sys­te­mi­schen The­ra­pie ein. Er erläu­tert den Para­dig­men­wech­sel und die theo­re­ti­schen Grund­la­gen sozia­ler Sys­te­me. Zudem wer­den Pra­xis­fel­der der sys­te­mi­schen Bera­tung in Arbeits­welt und Fami­li­en beleuchtet.

Die sys­te­mi­sche The­ra­pie basiert auf dem Kon­struk­ti­vis­mus, der besagt, dass jeder Mensch eine sub­jek­ti­ve „Land­kar­te“ der Welt hat. Psy­chi­sche Stö­run­gen wer­den als kom­ple­xe Wech­sel­wir­kun­gen ver­stan­den. Der Arti­kel beschreibt Metho­den wie struk­tu­rel­le, stra­te­gi­sche und lösungs­ori­en­tier­te Ansätze.

Abschlie­ßend wird die sys­te­mi­sche Bera­tung vor­ge­stellt, die Klient*innen hilft, Pro­ble­me aus neu­en Per­spek­ti­ven zu betrach­ten und Lösun­gen zu ent­wi­ckeln. Sie för­dert respekt­vol­le Kom­mu­ni­ka­ti­on und nach­hal­ti­ge Veränderungen.

Inhalts­ver­zeich­nis

  1. Ein­füh­rung und Ein­ord­nung sys­te­mi­scher Therapie
  2. Defi­ni­ti­on und Grundlagen
  3. Para­dig­men­wech­sel in der sys­te­mi­schen Therapie
  4. Sozia­le Sys­te­me als theo­re­ti­sche Grundlage
  5. His­to­ri­sche Ent­wick­lung sys­te­mi­scher Ansätze
  6. Metho­den der sys­te­mi­schen Therapie
  7. Resü­mee
  8. Pra­xis­fel­der sys­te­mi­scher Beratung
  9. Leit­li­ni­en und Konzepte
  10. Hal­tung, Sicht- und Vorgehensweise
  11. Mög­lich­kei­ten und Gren­zen in der Sozia­len Arbeit
  12. Fazit
  13. Lite­ra­tur

Ein­füh­rung und Ein­ord­nung sys­te­mi­scher Therapie

Die sys­te­mi­sche The­ra­pie ist ein the­ra­peu­ti­sches Ver­fah­ren, das sich auf die sozia­len Kon­tex­te psy­chi­scher Stö­run­gen kon­zen­triert. Sie wird häu­fig in den the­ra­peu­ti­schen Set­tings der Fami­li­en- und Paar­the­ra­pie ange­wen­det und ist seit 2008 ein aner­kann­tes Ver­fah­ren in der Psy­cho­the­ra­peu­ten-Aus­bil­dung. Die sys­te­mi­sche The­ra­pie ist für die Behand­lung ver­schie­de­ner psy­chi­scher Stö­run­gen zuge­las­sen, dar­un­ter affek­ti­ve Stö­run­gen, Ess­stö­run­gen, psy­chi­sche und sozia­le Fak­to­ren bei soma­ti­schen Krank­hei­ten, Abhän­gig­kei­ten und Miss­brauch sowie Schi­zo­phre­nie und wahn­haf­te Störungen.

Defi­ni­ti­on und Grundlagen

Die sys­te­mi­sche The­ra­pie basiert auf der Annah­me, dass psy­chi­sche Stö­run­gen im sozia­len Kon­text der Pati­entinnen betrach­tet wer­den müs­sen. Das Men­schen­bild der sys­te­mi­schen The­ra­pie ist vom Kon­struk­ti­vis­mus geprägt, der besagt, dass jeder Ein­zel­ne eine sub­jek­ti­ve „Land­kar­te“ der Welt im Kopf hat, die nicht der objek­ti­ven Rea­li­tät ent­spricht. Der sozia­le Kon­struk­ti­vis­mus geht davon aus, dass Wirk­lich­keit durch Kom­mu­ni­ka­ti­on ver­han­del­bar ist (vgl. Sydow/Borst 2018).

