ICF-Ori­en­tie­rung in der Ein­glie­de­rungs­hil­fe für Men­schen mit Behin­de­run­gen (Stand 2021)

Die­ser Bei­trag fokus­siert die ver­än­der­te Situa­ti­on des Leis­tungs­er­brin­gers in der Ein­glie­de­rungs­hil­fe für Men­schen mit Behin­de­run­gen als Fol­ge der BTHG-Umset­zung in Nie­der­sach­sen, sodass die­ser ledig­lich für die Pla­nung pas­sen­der Maß­nah­men ver­ant­wort­lich sein wird und die Umset­zung der Maß­nah­men an den Leis­tungs­trä­ger zurück­mel­det. Die Hoheit über die ein­zel­nen Hil­fe­ver­fah­ren liegt beim Trä­ger der Ein­glie­de­rungs­hil­fe, bspw. beim ört­li­chen Sozi­al­amt. Es ist ver­ant­wort­lich und führt das ICF-ori­en­tier­te B.E.Ni-Verfahren aus. 

Mit der Rati­fi­zie­rung der UN-Behin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on (UN-BRK) erfolg­te ein Para­dig­men­wech­sel in der Ein­glie­de­rungs­hil­fe für Men­schen mit Behin­de­run­gen, d.h. ein Wech­sel vom Für­sor­ge­sys­tem hin zur Rea­li­sie­rung der Teil­ha­be am Leben in der Gesell­schaft. Zen­tra­ler Begriff der UN-BRK ist die Inklu­si­on. „Wäh­rend Inte­gra­ti­on als Her­stel­lung eines Gan­zen defi­niert wer­den kann, ist Inklu­si­on die Ein­be­zie­hung in ein Gan­zes [,] wonach jede ein­zel­ne Per­son in Gesell­schaft und Arbeits­markt ein­zu­be­zie­hen [ist]“ (sie­he Welti & Nacht­schatt, S. 68). Damit sol­len alle Men­schen „glei­che Frei­hei­ten und deren mate­ri­el­le Grund­la­gen und Vor­aus­set­zun­gen“ erhal­ten (ebd.), was einer rea­li­sier­ten Teil­ha­be gleich­kommt. Ins­be­son­de­re die Rechts­nor­men des SGB IX sol­len Men­schen mit Beein­träch­ti­gun­gen dabei unter­stüt­zen, „[…] ihre Selbst­be­stim­mung und […] vol­le, wirk­sa­me und gleich­be­rech­tig­te Teil­ha­be am Leben in der Gesell­schaft zu för­dern, Benach­tei­li­gun­gen zu ver­mei­den oder ihnen ent­ge­gen­zu­wir­ken“ (sie­he § 1 SGB IX). Teil­ha­be gestal­tet sich dem­nach nach dem Leit­satz “Nicht über uns ohne uns”. Sol­che Leis­tun­gen aus der Ein­glie­de­rungs­hil­fe erhal­ten dem­nach Men­schen, die „[…] kör­per­li­che, see­li­sche, geis­ti­ge oder Sin­nes­be­ein­träch­ti­gun­gen haben, die sie in Wech­sel­wir­kung mit ein­stel­lungs- und umwelt­be­ding­ten Bar­rie­ren an der gleich­be­rech­tig­ten Teil­ha­be an der Gesell­schaft mit hoher Wahr­schein­lich­keit län­ger als sechs Mona­te hin­dern kön­nen. Eine Beein­träch­ti­gung […] liegt vor, wenn der Kör­per- und Gesund­heits­zu­stand von dem für das Lebens­al­ter typi­schen Zustand abweicht. Men­schen sind von Behin­de­rung bedroht, wenn eine Beein­träch­ti­gung nach […] zu erwar­ten ist“ (sie­he § 2 Abs. 1 SGB IX). Behin­de­run­gen als Lang­fris­ti­ge kör­per­li­che, see­li­sche, geis­ti­ge oder Sin­nes­be­ein­träch­ti­gun­gen, die in Ver­bin­dung mit Bar­rie­ren an der Teil­ha­be an Gesell­schaft hin­dern, las­sen den Begriff an die Gesund­heits­de­fi­ni­ti­on der ICF (ICF und ver­wand­te Klas­si­fi­ka­ti­ons­sys­te­me) anknüp­fen (sie­he Welti & Nacht­schatt, S. 64). Die­se Ver­än­de­rung erfolg­te ins­be­son­de­re durch die Umset­zung der UN-BRK in deut­sches Recht mit dem BTHG. Ins­be­son­de­re durch das BTHG und die damit ver­bun­de­ne Neu­fas­sung des SGB IX wird durch § 13 SGB IX eine ein­heit­li­che Bedarfs­fest­stel­lung nach ICF-Kri­te­ri­en gefor­dert. In Nie­der­sach­sen wird die­se For­de­rung durch das Instru­ment der Bedarfs­er­mitt­lung Nie­der­sach­sen (kurz B.E.Ni) umge­setzt. Auch die­ses Instru­ment befin­det sich noch in der Wei­ter­ent­wick­lung. Aktu­ell lie­gen B.E.Ni 3.0 sowie ent­spre­chen­de Arbeits­hil­fen vor. Das B.E.Ni-Verfahren glie­dert sich ent­spre­chen­de Bögen in fünf Pha­sen von F1-F5.

