Reha­bi­li­ta­ti­on von Men­schen mit erwor­be­ner Hirnschädigung

Fra­ge­stel­lung: Wel­che Mög­lich­kei­ten der Reha­bi­li­ta­ti­on gibt es für Men­schen mit erwor­be­ner Hirn­schä­di­gung in einer Werk­statt für Men­schen mit Behinderungen?

Inhalts­ver­zeich­nis

  1. Ein­füh­rung
  2. Per­so­nen­kreis und Bedarfs­la­ge von Men­schen mit erwor­be­ner Hirnschädigung
  3. Per­zep­ti­on von erwor­be­ner Hirn­schä­di­gung in Werk­stät­ten für Men­schen mit Behinderungen
  4. Neu­ro­lo­gi­sche Grund­la­gen erwor­be­ner Hirnschädigung
  5. Inter­dis­zi­pli­nä­re Ansät­ze im Auf­ga­ben­feld erwor­be­ner Hirnschädigung
  6. Fazit
  7. Lite­ra­tur­ver­zeich­nis

Ein­füh­rung

Mit die­ser Arbeit sol­len die theo­re­ti­schen Hin­ter­grün­de für eine Reha­bi­li­ta­ti­on von Men­schen mit erwor­be­nen Hirn­schä­di­gun­gen in einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen aus­ge­wer­tet und dar­ge­stellt wer­den. Die Bio­gra­phien von erwach­se­nen Men­schen mit erwor­be­ner Hirn­schä­di­gung (MeH) unter­schei­den sich jedoch stark von Men­schen mit geis­ti­gen Beein­träch­ti­gun­gen (sie­he Speck, 2013, S. 147 ff.), deren Beein­träch­ti­gun­gen bereits zum Zeit­punkt der Geburt oder im frü­hen Kin­des­al­ter auf­ge­tre­ten sind, und stel­len ein­schnei­den­de Ereig­nis­se im Leben die­ser betrof­fe­nen Men­schen dar (vgl. Sei­del, 2013a, S. 8 f., vgl. 2013b, S. 17 ff.). Nicht nur der erwerbs­bio­gra­fi­sche Bruch, son­dern auch das Ver­mö­gen sei­nen All­tag selbst­be­stimmt zu bestrei­ten, ver­än­dern sich schlag­ar­tig. Die­ser plötz­li­che Ein­schnitt stellt die Betrof­fe­nen und ihre Fami­li­en, aber auch die Ein­rich­tung, in der Teil­ha­be am Arbeits­le­ben ermög­licht wer­den soll, vor beson­de­re Her­aus­for­de­run­gen (vgl. Bie­ker, 2013a, S. 29 f.; vgl. Fries, 2013, S. 43 ff.; vgl. Fries & Fischer, 2008, S. 269 f.; vgl. Nie­hoff, 2013a, S. 369).

In die­sem Pra­xis­trans­fer­pro­jekt soll ver­sucht wer­den, die diver­se Grup­pe von Men­schen mit erwor­be­nen Hirn­schä­di­gun­gen in ihren medi­zi­ni­schen Grund­la­gen zu erfas­sen und damit das Arbeits­feld mit Kooperationspartner*innen aus Medi­zin – Neu­ro­wis­sen­schaf­ten – und Reha­bi­li­ta­ti­ons­päd­ago­gik zu eröff­nen (sie­he Engel­hardt, 2012; sie­he Schul­ze, 2012; sie­he Zie­ger, 2012). Die Zusam­men­ar­beit von unter­schied­li­chen Akteu­ren zur För­de­rung der Par­ti­zi­pa­ti­on und Teil­ha­be am Arbeits­le­ben ist zen­tra­ler Bestand­teil der Arbeit einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen (WfbM) (vgl. Bie­ker, 2013b, S. 410 f.; vgl. Loe­ken & Win­disch, 2013, S. 65 f., S. 69; vgl. Trost, 2013a, S. 57 f.). Die theo­re­ti­schen Grund­la­gen und die aus dem aktu­el­len For­schungs­stand abge­lei­te­ten Emp­feh­lun­gen müs­sen im wei­te­ren For­schungs­ver­lauf mit den Gege­ben­hei­ten der Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen abge­gli­chen wer­den, um so Anknüp­fungs­punk­te für eine Arbeit mit MeH zu erschlie­ßen, aber auch kon­zep­tio­nel­le Wei­ter­ent­wick­lun­gen zu eröffnen.

In dem vor­lie­gen­den Bericht soll dem­nach ein Über­blick über die Reha­bi­li­ta­ti­on für Men­schen mit erwor­be­nen Hirn­schä­di­gung gege­ben wer­den, um die Fra­ge­stel­lung zu beant­wor­ten, wie eine Reha­bi­li­ta­ti­on von MeH in einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen ermög­licht wer­den kann. Dabei wird der Aus­gangs­punkt die­ser Arbeit die Per­zep­ti­on von klas­si­schen Werk­stät­ten für Men­schen mit geis­ti­gen und kör­per­li­chen Beein­träch­ti­gun­gen auf die Per­so­nen­grup­pe der MeH sein (sie­he Sei­del, 2013b). Die recht­lich und auf Ein­schrän­kun­gen der Teil­ha­be begrün­de­ten Ange­bo­te und Leis­tun­gen der WfbM (vgl. Trost, 2013b, S. 381 ff.) sind damit Grund­la­gen für mög­li­che Kon­zep­te für MeH und sol­len daher eben­falls dar­ge­stellt wer­den (vgl Fries, 2013, S. 43–38; vgl. Fries & Fischer, 2008, S. 271 ff.; vgl. Loe­ken & Win­disch, 2013, S. 14–17).

Die Grup­pe der Men­schen mit erwor­be­nen Hirn­schä­di­gun­gen ist divers. Dem Namen nach lässt sie sich aber auf schad­haf­te Ver­än­de­run­gen im Gehirn zurück­füh­ren. Des­halb sind neu­ro­lo­gi­sche Grund­la­gen für ein Ver­ständ­nis von erwor­be­nen Hirn­schä­di­gun­gen (eH) essen­zi­ell, um die unter­schied­li­chen For­men und Aus­prä­gun­gen sowie ihre Aus­wir­kun­gen zu ver­ste­hen (sie­he Engel­hardt, 2012). Erst damit kann ein Über­blick der ver­schie­de­nen Krank­heits­bil­der gewon­nen wer­den. Jedoch ist nicht nur das Krank­heits­bild divers und viel­schich­tig, son­dern auch das Arbeits­feld mit MeH ist kom­plex und inter­dis­zi­pli­när mit ver­schie­de­nen Akteu­ren aus unter­schied­li­chen Arbeits­dis­zi­pli­nen besetzt. Dabei spie­len unter ande­rem die Neu­ro­wis­sen­schaf­ten und die Reha­bi­li­ta­ti­ons­päd­ago­gik eine ent­schei­den­de Rol­le bei der Ver­sor­gung und Reha­bi­li­ta­ti­on (vgl. Kulig, 2013a, S. 306 f.) der betrof­fe­nen Men­schen (sie­he Schul­ze, 2012; sie­he Zie­ger, 2012).

Das Arbeits­feld und die unter­schied­li­chen Akteu­re bil­den die Basis für die ver­schie­dens­ten Ansät­ze in der Reha­bi­li­ta­ti­on von MeH. In einer spä­te­ren Arbeit sind die Pas­sung und die Mög­lich­kei­ten einer Umset­zung in den Werk­stät­ten zu unter­su­chen. Spe­zi­ell die Selbst­wahr­neh­mung und his­to­risch gewach­se­nen Struk­tu­ren von klas­si­schen WfbM, d.h. Werk­stät­ten für Men­schen mit geis­ti­gen und kör­per­li­chen Beein­träch­ti­gun­gen, wer­den hier­bei eine gro­ße Rol­le spie­len, um die Fra­ge zu beant­wor­ten, inwie­fern eine kon­zep­tio­nel­le Umset­zung zur För­de­rung der Par­ti­zi­pa­ti­on (vgl. Nie­hoff, 2013b, S. 262 f.) und Teil­ha­be am Arbeits­le­ben für MeH sich auf eine WfbM über­tra­gen lässt.

Per­so­nen­kreis und Bedarfs­la­ge von Men­schen mit erwor­be­ner Hirnschädigung

In jedem Lebens­al­ter kön­nen Men­schen von erwor­be­nen Hirn­schä­di­gun­gen betrof­fen sein, d.h. „Kin­der, Jugend­li­che, Erwach­se­ne im erwerbs­fä­hi­gen Alter und Erwach­se­ne im Lebens­ab­schnitt nach der Erwerbs­fä­hig­keit“ (sie­he Schmidt-Ohle­mann, 2013, S. 69). Unter­schied­li­che trau­ma­ti­sche und nicht-trau­ma­ti­sche Erkran­kun­gen und Ereig­nis­se kön­nen die Ursa­che für eine erwor­be­ne Hirn­schä­di­gung sein.

Schmidt-Ohle­mann (2013, S. 69) zählt dazu bspw. zere­bra­le Gefäß­er­kran­kun­gen, Schä­del-Hirn-Trau­ma­ta, zere­bra­le Hypo­xien, meta­bo­lisch-toxi­sche Schä­di­gun­gen, ent­zünd­li­che Erkran­kun­gen sowie Hirn­tu­mo­re. Aber auch chro­ni­sche-pro­gre­di­ent ver­lau­fen­de Krank­hei­ten, wenn sie das zen­tra­le Ner­ven­sys­tem betref­fen. Durch die Schä­di­gung blei­ben bei vie­len Men­schen „Beein­träch­ti­gun­gen auf der Ebe­ne der Funk­ti­on des Gehirns, der Akti­vi­tä­ten der Per­son und der sozia­len Teil­ha­be“ (ebd.) zurück, sodass nach der aku­ten Behand­lung und einer medi­zi­ni­schen Reha­bi­li­ta­ti­on die Ein­glie­de­rung in Gesell­schaft und Arbeits­le­ben ansteht. Dafür brau­chen die­se Men­schen oft dem Stö­rungs­bild ent­spre­chen­de Behand­lun­gen, aber auch Unter­stüt­zung, För­de­rung und Assis­tenz, um die Fol­gen der Hirn­schä­di­gung zu mildern.

Zu den Fol­gen gehö­ren unter ande­rem ver­schie­de­ne Funk­ti­ons­stö­run­gen, aber auch neu­ro­psy­cho­lo­gi­sche Syn­dro­me. Schmidt-Ohle­mann (2013, S. 70) und Sei­del (2013a, S. 4f.) zäh­len dazu bspw.:

  • Funk­ti­ons­stö­run­gen:
    • Stö­run­gen der Spra­che und des Sprechens
    • moto­ri­sche Funk­ti­ons­stö­run­gen und Stö­run­gen der Koordination
    • sen­so­ri­sche Funktionsstörungen
    • kogni­ti­ve und mnes­ti­sche Funktionsstörungen
    • emo­tio­na­le und moti­va­tio­na­le Funktionsbeeinträchtigungen
    • epi­lep­ti­sche Anfälle
    • orga­nisch beding­te Per­sön­lich­keits- und Verhaltensänderungen
    • Stö­run­gen sexu­el­ler Funktionen
    • Schlaf­stö­run­gen
    • Dys­re­gu­la­ti­on vege­ta­ti­ver Funktionen
    • Chro­ni­sche Schmerzsyndrome
    • feh­len­de Krankheitseinsicht
  • neu­ro­psy­cho­lo­gi­sche Syndrome
    • zere­bra­le Sehstörungen
    • Stö­run­gen räum­li­cher Leistungen
    • Stö­run­gen von Auf­merk­sam­keit und Bewusstsein
    • Negle­ct-Phä­no­me­ne
    • Lern- und Gedächtnisstörungen
    • Fron­tal­hirn­syn­dro­me mit Fol­gen im Verhalten
    • Agno­sie
    • Lei­tungs­stö­run­gen
    • Dis­kon­nek­ti­ons­syn­dro­me
    • Ori­en­tie­rungs­stö­run­gen
    • dys­exek­ti­ve Störungen