Das ätio­lo­gi­sche Ver­ständ­nis der sys­te­mi­schen The­ra­pie baut auf dem bio-psycho-sozia­len Stö­rungs­ver­ständ­nis auf. Dies bedeu­tet, dass psy­chi­sche Stö­run­gen als kom­ple­xe Wech­sel­wir­kun­gen ver­schie­de­ner Fak­to­ren ver­stan­den wer­den und nicht nur auf indi­vi­du­el­le Ursa­chen zurück­ge­führt wer­den können.

Para­dig­men­wech­sel in der sys­te­mi­schen Therapie

Ein zen­tra­ler Para­dig­men­wech­sel in der sys­te­mi­schen The­ra­pie ist die Auf­fas­sung, dass psy­chi­sche Stö­run­gen bedeut­sa­me Kon­struk­tio­nen in einem Sys­tem sind. Sie wer­den als nicht opti­ma­le Lösungs- und Sta­bi­li­sie­rungs­ver­su­che ver­stan­den, die in einem sozia­len Kon­text betrach­tet wer­den müssen.

Sozia­le Sys­te­me als theo­re­ti­sche Grundlage

Ein sozia­les Sys­tem wird als ein geord­ne­tes Gan­zes ver­stan­den, des­sen Ein­zel­tei­le in kon­ti­nu­ier­li­cher Wech­sel­wir­kung ste­hen und so eine Struk­tur aus­bil­den. Die­se Sys­te­me hal­ten sich selbst im Gleich­ge­wicht und gren­zen sich durch ihre Wech­sel­wir­kun­gen und Struk­tu­ren von ande­ren Sys­te­men und der Umwelt ab (vgl. Abels 2019).

His­to­ri­sche Ent­wick­lung sys­te­mi­scher Ansätze

Kyber­ne­tik I. Ord­nung (50er Jahre)

Die frü­hen Ansät­ze der sys­te­mi­schen The­ra­pie, wie die struk­tu­rel­le und stra­te­gi­sche Fami­li­en­the­ra­pie, ver­stan­den Fami­li­en als regel­ge­steu­er­te Sys­te­me. Therapeut*innen ver­such­ten, die­se Sys­te­me gezielt zu beein­flus­sen, um Ver­än­de­run­gen her­bei­zu­füh­ren. Zu den abge­lei­te­ten Inter­ven­tio­nen gehö­ren zir­ku­lä­re Metho­den, para­do­xe Inter­ven­tio­nen sowie struk­tu­rel­le und stra­te­gi­sche Methoden.

Kyber­ne­tik II. Ord­nung (80er Jahre)

Neue­re Ansät­ze, wie die lösungs­ori­en­tier­te The­ra­pie, die nar­ra­ti­ve und dia­lo­gi­sche The­ra­pie, ori­en­tie­ren sich an Kon­zep­ten wie Selbst­steue­rung und ‑orga­ni­sa­ti­on. Die­se Ansät­ze ver­wer­fen nor­ma­ti­ve Vor­stel­lun­gen über Fami­lie und Gesund­heit und ver­su­chen, das Sys­tem zu ver­stö­ren, um Ver­än­de­run­gen zu ermög­li­chen. Zu den abge­lei­te­ten Inter­ven­tio­nen gehö­ren lösungs­ori­en­tier­te, nar­ra­ti­ve und dia­lo­gi­sche Methoden.

Metho­den der sys­te­mi­schen Therapie

Ein­gangs­pha­se

In der Ein­gangs­pha­se der sys­te­mi­schen The­ra­pie wird der Fokus auf den Bezie­hungs­auf­bau gelegt, um eine Atmo­sphä­re der Sicher­heit zu schaf­fen. Metho­den wie Ref­raming und struk­tu­rel­le Inter­ven­tio­nen wer­den ange­wen­det, um Mus­ter zu unter­bre­chen und neue Per­spek­ti­ven zu schaffen.