ICF-Orientierung in der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen (Stand 2021) Dieser Beitrag fokussiert die veränderte Situation des Leistungserbringers in der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen als Folge der BTHG-Umsetzung in Niedersachsen mit dem ICF-orientierten B.E.Ni-Verfahren.
Abbil­dung 1. B.E.Ni 3.0 und Leistungserbringer

Mit der drit­ten Stu­fe des BTHG ist zum Jah­res­wech­sel 2020 u.a. die Ein­glie­de­rungs­hil­fe in das SGB IX über­führt wor­den und damit ein Leis­tungs­recht für Men­schen mit Behin­de­run­gen ent­stan­den, um den leis­tungs­be­rech­tig­ten Men­schen „Maß­nah­men wie aus einer Hand“ anbie­ten zu kön­nen. Fer­ner bedeu­tet dies, dass der Leis­tungs­trä­ger der Ein­glie­de­rungs­hil­fe die Gesamt­ver­ant­wor­tung für den Hil­fe­pro­zess über­nimmt. Die­ser wird durch die Novel­lie­rung zu einem Gesamt- und Teil­ha­be­plan­ver­fah­ren in der Ver­ant­wor­tung des Leis­tungs­trä­gers. Pri­mä­rer Fokus auch in die­sem Ver­fah­ren ist die Par­ti­zi­pa­ti­on der Leis­tungs­be­rech­tig­ten an die­sem Pro­zess. Ihre Wün­sche und Zie­le sind maß­ge­bend für das Ver­fah­ren, wodurch stär­ker als bis­her eine Per­so­nen­zen­trie­rung ermög­licht wer­den soll. Der Leis­tungs­trä­ger erfasst die funk­tio­na­len Bedar­fe ICF-ori­en­tiert und trä­ger­über­grei­fend gemein­sam mit den leis­tungs­be­rech­tig­ten Per­so­nen und plant die Ein­glie­de­rungs­zie­le mit ihnen als über­ge­ord­ne­te und koor­di­nie­ren­de Ein­heit in einem Gesamt­plan (GP) (sie­he Hand­buch B.E.Ni 3.0; S. 16). Soll­ten unter­schied­li­che Leis­tungs­trä­ger nach § 6 SGB IX betei­ligt wer­den müs­sen, sind von ihnen Teil­ha­be­plan­ver­fah­ren sowie Teil­ha­be­plä­ne (THP) als Teil des Gesamt­plans zu erstel­len. Sie gewäh­ren Leis­tun­gen nach den für sie maß­ge­ben­den Rechtvorschriften.