Um die Beein­träch­ti­gun­gen zu mil­dern und noch vor­han­de­ne Fähig­kei­ten und Res­sour­cen als Aus­gangs­punkt einer ver­än­der­ten Lebens­stra­te­gie zu nut­zen und zu för­dern, erge­ben sich für MeH beson­de­re Bedar­fe, damit sie ihre Teil­ha­be an der Gesell­schaft und am Arbeits­le­ben rea­li­sie­ren kön­nen. Nach Schmidt-Ohle­mann (2013, S. 71) gehö­ren zu den Bedar­fen von MeH:

  • Ange­bo­te und The­ra­pien und Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung (Krank­heit)
  • Ange­bo­te der Pfle­ge (Pfle­ge­be­dürf­tig­keit)
  • Ange­bo­te der medi­zi­ni­schen, schu­li­schen, beruf­li­chen und sozia­len Reha­bi­li­ta­ti­on (Beein­träch­ti­gung der Funktionsfähigkeit)
  • Leis­tun­gen zur Teil­ha­be an der Gesell­schaft samt Ein­glie­de­rungs­hil­fe (Teil­ha­be und Inklusion)
  • Leis­tun­gen zur Teil­ha­be am Arbeits­le­ben (Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit)
  • Geld­leis­tun­gen wie bspw. Ren­te oder Grund­si­che­rung (Exis­tenz­si­che­rung bei Erwerbsunfähigkeit)

Der Per­so­nen­kreis von MeH ist divers, eben­so divers wie das Bild ihrer Beein­träch­ti­gun­gen und dar­aus resul­tie­ren­den Bedar­fe. Im fol­gen­den Abschnitt sol­len des­halb die struk­tu­rel­len und sys­tem­im­ma­nen­ten Beson­der­hei­ten von WfbM geklärt wer­den. Als Ein­rich­tun­gen zur Teil­ha­be am Arbeits­le­ben ist die WfbM eine Mög­lich­keit für MeH, um ihrem Bedarf nach Arbeit und Beschäf­ti­gung zu ent­spre­chen. Aber auch WfbM sind his­to­risch gewach­se­ne Sys­te­me mit eige­nen Schwer­punk­ten und Gesetz­mä­ßig­kei­ten, die ihre Arbeit und damit auch die Mög­lich­kei­ten für die Rea­li­sie­rung einer Teil­ha­be am Arbeits­le­ben beein­flus­sen können.

Per­zep­ti­on von erwor­be­ner Hirn­schä­di­gung in Werk­stät­ten für Men­schen mit Behinderungen

Werk­stät­ten für Men­schen mit Behin­de­run­gen sind Ein­rich­tun­gen, die nach dem neun­ten Sozi­al­ge­setz­buch u.a. in §219 SGB IX gere­gelt sind (sie­he Mar­bur­ger, 2020, S. 164 f.). Sie sind kon­zi­piert als „[…] Einrichtung[en] der beruf­li­chen Reha­bi­li­ta­ti­on, die die Teil­ha­be behin­der­ter Men­schen am Arbeits­le­ben durch Ent­wick­lung und För­de­rung ihrer Leis­tungs- oder Erwerbs­fä­hig­keit sowie durch Wei­ter­ent­wick­lung ihrer Per­sön­lich­keit vor­be­rei­ten soll[en]“ (sie­he Bie­ker, 2013b, S. 410). Gleich­zei­tig fun­giert sie aber auch als Arbeits­stät­te für Men­schen mit Behin­de­run­gen, deren Ein­glie­de­rung auf den ers­ten „[…] Arbeits­markt nicht, noch nicht oder nicht wie­der mög­lich erscheint“ (ebd.). Für Men­schen, die nicht in eine WfbM auf­ge­nom­men wer­den kön­nen, besteht die Mög­lich­keit der Auf­nah­me in eine Tages­för­der­stät­te (vgl. West­ecker, 2013, S. 366). Der Pro­zess der beruf­li­chen Reha­bi­li­ta­ti­on in einer WfbM glie­dert sich in der Regel in ein drei­mo­na­ti­ges Ein­gangs­ver­fah­ren, in dem der För­der­be­darf erfasst und ers­te Zie­le und Maß­nah­men geplant wer­den, einen Berufs­bil­dungs­be­reich, in dem die zwei­jäh­ri­ge beruf­li­che Qua­li­fi­zie­rung statt­fin­det, und einen Arbeits­be­reich, der die Teil­ha­be am Arbeits­le­ben (sie­he Bie­ker, 2013a, S. 29 f.; sie­he Nie­hoff, 2013a, S. 369) über ein arbeit­neh­mer­ähn­li­ches Rechts­ver­hält­nis rea­li­siert. (vgl. Bie­ker, 2013b, S. 410 f.; vgl. Seyd, 2015, S. 151)

Die Anfän­ge der Werk­stät­ten für Men­schen mit Behin­de­run­gen in ihrer heu­ti­gen Gestalt las­sen sich auf die Dis­kus­sio­nen in der Nach­kriegs­zeit in den 1950er Jah­ren zurück­da­tie­ren. Durch Inter­es­sens­ver­bän­de, wie bspw. der Lebens­hil­fe e.V., wur­den neue Betreu­ungs­for­men und ‑struk­tu­ren außer­halb der Fami­li­en gefor­dert (vgl. Stör­mer, 2013, S. 157). In den 1970er Jah­ren der „Deka­de der Reha­bi­li­ta­ti­on“ wur­de der Grund­stein deutsch­land­weit durch das Akti­ons­pro­gramm des Bun­des zur För­de­rung der Reha­bi­li­ta­ti­on gelegt, wovon ins­be­son­de­re WfbM pro­fi­tiert haben (vgl. Seyd, 2015, S. 143). Aus den Wur­zeln der Werk­stät­ten in Inter­es­sens­ver­bän­den von Fami­li­en mit Kin­dern mit geis­ti­gen Behin­de­run­gen und der Ver­ste­ti­gung in den dar­auf­fol­gen­den Jah­ren lässt sich der his­to­risch gewach­se­ne Fokus erken­nen. Der Weg aus einer För­der­schu­le in eine Werk­statt wur­de zur Selbst­ver­ständ­lich­keit für vie­le Men­schen mit geis­ti­ger Behin­de­rung und been­de­te in den meis­ten Fäl­len damit auch die beruf­li­che Inte­gra­ti­on auf den all­ge­mei­nen Arbeits­markt (vgl. Bie­ker, 2013b, S. 410 f.; vgl. Trost, 2013a, S. 57 f.). Eine sich ver­ste­ti­gen­de Segre­ga­ti­on des Arbeits­mark­tes war die Fol­ge. Durch Ent­wick­lun­gen, wie bspw. der unter­stütz­ten Beschäf­ti­gung in den 80er Jah­ren, bra­chen die­se Ver­ste­ti­gun­gen lang­sam auf (vgl. Trost, 2013b, S. 381 ff.), wur­den aber gleich­zei­tig durch Umstruk­tu­rie­run­gen des Arbeits­mark­tes in den 90er Jah­ren und die fort­schrei­ten­de Digi­ta­li­sie­rung sowie den damit ein­her­ge­hen­den Anfor­de­run­gen in der heu­ti­gen Arbeits­welt wie­der zurück­ge­wor­fen (vgl. Seyd, 2015, S. 152). Auch heu­te noch lässt sich in den Zah­len über die Ver­tei­lung der Beein­träch­ti­gungs­for­men in WfbM der Schwer­punkt auf Men­schen mit geis­ti­gen Beein­träch­ti­gun­gen erken­nen. Im Jahr 2016 hat­ten nach Zah­len der Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft Werk­stät­ten für Behin­der­te Men­schen 75,89% der beschäf­tig­ten Mitarbeiter*innen (bMA) in einer WfbM eine geis­ti­ge Beein­träch­ti­gung, 3,39% der bMA eine kör­per­li­che Beein­träch­ti­gung und 20,72% der bMA eine psy­chi­sche Beein­träch­ti­gung (sie­he Röh, 2018, S. 126). Der Fokus der WfbM lässt sich sozi­al- und arbeits­markt­po­li­tisch nach­voll­zie­hen, doch die Fra­ge bleibt, ob die Bedürf­nis­se von Men­schen mit erwor­be­nen Hirn­schä­di­gun­gen mit den Bedürf­nis­sen von Men­schen mit geis­ti­gen und kör­per­li­chen Beein­träch­ti­gun­gen ein­her­ge­hen und mit den bestehen­den Struk­tu­ren auf­ge­fan­gen wer­den können.

Unter­schei­dung von geis­ti­ger Behin­de­rung und erwor­be­ner Hirnschädigung

Die Unter­schei­dung von Men­schen mit geis­ti­ger Behin­de­rung und Men­schen mit erwor­be­ner Hirn­schä­di­gung ist damit nicht nur eine sprach­li­che Spie­le­rei, son­dern soll als Aus­druck der unter­schied­li­chen Bedarfs­la­gen und Bedürf­nis­se von MeH und Men­schen mit geis­ti­ger Behin­de­rung (MgB) ver­stan­den sein. Oft wer­den die Bedarfs­la­gen und Bedürf­nis­se von MeH nicht aus­rei­chend erkannt und ver­stan­den (sie­he Sei­del, 2013a, S. 8 f.). Fol­gen sind eine unzu­rei­chen­de Ver­sor­gung, Beglei­tung und Unter­stüt­zung der Betrof­fe­nen und ihrer Angehörigen.

Nach Sei­del (2013b, S. 12) ist die geis­ti­ge Behin­de­rung oder auch Intel­li­genz­min­de­rung ein Sam­mel­be­griff für eine dia­gnos­ti­sche Kate­go­rie der bei­den Klas­si­fi­ka­ti­ons­sys­te­me „Dia­gno­stic and Sta­tis­ti­cal Manu­al for Men­tal Dis­or­ders“ (DSM) und „Inter­na­tio­nal Clas­si­fi­ca­ti­on of Dise­a­ses“ (ICD). Die bei­den Begrif­fe wur­den in den aktu­el­len eng­li­schen Revi­sio­nen der bei­den Klas­si­fi­ka­ti­ons­sys­te­me über­ar­bei­tet und im ICD-11-Sys­tem als „intellec­tu­al deve­lo­p­men­tal dis­or­ders“ sowie im DSM-V-Sys­tem als „intellec­tu­al disa­bi­li­ty“ beschrie­ben (sie­he Har­ris, 2013, S. 260). Die Begrif­fe wer­den heu­te im Kon­text der „peo­p­le first“-Bewegung in der Syn­tax „Men­schen mit …“ benutzt (sie­he Schir­b­ort, 2013, S. 266 f.; vgl. Theunis­sen, 2013, S. 237). In der deut­schen Dik­ti­on des ICD-11 und DSM‑V wer­den jedoch die Begrif­fe geis­ti­ge Behin­de­rung und Intel­li­genz­min­de­rung bei­be­hal­ten (sie­he May­er & Lutz, 2017). Dem­nach wird von Men­schen mit geis­ti­ger Behin­de­rung oder auch Men­schen mit einer Intel­li­genz­min­de­rung gesprochen.

Bei­den Defi­ni­tio­nen ist gemein, dass „[…] [ein] Intel­li­genz­quo­ti­en­ten (IQ) unter 70 [ange­nom­men] sowie wesent­li­che Ein­schrän­kun­gen in den Berei­chen der Kom­mu­ni­ka­ti­on, der lebens­prak­ti­schen Selbst­ver­sor­gung, der Haus­halt­füh­rung, der sozia­len und zwi­schen­mensch­li­chen Fer­tig­kei­ten, der Nut­zung von öffent­li­chen Ein­rich­tun­gen, der Selbst­be­stimmt­heit, der funk­tio­na­len Schul­leis­tung, der Arbeit, der Frei­zeit, Gesund­heit und der Beach­tung von eige­ner Sicher­heit als Merk­ma­le [gese­hen wer­den]. In bei­den Klas­si­fi­ka­ti­ons­sys­te­men wird das Auf­tre­ten der Stö­rung vor das 18. Lebens­jahr gelegt“ (sie­he Sei­del, 2013b, S. 12). Die unter­schied­li­chen Ursa­chen, wie gene­ti­sche Fak­to­ren, prä‑, peri- und post­na­ta­le Schä­di­gun­gen, haben dem­nach einen eher frü­hen bio­gra­fi­schen Fokus bis hin­ein ins Jugend­al­ter. (vgl. Sei­del, 2013b, S. 11 ff.)