Struk­tu­rel­le Methoden

Struk­tu­rel­le Metho­den kon­zen­trie­ren sich auf die Ana­ly­se und Stär­kung der Gren­zen inner­halb eines Sys­tems. Dif­fu­se Gren­zen wer­den als Pro­blem betrach­tet und durch geziel­te Inter­ven­tio­nen behandelt.

Stra­te­gi­sche Methoden

Stra­te­gi­sche Metho­den fokus­sie­ren sich auf die Bezie­hun­gen inner­halb eines Sys­tems und die Auf­lö­sung von Loya­li­täts­kon­flik­ten. Sym­ptom­ver­schrei­bun­gen und para­do­xe Inter­ven­tio­nen sind häu­fi­ge Metho­den in die­sem Bereich.

Zir­ku­lä­re Methoden

Zir­ku­lä­re Metho­den basie­ren auf der Annah­me, dass es kei­ne ein­fa­chen Ursa­che-Wir­kung-Bezie­hun­gen gibt. Durch zir­ku­lä­res Fra­gen wer­den sys­te­mi­sche Struk­tu­ren offen­ge­legt, um Ver­än­de­run­gen anzuregen.

Para­do­xe Interventionen

Para­do­xe Inter­ven­tio­nen zie­len dar­auf ab, das Gleich­ge­wicht eines Sys­tems zu stö­ren, um neue Pro­zes­se zu ermög­li­chen. Der/die Pati­entin wird als Sym­ptom­trä­gerin ver­stan­den, des­sen patho­lo­gi­sches Ver­hal­ten zur Sta­bi­li­sie­rung des Sys­tems beiträgt.

Lösungs­ori­en­tier­te Methoden

Lösungs­ori­en­tier­te Metho­den ver­mei­den es, über das Pro­blem zu spre­chen, um neue Pro­ble­me zu schaf­fen. Statt­des­sen wer­den neue Per­spek­ti­ven ange­regt, um Lösun­gen und Hand­lungs­op­tio­nen abzuleiten.

Nar­ra­ti­ve Methoden

Nar­ra­ti­ve Metho­den kon­zen­trie­ren sich auf die Ver­sprach­li­chung von Erleb­nis­sen, um sub­jek­ti­ve Annah­men zu erken­nen und alte Geschich­ten umzuerzählen.

Dia­lo­gi­sche Methoden

Dia­lo­gi­sche Metho­den nut­zen das offe­ne Reflek­tie­ren von Therapeut*innen, um neue Per­spek­ti­ven in das Sys­tem ein­zu­brin­gen. Das Reflec­ting Team ist eine häu­fi­ge Metho­de in die­sem Bereich.

Resü­mee

Die sys­te­mi­sche The­ra­pie ist ein jun­ges the­ra­peu­ti­sches Ver­fah­ren mit einem brei­ten Ein­satz­ge­biet. Sie basiert auf einem kon­struk­ti­vis­tisch gepräg­ten Men­schen­bild und der Ein­bin­dung von Men­schen in sozia­le Sys­te­me. Der Fokus liegt auf den sys­te­mi­schen Wech­sel­wir­kun­gen und dar­aus resul­tie­ren­den Struk­tu­ren. Patient*innen mit psy­chi­schen Stö­run­gen wer­den als Index­per­so­nen für dys­funk­tio­na­le Sys­te­me ver­stan­den. Die sys­te­mi­sche The­ra­pie hat sich mit den sys­tem­theo­re­ti­schen Erkennt­nis­sen wei­ter­ent­wi­ckelt und bie­tet ein brei­tes metho­di­sches Spek­trum, um Ver­än­de­run­gen in sozia­len Sys­te­men anzuregen.

