Psy­chi­sche und Ver­hal­tens­stö­run­gen: Ein kom­pak­ter Über­blick für die Pra­xis in der Sozia­len Arbeit

Hand­out — Psy­chi­sche Erkran­kun­gen Überblick Psychische und Verhaltensstörungen: Ein kompakter Überblick für die Praxis in der Sozialen Arbeit Überblick über psychische Erkrankungen als allgemeine Orientierung.

Inhalts­ver­zeich­nis

  1. Psy­chi­sche Erkran­kun­gen ver­ste­hen – eine Ori­en­tie­rungs­hil­fe für die Sozia­le Arbeit
  2. Psy­chi­sche und Ver­hal­tens­stö­run­gen durch psy­cho­tro­pe Sub­stan­zen (ICD-10: F10–F19)
  3. Psy­cho­sen und Neu­ro­sen – eine grund­le­gen­de Unter­schei­dung (ICD-10: F20–F49)
  4. Schi­zo­phre­ne und nich­t­or­ga­ni­sche psy­cho­ti­sche Stö­run­gen (ICD-10: F20–F29)
  5. Affek­ti­ve Stö­run­gen – Depres­si­on, Manie und bipo­la­re Erkran­kun­gen (ICD-10: F30–F39)
  6. Schi­zo­af­fek­ti­ve Stö­run­gen – Zwi­schen Psy­cho­se und affek­ti­ver Erkran­kung (ICD-10: F25)
  7. Pho­bi­sche Stö­run­gen und ande­re Angst­stö­run­gen (ICD-10: F40–F41)
  8. Zwangs­stö­run­gen (ICD-10: F42)
  9. Reak­tio­nen auf schwe­re Belas­tun­gen und Anpas­sungs­stö­run­gen (ICD-10: F43)
  10. Dis­so­zia­ti­ve Stö­run­gen (Kon­ver­si­ons­stö­run­gen) (ICD-10: F44)
  11. Somat­o­for­me Stö­run­gen – Kör­per­li­che Beschwer­den ohne orga­ni­schen Befund (ICD-10: F45)
  12. Ande­re neu­ro­ti­sche Stö­run­gen (ICD-10: F48)
  13. Ver­hal­tens­auf­fäl­lig­kei­ten mit kör­per­li­chen Stö­run­gen und Fak­to­ren (ICD-10: F50–F59)
  14. Per­sön­lich­keits­stö­run­gen – Sta­bi­le Mus­ter mit star­kem Ein­fluss auf das Leben (ICD-10: F60)
  15. Andau­ern­de Per­sön­lich­keits­än­de­run­gen nach Extrem­be­las­tung (ICD-10: F62)
  16. Stö­run­gen der Impuls­kon­trol­le und abnor­me Gewohn­hei­ten (ICD-10: F63)
  17. Stö­run­gen der Geschlechts­iden­ti­tät, Sexu­al­prä­fe­renz und sexu­el­len Ent­wick­lung (ICD-10: F64–F66)
  18. Intel­li­genz­min­de­rung (ICD-10: F70–F79)
  19. Ent­wick­lungs­stö­run­gen im Kin­des­al­ter (ICD-10: F80–F89)
  20. Gesamt­fa­zit: Psy­chi­sche Erkran­kun­gen im Fokus der Sozia­len Arbeit

Psy­chi­sche Erkran­kun­gen ver­ste­hen – eine Ori­en­tie­rungs­hil­fe für die Sozia­le Arbeit

Ein­lei­tung zur Blog­rei­he über psy­chi­sche Stö­run­gen nach ICD-10

Psy­chi­sche Erkran­kun­gen gehö­ren zu den häu­figs­ten und fol­gen­reichs­ten Gesund­heits­pro­ble­men unse­rer Gesell­schaft. Sie betref­fen Men­schen aller Alters­grup­pen, sozia­len Schich­ten und Lebens­la­gen – und sie wir­ken sich oft­mals tief­grei­fend auf die Selbst­be­stim­mung, das Sozi­al­ver­hal­ten und die Lebens­füh­rung der Betrof­fe­nen aus. In der Sozia­len Arbeit und ins­be­son­de­re im Rah­men der recht­li­chen Betreu­ung ist es daher uner­läss­lich, ein grund­le­gen­des Ver­ständ­nis für psy­chi­sche und ver­hal­tens­be­zo­ge­ne Stö­run­gen zu entwickeln.

Die­se Blog­rei­he bie­tet eine struk­tu­rier­te und pra­xis­na­he Ein­füh­rung in die wich­tigs­ten psy­chi­schen Erkran­kun­gen gemäß ICD-10, der inter­na­tio­nal aner­kann­ten Klas­si­fi­ka­ti­on der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on. Die Bei­trä­ge rich­ten sich an Fach­kräf­te, ehren­amt­li­che Betreuer*innen, Aus­zu­bil­den­de im sozia­len Bereich sowie an alle Inter­es­sier­ten, die sich einen ers­ten fun­dier­ten Über­blick über psych­ia­tri­sche Stö­rungs­bil­der und ihre Rele­vanz für die Pra­xis der Sozia­len Arbeit ver­schaf­fen möchten.

Ziel und Auf­bau der Reihe

Ziel die­ser Rei­he ist es, psy­chi­sche Erkran­kun­gen ver­ständ­lich, kom­pakt und pra­xis­ori­en­tiert dar­zu­stel­len – ohne medi­zi­ni­sche Detail­tie­fe, aber mit Fokus auf das, was im All­tag zählt: Ver­ste­hen, beglei­ten, sta­bi­li­sie­ren.

Die ein­zel­nen Arti­kel fol­gen einer ein­heit­li­chen Struktur:

  • Klas­si­fi­ka­ti­on und For­men (gemäß ICD-10)
  • Ursa­chen und Einflussfaktoren
  • Behand­lungs­mög­lich­kei­ten und all­tags­be­zo­ge­ne Begleitung

Die­se Glie­de­rung erleich­tert es, Sym­pto­me ein­zu­ord­nen, Hand­lungs­be­dar­fe zu erken­nen und hilf­rei­che Unter­stüt­zungs­an­ge­bo­te zu reflek­tie­ren. Ergänzt wird die Rei­he um Hin­wei­se zur recht­li­chen Betreu­ung, sozi­al­päd­ago­gi­schen Inter­ven­tio­nen sowie zur inter­dis­zi­pli­nä­ren Zusammenarbeit.

Fach­lich fun­diert – pra­xis­nah gedacht

Die Tex­te basie­ren auf aktu­el­len fach­li­chen Stan­dards und sozi­al­ar­bei­te­ri­schen Per­spek­ti­ven. Sie ver­ste­hen sich nicht als medi­zi­ni­sches Dia­gno­se­instru­ment, son­dern als Ori­en­tie­rungs­hil­fe für die pro­fes­sio­nel­le Bezie­hungs­ge­stal­tung, Hil­fe­pla­nung und ethisch reflek­tier­te Unter­stüt­zung.

Gera­de in der recht­li­chen Betreu­ung sind Ver­ständ­nis, kla­re Kom­mu­ni­ka­ti­on, Struk­tur und Empa­thie zen­tra­le Ele­men­te, um Men­schen mit psy­chi­schen Erkran­kun­gen im All­tag zu stär­ken und ihnen ein mög­lichst selbst­be­stimm­tes Leben zu ermög­li­chen. Die­se Blog­rei­he möch­te dazu bei­tra­gen, den oft schwer fass­ba­ren Begrif­fen wie „Psy­cho­se“, „Depres­si­on“, „Angst­stö­rung“ oder „Per­sön­lich­keits­stö­rung“ ein kla­res, respekt­vol­les und hand­lungs­re­le­van­tes Pro­fil zu geben.

Hin­weis: Die Inhal­te die­ser Rei­he die­nen der fach­li­chen Ori­en­tie­rung und erset­zen kei­ne ärzt­li­che oder psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Dia­gnos­tik oder The­ra­pie. Sie sol­len jedoch Brü­cken schla­gen zwi­schen Theo­rie, Klas­si­fi­ka­ti­on und sozia­ler Praxis.

Psy­chi­sche und Ver­hal­tens­stö­run­gen durch psy­cho­tro­pe Sub­stan­zen (ICD-10: F10–F19)

Miss­brauch, Abhän­gig­keit und Ent­zug im Überblick

1. Klas­si­fi­ka­ti­on und Formen

Die ICD-10-Kate­go­rie F10–F19 beschreibt psy­chi­sche und ver­hal­tens­be­zo­ge­ne Stö­run­gen, die durch den Gebrauch, Miss­brauch oder die Abhän­gig­keit von psy­cho­tro­pen Sub­stan­zen ent­ste­hen. Hier­zu zäh­len legal wie ille­gal ver­füg­ba­re Sub­stan­zen, die das zen­tra­le Ner­ven­sys­tem beein­flus­sen – durch sedie­ren­de, sti­mu­lie­ren­de oder hal­lu­zi­no­ge­ne Wirkungen.

Jede Sub­stanz­grup­pe wird dabei mit eige­nem ICD-10-Code klassifiziert:

ICD-10Sub­stanz­grup­peTypi­sche Störungen
F10Alko­holAbhän­gig­keit, Ent­zug, Korsakow-Syndrom
F11Opio­ide (z. B. Hero­in, Methadon)Abhän­gig­keit, Opiat-Entzug
F12Can­na­bi­no­ide (z. B. THC)Rausch­zu­stän­de, Psychosen
F13Sedativa/Hypnotika (z. B. Benzodiazepine)Beru­hi­gungs­mit­tel-Abhän­gig­keit, Entzugsdelir
F14Koka­inRausch, Reiz­bar­keit, para­no­ide Psychosen
F15Sti­mu­lan­zi­en inkl. Kof­fe­in (z. B. Amphet­amin, Ecsta­sy, Ener­gy Drinks)Schlaf­lo­sig­keit, Angst, Suchtverhalten
F16Hal­lu­zi­no­ge­ne (z. B. LSD, Psilocybin)Hal­lu­zi­na­tio­nen, Hor­ror­trips, Flashbacks
F17TabakNiko­tin­ab­hän­gig­keit, Entzugserscheinungen
F18Flüch­ti­ge Lösungs­mit­tel (z. B. Kleb­stof­fe, Lacke)Ver­gif­tungs­sym­pto­me, kogni­ti­ve Defizite
F19Mul­ti­pler Substanzgebrauch/sonstige psy­cho­tro­pe SubstanzenMisch­kon­sum, Komplexproblematik

Nicht erfasst ist der Miss­brauch von nicht­ab­hän­gig­keits­er­zeu­gen­den Sub­stan­zen, z. B. Abführ­mit­tel oder Schmerz­mit­tel (→ F55).

2. Ursa­chen und Risikofaktoren

Die Ent­wick­lung einer sub­stanz­be­zo­ge­nen Stö­rung beruht auf einem Zusam­men­spiel bio­lo­gi­scher, psy­chi­scher und sozia­ler Fak­to­ren (bio­psy­cho­so­zia­les Modell):

  • Gene­ti­sche Dis­po­si­ti­on und neu­ro­bio­lo­gi­sche Anfälligkeit
  • Psy­chi­sche Vor­er­kran­kun­gen (z. B. Depres­si­on, Angst­stö­rung, Persönlichkeitsstörungen)
  • Sozia­le Ein­fluss­fak­to­ren: Armut, Woh­nungs­lo­sig­keit, trau­ma­ti­sche Erfah­run­gen, Gruppendruck
  • Erlern­te Bewäl­ti­gungs­stra­te­gien: Kon­sum als (dys­funk­tio­na­le) Form der Emotionsregulation

Beson­ders ris­kant ist der Ein­stieg im Jugend­al­ter, der Über­gang vom Kon­sum zur Sucht ist fließend.