Dem Sam­mel­be­griff erwor­be­ne Hirn­schä­di­gung liegt kei­ne dia­gnos­ti­sche Kate­go­rie zugrun­de (sie­he Sei­del, 2013b, S. 16). Ursa­chen sind trau­ma­ti­sche sowie nicht­trau­ma­ti­sche Schä­di­gun­gen des Gehirns, teils wer­den auch neu­ro­de­ge­nera­ti­ve Krank­hei­ten zu den erwor­be­nen Hirn­schä­di­gun­gen gezählt. Sie tre­ten nach der Geburt, in vie­len Fäl­len im Erwach­se­nen­al­ter als unter­schied­lich aus­ge­dehn­te und unter­schied­lich loka­li­sier­te Schä­di­gung der Hirn­struk­tu­ren und ‑funk­tio­nen auf. (vgl. Sei­del, 2013b, S. 16)

Der Ver­gleich der bei­den Sam­mel­be­grif­fe zeigt, dass sich geis­ti­ge Behin­de­rung und erwor­be­ne Hirn­schä­di­gung durch ihre bio­gra­fi­sche Per­spek­ti­ve unter­schei­den. Wäh­rend die geis­ti­ge Behin­de­rung eher im Kon­text Geburt und frü­her Kind­heit ver­or­tet wird, wird von einer erwor­be­nen Hirn­schä­di­gung erst nach der Geburt und im Kon­text spä­te­rer Kind­heit und Jugend gespro­chen. Der Fokus liegt jedoch auf dem Erwach­se­nen­al­ter. Zu den Beein­träch­ti­gun­gen geis­ti­ger Behin­de­rung gehö­ren u.a. intel­lek­tu­el­le und kogni­ti­ve Beein­träch­ti­gun­gen sowie Beein­träch­ti­gun­gen der All­tags­kom­pe­tenz. Men­schen mit erwor­be­nen Hirn­schä­di­gun­gen wei­sen vor allem kogni­ti­ve und mnes­ti­sche Beein­träch­ti­gun­gen auf. Die Ursa­chen und Schwe­re­gra­de sind für bei­de Beein­träch­ti­gungs­for­men unter­schied­lich und kön­nen unter­schied­lich aus­ge­prägt sein. Wäh­rend bei geis­ti­gen Behin­de­run­gen zusätz­li­che Erkran­kun­gen als Kom­or­bi­di­tä­ten auf­ge­fasst wer­den, spricht man im Kon­text erwor­be­ner Hirn­schä­den von einem kom­ple­xen Behin­de­rungs­bild. Der Ver­gleich zeigt, dass es einen sich über­lap­pen­den zeit­li­chen Bereich der bei­den Beein­träch­ti­gungs­for­men im Zeit­raum des Kin­des- und Jugend­al­ters gibt. Die Unter­schei­dung ist trotz­dem not­wen­dig, da erwor­be­ne Hirn­schä­di­gun­gen bei Kin­dern und Jugend­li­chen ande­re Beein­träch­ti­gun­gen auf­wei­sen als Beein­träch­ti­gun­gen bei Kin­dern, die schon vor dem bewuss­ten Leben eine geis­ti­ge Beein­träch­ti­gung haben. (vgl. Sei­del, 2013b, S. 17 ff.)

Im Zusam­men­hang mit der Unter­schei­dung von erwor­be­nen Hirn­schä­di­gun­gen und geis­ti­ger Behin­de­rung, ist der Begriff der beruf­li­chen Reha­bi­li­ta­ti­on von dem Begriff der beruf­li­chen Inte­gra­ti­on abzu­gren­zen. Die­se bei­den Begrif­fe wer­den oft syn­onym ver­wen­det, was aber gera­de in der Unter­schei­dung von geis­ti­gen Behin­de­run­gen (sie­he Speck, 2013, S. 147 ff.) und erwor­be­nen Hirn­schä­di­gun­gen (sie­he Sei­del, 2013b, S. 17 ff.) ver­wor­fen wer­den soll­te, um die bio­gra­fi­sche Per­spek­ti­ve nicht zu igno­rie­ren. Die­se ist das zen­tra­le Unter­schei­dungs­merk­mal für die Arbeit mit MeH. Nach Trost (2013a, S. 57) bezeich­net die beruf­li­che Inte­gra­ti­on „den Pro­zess des Über­gangs und der Ein­glie­de­rung eines Men­schen mit Behin­de­rung in ein Arbeits­ver­hält­nis auf dem all­ge­mei­nen Arbeits­markt“, wäh­rend die beruf­li­che Reha­bi­li­ta­ti­on die „Wie­der­ein­glie­de­rung bzw. (Re-)Integration eines vor­mals bereits beschäf­tig­ten, jedoch arbeits­los gewor­de­nen Arbeit­neh­mers mit Behin­de­rung“ bedeu­tet. Ins­be­son­de­re für Men­schen mit erwor­be­nen Hirn­schä­di­gun­gen trifft letz­te­re Defi­ni­ti­on auf­grund ihrer Bio­gra­fie und Krank­heits­ge­ne­se zu. Die Erin­ne­run­gen von MeH an ihre bio­gra­fi­schen Erfah­run­gen, Kom­pe­ten­zen und Erfol­ge sind Anknüp­fungs­punk­te der Betrof­fe­nen sowie ihrer Ange­hö­ri­gen und beein­flus­sen damit den Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­zess. Die Bio­gra­fie und der Zeit­punkt der Schä­di­gung ist damit nicht nur ein wich­ti­ges Unter­schei­dungs­merk­mal, son­dern auch Aus­gangs­punkt für die Bedarfs­la­gen und Bedürf­nis­se der Betrof­fe­nen und ihrer Ange­hö­ri­gen. Der Zeit­punkt in der Bio­gra­fie hat Aus­wir­kun­gen auf „die Iden­ti­tät, Kom­pe­ten­zen und Erwar­tun­gen der Betrof­fe­nen und auf die Anfor­de­run­gen an den Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­zess […]“ (sie­he Sei­del, 2013b, S. 18). (vgl. Sei­del, 2013b, S. 17 ff.)

Ein­schrän­kun­gen der Teil­ha­be bei Men­schen mit erwor­be­ner Hirnschädigung

Die Werk­stät­ten für Men­schen mit Behin­de­run­gen bie­ten Leis­tun­gen nach dem neu­en Sozi­al­ge­setz­buch an. Nur „Men­schen mit Behin­de­run­gen oder von Behin­de­rung bedroh­te Men­schen erhal­ten Leis­tun­gen nach die­sem Buch […]“ (§ 1 SGB IX). „Men­schen mit Behin­de­run­gen sind Men­schen, die kör­per­li­che, see­li­sche, geis­ti­ge oder Sin­nes­be­ein­träch­ti­gun­gen haben, die sie in Wech­sel­wir­kung mit ein­stel­lungs- und umwelt­be­ding­ten Bar­rie­ren an der gleich­be­rech­tig­ten Teil­ha­be an der Gesell­schaft […] hin­dern kön­nen“ (§ 2 SGB IX) (sie­he Mar­bur­ger, 2020, S. 77). Die Leis­tun­gen wer­den nach Fries (2013, S. 43) „unab­hän­gig von den Ursa­chen der Behin­de­rung“ erbracht. Zu den Auf­ga­ben und Zie­len der Leis­tun­gen zur Teil­ha­be nach § 4 SGB IX gehören:

„1. die Behin­de­rung abzu­wen­den, zu besei­ti­gen, zu min­dern, ihre Ver­schlim­me­rung zu ver­hü­ten oder ihre Fol­gen zu mil­dern,
2. Ein­schrän­kun­gen der Erwerbs­fä­hig­keit oder Pfle­ge­be­dürf­tig­keit zu ver­mei­den, zu über­win­den, zu min­dern oder eine Ver­schlim­me­rung zu ver­hü­ten sowie den vor­zei­ti­gen Bezug ande­rer Sozi­al­leis­tun­gen zu ver­mei­den oder lau­fen­de Sozi­al­leis­tun­gen zu min­dern,
3. die Teil­ha­be am Arbeits­le­ben ent­spre­chend den Nei­gun­gen und Fähig­kei­ten dau­er­haft zu sichern oder
4. die per­sön­li­che Ent­wick­lung ganz­heit­lich zu för­dern und die Teil­ha­be am Leben in der Gesell­schaft sowie eine mög­lichst selb­stän­di­ge und selbst­be­stimm­te Lebens­füh­rung zu ermög­li­chen oder zu erleich­tern.“ (sie­he Mar­bur­ger, 2020, S. 77 f.)

Der Teil­ha­be­be­griff im SGB IX ist an den Ter­mi­nus der Teil­ha­be aus der Behin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on ange­lehnt (vgl. Kulig, 2013b, S. 50) und ent­spricht damit dem bio-psycho-sozia­len Modell der Inter­na­tio­na­len Klas­si­fi­ka­ti­on der Funk­ti­ons­fä­hig­keit, Behin­de­rung und Gesund­heit (ICF) (vgl. Lind­mei­er, 2013, S. 175 ff.). Nach Lind­mei­er (2013, S. 175) beschreibt die ICF die gesund­heit­li­che Situa­ti­on als Ergeb­nis von Wech­sel­wir­kun­gen von sog. gesund­heits­zu­sam­men­hän­gen­den Domä­nen und Kon­text­fak­to­ren. Behin­de­rung ergibt sich damit aus den nega­ti­ven Zusam­men­hän­gen die­ser Wech­sel­wir­kun­gen. Fries (2013, S. 43 f.) nennt als Hin­der­nis­se und Bar­rie­ren für Teil­ha­be im Kon­text von erwor­be­nen Hirn­schä­di­gun­gen „die gestör­te oder beein­träch­tig­te Funk­ti­on der Per­son.“ Als per­so­nen­be­zo­ge­ne Kon­text­fak­to­ren nennt er „Krän­kun­gen des Selbst­ide­als, über­trie­be­ne oder sogar unrea­lis­ti­sche eige­ne Ziel­vor­ga­ben, die Beschä­mung über die eige­nen Insuf­fi­zi­en­zen, Angst und Depres­si­on.“ Zu den Umwelt­fak­to­ren zählt er „pro­ble­ma­ti­sche Rah­men­be­din­gun­gen struk­tu­rel­ler, sozia­ler und finan­zi­el­ler Art sowie Über- und Unter­für­sorg­lich­keit von Angehörigen […]“.

In einer Pilot­stu­die mit MeH (vgl. Fries & Fischer, 2008, S. 265) konn­te er für sei­ne Unter­su­chung zei­gen, dass die Stö­rung der Kör­per­funk­tio­nen mit 59% den größ­ten Teil einer Behin­de­rung aus­mach­te. Die Umwelt­fak­to­ren (15%) und per­so­nen­be­zo­ge­ne Fak­to­ren (26%) mach­ten zusam­men 41% aus. Jedoch konn­te auch gezeigt wer­den, dass wenn die Bedeu­tung der funk­tio­nel­len Fak­to­ren abnahm, die Bedeu­tung der Kon­text­fak­to­ren für die Beein­träch­ti­gung zunahm (vgl. Fries & Fischer, 2008, S. 270 f.). Als Bei­spiel wird von Fries (2013, S. 46) die Scham von Betrof­fe­nen ange­führt, da sie sich als Abwei­chung von einer selbst gesetz­ten oder ver­mu­te­ten gesell­schaft­li­chen Norm wahr­neh­men. Die­se Scham kann Betrof­fe­ne in ihren Akti­vi­tä­ten hem­men und sie in ihrer Ent­fal­tung stop­pen. Die­se Beein­träch­ti­gung kann schwe­rer wie­gen als die Ein­schrän­kun­gen der Kör­per­funk­tio­nen und damit ein grö­ße­rer Fak­tor für eine Behin­de­rung sein als die eigent­li­chen funk­tio­nel­len Defizite.