Pra­xis­fel­der sys­te­mi­scher Beratung

Sys­te­mi­sche Bera­tung basiert auf den Erkennt­nis­sen der Sys­te­mik und der sys­te­mi­schen The­ra­pie und fin­det Anwen­dung in ver­schie­de­nen lebens­welt­li­chen Sys­te­men. Sie kann sowohl in der Arbeits­welt als auch in Fami­li­en ein­ge­setzt wer­den. In die­sem Arti­kel wer­den die Pra­xis­fel­der, Leit­li­ni­en und Kon­zep­te der sys­te­mi­schen Bera­tung näher beleuchtet.

Arbeits­welt

In der Arbeits­welt umfasst sys­te­mi­sche Bera­tung indi­vi­du­el­le Coa­chings zur Stär­kung des Selbst­werts sowie Bera­tun­gen zur Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lung in Unter­neh­men. Die­se Ansät­ze hel­fen dabei, die Dyna­mik und Kom­mu­ni­ka­ti­on inner­halb von Teams zu ver­bes­sern und struk­tu­rel­le Ver­än­de­run­gen zu unterstützen.

Fami­li­en

Fami­li­en sind ein zen­tra­les Pra­xis­feld der sys­te­mi­schen Bera­tung. Hier­bei kön­nen ver­schie­de­ne Set­tings zum Ein­satz kom­men, wie z.B. die Zusam­men­ar­beit zwi­schen Fami­lie und Schu­le oder die Bezie­hung zwi­schen Eltern und Kin­dern. Eltern­ge­sprä­che, sys­te­mi­sche Paar­the­ra­pie und Eltern­coa­ching sind wei­te­re mög­li­che Anwen­dungs­be­rei­che. Die­se Ansät­ze unter­stüt­zen Fami­li­en dabei, ihre Bezie­hun­gen zu stär­ken und Kon­flik­te kon­struk­tiv zu lösen.

Leit­li­ni­en und Konzepte

Kon­struk­ti­on und Dekon­struk­ti­on von Problemen

Sys­te­mi­sche Bera­tung unter­schei­det zwi­schen pro­blem­de­ter­mi­nier­ten und lösungs­ori­en­tier­ten Sys­te­men. Wäh­rend pro­blem­de­ter­mi­nier­te Sys­te­me sich um das Pro­blem her­um orga­ni­sie­ren und in der Ver­gan­gen­heit ver­haf­tet blei­ben, fokus­sie­ren sich lösungs­ori­en­tier­te Sys­te­me auf zukünf­ti­ge Mög­lich­kei­ten und nut­zen Tech­ni­ken wie zir­ku­lä­res Fra­gen und Gedan­ken­ex­pe­ri­men­te, um Ver­än­de­run­gen anzu­re­gen (vgl. Schlip­pe und Schweit­zer, 2016).

Lösungs­ori­en­tier­te Kurztherapie

Die lösungs­ori­en­tier­te Kurz­the­ra­pie nach de Shazer und Berg basiert auf der Annah­me, dass „Pro­blem­ge­sprä­che Pro­ble­me schaf­fen, Lösungs­ge­sprä­che jedoch Lösun­gen schaf­fen“. Die­se Metho­de betont die Res­sour­cen- und Lösungs­ori­en­tie­rung und nutzt Tech­ni­ken wie die Wun­der­fra­ge und das Exter­na­li­sie­rungs­kon­zept, um Klient*innen dabei zu unter­stüt­zen, ihre Pro­ble­me aus einer neu­en Per­spek­ti­ve zu betrachten.

Nar­ra­ti­ver Ansatz

Der nar­ra­ti­ve Ansatz in der sys­te­mi­schen Bera­tung nutzt Erzäh­lun­gen, um Ein­bli­cke in sys­tem­in­ter­ne Dyna­mi­ken zu gewin­nen. Durch die Exter­na­li­sie­rung von Pro­ble­men kön­nen Klient*innen ihre Erfah­run­gen auf exter­ne Figu­ren über­tra­gen und so neue Hand­lungs­mög­lich­kei­ten ent­de­cken. Die­ser Ansatz ermög­licht es, Pro­ble­me von der Iden­ti­tät der Per­son zu tren­nen und Beschrei­bungs­mus­ter zu verstören.