3. Sym­pto­ma­tik und Verlaufsformen

Die ICD-10 beschreibt fol­gen­de Sym­ptom­ty­pen je nach Substanz:

  • Aku­te Into­xi­ka­ti­on (Rausch­zu­stand)
  • Schäd­li­cher Gebrauch ohne Abhängigkeitskriterien
  • Abhän­gig­keits­syn­drom (z. B. Cra­ving, Tole­ranz, Kontrollverlust)
  • Ent­zugs­syn­drom mit oder ohne Delir
  • Psy­cho­ti­sche Stö­run­gen im Zusam­men­hang mit Substanzgebrauch
  • Amnes­ti­sches Syn­drom (z. B. Kor­sa­kow bei Alkoholabhängigkeit)
  • Per­sis­tie­ren­de Per­sön­lich­keits­ver­än­de­rung nach Substanzkonsum

Sub­stanz­ge­brauchs­stö­run­gen kön­nen epi­so­disch, chro­nisch oder rezi­di­vie­rend ver­lau­fen – mit hoher Rück­fall­wahr­schein­lich­keit bei feh­len­der Behandlung.

Behand­lung und Alltagsbewältigung

Die Behand­lung erfolgt in meh­re­ren Schrit­ten und ist inter­dis­zi­pli­när:

Ent­gif­tung (Akut­pha­se)

  • Sta­tio­nä­re Ent­zugs­be­hand­lung (z. B. bei Alko­hol, Ben­zo­dia­ze­pi­nen, Opiaten)
  • Ärzt­lich über­wach­te Medi­ka­men­ten­ga­be zur Symptomkontrolle
  • Not­wen­dig­keit bei kör­per­li­cher Abhän­gig­keit oder Suizidalität

Ent­wöh­nung (Reha­bi­li­ta­ti­on)

  • Psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Ver­fah­ren (Ver­hal­tens­the­ra­pie, Moti­va­ti­ons­ar­beit, Rückfallprophylaxe)
  • Grup­pen­an­ge­bo­te, Selbst­hil­fe (z. B. Anony­me Alko­ho­li­ker, NA)
  • Reha-Maß­nah­men gemäß SGB IX (ambu­lant oder stationär)

Nach­sor­ge und Integration

  • Ambu­lan­te Suchtberatung
  • Sozi­al­päd­ago­gi­sche Beglei­tung (z. B. betreu­tes Woh­nen, beruf­li­che Wiedereingliederung)
  • Recht­li­che Betreu­ung bei schwer­wie­gen­der Des­ori­en­tie­rung, Schul­den oder Beschaffungskriminalität

Lang­fris­ti­ge Sta­bi­li­tät erfor­dert struk­tu­rel­le Hil­fen, psy­cho­so­zia­le Sta­bi­li­sie­rung und Rück­fall­ma­nage­ment.

Psy­cho­sen und Neu­ro­sen – eine grund­le­gen­de Unter­schei­dung (ICD-10: F20–F49)

Psy­chi­sche Erkran­kun­gen wer­den tra­di­tio­nell in zwei gro­ße Grup­pen unter­teilt: Psy­cho­sen und Neu­ro­sen. Die­se Unter­schei­dung hilft, das Ver­ständ­nis über das Aus­maß der Beein­träch­ti­gung und den Rea­li­täts­be­zug der Betrof­fe­nen zu schärfen.

Schi­zo­phre­ne und nich­t­or­ga­ni­sche psy­cho­ti­sche Stö­run­gen (ICD-10: F20–F29)

1. Sym­pto­me, Ursa­chen und Behandlung

Schi­zo­phre­ne und ande­re nich­t­or­ga­ni­sche psy­cho­ti­sche Stö­run­gen gehö­ren zu den schwer­wie­gen­den psy­chi­schen Erkran­kun­gen und sind durch tief­grei­fen­de Ver­än­de­run­gen des Den­kens, Wahr­neh­mens, Füh­lens und Ver­hal­tensgekenn­zeich­net. Die Sym­pto­me tre­ten in der Regel pha­sisch auf, d. h. in aku­ten Krank­heits­pha­sen mit stark aus­ge­präg­ten Beschwer­den und zwi­schen­zeit­li­chen sta­bi­le­ren Pha­sen.

Typi­sche Sym­pto­me sind:

  • Hal­lu­zi­na­tio­nen (z. B. Stim­men­hö­ren ohne äuße­ren Reiz)
  • Wahn­vor­stel­lun­gen (z. B. Ver­fol­gungs­wahn, Größenideen)
  • Denk­stö­run­gen, Ver­lang­sa­mung oder Zer­fah­ren­heit des Denkens
  • Affekt­ver­fla­chung, sozia­ler Rück­zug, Antriebsverlust

Im Unter­schied zu orga­nisch beding­ten Psy­cho­sen las­sen sich bei die­sen Stö­run­gen kei­ne kör­per­li­chen Ursa­chen (wie z. B. Hirn­er­kran­kun­gen oder Into­xi­ka­tio­nen) nach­wei­sen. Die Erkran­kun­gen zäh­len zu den nich­t­or­ga­ni­schen Psy­cho­senim enge­ren Sinne.

2. For­men schi­zo­phre­ni­for­mer und nich­t­or­ga­ni­scher Psychosen

  • Schi­zo­phre­nie (F20): Die häu­figs­te Form mit aus­ge­präg­ten Posi­tiv- und Negativsymptomen
  • Schi­zo­ty­pe Stö­rung (F21): Per­sön­lich­keits­na­he Stö­rung mit bizar­ren Denk­in­hal­ten, aber ohne aus­ge­präg­te Psychose
  • Anhal­ten­de wahn­haf­te Stö­run­gen (F22): Lang­an­hal­ten­der Wahn ohne ande­re Sym­pto­me der Schizophrenie
  • Aku­te vor­über­ge­hen­de psy­cho­ti­sche Stö­run­gen (F23): Plötz­li­cher Beginn mit rascher Rückbildung
  • Indu­zier­te wahn­haf­te Stö­rung (F24): Über­nah­me von Wahn­in­hal­ten durch engen Bezug zu einer psy­cho­ti­schen Person

Etwa 1 % der Bevöl­ke­rung erkrankt im Lau­fe des Lebens an einer schi­zo­phre­nen Stö­rung – Män­ner und Frau­en sind etwa gleich häu­fig betrof­fen. Die Ursa­chen gel­ten als mul­ti­fak­to­ri­ell: Bio­lo­gi­sche Vul­nerabi­li­tätgene­ti­sche Dis­po­si­ti­onfrüh­kind­li­che Belas­tun­gen, aber auch sozia­le Fak­to­ren wie Iso­la­ti­on oder Migra­ti­ons­er­fah­run­gen kön­nen das Risi­ko erhöhen.

3. Behand­lung und Umgang im Alltag

Die The­ra­pie basiert auf einem mehr­di­men­sio­na­len Behand­lungs­kon­zept:

  • Medi­ka­men­tö­se Behand­lung mit Anti­psy­cho­ti­ka (Neu­ro­lep­ti­ka) zur Symptomlinderung
  • Psy­cho­the­ra­pie, ins­be­son­de­re kogni­ti­ve Ver­hal­tens­the­ra­pie, zur Krankheitsverarbeitung
  • Sozio­the­ra­peu­ti­sche und psy­cho­so­zia­le Unter­stüt­zung, z. B. durch sozi­al­psych­ia­tri­sche Dienste
  • Psy­cho­edu­ka­ti­on für Betrof­fe­ne und Ange­hö­ri­ge zur Rückfallprophylaxe

Lang­fris­tig ent­schei­dend sind Struk­tur, Sta­bi­li­tät und sozia­le Ein­bin­dung. Emp­feh­lens­wert sind:

  • Früh­warn­zei­chen für Rück­fäl­le erken­nen und recht­zei­tig Hil­fe einholen
  • Ein gere­gel­ter Tages­ab­lauf mit fes­ten Zei­ten für Schlaf, Ernäh­rung und Aktivität
  • Sozia­le Kon­tak­te und ein trag­fä­hi­ges Unterstützungsnetz
  • Ein­fühl­sa­me Beglei­tung durch recht­li­che Betreuer*innen, Ange­hö­ri­ge und Fachkräfte

Affek­ti­ve Stö­run­gen – Depres­si­on, Manie und bipo­la­re Erkran­kun­gen (ICD-10: F30–F39)

Affek­ti­ve Stö­run­gen – auch als affek­ti­ve Psy­cho­sen bezeich­net – umfas­sen psy­chi­sche Erkran­kun­gen, bei denen Stim­mung, Antrieb und emo­tio­na­les Erle­ben über einen län­ge­ren Zeit­raum erheb­lich ver­än­dert sind. Die Sym­pto­me kön­nen sich in depres­si­venmani­schen oder gemisch­ten Pha­sen äußern und tre­ten häu­fig epi­so­den­haft auf, wobei Rück­fäl­le kei­ne Sel­ten­heit sind.

1. Klas­si­fi­ka­ti­on und For­men affek­ti­ver Stö­run­gen (ICD-10 F30–F39):

  • F30: Mani­sche Epi­so­de
    Über­stei­ger­te Stim­mung, erhöh­ter Antrieb, Schlaf­lo­sig­keit, gestei­ger­te Gesprä­chig­keit und Selbstüberschätzung
  • F31: Bipo­la­re affek­ti­ve Stö­rung
    Wech­sel zwi­schen mani­schen und depres­si­ven Pha­sen mit zwi­schen­zeit­lich sta­bi­len Intervallen
  • F32: Depres­si­ve Epi­so­de
    Tie­fe Nie­der­ge­schla­gen­heit, Inter­es­sen­ver­lust, Antriebs­lo­sig­keit, Schuld­ge­füh­le, Schlaf- und Konzentrationsstörungen
  • F33: Rezi­di­vie­ren­de depres­si­ve Stö­rung
    Wie­der­keh­ren­de depres­si­ve Epi­so­den ohne mani­sche Phasen
  • F34: Anhal­ten­de affek­ti­ve Stö­run­gen
    Chro­nisch ver­lau­fen­de Stö­run­gen mit leich­te­rer Sym­pto­ma­tik, z. B. Dys­thy­mie oder Zyklo­thy­mie

2. Ursa­chen affek­ti­ver Störungen

Die Ent­ste­hung wird durch ein Zusam­men­spiel bio­lo­gi­scher, gene­ti­scher und psy­cho­so­zia­ler Fak­to­ren beein­flusst. Dazu zählen:

  • Gene­ti­sche Ver­an­la­gung und fami­liä­re Häufung
  • Neu­ro­bio­lo­gi­sche Ver­än­de­run­gen (z. B. im Sero­to­nin- und Dopaminhaushalt)
  • Lebens­er­eig­nis­se wie Ver­lust, Über­for­de­rung, Iso­la­ti­on oder chro­ni­scher Stress
  • Trau­ma­ti­sche Erfah­run­gen oder belas­ten­de Kindheit

3. Behand­lung und Alltagsbewältigung

Die Behand­lung affek­ti­ver Stö­run­gen erfolgt mul­ti­mo­dal, also unter Ein­be­zug ver­schie­de­ner the­ra­peu­ti­scher Ebenen:

Medi­ka­men­tö­se Therapie

  • Anti­de­pres­si­va bei Depressionen
  • Stim­mungs­sta­bi­li­sie­rer bzw. Pha­sen­pro­phy­lak­ti­ka (z. B. Lithi­um, Val­proat, Lamo­tri­gin) bei bipo­la­rer Störung
  • In aku­ten mani­schen Pha­sen ggf. Anti­psy­cho­ti­ka

Psy­cho­the­ra­pie

  • Kogni­ti­ve Ver­hal­tens­the­ra­pie zur Umstruk­tu­rie­rung dys­funk­tio­na­ler Denkmuster
  • Inter­per­so­nel­le The­ra­pie oder acht­sam­keits­ba­sier­te Ansätze
  • Psy­cho­edu­ka­ti­on zur För­de­rung der Krank­heits­ak­zep­tanz und Rückfallprophylaxe

All­tags­struk­tur und Selbstfürsorge

  • Fes­te Tages­struk­tur (Schlaf, Mahl­zei­ten, Bewegung)
  • Stress­re­duk­ti­on und Reizabschirmung
  • Auf­ga­ben prio­ri­sie­ren und Über­for­de­rung vermeiden
  • För­de­rung sozia­ler Kon­tak­te und Aktivitäten

Ein acht­sa­mer Umgang mit sich selbst, regel­mä­ßi­ge the­ra­peu­ti­sche Beglei­tung sowie ver­ständ­nis­vol­le Unter­stüt­zung durch das Umfeld sind essen­zi­ell für die lang­fris­ti­ge Sta­bi­li­sie­rung und Lebensqualität.