Der Ein­fluss der Kon­text­fak­to­ren zeigt, dass eine Reha­bi­li­ta­ti­on, die sich nur auf funk­tio­nel­le Defi­zi­te kon­zen­triert, kei­nen nach­hal­ti­gen Erfolg ver­zeich­nen wird. Viel­mehr müs­sen hem­men­de und för­der­li­che Kon­text­fak­to­ren mit in einen Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­zess mit ein­be­zo­gen wer­den, um ihn effek­tiv und effi­zi­ent zu gestal­ten. Als för­dern­de Fak­to­ren wer­den von Fries (2013, S. 45) bspw. „Resi­li­enz, Zuver­sicht, Selbst­kon­zept, Fle­xi­bi­li­tät oder auch Anpas­sungs­fä­hig­keit und Humor“ ange­führt. Als Indi­ka­tor für wirk­sa­me Reha­bi­li­ta­ti­on führt Fries (2013, S. 47) des­halb an, die­se „dar­an zu mes­sen, in wel­chem Maß die erwor­be­nen Ver­bes­se­run­gen tat­säch­lich im All­tag und im wirk­li­chen sozia­len Umfeld für den Pati­en­ten nutz­bar sind, genutzt wer­den und auch lang­dau­ernd nutz­bar bleiben.“

Die WfbM sind Ein­rich­tun­gen für die Teil­ha­be am Arbeits­le­ben und aus den Bedarfs­la­gen und Bedürf­nis­sen von Men­schen mit geis­ti­gen Behin­de­run­gen erwach­sen. Auch heu­te noch domi­niert die­se Grup­pe von Men­schen mit Beein­träch­ti­gun­gen die Land­schaft der WfbM und zeigt damit den immer noch vor­herr­schen­den Fokus auf ihren Bedürf­nis­sen. Auch wenn die Beein­träch­ti­gun­gen von Men­schen mit Behin­de­run­gen und Men­schen mit Hirn­schä­di­gun­gen sich teils über­schnei­den und auch ihre Ent­ste­hun­gen in der Bio­gra­phie der Betrof­fe­nen zeit­li­che Über­schei­dun­gen haben, zeigt sich aber genau in der Bio­gra­phie, die Men­schen mit erwor­be­nen Hirn­schä­di­gun­gen mit in die WfbM brin­gen, der gro­ße Unter­schied. Ihre Bedarfs­la­gen und Bedürf­nis­se sind nicht mit den WfbM gewach­sen und konn­ten sich dort nicht ver­ste­ti­gen. Dar­über hin­aus brin­gen sie ihre eige­nen bio­gra­fi­schen Beson­der­hei­ten mit. Sie waren in der Regel ein Teil des all­ge­mei­nen Arbeits­mark­tes, in dem sie Erfah­run­gen, Kom­pe­ten­zen und Erfol­ge sam­mel­ten. Aus die­sem Sys­tem fie­len sie her­aus, ihre Erwar­tun­gen an ein Berufs­le­ben blei­ben bei ihnen und ihren Ange­hö­ri­gen jedoch die Glei­chen. Reha­bi­li­ta­ti­on zur Teil­ha­be am Arbeits­le­ben heißt in die­sem Zusam­men­hang auch, dass sie und ihre Ange­hö­ri­gen ler­nen, sich in der neu­en Situa­ti­on zurecht­zu­fin­den. Denn nicht allein die Schä­di­gung des Gehirns als gestör­te Kör­per­funk­ti­on darf Teil eines Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­zes­ses sein, son­dern auch die per­so­nen­be­zo­ge­nen und umwelt­be­zo­ge­nen Kon­tex­te müs­sen berück­sich­tigt wer­den, um eine wirk­sa­me Teil­ha­be zu erreichen.

Um die Bedarfs­la­ge und Bedürf­nis­se von MeH zu erfas­sen, wer­den im wei­te­ren Ver­lauf die­ser Arbeit die medi­zi­nisch-neu­ro­lo­gi­schen Grund­la­gen sowie For­men und Fol­gen der Schä­di­gun­gen geklärt. Außer­dem wird ein Ein­blick in die neu­ro­bio­lo­gi­schen und neu­ro­psy­cho­lo­gi­schen Grund­la­gen der Reha­bi­li­ta­ti­on gege­ben, um ein grund­le­gen­des Ver­ständ­nis für die Reha­bi­li­ta­ti­on und ihre Schwer­punk­te zu legen.

Neu­ro­lo­gi­sche Grund­la­gen erwor­be­ner Hirnschädigung

Das Gehirn ist das zen­tra­le Organ für die Ver­ar­bei­tung von Rei­zen aus unse­rer Umwelt. Bewuss­tes Den­ken, Füh­len und Han­deln sind nur über ein funk­tio­nie­ren­des Gehirn rea­li­sier­bar. Bewuss­te und reflek­tier­te Pro­zes­se machen nur einen klei­nen Teil der Ver­ar­bei­tung in unse­rem Gehirn aus. Sie sind jedoch essen­zi­ell für die Wahr­neh­mung der Iden­ti­tät und der eige­nen Bio­gra­fie. Erwor­be­ne Hirn­schä­di­gun­gen stel­len damit einen Bruch in unse­rer Bio­gra­fie und in der Inter­ak­ti­on mit unse­rer Umwelt dar. (vgl. Engel­hardt, 2012, S. 13)

Bei einer Hirn­schä­di­gung ster­ben Ner­ven­zel­len ab und ver­lie­ren damit ihre Funk­ti­on. Die­ser Ver­lust ist gra­vie­rend für den mensch­li­chen Orga­nis­mus, da die Ner­ven­zel­len nur noch in sehr begrenz­tem Aus­maß dazu in der Lage sind sich zu tei­len und zu ver­meh­ren. Die Grund­la­ge für eine Wie­der­her­stel­lung von Hirn­funk­tio­nen liegt des­halb pri­mär in der Neu­ro­plas­ti­zi­tät des Gehirns. Die Neu­ro­plas­ti­zi­tät ist eine Fähig­keit des Gehirns, die auch bei Men­schen ohne eine Hirn­schä­di­gung vor­han­den ist. Sie ist die Grund­la­ge für die Fähig­keit, ein Leben lang zu ler­nen. Dies wird nicht etwa durch die Neu­bil­dung von Ner­ven­zel­len rea­li­siert, son­dern über die Neu­bil­dung von Ver­bin­dun­gen zwi­schen bereits exis­tie­ren­den Ner­ven­zel­len. Durch die­se Fähig­keit kön­nen sich Hirn­struk­tu­ren umor­ga­ni­sie­ren und an ver­än­der­te Bedin­gun­gen anpas­sen. Damit eine sol­che lang­jäh­ri­ge Reha­bi­li­ta­ti­on gelin­gen kann, braucht es ent­spre­chen­de neu­ro­re­ha­bi­li­ta­ti­ve Maß­nah­men. (vgl. Engel­hardt, 2012, S. 14)

Epi­de­mio­lo­gie erwor­be­ner Hirnschädigungen

Die Neu­ro­re­ha­bi­li­ta­ti­on war bis zur Jahr­tau­send­wen­de durch die Erkennt­nis­se aus den Hirn­ver­let­zung der bei­den Welt­krie­ge (vgl. From­melt, 2010, S. 44–50) und die Zunah­me von Ver­kehrs­un­fäl­len durch trau­ma­ti­sche Ereig­nis­se geprägt. Heut­zu­ta­ge zeigt sich jedoch ein Wech­sel mit abneh­men­der Zahl von bspw. Schä­del-Hirn-Trau­ma­ta durch Unfäl­le im Stra­ßen­ver­kehr und einem Anstieg von Stür­zen im hei­mi­schen Umfeld, eben­so neh­men Hirn­schä­di­gun­gen durch Schlag­an­fäl­le und Demenz zu. Die­se Ent­wick­lung geht mit der altern­den Gesell­schaft ein­her und wird sich auch in den kom­men­den Jah­ren fort­set­zen. Ledig­lich für Män­ner unter 45 Jah­ren trifft die­se Ent­wick­lung nicht zu. In ihrer Alters­grup­pe sind Trau­ma­ta immer noch die vor­herr­schen­de Ursa­che für Hirn­schä­di­gun­gen. (vgl. Engel­hardt, 2012, S. 14 f, 18)

Nach Sün­ke­l­er (2010, S. 58) ist die häu­figs­te neu­ro­lo­gi­sche Neu­erkran­kung, Inzi­denz, die zu einer schwe­ren Behin­de­rung füh­ren kann das Schä­del-Hirn-Trau­ma mit einer Inzi­denz von 280 Fäl­len pro 100.000 Einwohner*innen und einer Prä­va­lenz der Behin­de­rung von 160–200 Betrof­fe­nen pro 100.000 Einwohner*innen. Nur bei Schlag­an­fäl­len liegt die Prä­va­lenz, Gesamt­an­zahl der Erkran­kun­gen, höher. Für Schlag­an­fäl­le wird eine Inzi­denz von 200 Fäl­len pro 100.000 Einwohner*innen und eine Prä­va­lenz von 320 Fäl­len pro 100.000 Einwohner*innen angegeben.

Hirn­schä­di­gun­gen las­sen sich anhand ihrer Stö­run­gen dif­fe­ren­zie­ren und loka­li­sie­ren. So kön­nen sie einen Teil des Gehirns betref­fen oder das gesam­te Gehirn. Im ers­ten Fall wird von foka­len Hirn­schä­di­gun­gen gespro­chen. Sie las­sen einen Rück­schluss auf die Loka­li­sa­ti­on der Hirn­schä­di­gung zu. In letz­te­rem Fall wird von dif­fu­sen Hirn­schä­di­gun­gen gespro­chen. Dif­fu­se Hirn­schä­di­gun­gen las­sen kei­ne Rück­schlüs­se auf eine bestimm­te Loka­li­sa­ti­on zu, da das gesam­te Gehirn von der Schä­di­gung betrof­fen ist und immer mit einer schwe­ren Schä­di­gung zu rech­nen ist. Foka­le Hirn­schä­di­gun­gen der lin­ken Groß­hirn­hälf­te kön­nen zu Sprach­stö­run­gen und Läh­mun­gen der rech­ten Kör­per­sei­te füh­ren. Wäh­rend Schä­den auf der rech­ten Hirn­hälf­te zu einer Ver­nach­läs­si­gung der lin­ken Kör­per­hälf­te, Negle­ct, oder auch einer Agno­sie füh­ren kön­nen. Schä­den am Hirn­haupt­lap­pen füh­ren zu Gesichts­feld­ein­schrän­kun­gen nach der Gegen­sei­te und Schä­den am Scheitel­lap­pen zu Sen­si­bi­li­täts­ver­lust oder auch Hand­lungs­stö­run­gen. Schä­den am Tem­po­ral­lap­pen mit Schä­di­gun­gen am Hip­po­cam­pus füh­ren zu Gedächt­nis­stö­run­gen. Zu unkon­trol­lier­ten Bewe­gun­gen oder auch Tie­fen­sen­si­bi­li­täts­stö­run­gen füh­ren Klein­hirn­schä­di­gun­gen. Sind die auf- und abstei­gen­den Lei­tungs­bah­nen betrof­fen, kön­nen Läh­mungs­er­schei­nun­gen oder Sen­si­bi­li­täts­stö­run­gen einer oder bei­der Kör­per­hälf­ten die Fol­ge sein. Foka­le Schä­den am Hirn­stamm sind beson­ders risi­ko­reich, da es zu tie­fer Bewusst­lo­sig­keit, Läh­mung aller Extre­mi­tä­ten oder auch Atem­still­stand kom­men kann. Dif­fu­se Hirn­schä­di­gun­gen sind bspw. eine Fol­ge von Sau­er­stoff­man­gel, Stoff­wech­sel­stö­run­gen, dia­be­ti­schem Koma auf­grund von Unter­zu­cke­rung, Leber- und Nie­ren­schä­den, Ver­gif­tun­gen, Ent­zün­dun­gen des Gehirns, schwe­ren Schä­del-Hirn-Trau­ma­ta oder auch Gefäß­er­kran­kun­gen des Gehirns. Die Fol­ge von schwe­ren Schä­di­gun­gen im Groß- oder Stamm­hirn kön­nen bis zum Koma füh­ren. Epi­lep­sien sind die Fol­ge von Hirn­schä­di­gun­gen der Groß­hirn­rin­de. (vgl. Engel­hardt, 2012, S. 16 ff.)