Reflek­tie­ren­des Team

Das reflek­tie­ren­de Team nach Ander­sen ermög­licht den offe­nen Aus­tausch von Refle­xio­nen und Sicht­wei­sen. Wäh­rend die Therapeut*innen ihre Gedan­ken mit­ein­an­der tei­len, hört das Sys­tem zu und ent­wi­ckelt neue Per­spek­ti­ven. Die­ser Ansatz ver­mei­det Fach­aus­drü­cke und Schuld­zu­schrei­bun­gen und för­dert eine respekt­vol­le und wert­schät­zen­de Kommunikation.

Hal­tung, Sicht- und Vorgehensweise

Hal­tungs­aspek­te und Grundprinzipien

Die sys­te­mi­sche Bera­tung basiert auf Prin­zi­pi­en wie Neu­tra­li­tät, All­par­tei­lich­keit, Respekt und Wert­schät­zung. Sie betont die Trans­pa­renz und Offen­heit im Bera­tungs­pro­zess und för­dert eine respekt­vol­le Neu­gier­de gegen­über den Klient*innen. Der Fokus liegt auf den Res­sour­cen, Kom­pe­ten­zen und Lösun­gen, die im Kli­en­ten­sys­tem vor­han­den sind.

Kon­text-Abhän­gig­keit und Zirkularität

Sys­te­mi­sche Bera­tung geht davon aus, dass Ver­än­de­run­gen nur durch das Kli­en­ten­sys­tem selbst erfol­gen kön­nen. Sie berück­sich­tigt die Kon­text-Abhän­gig­keit, Zir­ku­la­ri­tät und Wech­sel­wir­kun­gen inner­halb des Sys­tems und för­dert ein ganz­heit­li­ches Denken.

Inter­ven­ti­ons­for­men

Zu den Inter­ven­ti­ons­for­men der sys­te­mi­schen Bera­tung gehö­ren die Kon­text- und Auf­trags­klä­rung, das sys­te­mi­sche Fra­gen, hypo­the­sen­be­glei­te­te Vor­ge­hens­wei­sen und das reflek­tie­ren­de Team. Die­se Metho­den unter­stüt­zen Klient*innen dabei, ihre Pro­ble­me aus neu­en Blick­win­keln zu betrach­ten und Lösun­gen zu entwickeln.

Mög­lich­kei­ten und Gren­zen in der Sozia­len Arbeit

Mög­lich­kei­ten

Die sys­te­mi­sche Per­spek­ti­ve ermög­licht es, die Auf­trags­la­ge und den Kon­text zu klä­ren, Res­sour­cen zu evo­zie­ren und Hypo­the­sen auf­zu­stel­len. Sie regt dazu an, bestehen­de Mus­ter zu ver­stö­ren und neue Lösun­gen zu ent­wi­ckeln, anstatt vor­schnell zu han­deln oder zu bewerten.

Gren­zen

Die sys­te­mi­sche Bera­tung stößt jedoch auch an Gren­zen, ins­be­son­de­re wenn es um die Berück­sich­ti­gung von Macht­di­men­sio­nen und sozia­len Unge­rech­tig­kei­ten geht. Sie kann blind für bestehen­de Hier­ar­chien und Herr­schafts­ver­hält­nis­se sein und ist mög­li­cher­wei­se nicht in allen Berei­chen der Sozia­len Arbeit anwend­bar, in denen Gesell­schafts­kri­tik und kon­kre­te sozia­le Unter­stüt­zung gefragt sind.