Schi­zo­af­fek­ti­ve Stö­run­gen – Zwi­schen Psy­cho­se und affek­ti­ver Erkran­kung (ICD-10: F25)

Schi­zo­af­fek­ti­ve Stö­run­gen sind psy­chi­sche Erkran­kun­gen, bei denen Merk­ma­le einer schi­zo­phre­nen Psy­cho­se (z. B. Hal­lu­zi­na­tio­nen, Wahn­vor­stel­lun­gen, Denk­stö­run­gen) mit Sym­pto­men affek­ti­ver Stö­run­gen (z. B. depres­si­ve oder mani­sche Epi­so­den) gleich­zei­tig oder im Wech­sel auf­tre­ten. Die Betrof­fe­nen erle­ben also sowohl eine Beein­träch­ti­gung des Den­kens und der Wahr­neh­mung als auch Stö­run­gen von Stim­mung und Antrieb.

Die­se Misch­form stellt für Dia­gnos­tik und The­ra­pie eine beson­de­re Her­aus­for­de­rung dar, da die Sym­pto­me einer­seits typisch schi­zo­phren, ande­rer­seits klar affek­tiv geprägt sind. Die genaue Aus­prä­gung kann indi­vi­du­ell sehr unter­schied­lich sein.

1. Typi­sche Sym­pto­me schi­zo­af­fek­ti­ver Störungen

  • Wahn­vor­stel­lun­gen oder Halluzinationen
  • Mani­sche oder depres­si­ve Stimmungslagen
  • Denk­stö­run­gen und Realitätsverlust
  • Antriebs­lo­sig­keit oder gestei­ger­ter Aktivitätsdrang
  • Sozia­ler Rück­zug, Schlaf­stö­run­gen, Reizbarkeit

2. Behand­lung schi­zo­af­fek­ti­ver Störungen

Die The­ra­pie erfolgt meist medi­ka­men­tös, mit einer Kom­bi­na­ti­on aus Anti­psy­cho­ti­ka und stim­mungs­sta­bi­li­sie­ren­den Medi­ka­men­ten (z. B. Anti­de­pres­si­va oder Pha­sen­pro­phy­lak­ti­ka). Ergän­zend ist eine psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Beglei­tunghilf­reich, um emo­tio­na­le Belas­tun­gen zu bewäl­ti­gen, Krank­heits­ein­sicht zu för­dern und Rück­fäl­le vorzubeugen.

Sozia­le Unter­stüt­zungs­sys­te­me, tages­struk­tu­rie­ren­de Maß­nah­men und psy­cho­edu­ka­ti­ve Ange­bo­te (z. B. für Ange­hö­ri­ge oder Betreuer*innen) spie­len eine wich­ti­ge Rol­le für den lang­fris­ti­gen Umgang mit der Erkrankung.

Pho­bi­sche Stö­run­gen und ande­re Angst­stö­run­gen (ICD-10: F40–F41)

Angst­stö­run­gen zäh­len zu den häu­figs­ten psy­chi­schen Erkran­kun­gen und kön­nen den All­tag der Betrof­fe­nen erheb­lich beein­träch­ti­gen. Dabei han­delt es sich um über­mä­ßi­ge, anhal­ten­de Ängs­te, die sich ent­we­der auf kon­kre­te Aus­lö­ser(pho­bi­sche Stö­run­gen) oder auf dif­fu­se, schwer ein­grenz­ba­re Situa­tio­nen (gene­ra­li­sier­te Angst­stö­run­gen) bezie­hen. Die emp­fun­de­nen Ängs­te ste­hen in kei­nem rea­lis­ti­schen Ver­hält­nis zur tat­säch­li­chen Gefahr und sind für Außen­ste­hen­de oft schwer nachvollziehbar.

1. For­men von Angststörungen:

  • Pho­bi­sche Stö­run­gen (F40):
    Hier­un­ter fal­len unter anderem: 
    • Ago­ra­pho­bie (Angst vor öffent­li­chen Plät­zen oder Menschenansammlungen)
    • Sozia­le Pho­bie (Angst vor nega­ti­ver Bewer­tung in sozia­len Situationen)
    • Spe­zi­fi­sche Pho­bien (z. B. Höhen­angst, Tier­pho­bien, Flugangst)
  • Sons­ti­ge Angst­stö­run­gen (F41):
    • Panik­stö­rung (plötz­li­che Angst­an­fäl­le mit star­ken kör­per­li­chen Symptomen)
    • Gene­ra­li­sier­te Angst­stö­rung (andau­ern­de Sor­gen, Unru­he, Nervosität)

Die­se Erkran­kun­gen gehen häu­fig mit kör­per­li­chen Sym­pto­men ein­her, z. B. Herz­ra­sen, Atem­not, Schwin­del, Zit­tern oder Schwitzen.

2. Behand­lung von Angststörungen:

Die Behand­lung erfolgt meist kom­bi­niert, mit:

  • Ver­hal­tens­the­ra­pie (z. B. Konfrontationstraining)
  • Ent­span­nungs­ver­fah­ren
  • Medi­ka­men­tö­ser Unter­stüt­zung, wenn erfor­der­lich (z. B. Anti­de­pres­si­va, kei­ne Dau­er­ga­be von Benzodiazepinen)

Zwangs­stö­run­gen (ICD-10: F42)

Zwangs­stö­run­gen sind gekenn­zeich­net durch wie­der­keh­ren­de, als quä­lend emp­fun­de­ne Gedan­ken (Zwangs­ge­dan­ken) und/oder Hand­lun­gen (Zwangs­hand­lun­gen), die das Leben der Betrof­fe­nen stark ein­schrän­ken. Die Betrof­fe­nen erle­ben die­se Zwän­ge oft als sinn­los, kön­nen sich ihnen jedoch nur schwer ent­zie­hen. Häu­fig geht dies mit einem hohen Maß an inne­rem Druck, Scham und Angst einher.

1. Typi­sche Bei­spie­le für Zwänge:

  • Kon­troll­zwän­ge (z. B. mehr­fa­ches Über­prü­fen von Herd, Türen)
  • Wasch- und Reinigungszwänge
  • Ord­nungs- oder Zählzwänge
  • Zwangs­ge­dan­ken mit aggres­si­vem, reli­giö­sem oder sexu­el­lem Inhalt

2. The­ra­pie von Zwangsstörungen:

Die wirk­sams­te Behand­lung ist meist eine kogni­ti­ve Ver­hal­tens­the­ra­pie mit Expo­si­ti­on und Reak­ti­ons­ver­hin­de­rung (ERP). Auch medi­ka­men­tö­se Unter­stüt­zung (z. B. mit SSRI) kann hilf­reich sein, beson­ders bei star­kem Leidensdruck.

Reak­tio­nen auf schwe­re Belas­tun­gen und Anpas­sungs­stö­run­gen (ICD-10: F43)

Belas­tungs- und Anpas­sungs­stö­run­gen ent­ste­hen als psy­chi­sche Reak­ti­on auf ein außer­ge­wöhn­lich belas­ten­des Ereig­nis oder eine ein­schnei­den­de Lebens­ver­än­de­rung, die von der betrof­fe­nen Per­son nicht mehr adäquat ver­ar­bei­tet wer­den kann. Dabei kann es sich sowohl um plötz­li­che trau­ma­ti­sche Erleb­nis­se (z. B. Unfall, Gewalt, Ver­lust) als auch um andau­ern­de psy­cho­so­zia­le Belas­tun­gen (z. B. Schei­dung, Arbeits­platz­ver­lust, Migra­ti­on) handeln.

1. For­men und Symptome:

  • Aku­te Belas­tungs­re­ak­ti­on:
    Tritt unmit­tel­bar nach dem belas­ten­den Ereig­nis auf, mit Sym­pto­men wie Angst, inne­rer Unru­he, Ver­wirrt­heit oder vege­ta­ti­ven Reak­tio­nen (z. B. Herz­klop­fen, Schweißausbrüche).
  • Post­trau­ma­ti­sche Belas­tungs­stö­rung (PTBS):
    Ent­wi­ckelt sich ver­zö­gert, meist Wochen nach dem Trau­ma. Typi­sche Sym­pto­me sind Flash­backs, Alb­träu­me, emo­tio­na­le Taub­heit, Ver­mei­dungs­ver­hal­ten und Übererregbarkeit.
  • Anpas­sungs­stö­rung:
    Reak­ti­on auf belas­ten­de Lebens­ver­än­de­run­gen. Sym­pto­me kön­nen depres­si­ve Ver­stim­mung, Angst, Rück­zug, Reiz­bar­keit oder Kon­zen­tra­ti­ons­stö­run­gen sein.

2. Behand­lung:

Die Behand­lung rich­tet sich nach der Art und Schwe­re der Belas­tungs­re­ak­ti­on. Hilf­reich sind:

  • Psy­cho­the­ra­pie, ins­be­son­de­re Trau­ma-fokus­sier­te Verfahren
  • Sta­bi­li­sie­ren­de Gesprä­che und Psychoedukation
  • Kri­sen­in­ter­ven­ti­on
  • In bestimm­ten Fäl­len auch medi­ka­men­tö­se Unterstützung

Ein ver­ste­hen­der, res­sour­cen­ori­en­tier­ter Umgang mit der belas­te­ten Per­son ist von zen­tra­ler Bedeutung.

Dis­so­zia­ti­ve Stö­run­gen (Kon­ver­si­ons­stö­run­gen) (ICD-10: F44)

Dis­so­zia­ti­ve Stö­run­gen, frü­her auch Kon­ver­si­ons­stö­run­gen genannt, beschrei­ben den teil­wei­sen oder voll­stän­di­gen Ver­lust nor­ma­ler psy­chi­scher Funk­tio­nen, ohne dass eine kör­per­li­che Ursa­che nach­weis­bar ist. Die Betrof­fe­nen erle­ben plötz­lich Ein­schrän­kun­gen in Berei­chen wie Bewusst­sein, Erin­ne­rung, Iden­ti­täts­wahr­neh­mung, Bewe­gung oder Sin­nes­emp­fin­dung – in direk­tem Zusam­men­hang mit psy­chi­schen Belas­tun­gen oder inne­ren Konflikten.

1. Typi­sche Symptome:

  • Dis­so­zia­ti­ve Amne­sie: Erin­ne­rungs­lü­cken, oft bezo­gen auf belas­ten­de Ereignisse
  • Dis­so­zia­ti­ve Fugue: Plötz­li­che Orts­ver­än­de­rung mit Identitätsverlust
  • Dis­so­zia­ti­ve Krampf­an­fäl­le oder Bewe­gungs­stö­run­gen: Ohne orga­ni­sche Ursa­che, ähn­lich wie epi­lep­ti­sche Anfälle
  • Dis­so­zia­ti­ve Sen­si­bi­li­täts- und Emp­fin­dungs­stö­run­gen: Taub­heits­ge­füh­le, Läh­mun­gen oder Sehstörungen

Die­se Sym­pto­me wer­den nicht wil­lent­lich gesteu­ert und ver­ur­sa­chen meist erheb­li­chen Leidensdruck.

