Beruf­li­chen Erfolg trotz Behin­de­rung ermöglichen!?

Ein­rich­tungs­in­ter­ne Koope­ra­ti­on als Gelin­gens­fak­tor für die Arbeits­markt­in­te­gra­ti­on von Men­schen mit Behinderungen

1. Ein­füh­rung

Das vor­lie­gen­de For­schungs­vor­ha­ben wird in einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen (WfbM) durch­ge­führt. Werk­stät­ten für Men­schen mit Behin­de­run­gen sind nach dem neun­ten Sozi­al­ge­setz­buch (SGB IX) Ein­rich­tun­gen, die Men­schen mit Behin­de­run­gen (sie­he § 2 SGB IX) eine Teil­ha­be am Arbeits­le­ben ermög­li­chen sol­len (sie­he § 219 SGB IX; (Bie­ker, 2013a). Über­ge­ord­ne­tes Ziel der beruf­li­chen Reha­bi­li­ta­ti­on (sie­he Kulig, 2013b) bleibt eine Reinte­gra­ti­on (sie­he Hinz, 2013) in den all­ge­mei­nen Arbeits­markt i.S.v. §49 Abs. (3) SGB IX (sie­he Trost, 2013a). Beruf­li­cher Erfolg lässt sich in die­sem Kon­text als (Wieder-)Herstellung einer Anschluss­fä­hig­keit an beruf­li­che Kar­rie­ren defi­nie­ren, d.h. eine Beschäf­ti­gung außer­halb der Werk­statt, die eine Chan­ce für wei­te­re Ent­wick­lun­gen bie­tet (vgl. Böh­nisch, 2018, S. 225f.; vgl. Cors­ten, 2010, S. 12).

Beruf­li­che Erpro­bun­gen bzw. Prak­ti­ka (vgl. Rebi­en & Spitz­na­gel, 2007, S. 4) sind gera­de „für die Älte­ren […, Anm. PK] über­wie­gend ein Weg aus der Arbeits­lo­sig­keit oder aus einer ande­ren Beschäf­ti­gung“ (sie­he Rebi­en & Spitz­na­gel, 2007, S. 5). Beruf­li­che Erpro­bun­gen sind auch im Sozi­al­recht als „Eig­nungs­fest­stel­lungs- und Trai­nings­maß­nah­men“ (sie­he Joz­wi­ak & Wolff, 2007, S. 1f.) ein bekann­tes Mit­tel, das von Arbeits­agen­tu­ren genutzt wird, um Men­schen aus der Hil­fe­be­dürf­tig­keit her­aus­zu­füh­ren (vgl. Joz­wi­ak & Wolff, 2007, S. 6f.). Die Gestal­tung des suk­zes­si­ven Über­gan­ges in den all­ge­mei­nen Arbeits­markt von Men­schen mit Behin­de­run­gen, sog. beschäf­tig­ten Mitarbeiter:innen (bMA), wird auch in einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen über Prak­ti­ka im Sin­ne einer beruf­li­chen Erpro­bung umgesetzt.

Der Über­gang kann ent­we­der im Sin­ne einer wei­ter­füh­ren­den beruf­li­chen Inte­gra­ti­on auf den all­ge­mei­nen Arbeits­markt fort­ge­führt wer­den, sich eine ande­re Mög­lich­keit zur Erpro­bung dar­an anschlie­ßen oder eine Rück­kehr in die Werk­statt erfol­gen. Die­se Über­gän­ge sind im Kon­text gesell­schaft­li­cher Nor­ma­li­tät eng ver­bun­den mit den Begrif­fen „gelin­gen“ oder auch „schei­tern“ und besit­zen damit einen bio­gra­fi­schen und damit sehr per­sön­lich­keits­re­le­van­ten Ein­fluss für die Kli­en­tel (sie­he Klin­govs­ky & Paw­le­wicz, 2015). Der Aus­ge­stal­tung von Über­gän­gen in der beruf­li­chen Inte­gra­ti­on kommt damit eine über­ge­ord­ne­te Rol­le zu, da sie ins­be­son­de­re Gefahr lau­fen kön­nen, bereits erleb­te beruf­li­che Exklu­si­on und deren Fol­gen zu repro­du­zie­ren (sie­he Güh­ne & Rie­del-Hel­ler, 2015). Die Mitarbeiter:innen in einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen (MA) sol­len die Rah­men­be­din­gun­gen und Struk­tu­ren aus­ge­stal­ten, die eine Ein­glie­de­rung in den all­ge­mei­nen Arbeits­markt her­stel­len. Damit rückt das Ver­ständ­nis der eige­nen pro­fes­sio­nel­len Rol­le von MA selbst in den Fokus, da sie essen­zi­ell zur Aus­ge­stal­tung ihrer Maß­nah­men bei­tra­gen. Ins­be­son­de­re Koope­ra­ti­on zwi­schen MA und bMA wie auch in Über­ga­ben, d.h. die Koope­ra­ti­on zwi­schen MA unter­ein­an­der trägt damit zur Aus­ge­stal­tung des Über­gan­ges und erfolg­rei­cher Ein­glie­de­rung bei (vgl. Mer­ten et al., 2019, S. 13ff.).