Reha­bi­li­ta­ti­ons­trä­ger
nach § 6 Abs. 1 SGB IX
Rechts­grund­la­ge
Gesetz­li­che KrankenkasseSGB V Gesetz­li­che Krankenversicherung
Bun­des­agen­tur für ArbeitSGB II Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de
SGB III Arbeitsförderung
Trä­ger der gesetz­li­chen UnfallversicherungSGB VII Gesetz­li­che Unfallversicherung
Trä­ger der gesetz­li­chen RentenversicherungSGB VI Gesetz­li­che Rentenversicherung
Trä­ger der Kriegs­op­fer­ver­sor­gung,
Trä­ger der Kriegsopferfürsorge
BVG Bun­des­ver­sor­gungs­ge­setz
Trä­ger der öffent­li­chen JugendhilfeSGB VIII Kin­der- und Jugendhilfe
Trä­ger der EingliederungshilfeSGB IX Reha­bi­li­ta­ti­on und Teil­ha­be von Men­schen mit Behin­de­run­gen / Teil 2 Eingliederungshilferecht
Tabel­le 1. Reha­bi­li­ta­ti­ons­trä­ger und ihre Rechtsgrundlagen

Wo aber bleibt in die­sem neu­en Ver­fah­ren der Leis­tungs­er­brin­ger (LE), der bis­her mit den leis­tungs­be­rech­tig­ten Per­so­nen (LB) Zie­le und Maß­nah­men im Rah­men einer Ein­glie­de­rungs­pla­nung ent­wi­ckelt hat­te. Im B.E.Ni-Verfahren ist der Leis­tungs­er­brin­ger jeden­falls nicht expli­zit erwähnt (sie­he § 121 SGB IX). Jedoch muss der LE bspw. über Zie­le infor­miert wer­den, um Maß­nah­men mit den LB pla­nen zu kön­nen. Auch ist im Drei­ecks­ver­hält­nis zwi­schen LE, LB und Leis­tungs­trä­ger (LT) die Kon­troll­funk­ti­on in Form einer Rück­mel­dung über die erbrach­ten Leis­tun­gen fes­ter Bestand­teil eben die­ses Ver­hält­nis­ses. Aus die­sen Grün­den wird im B.E.Ni-Verfahren der Leis­tungs­er­brin­ger mit den Bögen F4 und F5 LE for­mal betei­ligt. Nicht jedoch in der Form einer Bedarfs­er­mitt­lung und Ziel­pla­nung zwi­schen LE und LB, wie es bis­her üblich war (sie­he HMB-Ver­fah­ren und § 57 SGB IX für den Ein­glie­de­rungs­plan). Der Leis­tungs­er­brin­ger kon­kre­ti­siert die Ziel­pla­nung, d.h. er for­mu­liert gemein­sam mit den LB ent­spre­chen­de Maß­nah­men pas­send zu den Zie­len aus. Auch im Ver­fah­ren des Gesamt- und Teil­ha­be­plans, bspw. in den ent­spre­chen­den Kon­fe­ren­zen ist der LE bei der ers­ten Durch­füh­rung per se nicht betei­ligt, jedoch kann er bei Über­prü­fun­gen auf Wunsch bzw. durch Zustim­mung der LB am Ver­fah­ren betei­ligt wer­den. Soll­te dies nicht der Fall sein ist der Leis­tungs­er­brin­ger ledig­lich an der Maß­nah­men­pla­nung sowie der for­ma­len Ziel­aus­wer­tung und Ver­laufs­be­richts­er­stat­tung (mit Bögen F4 und F5 LE) betei­ligt. Dem­nach ver­än­dert sich die Bedeu­tung des Ein­glie­de­rungs­plans hin zu einer kon­kre­ti­sie­ren­den Teil­men­ge des Gesamt-/Teil­ha­be­plans. Wird vom Leis­tungs­trä­ger ein GP- oder THP-Ver­fah­ren durch­ge­führt, so ent­fällt in einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen außer­dem der bis­he­ri­ge Fach­aus­schuss, der bis­her über die Auf­nah­me ent­schie­den hat (sie­he § 2 Abs. 1a WVO).