2. The­ra­peu­ti­scher Ansatz:

  • Psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Beglei­tung, ins­be­son­de­re tie­fen­psy­cho­lo­gisch fun­dier­te oder trau­ma­zen­trier­te Ansätze
  • Stär­kung von Ich-Funk­tio­nen und Selbstwahrnehmung
  • Bear­bei­tung zugrun­de lie­gen­der Kon­flik­te oder Traumata

Eine wert­schät­zen­de und nicht-stig­ma­ti­sie­ren­de Hal­tung ist ent­schei­dend, da Betrof­fe­ne oft mit Unver­ständ­nis oder Schuld­zu­schrei­bun­gen kon­fron­tiert sind.

Somat­o­for­me Stö­run­gen – Kör­per­li­che Beschwer­den ohne orga­ni­schen Befund (ICD-10: F45)

Somat­o­for­me Stö­run­gen sind psy­chi­sche Erkran­kun­gen, bei denen anhal­ten­de kör­per­li­che Beschwer­den auf­tre­ten, ohne dass eine medi­zi­nisch erklär­ba­re kör­per­li­che Ursa­che gefun­den wer­den kann. Die Betrof­fe­nen lei­den meist unter Schmer­zen, Magen-Darm-Pro­ble­men, Herz-Kreis­lauf-Beschwer­den oder ande­ren kör­per­li­chen Sym­pto­men, die mit einem hohen Lei­dens­druck und häu­fi­gen Arzt­be­su­chen einhergehen.

Typisch ist, dass trotz mehr­fa­cher ärzt­li­cher Unter­su­chun­gen und wie­der­holt nega­ti­ver Befun­de der Ein­druck besteht, schwer kör­per­lich erkrankt zu sein. Dies führt oft zu hart­nä­cki­gen For­de­run­gen nach wei­te­ren medi­zi­ni­schen Abklä­run­gen und einer aus­ge­präg­ten Sor­ge um die eige­ne Gesund­heit (Krank­heits­angst).

1. For­men somat­o­for­mer Störungen:

  • Soma­ti­sie­rungs­stö­rung: Viel­fäl­ti­ge, wech­seln­de kör­per­li­che Beschwer­den über einen län­ge­ren Zeitraum
  • Hypo­chon­dri­sche Stö­rung: Über­zeu­gung, an einer schwe­ren kör­per­li­chen Krank­heit zu leiden
  • Somat­o­for­me auto­no­me Funk­ti­ons­stö­rung: Sym­pto­me in bestimm­ten Organ­sys­te­men (z. B. Herz, Magen), ohne Befund
  • Anhal­ten­de Schmerz­stö­rung: Chro­ni­scher Schmerz ohne aus­rei­chen­de orga­ni­sche Erklärung

2. Behand­lung somat­o­for­mer Störungen:

Die wirk­sams­ten Maß­nah­men sind psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Ver­fah­ren, ins­be­son­de­re kogni­ti­ve Ver­hal­tens­the­ra­pie. Ziel ist es, die Auf­merk­sam­keit vom Kör­per­sym­ptom auf zugrun­de lie­gen­de psy­chi­sche Belas­tun­gen zu len­ken und den Umgang mit dem eige­nen Kör­per­er­le­ben zu verändern.

Psy­cho­edu­ka­ti­onärzt­lich-psy­cho­lo­gi­sche Koope­ra­ti­on sowie eine acht­sa­me Gesprächs­füh­rung sind ent­schei­dend für den Behand­lungs­pro­zess. Rein soma­ti­sche Behand­lun­gen füh­ren in der Regel nicht zum gewünsch­ten Erfolg.

Ande­re neu­ro­ti­sche Stö­run­gen (ICD-10: F48)

Die­se Kate­go­rie umfasst wei­te­re psy­chi­sche Stö­run­gen mit neu­ro­ti­schem Cha­rak­ter, die nicht ein­deu­tig einer spe­zi­fi­schen Dia­gno­se­grup­pe wie Angst‑, Zwangs- oder somat­o­for­men Stö­run­gen zuge­ord­net wer­den kön­nen. Sie sind häu­fig mit chro­ni­scher Erschöp­fung, Anspan­nung oder Ent­frem­dungs­er­le­ben verbunden.

1. Bei­spie­le:

  • Neur­asthe­nie: Anhal­ten­de psy­chi­sche oder kör­per­li­che Erschöp­fung nach gerin­ger Anstren­gung, Kon­zen­tra­ti­ons­pro­ble­me, Reizbarkeit
  • Deper­so­na­li­sa­ti­ons- und Derea­li­sa­ti­ons­syn­drom: Gefühl, los­ge­löst vom eige­nen Kör­per oder der Umwelt zu sein, als ob alles „unwirk­lich“ erscheint

Auch die­se Stö­run­gen kön­nen einen erheb­li­chen Ein­fluss auf Lebens­qua­li­tät und All­tags­be­wäl­ti­gung haben, obwohl sie für Außen­ste­hen­de oft schwer nach­voll­zieh­bar sind.

2. The­ra­peu­ti­sche Ansätze:

Im Vor­der­grund ste­hen sta­bi­li­sie­ren­de Gesprä­chepsy­cho­the­ra­peu­ti­sche Beglei­tung und gege­be­nen­falls medi­ka­men­tö­se Unter­stüt­zung bei kom­or­bi­den Sym­pto­men wie Depres­si­on oder Angst. Struk­tu­rie­rung des All­tags, Ent­span­nungs­ver­fah­ren und der Auf­bau trag­fä­hi­ger Bezie­hun­gen sind zen­tral für die Genesung.

Ver­hal­tens­auf­fäl­lig­kei­ten mit kör­per­li­chen Stö­run­gen und Fak­to­ren (ICD-10: F50–F59)

Wenn Kör­per und Psy­che sich wech­sel­sei­tig beeinflussen

1. Klas­si­fi­ka­ti­on und Formen

Die ICD-10-Kate­go­rie F50–F59 umfasst psy­chi­sche Stö­run­gen, bei denen das Ver­hal­ten in engem Zusam­men­hang mit kör­per­li­chen Funk­tio­nen oder Vor­gän­gen steht, ohne dass pri­mär eine orga­ni­sche Ursa­che zugrun­de liegt. Häu­fig tre­ten die Beschwer­den im Span­nungs­feld zwi­schen Kör­per und Psy­che auf und erfor­dern eine ganz­heit­li­che, inter­dis­zi­pli­nä­re Betrach­tung.

F50 – Essstörungen

Ess­stö­run­gen sind durch ein gestör­tes Ess­ver­hal­ten und ein gestör­tes Kör­per­bild gekenn­zeich­net. Sie tre­ten häu­fig im Jugend­al­ter auf und betref­fen über­pro­por­tio­nal häu­fig Frau­en, kön­nen aber auch Män­ner betreffen.

Typi­sche Erkrankungen:

  • Anorexia ner­vo­sa: Selbst her­bei­ge­führ­tes Unter­ge­wicht durch Nahrungsverweigerung
  • Buli­mia ner­vo­sa: Heiß­hun­ger­an­fäl­le mit kom­pen­sa­to­ri­schen Maß­nah­men (Erbre­chen, Fasten)
  • Bin­ge-Eating-Stö­rung: Wie­der­hol­te Ess­an­fäl­le ohne kom­pen­sa­to­ri­sches Verhalten
  • Pica-Syn­drom: Ver­zehr nicht ess­ba­rer Stof­fe (z. B. Erde, Papier), v. a. im Kindesalter

F51 – Nich­t­or­ga­ni­sche Schlafstörungen

Die­se Stö­run­gen betref­fen Ein- und Durch­schlaf­stö­run­gen, die nicht durch kör­per­li­che Erkran­kun­gen erklär­bar sind. Der Schlaf ist dau­er­haft beein­träch­tigt – mit Aus­wir­kun­gen auf Tages­be­fin­den, Kon­zen­tra­ti­on und psy­chi­sche Stabilität.

Bei­spie­le:

  • Pri­mä­re Insom­nie: Ein­schlaf- oder Durch­schlaf­stö­run­gen ohne kör­per­li­che Ursache
  • Para­s­om­ni­en: Auf­fäl­lig­kei­ten im Schlaf­ver­hal­ten (z. B. Schlaf­wan­deln – Som­nam­bu­lis­mus, Nacht­schreck – Pavor nocturnus)

F52 – Sexu­el­le Funk­ti­ons­stö­run­gen ohne orga­ni­sche Ursache

Die­se Stö­run­gen betref­fen die sexu­el­le Erreg­bar­keit, das Ver­lan­gen oder die Orgas­mus­fä­hig­keit, ohne dass eine kör­per­li­che Ursa­che vor­liegt. Kann bei Män­nern und bei Frau­en vorliegen.

Bei­spie­le:

  • Sexu­el­le Appe­tenz­stö­rung (Libi­dom­an­gel)
  • Hyper­se­xua­li­tät, Nym­pho­ma­nie, Satyriasis
  • Psy­cho­ge­ne Impo­tenz, Anor­gas­mie, Dys­pa­reu­nie, Vaginismus

F53 – Psy­chi­sche oder Ver­hal­tens­stö­run­gen im Wochenbett

Erkran­kun­gen in direk­tem Zusam­men­hang mit der Geburt eines Kin­des, meist im Wochenbett:

  • Postpar­ta­le Depres­si­on, Angst­stö­run­gen oder Anpassungskrisen
  • Mög­li­cher­wei­se mit Aus­wir­kun­gen auf die Mutter-Kind-Beziehung

F54 – Psy­cho­lo­gi­sche Fak­to­ren bei kör­per­li­chen Erkrankungen

Hier sind psy­chi­sche oder Ver­hal­tens­fak­to­ren maß­geb­lich an der Ent­ste­hung, Aus­prä­gung oder Auf­recht­erhal­tung kör­per­li­cher Erkran­kun­gen betei­ligt, etwa bei:

  • Asth­ma bronchiale
  • Coli­tis ulcerosa
  • Urti­ka­ria (Nes­sel­sucht)
  • Reiz­darm­syn­drom

F55 – Schäd­li­cher Gebrauch nicht­ab­hän­gig­keits­er­zeu­gen­der Substanzen

Miss­brauch von Medi­ka­men­ten oder ande­ren Mit­teln, die nicht als klas­sisch „abhän­gig­keits­er­zeu­gend“ gel­ten – z. B.:

  • Schmerz­mit­tel, Abführ­mit­tel, Schlafmittel
  • Vit­amin­prä­pa­ra­te oder alter­na­ti­ve Heilmittel

Beglei­tet von Absetz­erschei­nun­gen, Tole­ranz­ent­wick­lung oder psy­cho­so­zia­len Fol­gen.

F59 – Nicht näher bezeich­ne­te Ver­hal­tens­auf­fäl­lig­kei­ten bei kör­per­li­chen Faktoren

Die­se Reser­ve­ka­te­go­rie wird ver­wen­det, wenn eine Ver­hal­tens­auf­fäl­lig­keit im Zusam­men­hang mit kör­per­li­chen Fak­to­ren besteht, aber kei­ner der ande­ren Dia­gno­sen ein­deu­tig zuge­ord­net wer­den kann.

2. Ursa­chen

Die Ursa­chen die­ser Stö­run­gen sind viel­schich­tig und bio­psy­cho­so­zi­al zu betrachten:

  • Psy­cho­dy­na­mi­sche Fak­to­ren: Unbe­wuss­te Kon­flik­te, unge­lös­te Beziehungsmuster
  • Lern­theo­re­ti­sche Ein­flüs­se: Ver­stär­kung durch kurz­fris­ti­ge Ent­las­tung oder Zuwendung
  • Neu­ro­bio­lo­gi­sche Grund­la­gen: z. B. Schlaf-Wach-Rhyth­mus, hor­mo­nel­le Regelkreise
  • Sozia­le Bedin­gun­gen: Leis­tungs­druck, fami­liä­re Span­nun­gen, Tabui­sie­rung von Sexualität
  • Kul­tu­rel­le Nor­men und Schön­heits­idea­le, ins­be­son­de­re bei Essstörungen

Oft wir­ken meh­re­re Fak­to­ren gemein­sam – die Sym­pto­me die­nen dabei oft der Bewäl­ti­gung von inne­ren Span­nun­gen oder äuße­ren Belas­tun­gen.