Im Fol­gen­den wird des­halb ein Ein­blick in den Per­so­nen­kreis der beschäf­tig­ten Mit­ar­bei­ten­den in einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen gege­ben. Es soll der Fra­ge nach­ge­gan­gen wer­den, wer die­se Men­schen in einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen sind und war­um sie der Ein­glie­de­rung in den all­ge­mei­nen Arbeits­markt bedür­fen. Wie die­ser Über­gang in den all­ge­mei­nen Arbeits­markt aus­ge­stal­tet wird, soll anhand ablau­fen­der Pro­zes­se und Struk­tu­ren her­aus­ge­ar­bei­tet wer­den. Orga­ni­sa­tio­na­le Abhän­gig­keits­ver­hält­nis­se schaf­fen immer auch Kon­flikt­po­ten­tia­le für Pro­fes­sio­nel­le in ihrer Arbeit. Ziel­kon­flik­te domi­nie­ren die Arbeit im Über­gang von der Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen auf den all­ge­mei­nen Arbeits­markt und beein­flus­sen auch die gemein­sa­me Arbeit von Akteu­ren vor Ort. Des­halb ist ein grund­le­gen­des Ver­ständ­nis von Kon­flik­ten sowie von erfor­der­li­chen Kom­pe­ten­zen in der Bewäl­ti­gung erfor­der­lich für die Aus­ge­stal­tung von Koope­ra­tio­nen. Pro­fes­sio­nel­le in sozia­len Orga­ni­sa­tio­nen arbei­ten auf unter­schied­li­chen Ebe­nen im Kli­en­tel­kon­text zusam­men und in unter­schied­li­chen For­men zusam­men. Des­halb ist es not­wen­dig Koope­ra­ti­on und sei­ne Leit­prin­zi­pi­en zu ver­ste­hen, eben­so wie For­men und Ebe­nen der Koope­ra­ti­on in einer sozia­len Orga­ni­sa­ti­on. Dar­auf auf­bau­end wer­den Vor­aus­set­zun­gen sowie und Erfolgs­fak­to­ren für gelin­gen­de Koope­ra­ti­on dargestellt.

Abbildung 1-1 Gliederung der vorliegenden Arbeit als Weg von einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt.
Abbil­dung 1–1 Glie­de­rung der vor­lie­gen­den Arbeit als Weg von einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen auf den all­ge­mei­nen Arbeitsmarkt. 

Anhand von epi­so­dischen Inter­views (sie­he Flick, 1996) sol­len Pro­fes­sio­nel­le in einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen zur Selbst­re­fle­xi­on über ihre fach­li­chen Koope­ra­tio­nen mit ihren Kolleg:innen ange­regt wer­den, um dadurch mög­li­che Zusam­men­hän­ge für die Wei­ter­ent­wick­lung bestehen­der und zukünf­ti­ger Koope­ra­tio­nen offen­zu­le­gen. Ins­be­son­de­re um das Ziel der Koope­ra­ti­on, den Über­gang auf den all­ge­mei­nen Arbeits­markt von Men­schen mit Behin­de­run­gen zu beglei­ten. Über das zir­ku­lä­re Dekon­stru­ie­ren (sie­he Jaeg­gi et al., 1998) wer­den die Inter­view­ge­sprä­che sys­te­ma­ti­siert und für die Aus­wer­tung und anschlie­ßen­de Dar­stel­lung der Ergeb­nis­se aufbereitet.

2. Beschäf­tig­te Mitarbeiter:innen und ihr Über­gang auf den all­ge­mei­nen Arbeitsmarkt

Im Fol­gen­den wird ein Ein­blick in den his­to­risch gewach­se­nen Per­so­nen­kreis und gesetz­lich begrün­de­ten Auf­trä­ge einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen gege­ben. Hier­bei wer­den die Auf­trä­ge nicht nur dar­ge­stellt, son­dern auch inwie­fern die dar­aus resul­tie­ren­den Rol­len einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen im Zusam­men­hang mit­ein­an­der ste­hen. Dabei wird ein beson­de­rer Fokus auf die Aus­ge­stal­tung des Reha­bi­li­ta­ti­ons­auf­trags , wel­cher Fokus die­ser Arbeit ist, gelegt.