ICF BTHG B.E.Ni Menschen
Abbil­dung 2. Die ICF und die Bezie­hung zwi­schen den Akteu­ren und den gesetz­li­chen Vor­ga­ben (nach Grampp 2019, S. 51)

Auch die Kon­troll­funk­ti­on ver­än­dert sich teils durch das B.E.Ni-Verfahren. So ist der LT für die Kon­trol­le der inten­dier­ten und in Zie­len aus­for­mu­lier­te Wir­kung (sie­he Teil 2 Kapi­tel 7 SGB IX) und der LE für die Kon­trol­le der Wirk­sam­keit sei­ner Maß­nah­men (sie­he Teil 2 Kapi­tel 8 SGB IX) ver­ant­wort­lich. Kurz gesagt, kon­trol­liert der LT die Zie­le und der LE kon­trol­liert sei­ne Maß­nah­men, indem er die geplan­ten und umge­setz­ten Maß­nah­men doku­men­tiert und in Form von Berich­ten über die Ent­wick­lung und Ziel­er­rei­chung an den LT zurück­mel­det. Inwie­fern eine ICF-Ori­en­tie­rung in den Maß­nah­men für die Fest­stel­lung und Erbrin­gung von Leis­tun­gen in der Zukunft eine Anwen­dung im B.E.Ni-Verfahren fin­det bleibt offen. Bei Inter­es­se sei an die­ser Stel­le auf die in der Ent­wick­lung befin­den­de Klas­si­fi­ka­ti­on der Gesund­heits­in­ter­ven­tio­nen (ICHI) ver­wie­sen (vgl. Grampp 2019, S. 107–109). Auch der LT über­prüft gemein­sam mit den LB die Zie­le spä­tes­tens alle zwei Jah­re und mel­det Ver­än­de­run­gen an den LE zurück. Im Zuge der Leis­tungs­er­brin­gung ist aber auch der LE dazu ver­pflich­tet, ver­ein­bar­te Zie­le, die nicht oder nicht mehr erreicht wer­den an den LT zurück­zu­mel­den. Der LT passt in die­sem Fall den Gesamt- bzw. Teil­ha­be­plan an.

Für die Rück­mel­dung der Wirk­sam­keit bleibt nach heu­ti­gem Stand auch wei­ter­hin das HMB-Ver­fah­ren maß­ge­bend. Es wur­de eine Über­gangs­re­ge­lung bis 12/2021 getrof­fen. Das HMB-Ver­fah­ren wur­de bis­her für die Bedarfs­er­mitt­lung durch den LE genutzt, auch um leis­tungs­be­rech­tig­te Per­so­nen in ver­glei­chen­de Grup­pen mit ähn­li­chem Hil­fe­be­darf ein­zu­grup­pie­ren. Die­ses Ver­fah­ren stellt nach wie vor die Grund­la­ge für die Finan­zie­rung der Leis­tun­gen dar und dient damit auch aktu­ell noch als Grund­la­ge für die Her­stel­lung einer ein­ver­nehm­li­chen Finan­zie­rung zwi­schen LT und LE. Jedoch wird die Bedarfs­er­mitt­lung laut B.E.Ni-Verfahren durch den LT durch­ge­führt, inwie­fern sich das HMB-Ver­fah­ren des­halb ver­än­dern wird, ist noch nicht abzu­se­hen, da auch aktu­ell noch kein neu­es Instru­ment für die ein­ver­nehm­li­che Finan­zie­rung vor­liegt. Aktu­ell ist des­halb davon aus­zu­ge­hen, dass das Instru­ment HMB in ande­rer Form bzw. Funk­ti­on auch im B.E.Ni-Verfahren erhal­ten blei­ben wird, nach­dem es für das B.E.Ni-Verfahren ange­passt und in Ein­klang mit die­sem gebracht wur­de (vgl. Grampp 2019, S. 97–102).