Die Neu­ro­psy­cho­lo­gie unter­sucht die „Bezie­hung zwi­schen patho­lo­gi­schen Zustän­den und Funk­tio­nen des Gehirns und psy­cho­lo­gi­schen Grund­funk­tio­nen“ (sie­he Schoof-Tams, 2013, S. 20). Neu­ro­psy­cho­lo­gi­sche Stö­run­gen, die bei einer erwor­be­nen Hirn­schä­di­gung auf­tre­ten kön­nen sind Stö­run­gen der Kogni­ti­on, des Erle­bens, Sozi­al­ver­hal­tens und der Per­sön­lich­keit, wobei die Stö­run­gen der Kogni­ti­on und des Erle­bens die Letz­te­ren bedin­gen. Zu den häu­figs­ten Stö­run­gen der Kogni­ti­on gehö­ren Stö­run­gen der visu­el­len Wahr­neh­mung, wie bspw. Gesichts­feld­de­fek­te, und Stö­run­gen der Auf­merk­sam­keit, wobei die­se sich viel­schich­tig aus­prä­gen kön­nen. So kann etwa die all­ge­mei­ne Reak­ti­ons­be­reit­schaft oder auch die Fähig­keit zur Fokus­sie­rung der Auf­merk­sam­keit betrof­fen sein, wodurch es bspw. zu Gedächt­nis­stö­run­gen kom­men kann. Genau­so kön­nen aber auch die Dau­er und Kapa­zi­tät sowie die räum­li­che Aus­rich­tung der Auf­merk­sam­keit in Form eines Negle­cts betrof­fen sein. Dif­fu­se Schä­di­gun­gen betref­fen ins­be­son­de­re Exe­ku­tiv­funk­tio­nen, d.h. die Initi­ie­rung von Hand­lun­gen, das Arbeits­ge­dächt­nis, die Auf­merk­sam­keits­kon­trol­le, logi­sches Den­ken, Hand­lungs­pla­nung und ‑kon­trol­le sowie die Kon­trol­le der Wahrnehmungs‑, Gedächt­nis- und moto­ri­schen Pro­zes­se und Affek­te sowie letzt­lich die Stö­rungs­ein­sicht. (vgl. Schoof-Tams, 2013, S. 20 ff.)

Neu­ro­bio­lo­gi­sche Grund­la­gen der Plas­ti­zi­tät des Gehirns

Die Plas­ti­zi­tät des Gehirns oder auch Neu­ro­plas­ti­zi­tät beschreibt einen Mecha­nis­mus der Reor­ga­ni­sa­ti­on von Hirn­funk­tio­nen. Sie ist der grund­le­gen­de Mecha­nis­mus, der in der Neu­ro­re­ha­bi­li­ta­ti­on genutzt wird. Wie genau die Reor­ga­ni­sa­ti­on funk­tio­niert ist noch nicht end­gül­tig geklärt, aber die bis­he­ri­gen Ergeb­nis­se zei­gen ein mul­ti­fak­to­ri­el­les Gesche­hen, das in nicht gerin­gem Maß von psy­cho­so­zia­len und Umwelt­fak­to­ren beein­flusst wird. (vgl. Ende-Hen­ningsen & Hen­ningsen, 2010, S. 68)

Im Rah­men von Hirn­schä­di­gun­gen las­sen sich bspw. Dia­schi­sis-Phä­no­me­ne beob­ach­ten, d.h. durch die Schä­di­gung sind auch ent­fernt loka­li­sier­te Area­le funk­tio­nell betrof­fen. Die beein­träch­tig­ten Area­le erho­len sich aber wie­der im wei­te­ren Ver­lauf. So beruht bspw. die funk­tio­nel­le Ver­schie­bung von kor­ti­ka­len Reprä­sen­ta­ti­ons­fel­dern auf der Red­un­danz. Bis­her nicht benutz­te, aber vor­han­de­ne neu­ro­na­le Ver­bin­dun­gen wer­den im Gehirn akti­viert, wenn die ursprüng­li­che neu­ro­na­le Ver­schal­tung nicht mehr funk­tio­niert. Aber auch neue syn­ap­ti­sche Ver­bin­dun­gen kön­nen gebil­det wer­den. Das sog. Sprou­ting beschreibt, wie Ner­ven­zel­len nach einem Trau­ma dazu pro­gram­miert sind, ihre ursprüng­li­chen den­dri­ti­schen und axo­na­len Endi­gun­gen wie­der­her­zu­stel­len. Ins­be­son­de­re neu­ro­na­le Wachs­tums­fak­to­ren sind an die­sem Pro­zess betei­ligt. Dies sind Sub­stan­zen, die ein Ner­ven­wachs­tum indu­zie­ren und spe­zi­ell bei der Aus­bil­dung von syn­ap­ti­schen Ver­bin­dun­gen und der neu­ro­na­len Plas­ti­zi­tät aus­ge­schüt­tet wer­den. Unter­su­chun­gen haben gezeigt, wie kör­per­li­ches Trai­ning die Pro­duk­ti­on die­ser neu­ro­na­len Fak­to­ren sti­mu­lie­ren kann. Beson­ders das Sprou­ting scheint für die Plas­ti­zi­tät ent­schei­dend zu sein, da die syn­ap­ti­schen Ver­bin­dun­gen wich­tig für die Regu­la­ti­on der Erre­gungs­lei­tung sind. (vgl. Ende-Hen­ningsen & Hen­ningsen, 2010, S. 69–74)

Neue­re Erkennt­nis­se legen nahe, dass der ange­nom­me­ne post­mito­ti­sche Zustand, also der kom­plet­te Ver­lust der Tei­lungs­fä­hig­keit der Ner­ven­zel­len, nicht für alle Hirn­re­gio­nen gilt, da in bestimm­ten Regio­nen wie dem Hip­po­cam­pus lebens­lang neu­ro­na­le Stamm­zel­len zu fin­den sind, die sich tei­len kön­nen und auch zu ande­ren Area­len wan­dern kön­nen, um sich dort aus­zu­dif­fe­ren­zie­ren. Aber nicht nur die neu­ro­bio­lo­gi­sche Kom­po­nen­te hat Ein­fluss auf eine auf Neu­ro­plas­ti­zi­tät basie­ren­de The­ra­pie. Aus empi­ri­schen Beob­ach­tun­gen zeigt sich seit lan­gem, dass per­sön­li­che Fak­to­ren, wie Moti­va­ti­on, selbst­ge­steck­te Zie­le, sozia­le Kon­tak­te, beruf­li­che und pri­va­te Inter­es­sen, Selbst­stän­dig­keit in den All­tags­ak­ti­vi­tä­ten einen posi­ti­ven Ein­fluss auf das The­ra­pie­ge­sche­hen haben kön­nen. Umwelt und per­so­nen­be­zo­ge­ne Fak­to­ren haben im Sin­ne von Kon­text­fak­to­ren eine ent­schei­den­de Rol­le für die Wirk­sam­keit. (vgl. Cic­cia & Thre­ats, 2015; vgl. Ende-Hen­ningsen & Hen­ningsen, 2010, S. 76)

Hirn­schä­di­gun­gen im Kon­text von Iden­ti­tät und Biografie

Hirn­schä­di­gun­gen haben einen nicht uner­heb­li­chen Ein­fluss auf die Iden­ti­tät und die Bio­gra­fie der Betrof­fe­nen, da Hirn­schä­di­gun­gen von ihnen als Brü­che im eige­nen Leben wahr­ge­nom­men wer­den. Iden­ti­tät und Bio­gra­fie wie­der­um haben einen Ein­fluss auf die Bewäl­ti­gungs­pro­zes­se und damit auf Akti­vi­tät und Par­ti­zi­pa­ti­on. (vgl. Luci­us-Hoe­ne & Nerb, 2010, S. 94)

Iden­ti­tät lässt sich als „akti­ve psy­chi­sche Syn­the­ti­sie­rungs- oder Inte­gra­ti­ons­leis­tung“ (sie­he Luci­us-Hoe­ne & Nerb, 2010, S. 94) beschrei­ben, mit der sich Indi­vi­du­en ihrer Kon­ti­nui­tät und Kohä­renz ver­ge­wis­sern. Sie sind die Vor­aus­set­zung für Hand­lungs- und Inter­ak­ti­ons­fä­hig­kei­ten und stel­len damit die Vor­aus­set­zung für per­sön­li­che Auto­no­mie. Iden­ti­tät setzt sich aus per­sön­li­chen Eigen­schaf­ten und Fähig­kei­ten, Zuge­hö­rig­keit zu Grup­pen, sozia­len Rol­len und poli­ti­schen oder mora­li­schen Wert­hal­tun­gen zusam­men. Damit ist sie die Basis für sozia­le Ver­läss­lich­keit in Form einer ver­läss­li­chen Iden­ti­tät, die in unse­rem Kul­tur­raum als wich­ti­ger Bestand­teil der Per­sön­lich­keit gese­hen wird. Hirn­schä­den wer­den des­halb „als beson­ders per­sön­lich­keits­re­le­vant und ich-nah erlebt, weil sie iden­ti­täts­re­le­van­te Eigen­schaf­ten und Fähig­kei­ten in Mit­lei­den­schaft zieht und gleich­zei­tig das für die psy­chi­sche Bewäl­ti­gung wich­tigs­te Organ beeinträchtig[en]“ (sie­he Luci­us-Hoe­ne & Nerb, 2010, S. 95). (vgl. Luci­us-Hoe­ne & Nerb, 2010, S. 94 f.)

Die Iden­ti­täts­ar­beit ist in drei Dimen­sio­nen von den Aus­wir­kun­gen der Hirn­schä­di­gun­gen betrof­fen. Sie wir­ken sich auf die zeit­li­che, refle­xi­ve und sozia­le Dimen­si­on der Kon­ti­nui­tät und Kohä­renz aus. In der zeit­li­chen Dimen­si­on geht es um das „Gewor­den­sein“ (sie­he Luci­us-Hoe­ne & Nerb, 2010, S. 95) also die eige­ne aktu­el­le Situa­ti­on in der Retro­spek­ti­ve zum Ver­gan­ge­nen und als Aus­gangs­punkt für eine Pro­jek­ti­on in die Zukunft. Durch Hirn­schä­den ent­ste­hen hier Kon­ti­nui­täts­brü­che und Lücken für die Betrof­fe­nen. In der refle­xi­ven Dimen­si­on geht es um das „Selbst­ver­ständ­nis und die Selbst­ver­ge­wis­se­rung“ (ebd.), d.h. die eige­ne Wahr­neh­mung und Selbst­bil­der spie­len hier eine Rol­le. Im Zusam­men­hang mit Hirn­schä­di­gun­gen ist hier die man­geln­de Krank­heits­ein­sicht eine wich­ti­ger Fak­tor. Die Erkran­kung muss von den Indi­vi­du­en selbst­re­fle­xiv bewäl­tigt wer­den. In der sozia­len Dimen­si­on geht es um die „sozia­le Aus­hand­lung“ (ebd.). Damit ist dem Umstand Rech­nung getra­gen, dass auch Iden­ti­tät sich in sozia­ler Inter­ka­ti­on durch Aner­ken­nung ande­rer Men­schen formt und ein wich­ti­ger Fak­tor in sozia­len Bezie­hun­gen ist. Durch Hirn­schä­di­gun­gen kann die Wahr­neh­mung und damit die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit selbst gestört wer­den. Rück­zug, Ängs­te und Kon­flik­te kön­nen die Fol­ge sein. Ob MeH eine Iden­ti­täts­kri­se durch­lau­fen müs­sen, hängt stark von der Loka­li­sa­ti­on der Hirn­schä­di­gung und dem Umfang der Beein­träch­ti­gung ab. Dabei kön­nen weni­ger stark Betrof­fe­ne sogar stär­ker von Iden­ti­täts­kri­sen betrof­fen sein, als Men­schen mit einer star­ken Beein­träch­ti­gung der Stö­rungs­wahr­neh­mung, weil sie ihre Wahr­neh­mung noch rea­lis­tisch ein­schät­zen kön­nen (vgl. Luci­us-Hoe­ne & Nerb, 2010, S. 95–98)

Die Bio­gra­fie ist die Basis für das Gewor­den­sein der Iden­ti­tät, das auf den bio­gra­fi­schen Erfah­run­gen auf­baut. Damit ist das Ver­ständ­nis von Bio­gra­fie mehr als nur ein Lebens­lauf. Sie inte­griert auch die gegen­wär­ti­gen Zie­le und rele­van­ten Aspek­te mit den ver­gan­ge­nen Ereig­nis­sen und Erfah­run­gen. Über die Art und Wei­se, was ein Mensch für sei­ne Lebens­ge­schich­te hält und wie er sie inter­pre­tiert, ein­ord­net, bewer­tet und dar­aus sei­ne Zukunft gestal­tet, kann ein Ein­blick in sei­ne moti­va­tio­na­len Zusam­men­hän­ge gewon­nen wer­den. Auto­bio­gra­fi­sche Erzäh­lun­gen stel­len daher einen wich­ti­gen Ansatz für die Arbeit mit Betrof­fe­nen und Ange­hö­ri­gen dar. Sie set­zen sich mit den Ereig­nis­sen der Schä­di­gung und den ein­her­ge­hen­den Brü­chen aus­ein­an­der. In der Bio­gra­phie­ar­beit wer­den bspw. Vor­her-/Nach­her-Ver­glei­che gezo­gen, der Ver­lust des Selbstwertes/ der Partner*in/ der Ange­hö­ri­gen, eben­so wie die eige­nen Bewäl­ti­gungs­leis­tun­gen the­ma­ti­siert. Für den Umgang mit MeH lässt sich dar­aus ablei­ten, dass „alle Inter­ka­tio­nen zwi­schen den Betrof­fe­nen und ande­ren Men­schen als Aus­hand­lungs­pro­zes­se zwi­schen Fremd- und Selbst­wahr­neh­mung zu ver­ste­hen“ sind (sie­he Luci­us-Hoe­ne & Nerb, 2010, S. 103).