3. Behand­lung und Alltagsbewältigung

Die The­ra­pie rich­tet sich nach der jewei­li­gen Stö­rungs­form und dem indi­vi­du­el­len Beschwer­de­bild. Grund­sätz­lich ist ein ganz­heit­li­cher Behand­lungs­an­satz emp­feh­lens­wert, der medi­zi­ni­sche, psy­cho­the­ra­peu­ti­sche und sozia­le Aspek­te integriert.

Psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Verfahren:

  • Ver­hal­tens­the­ra­pie, z. B. bei Schlaf­stö­run­gen, Ess­an­fäl­len, sexu­el­len Funktionsstörungen
  • Tie­fen­psy­cho­lo­gisch fun­dier­te Psy­cho­the­ra­pie zur Bear­bei­tung unbe­wuss­ter Konflikte
  • Psy­cho­edu­ka­ti­on, ins­be­son­de­re bei Ess- und Schlafstörungen
  • Trau­ma­the­ra­pie bei postpar­ta­len oder sexu­el­len Störungen

Medi­zi­ni­sche Unterstützung:

  • Sym­ptom­ori­en­tier­te Behand­lung (z. B. Schlaf­mit­tel, Anti­de­pres­si­va, Hormontherapie)
  • Inter­dis­zi­pli­nä­re Koope­ra­ti­on mit Gynä­ko­lo­gie, Gas­tro­en­te­ro­lo­gie, Der­ma­to­lo­gie oder Schlafmedizin

Sozi­al­päd­ago­gi­sche und recht­li­che Begleitung:

  • Bera­tung in Lebens­kri­sen (z. B. nach Geburt, bei chro­ni­scher Erkrankung)
  • Ernäh­rungs­be­ra­tung, Sexu­al­päd­ago­gik, sozi­al­the­ra­peu­ti­sche Begleitung
  • Recht­li­che Betreu­ung bei schäd­li­chem Medi­ka­men­ten­ge­brauch oder schwe­rer psy­cho­so­zia­ler Desintegration

Per­sön­lich­keits­stö­run­gen – Sta­bi­le Mus­ter mit star­kem Ein­fluss auf das Leben (ICD-10: F60)

1. Klas­si­fi­ka­ti­on und Formen

Per­sön­lich­keits­stö­run­gen sind tief­grei­fen­de, über­dau­ern­de Ver­hal­tens- und Erle­bens­mus­ter, die deut­lich von kul­tu­rell erwar­te­ten Nor­men abwei­chen. Sie zei­gen sich in der Wahr­neh­mung, im Den­ken, in der Affek­ti­vi­tät, der Impuls­kon­trol­le und im zwi­schen­mensch­li­chen Ver­hal­ten. Die Mus­ter begin­nen in der Jugend oder im frü­hen Erwach­se­nen­al­ter und blei­ben über das Leben hin­weg rela­tiv stabil.

In der ICD-10 wer­den zehn spe­zi­fi­sche Per­sön­lich­keits­stö­run­gen unterschieden:

1. Para­no­ide Per­sön­lich­keits­stö­rung (F60.0)

  • Miss­trau­en, Emp­find­lich­keit, über­trie­be­ne Wach­sam­keit gegen­über Zurückweisung
  • Nei­gung zu über­zo­ge­ner Selbst­be­haup­tung, streit­ba­rem Ver­hal­ten, Verschwörungsdenken

2. Schi­zo­ide Per­sön­lich­keits­stö­rung (F60.1)

  • Emo­tio­na­le Küh­le, Rück­zug, gerin­ge Freu­de an sozia­len Kontakten
  • Inter­es­se an Ein­zel­gän­ger­tä­tig­kei­ten, gerin­ge emo­tio­na­le Resonanz

3. Dis­so­zia­le Per­sön­lich­keits­stö­rung (F60.2)

  • Ver­ant­wor­tungs­lo­sig­keit, Miss­ach­tung sozia­ler Regeln und Rech­te anderer
  • Impul­si­vi­tät, gerin­ge Frus­tra­ti­ons­to­le­ranz, häu­fi­ge Kon­flik­te mit dem Gesetz

4. Emo­tio­nal insta­bi­le Per­sön­lich­keits­stö­rung (F60.3)

Zwei Unter­for­men:

  • Impul­si­ver Typus: Affekt­kon­troll­stö­rung, Reiz­bar­keit, aggres­si­ves Verhalten
  • Bor­der­line-Typus: Insta­bi­li­tät in Bezie­hun­gen, Selbst­bild und Stim­mung, star­ke Angst vor dem Verlassenwerden

5. His­trio­ni­sche Per­sön­lich­keits­stö­rung (F60.4)

  • Thea­tra­li­sches Ver­hal­ten, gestei­ger­ter Wunsch nach Auf­merk­sam­keit und Anerkennung
  • Ober­fläch­li­che emo­tio­na­le Aus­drucks­wei­se, sug­ges­ti­bles Verhalten

6. Anan­kas­ti­sche (zwang­haf­te) Per­sön­lich­keits­stö­rung (F60.5)

  • Per­fek­tio­nis­mus, über­mä­ßi­ge Beschäf­ti­gung mit Ord­nung, Kon­trol­le und Regeln
  • Schwie­rig­kei­ten, Auf­ga­ben zu dele­gie­ren, star­ke Zwei­fel und Entscheidungsunsicherheit

7. Ängst­lich-ver­mei­den­de Per­sön­lich­keits­stö­rung (F60.6)

  • Sozia­le Unsi­cher­heit, aus­ge­präg­te Furcht vor Kri­tik und Zurückweisung
  • Ten­denz zur sozia­len Iso­la­ti­on trotz Wunsch nach Bindung

8. Abhän­gi­ge (asthe­ni­sche) Per­sön­lich­keits­stö­rung (F60.7)

  • Über­mä­ßi­ges Bedürf­nis nach Unter­stüt­zung und Fürsorge
  • Ent­schei­dungs­un­fä­hig­keit, Unter­ord­nung der eige­nen Bedürf­nis­se, Trennungsängste

9. Sons­ti­ge spe­zi­fi­sche Per­sön­lich­keits­stö­run­gen (F60.8)

Beinhal­tet wei­te­re For­men wie:

  • Nar­ziss­ti­sche Per­sön­lich­keits­stö­rung (nicht als eige­ne Dia­gno­se in der ICD-10 gelistet)
  • Pas­siv-aggres­si­ve (nega­ti­vis­ti­sche) Persönlichkeitsstörung
  • Halt­lo­se, unrei­fe oder exzen­tri­sche Persönlichkeitsbilder

10. Nicht näher bezeich­ne­te Per­sön­lich­keits­stö­rung (F60.9)

Wird ver­wen­det, wenn kei­ne der spe­zi­fi­schen Dia­gno­sen ein­deu­tig zutrifft.

2. Ursa­chen und Entstehung

Die Ent­wick­lung von Per­sön­lich­keits­stö­run­gen ist mul­ti­fak­to­ri­ell bedingt:

  • Gene­ti­sche und neu­ro­bio­lo­gi­sche Prädispositionen
  • Frü­he Bin­dungs­er­fah­run­gen, ins­be­son­de­re insta­bi­le oder trau­ma­ti­sie­ren­de Beziehungen
  • Dys­funk­tio­na­le Erzie­hungs- und Sozialisationsbedingungen
  • Indi­vi­du­el­le Bewäl­ti­gungs­stra­te­gien, die in extre­men Aus­prä­gun­gen zu star­ren Mus­tern werden

Die Über­gän­ge zu Per­sön­lich­keits­va­ri­an­ten oder akzen­tu­ier­ten Per­sön­lich­keits­zü­gen sind flie­ßend. Per­sön­lich­keits­stö­run­gen ent­wi­ckeln sich typi­scher­wei­se im Jugend­al­ter und mani­fes­tie­ren sich dau­er­haft bis ins Erwachsenenalter.

3. Behand­lung und Alltagsbewältigung

Per­sön­lich­keits­stö­run­gen sind lang­fris­ti­ge, aber behan­del­ba­re Stö­run­gen, wenn Betrof­fe­ne zur Mit­ar­beit bereit sind oder durch psy­cho­so­zia­le Umstän­de (z. B. Kri­sen, Kom­or­bi­di­tä­ten) zur Behand­lung moti­viert werden.

Psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Verfahren

  • Tie­fen­psy­cho­lo­gisch fun­dier­te Psy­cho­the­ra­pie
    Auf­ar­bei­tung frü­her Bezie­hungs­er­fah­run­gen, Ent­wick­lung sta­bi­ler Ich-Funktionen
  • Kogni­ti­ve Ver­hal­tens­the­ra­pie (KVT)
    Ver­än­de­rung dys­funk­tio­na­ler Denk­mus­ter, Auf­bau sozia­ler Kompetenzen
  • Sche­ma­the­ra­pie
    Inte­gra­ti­on von bio­gra­fi­schen Mus­tern, Bedürf­nis­sen und Emotionen
  • Dia­lek­tisch-Beha­vi­ora­le The­ra­pie (DBT)
    Beson­ders wirk­sam bei Bor­der­line-Stö­run­gen zur Emo­ti­ons­re­gu­la­ti­on und Impulskontrolle

Wei­te­re Interventionsformen

  • Psy­cho­edu­ka­ti­on zur För­de­rung von Ein­sicht und Selbstfürsorge
  • Sozi­al­päd­ago­gi­sche Unter­stüt­zung zur Struk­tu­rie­rung des Alltags
  • Medi­ka­men­tö­se The­ra­pie bei kom­or­bi­den Erkran­kun­gen wie Depres­sio­nen, Angst­stö­run­gen oder Impulskontrollstörungen
  • Recht­li­che Betreu­ung bei erheb­li­chen Beein­träch­ti­gun­gen der Selbstbestimmung

Zie­le der Behandlung

  • Ver­bes­se­rung der Selbst­wahr­neh­mung und Beziehungsfähigkeit
  • Erhö­hung der Stress­to­le­ranz und Impulskontrolle
  • För­de­rung von Selbst­wirk­sam­keit und sozia­ler Integration

Andau­ern­de Per­sön­lich­keits­än­de­run­gen nach Extrem­be­las­tung (ICD-10: F62)

Wenn sich die Per­sön­lich­keit lang­fris­tig verändert

1. Klas­si­fi­ka­ti­on und Formen

Die ICD-10-Dia­gno­se­grup­pe F62 umfasst andau­ern­de Per­sön­lich­keits­än­de­run­gen, die nicht Fol­ge einer orga­ni­schen Hirn­schä­di­gung sind. Die­se tief­grei­fen­den Ver­än­de­run­gen tre­ten nach extrem belas­ten­den Erleb­nis­senauf, wie z. B. wie­der­hol­ten Trau­ma­ti­sie­run­gen, lang­an­dau­ern­der Gewalt oder schwe­rer Vernachlässigung.

Die bekann­tes­te Form ist die:

Kom­ple­xe Post­trau­ma­ti­sche Belas­tungs­stö­rung (kPT­BS)

Sie tritt häu­fig nach wie­der­hol­ter oder chro­ni­scher Trau­ma­ti­sie­rung auf und geht über die klas­si­sche PTBS hin­aus. Wäh­rend bei der klas­si­schen PTBS Flash­backs und Ver­mei­dungs­ver­hal­ten domi­nie­ren, ste­hen bei der kPT­BS zusätz­lich tief­grei­fen­de Per­sön­lich­keits­ver­än­de­run­gen im Vordergrund.