Die Maß­nah­men­pla­nung erfolgt idea­ler­wei­se ent­lang eines Drei­klangs aus Leit­ziel, Rah­men­zie­len sowie Ergeb­nis­zie­len. Die Ziel­pla­nung fin­det eben­so wie die Bedarfs­er­mitt­lung zwi­schen LT und LB statt. Jedoch benö­ti­gen Leis­tungs­er­brin­ger Kennt­nis über die ver­ein­bar­ten Zie­le, um ent­spre­chen­de Maß­nah­men und Metho­den mit den LB zu pla­nen. Aus die­sem Grund wur­de der Bogen F4 LE ent­wi­ckelt, mit dem der LE die ver­ein­bar­ten Zie­le über­mit­telt bekommt. Dar­auf ist das Leit­ziel aus der Bedarfs­er­mitt­lung zwi­schen LT und LB bspw. aus einer Gesamt­plan- oder Teil­ha­be­plan­kon­fe­renz fest­ge­hal­ten. Dar­un­ter glie­dern sich ent­spre­chen­de Rah­men­zie­le mit zuge­hö­ri­gem Lebens­be­reich aus der ICF. Sie stel­len somit den Bezug zur ICF und zum behin­de­rungs­be­griff dar. Unter den Ergeb­nis­zie­len, die ent­spre­chen­den Rah­men­zie­len zuge­ord­net sind, wer­den kon­kre­te Zie­le beschrie­ben, die mit Maß­nah­men und Metho­den des LE erreicht wer­den sollen.

Durch den Ver­laufs­be­richt und die Ziel­aus­wer­tung wird auf der einen Sei­te die Kon­troll­funk­ti­on des LT aus­ge­übt. Auf der ande­ren Sei­te stel­len die­se eine Doku­men­ta­ti­ons­form für den LE über sei­ne geleis­te­ten Maß­nah­men dar. Der LE berich­tet in schrift­li­cher Form über die Ent­wick­lung der LB sowie über die gemein­sa­me Ziel­aus­wer­tung. Bei­des soll min­des­tens alle zwei Jah­re erfol­gen. Für eine Über­gangs­zeit wird aktu­ell auch wei­ter­hin auf das HMB-Ver­fah­ren zurück­ge­grif­fen. Spä­tes­tens 2022 wer­den die ers­ten B.E.Ni Berich­te und Aus­wer­tun­gen erfol­gen müs­sen, wei­te­re Ent­wick­lun­gen müs­sen dies­be­züg­lich abge­war­tet wer­den. Nach B.E.Ni 3.0 soll über Bogen F5 LE ein Ver­laufs­be­richt sowie eine Ziel­aus­wer­tung vor­ge­nom­men wer­den. Zu des­sen Inhal­ten gehö­ren der Anlass, d.h. Ver­laufs­be­richt oder Abschluss­be­richt, die Ver­än­de­rung per­sön­li­cher Daten, sons­ti­ge rele­van­te Infor­ma­tio­nen für die Ziel­aus­wer­tung, die der­zei­ti­gen Leis­tun­gen sowie ein Ver­laufs­be­richt über den Maß­nah­men­ver­lauf. Die Ziel­aus­wer­tung erfolgt über jedes ein­zel­ne Ergeb­nis­ziel, d.h. deren Doku­men­ta­ti­on, aktu­el­ler Stand bzw. Ver­än­de­rung sowie för­der­li­che und hin­der­li­che Fak­to­ren samt ein­ge­setz­ter Res­sour­cen bei der Umset­zung. Abschlie­ßend soll eine Ein­schät­zung des LE über immer noch bestehen­de Bedar­fe sowie eine Emp­feh­lung für zukünf­ti­ge Zie­le gege­ben wer­den. D.h. auch hier­bei bleibt eine Bedarfs­er­mitt­lung aus und es wird sich ledig­lich auf die ver­ein­bar­ten Zie­le zwi­schen LT und LB bezogen.