Luci­us-Hoe­ne und Nerb (2010, S. 104) pos­tu­lie­ren des­halb, dass jeg­li­che Inter­ak­ti­on mit den Betrof­fe­nen wich­tig für die Iden­ti­täts­ar­beit sei und dem­nach Aus­wir­kun­gen auf die Selbst­wahr­neh­mung habe, weil die Arbeit ent­we­der durch die Ver­mitt­lung von Wert­schät­zung oder aber durch Ver­tie­fung von Ver­sa­gens­er­leb­nis­sen geprägt sein kön­ne. Des­halb fin­det Bio­gra­phie- und Iden­ti­täts­ar­beit nicht nur in spe­zi­el­len The­ra­pie­set­tings statt, son­dern in allen Begeg­nun­gen mit den Betrof­fe­nen, wes­sen sich auch Partner*innen und Ange­hö­ri­ge bewusst wer­den soll­ten. (vgl. Luci­us-Hoe­ne & Nerb, 2010, S. 104 f.)

Erwor­be­ne Hirn­schä­di­gun­gen waren lan­ge durch die neu­ro­lo­gi­schen Trau­ma-Erfah­run­gen von Krieg und Unfäl­len geprägt, was sich jedoch ins­be­son­de­re durch den demo­gra­fi­schen Wan­del lang­sam ändert. Schlag­an­fäl­le und Schä­del-Hirn-Trau­ma­ta stel­len aber immer noch eine gro­ße Grup­pe unter den Hirn­schä­di­gun­gen dar. Meh­re­re hun­dert­tau­sen­de Neu­erkran­kun­gen wer­den jedes in Deutsch­land regis­triert. Die Hirn­schä­di­gun­gen kön­nen teils star­ke Stö­rungs­bil­der ver­ur­sa­chen und damit die Lebens­ent­wür­fe der betrof­fe­nen eben­so stark beein­träch­ti­gen. Als Grund­la­ge einer neu­ro­re­ha­bi­li­ta­ti­ven Ver­sor­gung wird die Neu­ro­plas­ti­zi­tät, die Fähig­keit des Gehirns zur Reor­ga­ni­sa­ti­on von neu­ro­na­len Funk­tio­nen, gese­hen. Sie ist bei jedem Men­schen die Grund­la­ge für Lern- und Gedächt­nis­pro­zes­se. Obwohl noch nicht voll­ends geklärt, las­sen die bis­he­ri­gen Erkennt­nis­se Fach­kräf­te wei­ter­hin auf die­sen Mecha­nis­mus bau­en. Beson­ders die Abhän­gig­keit der Neu­ro­plas­ti­zi­tät von per­so­nen­be­zo­ge­nen Fak­to­ren und Umwelt­fak­to­ren spie­gelt nicht nur die Viel­schich­tig­keit die­ses Pro­zes­ses wie­der, son­dern ist auch ein Bei­spiel für die ver­schie­de­nen Wech­sel­wir­kun­gen zwi­schen Gesund­heits­pro­ble­men und Kon­text­fak­to­ren, wie sie auch in der ICF beschrie­ben wer­den. Für eine Reha­bi­li­ta­ti­on von erwor­be­nen Hirn­schä­di­gun­gen hat die­se Kon­text­ab­hän­gig­keit weit­rei­chen­de Fol­gen. So kann sich nicht mehr nur auf die neu­ro­bio­lo­gi­schen Defi­zi­te kon­zen­triert wer­den, son­dern auch per­so­nen­be­zo­ge­ne Pro­zes­se wie Bio­gra­phie- und Iden­ti­täts­ar­beit müs­sen in den Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­zes­sen eine Rol­le spie­len. Fra­gen zur Iden­ti­tät und Bio­gra­fie sind für die betrof­fe­nen Men­schen all­ge­gen­wär­tig und müs­sen des­halb von Fach­kräf­ten aber auch Partner*innen und Ange­hö­ri­gen in allen Inter­ak­tio­nen berück­sich­tigt werden.

Für die Prü­fung von Ansät­zen zur beruf­li­chen Reha­bi­li­ta­ti­on wird im fol­gen­den Abschnitt das Arbeits­feld der Reha­bi­li­ta­ti­on von MeH eröff­net und anhand des kon­text­sen­si­ti­ven Ansat­zes sowie der Akteurs- und Ver­sor­gungs­struk­tur the­ma­ti­siert. Im Abschluss wird ein Ein­blick in die Prin­zi­pi­en der neu­ro­psy­cho­lo­gi­schen Reha­bi­li­ta­ti­on sowie die inter­dis­zi­pli­nä­re Team­ar­beit und Ziel­set­zung gege­ben, um damit Qua­li­täts­merk­ma­le für die Arbeit mit Men­schen mit erwor­be­nen Hirn­schä­di­gun­gen herauszuarbeiten.

Inter­dis­zi­pli­nä­re Ansät­ze im Auf­ga­ben­feld erwor­be­ner Hirnschädigung

Aus his­to­ri­scher Sicht wur­de das Auf­ga­ben­feld durch den Ver­sor­gungs­druck der Welt­krie­ge stark beein­flusst. Ärz­te, Psy­cho­lo­gen und Päd­ago­gen arbei­te­ten unter einem Dach als mul­ti­dis­zi­pli­nä­res Team zusam­men (vgl. McGrath & Kisch­ka, 2010, S. 109; vgl. Zie­ger, 2012, S. 41). Der Fokus lag auf der Wie­der­her­stel­lung ein­zel­ner Kör­per­funk­tio­nen mit­tels hier­ar­chisch struk­tu­rier­ter Auf­ga­ben­set­tings. Schon Ende der 70er Jah­re wur­de kri­ti­siert, dass Auf­ga­ben sich an die Per­son rich­ten müss­ten (vgl. From­melt & Grötz­bach, 2010, S. 4). Im Kon­text der ICF muss heu­te die Ori­en­tie­rung auf indi­vi­du­el­le Kom­pe­ten­zen, Kon­text­fak­to­ren und Teil­ha­be aus­ge­rich­tet sein. Damit ver­bun­den ist eine inter­dis­zi­pli­nä­re und mul­ti­per­spek­ti­vi­sche Sicht­wei­se sowie eine koope­ra­ti­ve und par­ti­zi­pa­ti­ve wis­sen­schaft­li­che Grund­hal­tung und Metho­dik (vgl. Zie­ger, 2012, S. 42).

Das Koope­ra­ti­ons­feld von Päd­ago­gik und Medi­zin bzw. Neu­ro­wis­sen­schaf­ten ist durch­drun­gen von zwei Per­spek­ti­ven. Der „intrin­sisch, selbst­be­stimm­ten Per­spek­ti­ve, die auf inne­re Hand­lungs­in­ten­tio­nen, sub­jek­ti­ve Ent­wick­lungs­lo­gik, Auto­no­mie und Per­sön­lich­keit zielt [und] der extrin­si­schen Per­spek­ti­ve, die Men­schen von außen und fremd­be­stimmt betrach­tet und bewer­tet sowie Inter­ven­tio­nen unter­nimmt“ (sie­he Zie­ger, 2012, S. 44). Zusam­men haben sie die Auf­ga­be der Ent­wick­lung von Auto­no­mie eines Men­schen in sei­ner indi­vi­du­el­len und sozia­len Lebens­si­tua­ti­on und die Ent­wick­lung mit medi­zi­nisch, (neuro)-psychologischen und päd­ago­gi­schen Mit­teln zu begrei­fen und zu för­dern, d.h. sie unter­stüt­zen Men­schen mit erwor­be­nen Hirn­schä­di­gun­gen mit päd­ago­gi­schen Mit­teln umfas­send beim Ler­nen und der Wie­der­erlan­gung einer all­tags­prak­ti­schen selbst­stän­di­gen Lebens­tä­tig­keit. (vgl. Zie­ger, 2012, S. 44 f.)

Das Koope­ra­ti­ons- und Anwen­dungs­feld glie­dert sich anhand der Pha­sen der neu­ro­lo­gi­schen Reha­bi­li­ta­ti­on von A‑F (sie­he Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft für Reha­bi­li­ta­ti­on, 1999, sie­he 2003, sie­he 2013; sie­he Deut­sche Ver­ei­ni­gung für Reha­bi­li­ta­ti­on, 2014) und in sta­tio­nä­re, teil­sta­tio­nä­re und ambu­lan­te Ange­bo­te. Eine Über­sicht wird in Zie­ger (sie­he 2012, S. 45f.) auf­ge­zeigt und soll an die­ser Stel­le einen Ein­blick in die Ver­sor­gungs­struk­tur für Men­schen mit erwor­be­nen Hirn­schä­di­gun­gen geben:

  • Sta­tio­när (Reha­pha­se A‑D)
    • Neu­ro­päd­ago­gi­sche Dia­gnos­tik und The­ra­pie, Team­ar­beit, Rekrea­ti­ons­an­ge­bo­te, Ange­hö­ri­gen­ar­beit, Haus­be­su­che, all­tags­prak­ti­sche Belas­tungs­er­pro­bung, Case Manage­ment, Kran­ken­haus­schu­le, Gesundheitserziehung
  • Teil­sta­tio­när (Reha­pha­se E)
    • Teil­sta­tio­nä­re neu­ro­lo­gi­sche Reha­bi­li­ta­ti­on: Beur­tei­lung, Bera­tung, Edu­ka­ti­on, Beglei­tung, Case Manage­ment, all­tags­prak­ti­sche Assis­tenz (Pati­ent, Ange­hö­ri­ge und Fami­lie), Tagesstätte
    • Schu­lisch-beruf­li­che Reha­bi­li­ta­ti­on: berufs­vor­be­rei­ten­de Maß­nah­men wie Lern­bü­ro und kauf­män­ni­sche Übungs­fir­ma, Assis­tenz bei schu­li­scher Erpro­bung, Aus­bil­dungs- und Arbeits­er­pro­bung, Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen (WfbM)
  • Ambu­lant
    • Nach­sor­ge und ambu­lan­te (mobi­le) neu­ro­lo­gi­sche Rehabilitation
    • Assis­tenz im All­tags- und Berufsleben
    • Assis­tenz in häus­lich ambu­lan­ter Lang­zeit­ver­sor­gung Schwerst-pfle­ge­be­dürf­ti­ger und Inten­siv­pfle­ge­be­dürf­ti­ger (Pha­se F, auch sta­tio­när), ambu­lant betreu­te Wohn­ge­mein­schaft, Tagestätte
    • För­de­rung von fami­liä­rer (sozia­ler) Integration/Inklusion, Lebens­qua­li­tät, Teil­ha­be und Lebens­zu­frie­den­heit trotz (Schwerst-)Behinderung

Ins­be­son­de­re die Reha­pha­sen E und F sind rele­vant für die WfbM und die ihnen ange­glie­der­ten Tages­för­der­stät­ten. In Pha­se E wird die schu­lisch-beruf­li­che Reha­bi­li­ta­ti­on durch­ge­führt (sie­he Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft für Reha­bi­li­ta­ti­on, 2013; sie­he Deut­sche Ver­ei­ni­gung für Reha­bi­li­ta­ti­on, 2014). Aber auch in Pha­se F sind WfbM und Tages­för­der­stät­ten an der medi­zi­nisch-akti­vie­ren­den Behand­lungs­pfle­ge betei­ligt (sie­he Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft für Reha­bi­li­ta­ti­on, 2003).