Typi­sche Merkmale:

  • Chro­ni­sches Miss­trau­en gegen­über ande­ren Menschen
  • Sozia­ler Rück­zug, Iso­la­ti­on, Ver­lust von Bindungsfähigkeit
  • Emo­tio­na­le Taub­heit, Reiz­bar­keit oder erhöh­te Erregbarkeit
  • Gefühl der Ent­frem­dung, Sinn­lo­sig­keit, Wertlosigkeit
  • Dys­funk­tio­na­le Bewäl­ti­gungs­stra­te­gien, wie Selbst­ver­let­zung oder Substanzkonsum

2. Ursa­chen

Andau­ern­de Per­sön­lich­keits­ver­än­de­run­gen ent­ste­hen in der Regel nach:

  • Lang­fris­ti­ger psy­chi­scher oder phy­si­scher Gewalt (z. B. Miss­brauch, Kriegserfahrungen)
  • Chro­ni­scher Trau­ma­ti­sie­rung ohne Schutzfaktoren
  • Sozia­ler Depri­va­ti­on, z. B. bei Kin­dern in insti­tu­tio­nel­ler Fremdunterbringung
  • Unzu­rei­chen­der Nach­sor­ge nach trau­ma­ti­schen Erlebnissen

Risi­ko­fak­to­ren sind u. a. feh­len­de sta­bi­le Bin­dun­gen, früh­kind­li­che Ent­wick­lungs­trau­ma­ta und man­geln­de Resilienzressourcen.

3. Behand­lung und Alltagsbewältigung

Die Behand­lung erfolgt lang­fris­tig und mul­ti­mo­dal. Zen­tra­le Zie­le sind Sta­bi­li­sie­rung, Trau­ma­be­wäl­ti­gung und sozia­le Wiedereingliederung.

Psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Verfahren:

  • Trau­ma­zen­trier­te Psy­cho­the­ra­pie (z. B. EMDR, Sche­ma­the­ra­pie, psy­cho­dy­na­misch fun­dier­te Verfahren)
  • Sta­bi­li­sie­rungs­ar­beit zur För­de­rung von Sicher­heit, Ori­en­tie­rung und Selbstregulation
  • Bezie­hungs­ar­beit, da vie­le Betrof­fe­ne unter Bin­dungs­stö­run­gen leiden
  • Acht­sam­keits- und kör­per­ori­en­tier­te Ansät­ze zur Emotionsregulation

Ergän­zen­de Maßnahmen:

  • Medi­ka­men­tö­se Unter­stüt­zung bei beglei­ten­der Depres­si­on, Angst oder Schlafstörung
  • Sozi­al­päd­ago­gi­sche Beglei­tung (z. B. betreu­tes Woh­nen, Tages­struk­tur, Hil­fe bei Behördenkontakten)
  • Recht­li­che Betreu­ung, wenn die Selbst­sor­ge stark ein­ge­schränkt ist

All­tag und Integration:

  • Auf­bau eines ver­läss­li­chen sozia­len Netzes
  • Ent­wick­lung von Früh­warn­zei­chen und Notfallplänen
  • Inte­gra­ti­on in All­tag und Arbeits­welt (ggf. durch Teil­ha­be­as­sis­tenz oder Reha-Maßnahmen)

Stö­run­gen der Impuls­kon­trol­le und abnor­me Gewohn­hei­ten (ICD-10: F63)

Wenn der inne­re Drang stär­ker ist als der Wille

1. Klas­si­fi­ka­ti­on und Formen

Die ICD-10-Grup­pe F63 umfasst psy­chi­sche Stö­run­gen, bei denen Betrof­fe­ne wie­der­holt Ver­hal­tens­im­pul­sen nicht wider­ste­hen kön­nen, obwohl sie wis­sen, dass das Ver­hal­ten schäd­lich oder sozi­al uner­wünscht ist. Im Vor­der­grund steht eine ver­min­der­te Impuls­kon­trol­le, nicht sel­ten beglei­tet von Scham, Schuld und sozia­lem Rück­zug.

Typi­sche Formen:

  • Patho­lo­gi­sches Spie­len (F63.0):
    Zwang­haf­tes Glücks­spiel­ver­hal­ten mit Kon­troll­ver­lust, Schul­den, fami­liä­ren und beruf­li­chen Problemen
  • Pyro­ma­nie (F63.1):
    Wie­der­hol­tes, absicht­li­ches Legen von Brän­den aus inne­rem Drang, ohne äuße­ren Nutzen
  • Klep­to­ma­nie (F63.2):
    Zwang­haf­tes Steh­len von Gegen­stän­den ohne tat­säch­li­chen Bedarf
  • Tricho­t­il­lo­ma­nie (F63.3):
    Unkon­trol­lier­tes Aus­rei­ßen von Kopf‑, Augen­brau­en- oder Kör­per­haa­ren, oft in Stresssituationen

Die­se Ver­hal­tens­wei­sen sind nicht mit Befrie­di­gung durch den Akt selbst ver­bun­den, son­dern die­nen häu­fig der Span­nungs­re­gu­la­ti­on oder Selbst­be­ru­hi­gung.

2. Ursa­chen

Die genau­en Ursa­chen sind kom­plex und viel­schich­tig:

  • Neu­ro­bio­lo­gi­sche Fak­to­ren: Dys­re­gu­la­ti­on im Beloh­nungs­sys­tem (Dopa­min, Serotonin)
  • Psy­cho­dy­na­mi­sche Aspek­te: Unter­drück­te Kon­flik­te, Selbst­wert­pro­ble­me, Abwehrmechanismen
  • Lern­theo­re­ti­sche Erklä­run­gen: Erlern­te kurz­fris­ti­ge Span­nungs­re­duk­ti­on durch pro­ble­ma­ti­sches Verhalten
  • Sozia­le Fak­to­ren: Iso­la­ti­on, Stress, emo­tio­na­le Ver­nach­läs­si­gung, Man­gel an Alternativen

Impuls­kon­troll­stö­run­gen tre­ten oft kom­or­bid mit Depres­sio­nen, Angst­stö­run­gen oder Per­sön­lich­keits­stö­run­gen auf.

3. Behand­lung und Alltagsbewältigung

Die Behand­lung zielt auf Ein­sichts­för­de­rung, Impuls­re­gu­la­ti­on und Ver­hal­tens­än­de­rung. Je frü­her die Inter­ven­ti­on erfolgt, des­to güns­ti­ger ist der Verlauf.

Psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Maßnahmen:

  • Kogni­ti­ve Ver­hal­tens­the­ra­pie (KVT): Iden­ti­fi­ka­ti­on von Aus­lö­sern, Auf­bau alter­na­ti­ver Bewältigungsstrategien
  • Ver­hal­tens­ex­pe­ri­men­te und Expositionstraining
  • Moti­vie­ren­de Gesprächs­füh­rung (MI) zur För­de­rung von Veränderungsbereitschaft
  • Grup­pen­the­ra­pie, ins­be­son­de­re bei Glücks­spiel­sucht (z. B. SHG, Reha-Angebote)

Medi­ka­men­tö­se Unterstützung:

  • Bei hoher Impul­si­vi­tät: Ein­satz von SSRI oder stim­mungs­sta­bi­li­sie­ren­den Medikamenten
  • Kei­ne Stan­dard­me­di­ka­ti­on – stets indi­vi­du­ell abzuwägen

Sozia­le Maß­nah­men und Alltagshilfen:

  • Tages­struk­tur und kla­re Regeln
  • Acht­sam­keits­trai­ning und Impulskontrollübungen
  • Reha­bi­li­ta­ti­on oder Ein­glie­de­rungs­hil­fe bei erheb­li­chen sozia­len Folgen
  • Recht­li­che Betreu­ung, wenn Schul­den­re­gu­lie­rung oder Selbst­sor­ge nicht gewähr­leis­tet sind

Stö­run­gen der Geschlechts­iden­ti­tät, Sexu­al­prä­fe­renz und sexu­el­len Ent­wick­lung (ICD-10: F64–F66)

Zwi­schen Iden­ti­tät, Ori­en­tie­rung und Normabweichung

1. Klas­si­fi­ka­ti­on und Formen

Die ICD-10-Kate­go­rien F64 bis F66 fas­sen psy­chi­sche Stö­run­gen zusam­men, die im Zusam­men­hang mit Geschlechts­iden­ti­tätsexu­el­len Vor­lie­ben und sexu­el­ler Ent­wick­lung ste­hen. Es han­delt sich dabei um sehr unter­schied­li­che Phä­no­me­ne – von tie­fem Iden­ti­täts­kon­flikt bis hin zu norm­ab­wei­chen­den sexu­el­len Nei­gun­gen oder ent­wick­lungs­be­ding­ten Schwierigkeiten.

F64 – Stö­run­gen der Geschlechtsidentität

Stö­run­gen der Geschlechts­iden­ti­tät beschrei­ben Zustän­de, in denen die erleb­te Geschlechts­zu­ge­hö­rig­keit im Wider­spruch zum bei Geburt zuge­wie­se­nen bio­lo­gi­schen Geschlecht steht. Dazu zählen:

  • Trans­se­xua­lis­mus (F64.0):
    Der Wunsch, dem ande­ren Geschlecht anzu­ge­hö­ren und als die­ses aner­kannt zu wer­den, oft mit dem Stre­ben nach medi­zi­ni­scher Geschlechtsangleichung.
  • Trans­ves­ti­tis­mus unter Bei­be­hal­tung bei­der Geschlechts­rol­len (F64.1):
    Das wie­der­hol­te Tra­gen der Klei­dung des ande­ren Geschlechts zur Stär­kung der Geschlechts­iden­ti­tät, ohne Wunsch nach dau­er­haf­ter Geschlechtsangleichung.

Die­se Dia­gno­sen sind nicht zu ver­wech­seln mit nicht-hete­ro­nor­ma­ti­ver Geschlechts­iden­ti­tät oder Tran­si­den­ti­tät, wie sie heu­te im Rah­men des ICD-11 unter „Gen­der Incon­gru­ence“ deut­lich ent­pa­tho­lo­gi­siert wurde.

F65 – Stö­run­gen der Sexu­al­prä­fe­renz (Para­phi­lien)

Hier­zu zäh­len sexu­el­le Vor­lie­ben, die deut­lich von gesell­schaft­li­chen Nor­men abwei­chen und/oder mit Lei­dens­druck oder Gefähr­dung Drit­ter ein­her­ge­hen. Die sexu­el­le Erre­gung bezieht sich hier­bei nicht auf ein­ver­nehm­li­che zwi­schen­mensch­li­che Sexualität.

Bei­spie­le:

  • Feti­schis­mus: Erre­gung durch unbe­leb­te Objek­te (z. B. Kleidung)
  • Feti­schis­ti­scher Trans­ves­ti­tis­mus: Sexu­el­le Erre­gung durch das Tra­gen von Klei­dung des ande­ren Geschlechts
  • Exhi­bi­tio­nis­mus: Drang, Geschlechts­tei­le in der Öffent­lich­keit zu zeigen
  • Voy­eu­ris­mus: Beob­ach­tung ande­rer beim Ent­klei­den oder Geschlechts­ver­kehr ohne deren Wissen
  • Pädo­phi­lie: Sexu­el­les Inter­es­se an vor­pu­ber­tä­ren Kin­dern (straf­recht­lich relevant)
  • Sado­ma­so­chis­mus: Lust­ge­winn durch Zufü­gung oder Erle­ben von Schmerz oder Unterwerfung
  • Mul­ti­ple oder sons­ti­ge Para­phi­lien: z. B. Frot­teu­ris­mus, Nekrophilie

Nicht jede norm­ab­wei­chen­de Nei­gung ist krank­heits­wer­tig – aus­schlag­ge­bend sind Lei­dens­druck, Kon­troll­ver­lust und Fremd­ge­fähr­dung.