Fazit

Die sys­te­mi­sche The­ra­pie bie­tet wert­vol­le Ansät­ze für die Sozia­le Arbeit. Durch ihre kon­struk­ti­vis­ti­sche Grund­la­ge und den Fokus auf sozia­le Sys­te­me ermög­licht sie eine ganz­heit­li­che Betrach­tung von Pro­ble­men. Die Metho­den der sys­te­mi­schen Bera­tung, wie zir­ku­lä­res Fra­gen und lösungs­ori­en­tier­te Ansät­ze, unter­stüt­zen Klient:innen dabei, ihre Res­sour­cen zu akti­vie­ren und neue Hand­lungs­op­tio­nen zu ent­wi­ckeln. Sys­te­mi­sche Bera­tung bie­tet ein brei­tes Spek­trum an Anwen­dungs­mög­lich­kei­ten in ver­schie­de­nen Lebens­be­rei­chen. Sie för­dert eine respekt­vol­le und wert­schät­zen­de Kom­mu­ni­ka­ti­on und ermög­licht nach­hal­ti­ge Veränderungen.

In der Sozia­len Arbeit kann die sys­te­mi­sche Bera­tung dazu bei­tra­gen, bestehen­de Mus­ter zu durch­bre­chen und nach­hal­ti­ge Ver­än­de­run­gen zu för­dern. Sie ist beson­ders nütz­lich in der Arbeit mit Fami­li­en und in der Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lung, da sie die Kom­mu­ni­ka­ti­on und Dyna­mik inner­halb von Sys­te­men verbessert.

Aller­dings stößt die sys­te­mi­sche Bera­tung auch an Gren­zen, ins­be­son­de­re bei der Berück­sich­ti­gung von Macht­di­men­sio­nen und sozia­len Unge­rech­tig­kei­ten. Es ist wich­tig, die­se Aspek­te zu reflek­tie­ren und gege­be­nen­falls mit ande­ren Ansät­zen zu kom­bi­nie­ren, um eine umfas­sen­de Unter­stüt­zung zu gewährleisten.

Lite­ra­tur

Abels, H. (2019). Sys­tem: Wie das Sozia­le zusam­men­hängt und funk­tio­niert und wie es sich stän­dig selbst repro­du­ziert (Stu­di­en­tex­te zur Sozio­lo­gie). In H. Abels (Hrsg.), Ein­füh­rung in die Sozio­lo­gie: Band 1: Der Blick auf die Gesell­schaft (S. 191–229). Wies­ba­den: Sprin­ger Fach­me­di­en. https://doi.org/10.1007/978–3‑658–22472-1_7

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Kutz, A. (2020). Sys­te­mi­sche Hal­tung in Bera­tung und Coa­ching: Wie lösungs- und res­sour­cen­ori­en­tier­te Arbeit gelingt (essen­ti­als). Wies­ba­den: Sprin­ger Fach­me­di­en Wies­ba­den. https://doi.org/10.1007/978–3‑658–29686‑5

Lie­ser, C. (Hrsg.). (2014). Pra­xis­fel­der der sys­te­mi­schen Bera­tung. Sprin­ger Fach­me­di­en Wies­ba­den. https://doi.org/10.1007/978–3‑658–04738‑2

Schlip­pe, A. von, & Schweit­zer, J. (2016). Lehr­buch der sys­te­mi­schen The­ra­pie und Bera­tung I: Das Grund­la­gen­wis­sen. https://doi.org/10.13109/9783666401855 

Stumm, G., & Pritz, A. (Hrsg.). (2007). Wör­ter­buch der Psy­cho­the­ra­pie. Sprin­ger Vien­na. https://doi.org/10.1007/978–3‑211–70773‑9

Sydow, K. von & Borst, U. (Hrsg.). (2018). Sys­te­mi­sche The­ra­pie in der Pra­xis (1. Auf­la­ge.). Wein­heim Basel: Beltz. Ver­füg­bar unter: https://content-select.com/de/portal/media/view/5aa7b770-5534–4eb8-96b7-6955b0dd2d03