Bedeu­tung von kon­text­sen­si­ti­ver Rehabilitation

Das Kon­zept der kon­text­sen­si­ti­ven Reha­bi­li­ta­ti­on sieht die Betrof­fe­nen in ihrer sozia­len und bio­gra­phi­schen Lebens­welt und rich­tet die Auf­ga­ben und The­ra­pien auf die Teil­ha­be an den ver­schie­de­nen Lebens­wel­ten aus (vgl. From­melt & Grötz­bach, 2010, S. 5 f.). Damit stellt das Kon­zept die Funk­tio­nen immer in Bezug zu einer Per­son und ihren Akti­vi­tä­ten, wie es im ICF gefor­dert wird (From­melt & Grötz­bach, 2010, S. 8 f.). Dabei soll die Auto­no­mie der Klient*innen respek­tiert wer­den, indem sie ihre Zie­le selbst bestim­men, was einen Wech­sel von pater­na­lis­ti­schen hin zu par­ti­zi­pa­ti­ven Zie­len dar­stellt. Dafür müs­sen die Fach­kräf­te sich auf die Welt der Klient*innen ein­las­sen kön­nen. Nur so kann das über­ge­ord­ne­te Ziel der Reha­bi­li­ta­ti­on erreicht wer­den und Auto­no­mie, Selbst­be­stim­mung und Wachs­tum geför­dert wer­den. Damit geht es der Reha­bi­li­ta­ti­on im Kern um die Stär­kung der per­so­nen­be­zo­ge­nen Fak­to­ren (sie­he Abbil­dung 5‑2, S. 23) (vgl. From­melt & Grötz­bach, 2010, S. 13 f.).

Reha­bi­li­ta­ti­on ori­en­tiert sich an den Arbeits­fel­dern nach Ver­nooij (sie­he Schul­ze, 2012, S. 54) und glie­dert sich in vier zen­tra­le Auf­ga­ben der För­de­rung, vier Kern­auf­ga­ben und vier Ori­en­tie­rungs­fel­der. Zu den zen­tra­len Auf­ga­ben der För­de­rung gehö­ren die frü­he, schu­li­sche, entwicklungsunterstützende/berufliche und lebens­lan­ge För­de­rung. Zu den vier Kern­auf­ga­ben zäh­len Prä­ven­ti­on, Inter­ven­ti­on, Reha­bi­li­ta­ti­on und Par­ti­zi­pa­ti­on. Dabei müs­sen die Entwicklungs‑, Bedürfnis‑, Auto­no­mie- und Res­sour­cen­ori­en­tie­rung beach­tet wer­den. In die­sem Kon­text ver­lie­ren die Son­der­päd­ago­gi­schen Prin­zi­pi­en nach Bach (sie­he Schul­ze, 2012, S. 56 f.) nicht an Bedeu­tung. Auch wei­ter­hin sol­len die Leit­ge­dan­ken der Reha­bi­li­ta­ti­ons­pla­nung die Akti­vie­rung, Prä­ven­ti­on, Kom­mu­ni­ka­ti­on, Spe­zi­fi­ka­ti­on, Kom­ple­xi­tät, Koope­ra­ti­on, Inte­gra­ti­on, Nor­ma­li­täts­ori­en­tie­rung und Effek­ti­vi­tät sein.

Rehabilitation von Menschen mit erworbener Hirnschädigung Fragestellung: Welche Möglichkeiten der Rehabilitation gibt es für Menschen mit erworbener Hirnschädigung in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen?
Abbil­dung 5‑1 Per­son-Umfeld-Ana­ly­se nach Schul­ze (sie­he Alber, 2012, S. 99)

Eine Mög­lich­keit einer kon­text­sen­si­ti­ven Reha­bi­li­ta­ti­ons­pla­nung und Ana­ly­se von Lebens­la­gen von MeH ist das auf der Feld­theo­rie von Kurt Lewin basier­te Modell der Per­son-Umfeld-Ana­ly­se nach Schul­ze (PUA). Die PUA ermög­licht es, Men­schen als Mit­tel­punkt ihres Lebens­rau­mes dar­zu­stel­len (sie­he Abbil­dung 5‑1, S. 22). Der Feld­theo­rie fol­gend, wer­den die mensch­li­chen Lebens­zu­sam­men­hän­ge als Ver­hal­tens­glei­chun­gen dar­ge­stellt. Dabei wer­den inne­re Aspek­te wie Bedürf­nis­se und Zie­le von äuße­ren Umwelt­ein­flüs­sen unter­schie­den. Ver­hal­ten ist nach Lewin eine Funk­ti­on aus Per­son und Umwelt, wobei Per­son und Umwelt den Lebens­raum bil­den. (vgl. Alber, 2012, S. 98)

Die als Wir­kungs­räu­me bezeich­ne­ten Regio­nen in der PUA beinhal­ten ande­re Per­so­nen und Insti­tu­tio­nen mit direk­tem Ein­fluss auf die Per­son, auf die die Per­son selbst aber auch Ein­fluss neh­men kann. Die Wir­kungs­räu­me ste­hen also in Wech­sel­wir­kung mit der Per­son. Die Epo­che bzw. Gesell­schaft stellt den Rah­men dar, da gesamt­ge­sell­schaft­li­che Ent­wick­lun­gen und Erwar­tun­gen sich in den jewei­li­gen Fel­dern wie­der­fin­den. Auch die Umwelt und situa­ti­ve Bedin­gun­gen wer­den reprä­sen­tiert. Sie stel­len mate­ri­el­le, räum­li­che und zeit­li­che Res­sour­cen dar. Die­se Umwelt­fak­to­ren bedin­gen die Wech­sel­wir­kun­gen zwi­schen den Wir­kungs­räu­men und der Per­son. In der Ana­ly­se wer­den die Wir­kungs­räu­me mit sog. Valen­zen, die posi­tiv oder nega­tiv sein kön­nen, besetzt. Dabei kann ein Wir­kungs­raum sowohl posi­ti­ve als auch nega­ti­ve Valen­zen ent­hal­ten. Das heißt am Bei­spiel des Wir­kungs­raums Fami­lie könn­te so dar­ge­stellt wer­den, wel­che Per­so­nen posi­tiv und wel­che Per­so­nen nega­tiv besetzt sind. In der Gesamt­heit zeigt sich dadurch, ob die Fami­lie eine hilf­rei­che Res­sour­ce für die Per­son sein kann. (vgl. Alber, 2012, S. 99)

Rehabilitation von Menschen mit erworbener Hirnschädigung Fragestellung: Welche Möglichkeiten der Rehabilitation gibt es für Menschen mit erworbener Hirnschädigung in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen?
Abbil­dung 5‑2 Modell der Reha­bi­li­ta­ti­on bei erwor­be­ner Hirn­schä­di­gung nach Schul­ze (sie­he Schul­ze, 2012, S. 60)

Das mit der PUA ent­stan­de­ne Kon­strukt ermög­licht es die psy­cho­lo­gi­schen Kräf­te, die zu einem bestimm­ten Zeit­punkt auf eine Per­son wir­ken, dar­zu­stel­len und zu ana­ly­sie­ren. Es stellt nicht nur die betrof­fe­ne Per­son, son­dern auch die Regi­on der Umwelt mit posi­ti­ver und nega­ti­ver Valenz dar. Posi­ti­ve Valen­zen haben einen Auf­for­de­rungs­cha­rak­ter, wäh­rend nega­ti­ve Valen­zen Ver­mei­dung pro­vo­zie­ren. Damit kann durch die­ses Modell den in der ICF defi­nier­ten Kon­text­fak­to­ren, per­sön­li­che Res­sour­cen und Umwelt­fak­to­ren, sowie ihren För­der­fak­to­ren bzw. Bar­rie­ren ent­spro­chen wer­den (sie­he Abbil­dung 5‑1, S. 22). (vgl. Alber, 2012, S. 100; vgl. From­melt & Grötz­bach, 2010, S. 8 f.)

Prin­zi­pi­en der Neurorehabilitation

Die Basis eines jeden neu­ro­re­ha­bi­li­ta­ti­ven Pro­zes­ses ist die Neu­ro­plas­ti­zi­tät. Die Reha­bi­li­ta­ti­on baut auf der Fähig­keit des Gehirns, sei­ne Funk­tio­nen anzu­pas­sen, auf. Alle Maß­nah­men, die jedoch auf der Neu­ro­plas­ti­zi­tät beru­hen, müs­sen die Bio­gra­fie der MeH berück­sich­ti­gen. Bio­gra­fie und Iden­ti­tät stel­len ihrer­seits per­sön­li­che Res­sour­cen im Sin­ne der ICF dar (sie­he Abbil­dung 5‑1, S. 22). Die Kon­text­fak­to­ren, per­sön­li­che Res­sour­cen und Umwelt­fak­to­ren, haben einen direk­ten Ein­fluss auf das Gesund­heits­ver­hal­ten der Betrof­fe­nen bezüg­lich ihrer erwor­be­nen Hirn­schä­di­gung. So beein­flus­sen sie das Aus­maß der Ver­bes­se­rung, d.h. die Art und Wei­se wie die Betrof­fe­nen den Pro­zess bewäl­ti­gen, erheb­lich. Gera­de des­halb rich­ten sich moder­ne Ansät­ze der Reha­bi­li­ta­ti­on an Per­so­nen­zen­trie­rung und Ganz­heit­lich­keit aus. (vgl. Kos­ki­nen & Sara­ju­uri, 2010, S. 116 f.)