Eine zusätz­li­che Bedarfs­er­mitt­lung durch den LE erscheint hier nicht gefor­dert, wes­halb das HMB-Ver­fah­ren für die Rück­mel­dung an den LT nicht geeig­net erscheint. Viel­mehr geben die Anfor­de­run­gen im B.E.Ni 3.0 eher Anlass dazu, dass wei­ter­hin bestehen­de Bedar­fe ICF-ori­en­tiert zurück­ge­mel­det wer­den müss­ten. Das HMB-Ver­fah­ren basiert zwar auf der ICF. Es ist aber kein ICF-ori­en­tier­tes Ver­fah­ren. Auch sol­len Emp­feh­lun­gen für zukünf­ti­ge Zie­le gege­ben wer­den, d.h. im Sin­ne der Ziel­pla­nung des B.E.Ni-Verfahrens braucht es ergo eine ICF-Ori­en­tie­rung, um in einer Spra­che über Bedar­fe und ent­spre­chen­de Zie­le zu spre­chen. Gleich­sam müs­sen die erbrach­ten Leis­tun­gen aber auch ver­gü­tet wer­den, d.h. eine gemein­sa­me Sicht auf die LB, die eine ver­läss­li­che und ein­ver­nehm­li­che Finan­zie­rung ermög­licht, ist erfor­der­lich. In die­sem Sin­ne könn­te gemut­maßt wer­den, dass das HMB-Ver­fah­ren für das B.E.Ni ange­passt wird, d.h. die bestehen­den Items wer­den in die Spra­che der ICF über­setzt und zu klä­ren blie­be inwie­fern eine ange­mes­se­ne ICF-Ori­en­tie­rung erreicht wür­de, da das HMB-Ver­fah­ren in sei­nen jewei­li­gen Vari­an­ten per se bestimm­te Lebens­be­reich der ICF je nach Leis­tungs­an­ge­bot aus­klam­mert. Somit kön­nen die bei­den Vari­an­ten des HMB-Ver­fah­rens im bes­ten Fall nur für die Rück­mel­dung von Teil­ha­be­plä­nen genutzt wer­den, wenn Leis­tun­gen bspw. im pri­va­ten Lebens­be­reich (HMB‑W) oder im Bereich der Tages­struk­tur zur Teil­ha­be am Arbeits­le­ben (HMB‑T) erbracht wer­den. Damit in die­sem Fall eine stim­mi­ge Leis­tungs­er­brin­gung erfol­gen kann, wird in Zukunft ein stär­ke­rer Fokus auf ICF-ori­en­tier­te Leis­tungs­be­schrei­bun­gen gelegt wer­den müs­sen, um die Ange­bots­struk­tur mit dem B.E.Ni-Verfahren und die Kom­mu­ni­ka­ti­on in der Eiglie­de­rungs­hil­fe zu har­mo­ni­sie­ren. Somit bleibt abschlie­ßend fest­zu­hal­ten, dass auch Leis­tungs­er­brin­ger nicht um eine ICF-Ori­en­tie­rung ihrer Ange­bo­te her­um­kom­men, viel­mehr kann hier­in auch ein Mehr­wert für Leis­tungs­er­brin­ger und ihre Ange­bots­struk­tur lie­gen, indem sie anhand der ICF auf­zei­gen kön­nen in wel­chen Lebens­be­rei­chen sie Unter­stüt­zung leis­ten. Damit ist die ICF für Leis­tungs­er­brin­ger nicht nur ein Tool zur Kodie­rung und Ver­stän­di­gung, son­dern kann in sys­te­ma­ti­scher Wei­se auch genutzt wer­den, um bspw. freie Berei­che in der Ange­bots­struk­tur offenzulegen.

Quel­len:

Grampp, G. (2019). Die ICF ver­ste­hen und nut­zen (3. Auf­la­ge 2019). BALANCE Buch + Medi­en Ver­lag. https://content-select.com/de/portal/media/view/5ceceb44-5f74-455d-996a-05d1b0dd2d03

Sei­del, A., & Schnei­der, S. (2020). Pra­xis­hand­buch ICF-ori­en­tier­te Bedarfs­er­mitt­lung: Bera­tung, Dia­gnos­tik und Hil­fe­pla­nung in sozia­len Beru­fen (1. Auf­la­ge). Beltz Juven­ta. https://content-select.com/de/portal/media/view/60473691–32d0-4e46-a7e3-389bb0dd2d03

Welti, F., & Nacht­schatt, E. (2018). Das glei­che Recht von Men­schen mit Behin­de­run­gen auf Arbeit nach Art. 27 UN-Behin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on. In Das Recht auf Arbeit für Men­schen mit Behin­de­run­gen (S. 55–90). Nomos Ver­lags­ge­sell­schaft mbH & Co. KG. https://doi.org/10.5771/9783845284224–55

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ICF BTHG B.E.Ni Menschen
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