F66 – Psy­chi­sche und Ver­hal­tens­stö­run­gen in Ver­bin­dung mit der sexu­el­len Ent­wick­lung und Orientierung

Die­se Kate­go­rie umfasst Stö­run­gen im Zusam­men­hang mit der sexu­el­len Rei­fung oder Ori­en­tie­rung, die mit erheb­li­chem inne­ren Kon­flikt oder psy­cho­so­zia­ler Belas­tung einhergehen.

For­men:

  • Sexu­el­le Rei­fungs­kri­se (F66.0): Unsi­cher­heit über die sexu­el­le Ori­en­tie­rung wäh­rend der Adoleszenz
  • Ich­dys­tone Sexu­al­ori­en­tie­rung (F66.1): Ableh­nung der eige­nen sexu­el­len Ori­en­tie­rung bei ansons­ten sta­bi­ler Identität
  • Sexu­el­le Bezie­hungs­stö­rung (F66.2): Schwie­rig­kei­ten, sta­bi­le und erfül­len­de sexu­el­le Bezie­hun­gen zu füh­ren, ohne dass eine kla­re Dia­gno­se vorliegt

2. Ursa­chen

Die Ursa­chen die­ser Stö­run­gen sind je nach Kate­go­rie sehr unterschiedlich:

Bei F64 (Geschlechts­iden­ti­tät):

  • Mul­ti­fak­to­ri­el­les Modell: Bio­lo­gi­sche, psy­cho­lo­gi­sche und sozia­le Einflüsse
  • Frü­he Kind­heits­er­fah­run­gen, Geschlech­ter­rol­len­bil­der, indi­vi­du­el­le Persönlichkeitsmerkmale
  • Stig­ma­ti­sie­rung und gesell­schaft­li­cher Druck ver­stär­ken das Lei­den oft mehr als die Iden­ti­tät selbst

Bei F65 (Sexu­al­prä­fe­renz­stö­run­gen):

  • Ent­wick­lungs­psy­cho­lo­gi­sche und neu­ro­bio­lo­gi­sche Faktoren
  • Kon­di­tio­nie­rung, Erleb­nis­se in Kind­heit und Jugend
  • Man­gel an zwi­schen­mensch­li­cher Sexua­li­tät, emo­tio­na­le Depri­va­ti­on oder Traumatisierungen

Bei F66 (sexu­el­le Rei­fungs- und Orientierungskonflikte):

  • Psy­cho­so­zia­le Span­nungs­fel­der, z. B. reli­giö­se, fami­liä­re oder kul­tu­rel­le Ablehnung
  • Iden­ti­täts­ent­wick­lung in der Adoleszenz
  • Inter­na­li­sier­te Homo­ne­ga­ti­vi­tät oder trans­feind­li­che Erfahrungen

3. Behand­lung und Alltagsbewältigung

Die The­ra­pie­an­sät­ze unter­schei­den sich je nach Dia­gno­se erheblich:

Stö­run­gen der Geschlechts­iden­ti­tät (F64)

  • Psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Beglei­tung auf dem Weg zur Selbstakzeptanz
  • Beglei­ten­de Bera­tung bei geschlechts­an­glei­chen­den Maßnahmen
  • Stär­kung der Resi­li­enz gegen­über Diskriminierung
  • Mul­ti­dis­zi­pli­nä­re Behand­lungs­teams, z. B. Sexu­al­me­di­zin, Endo­kri­no­lo­gie, Psychotherapie

Wich­tig: Tran­si­den­ti­tät ist kei­ne psy­chi­sche Erkran­kung! Nur der damit ver­bun­de­ne Lei­dens­druck ist behandlungsbedürftig.

Para­phi­le Stö­run­gen (F65)

  • Ver­hal­tens­the­ra­peu­ti­sche Ver­fah­ren zur Impuls- und Triebkontrolle
  • Psy­cho­edu­ka­ti­on und Rück­fall­prä­ven­ti­on, ins­be­son­de­re bei pädo­se­xu­el­lem Risiko
  • Grup­pen­the­ra­pie und kon­trol­lier­te Sexu­al­the­ra­pie bei nicht straf­recht­lich rele­van­ten Paraphilien
  • Medi­ka­men­tö­se Unter­stüt­zung in Hoch­ri­si­ko­fäl­len (z. B. Anti­an­dro­ge­ne, SSRI)

Stö­run­gen der sexu­el­len Ent­wick­lung oder Ori­en­tie­rung (F66)

  • Bera­tungs- und The­ra­pie­an­ge­bo­te mit wert­frei­er, affir­ma­ti­ver Haltung
  • Klä­rung der eige­nen Ori­en­tie­rung und Ent­wick­lung eines sta­bi­len Selbstkonzepts
  • Ein­be­zie­hung des sozia­len Umfelds, För­de­rung von Akzep­tanz und Selbstwert
  • Unter­stüt­zung bei Coming-out-Pro­zes­sen und Partnerschaftsgestaltung

Intel­li­genz­min­de­rung (ICD-10: F70–F79)

Geis­ti­ge Behin­de­rung ver­ste­hen, ein­ord­nen und begleiten

1. Klas­si­fi­ka­ti­on und Formen

Unter dem Begriff Intel­li­genz­min­de­rung (auch: geis­ti­ge Behin­de­rung) wer­den Stö­run­gen zusam­men­ge­fasst, die durch eine deut­lich unter­durch­schnitt­li­che intel­lek­tu­el­le Leis­tungs­fä­hig­keit gekenn­zeich­net sind. Zusätz­lich zur kogni­ti­ven Beein­träch­ti­gung bestehen Ein­schrän­kun­gen in der sozia­len Anpas­sungs­fä­hig­keit, ins­be­son­de­re in Berei­chen wie Kom­mu­ni­ka­ti­on, Selbst­ver­sor­gung, Ler­nen, zwi­schen­mensch­li­che Bezie­hun­gen und selbst­be­stimm­te Lebensführung.

Die ICD-10 unter­schei­det die Aus­prä­gung der Intel­li­genz­min­de­rung anhand des Intel­li­genz­quo­ti­en­ten (IQ):

ICD-10 CodeBezeich­nungIQ-BereichMerk­ma­le
F70Leich­te IntelligenzminderungIQ ca. 50–69Lern­schwie­rig­kei­ten in der Schu­le, oft selbst­stän­dig im All­tag mit Hilfe
F71Mit­tel­gra­di­ge IntelligenzminderungIQ ca. 35–49Erheb­li­che Beein­träch­ti­gung in All­tag und Kom­mu­ni­ka­ti­on, Schul­be­such mit son­der­päd­ago­gi­scher Förderung
F72Schwe­re IntelligenzminderungIQ ca. 20–34Stark ein­ge­schränk­te Selbst­ver­sor­gung, lebens­lan­ge Betreu­ung erforderlich
F73Schwers­te IntelligenzminderungIQ unter 20Tief­grei­fen­de Beein­träch­ti­gung, inten­si­ve Pfle­ge und Unter­stüt­zung notwendig
F78Ande­re IntelligenzminderungAbwei­chen­de oder kom­bi­nier­te Erscheinungsformen
F79Nicht näher bezeich­ne­te IntelligenzminderungVer­wen­dung, wenn kei­ne genaue­re Ein­ord­nung mög­lich ist

Die Klas­si­fi­ka­ti­on erfolgt immer in Kom­bi­na­ti­on mit der Ein­schät­zung sozi­al-adap­ti­ver Fähig­kei­ten – der IQ-Wert allein ist nicht ausschlaggebend.

2. Ursa­chen

Die Ursa­chen für eine Intel­li­genz­min­de­rung sind viel­fäl­tig und häu­fig bereits in der frü­hen Ent­wick­lung wirk­sam. Sie las­sen sich grob in prä­na­ta­le, peri­na­ta­le und post­na­ta­le Fak­to­ren einteilen:

  • Prä­na­tal (vor der Geburt):
    • Gene­ti­sche Syn­dro­me (z. B. Tri­so­mie 21, Fragiles-X-Syndrom)
    • Stoff­wech­sel­stö­run­gen (z. B. Phenylketonurie)
    • Schä­di­gung durch Alko­hol, Dro­gen oder Infektionen
  • Peri­na­tal (wäh­rend der Geburt):
    • Sau­er­stoff­man­gel
    • Früh­ge­burt­lich­keit oder Kom­pli­ka­tio­nen bei der Geburt
  • Post­na­tal (nach der Geburt):
    • Hirn­haut­ent­zün­dun­gen, Schädel-Hirn-Trauma
    • Schwe­re sozia­le Ver­nach­läs­si­gung oder Reiz­ar­mut (Depri­va­ti­on)

In man­chen Fäl­len bleibt die Ursa­che unbe­kannt (idio­pa­thisch).

3. Behand­lung und Alltagsbewältigung

Eine Intel­li­genz­min­de­rung ist nicht heil­bar, aber durch geziel­te För­de­rung kön­nen Fähig­kei­ten gestärkt und Teil­ha­be ermög­licht wer­den. Ziel ist immer die Ent­wick­lung von Selbst­stän­dig­keit, Lebens­qua­li­tät und sozia­ler Inte­gra­ti­on.

Früh­för­de­rung und Bildung:

  • Früh­för­der­stel­len: Dia­gnos­tik, Ent­wick­lungs­för­de­rung, Elternberatung
  • Son­der­päd­ago­gi­sche För­de­rung in För­der­schu­len oder inklu­si­ven Settings
  • Sprach‑, Ergo- und Phy­sio­the­ra­pie bei Bedarf

All­tags­un­ter­stüt­zung:

  • Assis­tenz im All­tag (z. B. Schul­be­glei­tung, Teilhabeassistenz)
  • Ambu­lan­te oder sta­tio­nä­re Wohn­for­men (z. B. betreu­tes Woh­nen, Wohngruppen)
  • Tages­struk­tu­rie­ren­de Ange­bo­te (z. B. Werk­stät­ten für Men­schen mit Behinderung)

Psy­cho­so­zia­le und recht­li­che Begleitung:

  • Päd­ago­gi­sche Bera­tung und Unter­stüt­zung der Familie
  • Recht­li­che Betreu­ung bei Ein­schrän­kung der Selbstbestimmung
  • Ein­glie­de­rungs­hil­fe nach SGB IX, z. B. durch das Per­sön­li­che Bud­get oder Assistenzleistungen

Auch Men­schen mit Intel­li­genz­min­de­rung haben ein Recht auf Selbst­be­stim­mung, Inklu­si­on und gesell­schaft­li­che Teil­ha­be.

Ent­wick­lungs­stö­run­gen im Kin­des­al­ter (ICD-10: F80–F89)

Sprach‑, Lern- und Ver­hal­tens­be­son­der­hei­ten ver­ste­hen und begleiten

1. Klas­si­fi­ka­ti­on und Formen

Ent­wick­lungs­stö­run­gen im ICD-10-Bereich F80 bis F89 umfas­sen eine Grup­pe von Stö­run­gen, die sich in der frü­hen Kind­heit bemerk­bar machen und die nor­ma­le Ent­wick­lung von Spra­che, Moto­rik, Ler­nen oder sozia­ler Inter­ak­ti­on beein­träch­ti­gen. Die Ursa­chen lie­gen nicht in einer all­ge­mei­nen Intel­li­genz­min­de­rung, son­dern betref­fen umschrie­be­ne Funk­ti­ons­be­rei­che oder mani­fes­tie­ren sich als tief­grei­fen­de, kom­ple­xe Stö­run­gen.

F80 – Umschrie­be­ne Ent­wick­lungs­stö­run­gen des Spre­chens und der Sprache

Die­se Stö­run­gen betref­fen die Sprach­ver­ar­bei­tung und ‑pro­duk­ti­on, ohne dass eine orga­ni­sche Ursa­che (z. B. Hör­stö­rung) vorliegt.