Per­so­nen­zen­trie­rung heißt dabei aber nicht, dass alles, was die Betrof­fe­nen wün­schen umge­setzt wer­den soll, viel­mehr soll die Sicht­wei­se der Betrof­fe­nen das größ­te Gewicht in der Ent­schei­dungs­fin­dung haben. Dafür müs­sen sich die Fach­kräf­te auf die Moti­va­ti­on der Betrof­fe­nen ein­las­sen und sie nicht auf ein­zel­ne Aspek­te redu­zie­ren. Ganz­heit meint auch, die Fak­to­ren außer­halb der Ein­rich­tung mit zu berück­sich­ti­gen. Im Kon­text von Iden­ti­tät und Bio­gra­fie muss des­halb auch das Emp­fin­den der Betrof­fe­nen berück­sich­tigt wer­den. Im Sin­ne eines ganz­heit­li­chen Ansat­zes sind des­halb inter­dis­zi­pli­nä­re Teams eine Not­we­nig­keit. Inter­dis­zi­pli­när bedeu­tet in die­sem Zusam­men­hang, dass ver­schie­de­ne Berufs­grup­pen zusam­men an einem Ziel arbei­ten und nicht iso­liert von­ein­an­der ihre Maß­nah­men ver­fol­gen. Inso­fern muss eine Ziel­pla­nung die Zie­le in par­ti­zi­pa­ti­ver Art und Wei­se mit den MeH pla­nen und die Maß­nah­men inter­dis­zi­pli­när aus­füh­ren, um sie so erfolg­reich in den All­tag der betrof­fe­nen Per­so­nen ein­zu­bin­den. Dabei hat der Drei­klang aus Ziel­for­mu­lie­rung, ‑über­prü­fung und ‑anpas­sung wei­ter­hin Bestand. (vgl. McGrath & Kisch­ka, 2010, S. 108–112)

Für die Umset­zung der geplan­ten Maß­nah­men wird von Kos­ki­nen & Sara­ju­uri (2010) ein Milieu gefor­dert, in dem die Betrof­fe­nen ein Gefühl von Sicher­heit haben. Damit kön­nen sie sich auf die gemein­sa­me Ziel­pla­nung ein­las­sen und die inter­dis­zi­pli­nä­ren Teams in die­sem Milieu die sozia­len Kom­pe­ten­zen der Betrof­fe­nen för­dern. Neben der Umset­zung von gemein­sam geplan­ten Maß­nah­men spie­len die psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Ange­bo­te eine wich­ti­ge Rol­le, damit MeH ler­nen, „sich in ihrem eige­nen bes­ten Selbst­in­ter­es­se zu ver­hal­ten“ (sie­he Kos­ki­nen & Sara­ju­uri, 2010, S. 118). Die ver­hal­tens­the­ra­peu­ti­schen Ange­bo­te sol­len dafür einen psy­cho­edu­ka­ti­ven Cha­rak­ter haben. Sie hel­fen damit den Betrof­fe­nen, ihre Ein­schrän­kun­gen zu kom­pen­sie­ren, mit ihrer ver­än­der­ten Lebens­si­tua­ti­on umzu­ge­hen und ihre Funk­ti­ons­fä­hig­keit und beruf­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit zu ver­bes­sern. Eben­so wie die Betrof­fe­nen brau­chen auch die Ange­hö­ri­gen Bera­tungs­mög­lich­kei­ten. Auch sie müs­sen die­se Situa­ti­on bewäl­ti­gen. Dar­über hin­aus bie­tet ein geschütz­tes Arbeits­ver­hält­nis den Betrof­fe­nen die Mög­lich­keit, ihrer Pro­duk­ti­vi­tät Aus­druck zu ver­lei­hen und einer Berufs­tä­tig­keit nach­zu­ge­hen. Sie haben damit die Chan­ce, ihre eige­nen Fähig­kei­ten und die Aus­wir­kun­gen auf ihre Arbeits­fä­hig­keit zu erle­ben. Um den kogni­ti­ven Beein­träch­ti­gun­gen zu begeg­nen und ihre Funk­ti­ons­fä­hig­keit zu för­dern, schla­gen Kos­ki­nen & Sara­ju­uri (2010) fer­ner resti­tu­ti­ves Trai­ning, die Ver­mitt­lung von Kom­pen­sa­ti­ons­stra­te­gien, den Ein­satz exter­ner Kom­pen­sa­ti­ons­mit­tel und die Stär­kung der Selbst­wahr­neh­mung vor. Für Schwer­be­trof­fe­ne wird der Fokus auf die Rea­li­täts­ori­en­tie­rung gelegt, d.h. die Ver­bes­se­rung des Bewusst­seins für Zeit, Ort und Per­so­nen, die Ver­bes­se­rung der Ange­mes­sen­heit der Reak­tio­nen auf das Umfeld und die Ver­bes­se­rung der Selbstwahrnehmung.

Das Auf­ga­ben­feld der Reha­bi­li­ta­ti­on von MeH ist beein­flusst durch zahl­rei­che Fak­to­ren und Akteu­re. So zeigt sich schon in der Ver­sor­gungs­la­ge das inter­dis­zi­pli­nä­re Feld, in dem Medi­zin und Reha­bi­li­ta­ti­ons­päd­ago­gik zusam­men­ar­bei­ten und sich in die viel­schich­ti­ge Reha­bi­li­ta­ti­on ein­brin­gen. Gera­de für WfbM, die in den letz­ten bei­den Pha­sen E und F tätig sind, stellt dies eine beson­de­re Her­aus­for­de­rung dar. Sie bie­ten MeH eine Mög­lich­keit zur beruf­li­chen Reha­bi­li­ta­ti­on und Teil­ha­be am Arbeits­le­ben. Gleich­zei­tig sind sie aber auch über die Tages­för­der­stät­ten in die Lang­zeit­pfle­ge ein­ge­bun­den. Für eine gemein­sa­me Arbeit mit MeH ist dabei die Beach­tung ihrer Kon­tex­te wich­tig, um dem Ein­fluss der per­sön­li­chen und umwelt­be­zo­ge­nen Fak­to­ren gerecht zu wer­den. Die Per­son-Umfeld-Ana­ly­se hat sich in die­sem Zusam­men­hang als ein Instru­ment für die Erfas­sung und Ana­ly­se der Lebens­zu­sam­men­hän­ge von MeH bewehrt. Die­se Ana­ly­se kann als Aus­gang­punkt für eine gemein­sa­me Pla­nung des Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­zes­ses genutzt wer­den. Für die wirk­sa­me Rea­li­sie­rung eines sol­chen Pro­zes­ses ist es dem­nach wich­tig, die Pla­nung per­so­nen- und ziel­ori­en­tiert durch­zu­füh­ren und die Maß­nah­men, all­tags­nah mit einem inter­dis­zi­pli­nä­ren Team umzu­set­zen. Neben der Umset­zung des Reha­bi­li­ta­ti­ons­pla­nes haben sich psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Ange­bo­te für Betrof­fe­ne und Ange­hö­ri­ge bewehrt, um sie bei der Bewäl­ti­gung ihrer Lebens­si­tua­ti­on zu unterstützen.

Zum Abschluss die­ser Arbeit wird im fol­gen­den Fazit eine Zusam­men­fas­sung des dar­ge­stell­ten For­schungs­stan­des gege­ben, eben­so wie ein Aus­blick auf das wei­te­re Forschungsvorgehen.

Fazit

In die­ser Arbeit wur­de ein Über­blick über den For­schungs­stand in der Reha­bi­li­ta­ti­on von MeH gege­ben. Dafür wur­de in den Per­so­nen­kreis mit sei­nen Bedarfs­la­gen auf Basis der his­to­risch gewach­se­nen Struk­tu­ren der WfbM ein­ge­führt. Im wei­te­ren Ver­lauf wur­de in die neu­ro­lo­gi­schen Grund­la­gen eH ein­ge­führt, um den Zusam­men­hang zwi­schen Schä­di­gun­gen und Stö­run­gen auf­zu­zei­gen. Die Neu­ro­plas­ti­zi­tät und die Abhän­gig­keit der Reha­bi­li­ta­ti­on von Iden­ti­tät und Bio­gra­phie wur­den eben­so her­vor­ge­ho­ben. Abschlie­ßend wur­de ein Ein­blick in das Auf­ga­ben­feld mit sei­nem inter­dis­zi­pli­nä­ren und kon­text­sen­si­blen Metho­den und Kon­zep­ten gegeben.

Zusam­men­fas­sung

Die WfbM sind Ein­rich­tun­gen für die Teil­ha­be am Arbeits­le­ben und aus den Bedarfs­la­gen und Bedürf­nis­sen von Men­schen mit geis­ti­gen Behin­de­run­gen erwach­sen und auch heu­te noch zeigt sich dort die­ser Fokus. Selbst wenn die Beein­träch­ti­gun­gen von Men­schen mit Behin­de­run­gen und Men­schen mit Hirn­schä­di­gun­gen sich in ihrer bio­gra­fi­schen Ent­ste­hung zeit­lich über­schnei­den, zeigt sich aber genau dar­in der gro­ße Unter­schied. MeH brin­gen ihre eige­nen bio­gra­fi­schen Beson­der­hei­ten mit. Sie waren in der Regel ein Teil des all­ge­mei­nen Arbeits­mark­tes. Aus die­sem Sys­tem fie­len sie her­aus, ihre Erwar­tungs­la­ge an ein Berufs­le­ben bleibt bei ihnen und ihren Ange­hö­ri­gen jedoch gleich. Reha­bi­li­ta­ti­on zur Teil­ha­be am Arbeits­le­ben heißt des­halb auch, dass sie und ihre Ange­hö­ri­gen unter­stützt wer­den, um sich in der neu­en Situa­ti­on zurecht­zu­fin­den. Denn nicht allein die Schä­di­gung des Gehirns darf Teil eines Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­zes­ses sein, son­dern auch die per­so­nen­be­zo­ge­nen und umwelt­be­zo­ge­nen Kon­tex­te müs­sen Berück­sich­ti­gung fin­den. Schlag­an­fäl­le und Schä­del-Hirn-Trau­ma­ta stel­len immer noch die größ­te Grup­pe unter den Hirn­schä­di­gun­gen mit behin­de­rungs­re­le­van­ten Beein­träch­ti­gun­gen dar. Meh­re­re hun­dert­tau­sen­de Neu­erkran­kun­gen wer­den jedes in Deutsch­land regis­triert. Die Hirn­schä­di­gun­gen kön­nen teils star­ke Stö­rungs­bil­der mit eben­so star­ken Beein­träch­ti­gun­gen ver­ur­sa­chen. Als Grund­la­ge einer neu­ro­re­ha­bi­li­ta­ti­ven Ver­sor­gung wird die Neu­ro­plas­ti­zi­tät gese­hen. Die Neu­ro­plas­ti­zi­tät ist abhän­gig von per­so­nen­be­zo­ge­nen Fak­to­ren und Umwelt­fak­to­ren, wie sie die ICF beschreibt. Für eine Reha­bi­li­ta­ti­on von erwor­be­nen Hirn­schä­di­gun­gen hat die Kon­text­ab­hän­gig­keit weit­rei­chen­de Fol­gen. So müs­sen im Pro­zess neu­ro­bio­lo­gi­sche Defi­zi­te, eben­so wie per­so­nen­be­zo­ge­ne Pro­zes­se wie Bio­gra­phie- und Iden­ti­täts­ar­beit berück­sich­tigt wer­den. Die WfbM sind in die­sem inter­dis­zi­pli­nä­ren Auf­ga­ben­feld in den letz­ten bei­den Reha­pha­sen E und F tätig. Sie bie­ten MeH eine Mög­lich­keit zur beruf­li­chen Reha­bi­li­ta­ti­on und Teil­ha­be am Arbeits­le­ben. Gleich­zei­tig sind sie über die Tages­för­der­stät­ten in die Lang­zeit­pfle­ge ein­ge­bun­den. Die Per­son-Umfeld-Ana­ly­se hat sich in der Arbeit mit MeH als ein Instru­ment für die Erfas­sung und Ana­ly­se der Lebens­zu­sam­men­hän­ge und der Kon­text­fak­to­ren bewehrt. Die­se Ana­ly­se kann als Aus­gang­punkt für eine gemein­sa­me Pla­nung des Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­zes­ses genutzt wer­den. Für die wirk­sa­me Rea­li­sie­rung eines sol­chen Pro­zes­ses, sind die Pla­nun­gen per­so­nen- und ziel­ori­en­tiert durch­zu­füh­ren und die Maß­nah­men all­tags­nah mit einem inter­dis­zi­pli­nä­ren Team umzu­set­zen sowie psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Ange­bo­te mit einzubeziehen.

Aus­blick

Im wei­te­ren For­schungs­ver­lauf wür­de auf Basis des erar­bei­te­ten Fach­wis­sens, die Erstel­lung eines For­schungs­de­sign fol­gen. Um die Fra­ge­stel­lung zu beant­wor­ten, ob eine Reha­bi­li­ta­ti­on in den Werk­stät­ten für Men­schen mit Behin­de­run­gen für Men­schen mit erwor­be­nen Hirn­schä­di­gun­gen rea­li­siert wer­den kann, müss­ten die Kon­zep­te und Struk­tu­ren der Werk­statt eva­lu­iert wer­den. Für die­se Eva­lua­ti­on wür­de es sich anbie­ten, einen Kri­te­ri­en­ka­ta­log aus die­sem For­schungs­stand zu erar­bei­ten und damit die Gege­ben­hei­ten der Werk­statt zu über­prü­fen. Mit dem Ergeb­nis könn­te dann ent­we­der ein zu den Struk­tu­ren pas­sen­des Kon­zept aus­ge­wählt und umge­setzt wer­den oder die vor­han­de­nen Struk­tu­ren so ange­passt wer­den, dass eine Reha­bi­li­ta­ti­on ermög­licht oder ver­bes­sert wer­den kann.

Lite­ra­tur­ver­zeich­nis

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