Bei­spie­le:

  • Arti­ku­la­ti­ons­stö­rung (Dys­la­lie): Pro­ble­me mit der Laut­bil­dung („Lis­peln“)
  • Expres­si­ve Sprach­stö­rung: Ein­ge­schränk­ter Wort­schatz, kur­ze Sätze
  • Rezep­ti­ve Sprach­stö­rung: Schwie­rig­kei­ten beim Sprachverständnis
  • Erwor­be­ne Apha­sie mit Epi­lep­sie (Land­au-Kleff­ner-Syn­drom)

F81 – Umschrie­be­ne Ent­wick­lungs­stö­run­gen schu­li­scher Fertigkeiten

Hier steht die Beein­träch­ti­gung spe­zi­fi­scher schu­li­scher Fähig­kei­ten im Vor­der­grund – trotz nor­ma­ler Intelligenz.

Bei­spie­le:

  • Lese- und Recht­schreib­stö­rung (Leg­asthe­nie)
  • Rechen­stö­rung (Dys­kal­ku­lie)
  • Iso­lier­te Rechtschreibstörung
  • Kom­bi­nier­te schu­li­sche Fertigkeitsstörungen

F82 – Umschrie­be­ne Ent­wick­lungs­stö­rung der moto­ri­schen Funktionen

  • Auch als Dys­pra­xie oder Ent­wick­lungs­dys­pra­xie bezeichnet
  • Beein­träch­ti­gung grob- und fein­mo­to­ri­scher Koor­di­na­ti­on, z. B. beim Schrei­ben, Balan­cie­ren oder Han­tie­ren mit Gegenständen

F83 – Kom­bi­nier­te umschrie­be­ne Entwicklungsstörungen

  • Stö­run­gen in meh­re­ren Ent­wick­lungs­be­rei­chen gleich­zei­tig (z. B. Spra­che + Moto­rik + schu­li­sche Fer­tig­kei­ten), ohne dass die Kri­te­ri­en für eine tief­grei­fen­de Ent­wick­lungs­stö­rung erfüllt sind

F84 – Tief­grei­fen­de Entwicklungsstörungen

Die­se Stö­run­gen beein­träch­ti­gen sozia­le Inter­ak­ti­on, Kom­mu­ni­ka­ti­on und Ver­hal­ten in erheb­li­chem Maße. Sie wer­den heu­te unter dem Begriff Autis­mus-Spek­trum-Stö­run­gen (ASS) zusammengefasst.

Bei­spie­le:

  • Früh­kind­li­cher Autis­mus (Kan­ner-Syn­drom)
  • Asper­ger-Syn­drom
  • Aty­pi­scher Autismus
  • Rett-Syn­dromHel­ler­sche Demenz
  • Über­ak­ti­ve Stö­rung mit Intel­li­genz­min­de­rung und Bewegungsstereotypien

F88 – Ande­re Entwicklungsstörungen

  • Z. B. ent­wick­lungs­be­ding­te Agno­si­en, also Stö­run­gen der Wahr­neh­mungs­ver­ar­bei­tung (z. B. visu­el­le oder audi­tive Agnosie)

F89 – Nicht näher bezeich­ne­te Entwicklungsstörung

  • Wird ver­wen­det, wenn kei­ne spe­zi­fi­sche­re Zuord­nung mög­lich ist

2. Ursa­chen

Ent­wick­lungs­stö­run­gen sind mul­ti­fak­to­ri­ell bedingt und kön­nen gene­ti­sche, neu­ro­bio­lo­gi­sche oder umwelt­be­ding­te Ursa­chen haben.

Typi­sche Einflussfaktoren:

  • Gene­ti­sche Syn­dro­me (z. B. Fra­gi­les-X-Syn­drom, Rett-Syndrom)
  • Früh­ge­burt­lich­keit oder Kom­pli­ka­tio­nen bei der Geburt
  • Stö­run­gen in der neu­ro­na­len Ver­net­zung (z. B. bei Autismus)
  • Sprach­ent­wick­lungs­stö­run­gen in der Fami­lie (erhöh­te gene­ti­sche Prävalenz)
  • Psy­cho­so­zia­le Fak­to­ren (Reiz­ar­mut, Bin­dungs­stö­run­gen) als ver­stär­ken­de, nicht aus­lö­sen­de Faktoren

3. Behand­lung und Alltagsbewältigung

Die Behand­lung erfolgt in einem mul­ti­dis­zi­pli­nä­ren Rah­men, ange­passt an die spe­zi­fi­sche Entwicklungsstörung.

Dia­gnos­tik und Frühförderung

  • Inter­dis­zi­pli­nä­re Dia­gnos­tik (Kin­der- und Jugend­psych­ia­trie, Logo­pä­die, Ergo­the­ra­pie, SPZ)
  • Früh­för­der­stel­len: Ent­wick­lungs­dia­gnos­tik, Eltern­be­ra­tung, spie­le­ri­sche Förderung

The­ra­pie und Förderung

  • Logo­pä­die bei Sprach- und Sprechstörungen
  • Ergo­the­ra­pie bei moto­ri­schen oder visuo­mo­to­ri­schen Defiziten
  • Lern­the­ra­pie bei schu­li­schen Entwicklungsstörungen
  • Autis­mus­the­ra­pie­pro­gram­me (z. B. TEACCH, ABA)
  • Sozi­al­päd­ago­gi­sche Beglei­tung zur Inte­gra­ti­on in Kita, Schu­le oder Freizeitangebote

All­tags­be­wäl­ti­gung und Teilhabe

  • Inklu­si­ve oder son­der­päd­ago­gi­sche Beschulung
  • Assis­tenz im Schul- und Frei­zeit­be­reich (z. B. Schulbegleitung)
  • Bera­tung der Eltern und Bezugspersonen
  • Recht­li­che Betreu­ung im Erwach­se­nen­al­ter, sofern Selbst­sor­ge ein­ge­schränkt ist

Ziel ist immer die best­mög­li­che Teil­ha­be, Selbst­stän­dig­keit und Lebens­qua­li­tät – unab­hän­gig vom Aus­maß der Einschränkung.

Gesamt­fa­zit: Psy­chi­sche Erkran­kun­gen im Fokus der Sozia­len Arbeit

Fach­kom­pe­tenz, Hal­tung und Hand­lungs­ori­en­tie­rung im Umgang mit psy­chisch erkrank­ten Menschen

Die Aus­ein­an­der­set­zung mit den psy­chi­schen und ver­hal­tens­be­zo­ge­nen Stö­run­gen gemäß ICD-10 (F00–F99) macht deut­lich, wie viel­fäl­tig, kom­plex und facet­ten­reich psy­chi­sche Beein­träch­ti­gun­gen sein kön­nen. Vom miss­bräuch­li­chen Sub­stanz­kon­sum über affek­ti­ve Erkran­kun­gen und Per­sön­lich­keits­stö­run­gen bis hin zu Ent­wick­lungs­stö­run­gen im Kin­des­al­ter wird das gesam­te Spek­trum mensch­li­cher Vul­nerabi­li­tät sicht­bar – mit tief­grei­fen­den Aus­wir­kun­gen auf die Lebens­füh­rung, sozia­le Teil­ha­be und Selbstbestimmung.

1. Bedeu­tung für die Sozia­le Arbeit

Psy­chi­sche Erkran­kun­gen betref­fen nicht nur die medi­zi­ni­sche, son­dern in beson­de­rem Maße die sozi­al­ar­bei­te­ri­sche Pra­xis. Fach­kräf­te der Sozia­len Arbeit – ins­be­son­de­re in der recht­li­chen Betreu­ung, Ein­glie­de­rungs­hil­fe, Jugend­hil­fe und im psy­cho­so­zia­len Feld – sind gefor­dert, sen­si­bel, unter­stüt­zend und struk­tur­schaf­fend tätig zu wer­den. Denn:

  • Psy­chi­sche Erkran­kun­gen kön­nen die Ent­schei­dungs- und Hand­lungs­fä­hig­keit ein­schrän­ken und erfor­dern nicht sel­ten eine recht­li­che Betreu­ung zur Siche­rung von Rech­ten und Bedürfnissen.
  • Die sozia­le Dimen­si­on psy­chi­scher Erkran­kun­gen – etwa Aus­gren­zung, Stig­ma­ti­sie­rung, Woh­nungs- oder Arbeits­ver­lust – ist oft gra­vie­ren­der als die Dia­gno­se selbst.
  • Sys­te­mi­sches Den­ken, Inter­dis­zi­pli­na­ri­tät und Bezie­hungs­ge­stal­tung sind Schlüs­sel­kom­pe­ten­zen der Sozia­len Arbeit in die­sem Feld.

2. Anfor­de­run­gen an Fachkräfte

Die Blog­rei­he ver­deut­licht: Für Fach­kräf­te in der Sozia­len Arbeit ist fach­li­ches Wis­sen über psych­ia­tri­sche Klas­si­fi­ka­tio­nen eben­so wich­tig wie die Fähig­keit zur kom­mu­ni­ka­ti­ven und res­sour­cen­ori­en­tier­ten Beglei­tung. Dies beinhaltet:

  • Grund­le­gen­des Ver­ständ­nis der ICD-10-Klas­si­fi­ka­ti­on psy­chi­scher Erkrankungen
  • Dif­fe­ren­zier­te Ein­schät­zung von Sym­pto­men, Ver­läu­fen und psy­cho­so­zia­len Auswirkungen
  • Kennt­nis und Refle­xi­on der recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen (z. B. SGB, BtG, PsychKG)
  • Stär­kung von Selbst­be­stim­mung unter Berück­sich­ti­gung von Schutzbedarfen
  • Ein­be­zug von Ange­hö­ri­gen, mul­ti­pro­fes­sio­nel­len Netz­wer­ken und Versorgungsstrukturen

3. Hal­tung und Ethik

Die Beglei­tung psy­chisch erkrank­ter Men­schen erfor­dert mehr als Fach­wis­sen – sie ver­langt eine wert­schät­zen­de, res­sour­cen­ori­en­tier­te Grund­hal­tung, die Nicht­ver­ste­hen aus­hält und den­noch in Bezie­hung bleibt.

„Nicht das Eti­kett bestimmt den Men­schen, son­dern der Mensch braucht Ver­ständ­nis, Struk­tur und Beziehung.“

Die Sozia­le Arbeit ist als Men­schen­rechts­pro­fes­si­on auf­ge­for­dert, nicht nur auf Defi­zi­te zu reagie­ren, son­dern Stär­ken, Poten­zia­le und Teil­ha­be­chan­cen zu för­dern. Beson­ders im Umgang mit Per­sön­lich­keits­stö­run­gen, Trau­ma­fol­ge­stö­run­gen oder chro­ni­schen Erkran­kun­gen ist Kon­ti­nui­tät, Ver­läss­lich­keit und Hal­tung oft wirk­sa­mer als jede Intervention.

Aus­blick: Pra­xis stär­ken – Zusam­men­ar­beit fördern

Die Blog­rei­he lie­fert eine kom­pak­te, fach­lich fun­dier­te Ori­en­tie­rung über psy­chi­sche Stö­rungs­bil­der für alle, die in der sozia­len und recht­li­chen Betreu­ung tätig sind. Sie kann als Grund­la­ge für Fort­bil­dun­gen, Pra­xis­re­fle­xio­nen oder Fall­be­spre­chun­gen dienen.

Für die Pra­xis der Sozia­len Arbeit gilt:

  • Dia­gno­sen erklä­ren Ver­hal­ten – aber sie erset­zen kei­ne Biografie.
  • Struk­tur, Bezie­hung und Teil­ha­be sind zen­tra­le Wirk­fak­to­ren sozi­al­ar­bei­te­ri­schen Handelns.
  • Inter­dis­zi­pli­nä­re Zusam­men­ar­beit, z. B. mit Psych­ia­trie, Pfle­ge, Schu­le oder Jus­tiz, ist unab­ding­bar für nach­hal­ti­ge Hilfeprozesse.