2.1 Per­so­nen­kreis und Auf­trä­ge einer Werk­statt für Men­schen mit Behinderungen

Nur „Men­schen mit Behin­de­run­gen oder von Behin­de­rung bedroh­te Men­schen erhal­ten Leis­tun­gen […, Anm. PK]“ (§ 1 SGB IX) in einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen. „Men­schen mit Behin­de­run­gen sind Men­schen, die kör­per­li­che, see­li­sche, geis­ti­ge oder Sin­nes­be­ein­träch­ti­gun­gen haben, die sie in Wech­sel­wir­kung mit ein­stel­lungs- und umwelt­be­ding­ten Bar­rie­ren an der gleich­be­rech­tig­ten Teil­ha­be an der Gesell­schaft […, Anm. PK] hin­dern kön­nen“ (§ 2 SGB IX) (sie­he Mar­bur­ger, 2020, S. 77). Der Teil­ha­be­be­griff im SGB IX ist an den Ter­mi­nus der Teil­ha­be aus der Behin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on ange­lehnt (vgl. Kulig, 2013a, S. 50) und ent­spricht damit dem bio-psycho-sozia­len Modell der Inter­na­tio­na­len Klas­si­fi­ka­ti­on der Funk­ti­ons­fä­hig­keit, Behin­de­rung und Gesund­heit (ICF) (vgl. Lind­mei­er, 2013, S. 175ff.). Nach Lind­mei­er (2013, S. 175) beschreibt die ICF die gesund­heit­li­che Situa­ti­on als Ergeb­nis von Wech­sel­wir­kun­gen von sog. gesund­heits­zu­sam­men­hän­gen­den Domä­nen und Kon­text­fak­to­ren. Behin­de­rung also eine behin­der­te Teil­ha­be ergibt sich damit aus den nega­ti­ven Zusam­men­hän­gen die­ser Wechselwirkungen.

Werk­stät­ten für Men­schen mit Behin­de­run­gen sind Ein­rich­tun­gen, die nach dem neun­ten Sozi­al­ge­setz­buch u.a. in §219 SGB IX gere­gelt sind (sie­he Mar­bur­ger, 2020, S. 164f.). Sie sind kon­zi­piert als Insti­tu­tio­nen „[…, Anm. PK] der beruf­li­chen Reha­bi­li­ta­ti­on, die die Teil­ha­be behin­der­ter Men­schen am Arbeits­le­ben durch Ent­wick­lung und För­de­rung ihrer Leis­tungs- oder Erwerbs­fä­hig­keit sowie durch Wei­ter­ent­wick­lung ihrer Per­sön­lich­keit vor­be­rei­ten [sol­len, Anm. PK]“ (sie­he Bie­ker, 2013b, S. 410). Gleich­zei­tig fun­giert sie als Orga­ni­sa­ti­on aber auch als Arbeits­stät­te für Men­schen mit Behin­de­run­gen, deren Ein­glie­de­rung auf den ers­ten „[…, Anm. PK] Arbeits­markt nicht, noch nicht oder nicht wie­der mög­lich erscheint“ (eben­da). Der Pro­zess der beruf­li­chen Reha­bi­li­ta­ti­on in einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen glie­dert sich in der Regel in ein drei­mo­na­ti­ges Ein­gangs­ver­fah­ren, in dem der För­der­be­darf erfasst und ers­te Zie­le und Maß­nah­men geplant wer­den, einen Berufs­bil­dungs­be­reich (BBB), in dem die zwei­jäh­ri­ge beruf­li­che Qua­li­fi­zie­rung statt­fin­det, und einen Arbeits­be­reich (AB), der die Teil­ha­be am Arbeits­le­ben (sie­he Bie­ker, 2013a, S. 29f.; sie­he Nie­hoff, 2013, S. 369) über ein arbeit­neh­mer­ähn­li­ches Rechts­ver­hält­nis als beschäf­tig­te Mitarbeiter:innen rea­li­sie­ren soll (vgl. Bie­ker, 2013b, S. 410f.; vgl. Seyd, 2015, S. 151).

Im Jahr 2020 (im Ver­gleich zu 2016) hat­ten nach Zah­len der Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft Werk­stät­ten für Behin­der­te Men­schen 75,38% (2016: 75,89%) der beschäf­tig­ten Mitarbeiter*innen in einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen eine geis­ti­ge Beein­träch­ti­gung, 3,99 (2016: 3,39%) der bMA eine kör­per­li­che Beein­träch­ti­gung und 20,64% (2016: 20,72%) der bMA eine psy­chi­sche Beein­träch­ti­gung (sie­he Berg et al., 2018, S. 43, sie­he 2021, S. 37; sie­he Röh, 2018, S. 126). 

Die Anfän­ge der Werk­stät­ten für Men­schen mit Behin­de­run­gen in ihrer heu­ti­gen Gestalt las­sen sich auf die Dis­kus­sio­nen in der Nach­kriegs­zeit in den 1950er Jah­ren zurück­da­tie­ren. Durch Inter­es­sens­ver­bän­de, wie bspw. der Lebens­hil­fe e.V., wur­den neue Betreu­ungs­for­men und ‑struk­tu­ren außer­halb der Fami­li­en gefor­dert (vgl. Stör­mer, 2013, S. 157). In den 1970er Jah­ren der „Deka­de der Reha­bi­li­ta­ti­on“ wur­de der Grund­stein deutsch­land­weit durch das Akti­ons­pro­gramm des Bun­des zur För­de­rung der Reha­bi­li­ta­ti­on gelegt, wovon ins­be­son­de­re Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen pro­fi­tiert haben (vgl. Seyd, 2015, S. 143). Der Weg aus einer För­der­schu­le in eine Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen wur­de zur Selbst­ver­ständ­lich­keit für vie­le Men­schen mit geis­ti­ger Behin­de­rung und been­de­te in den meis­ten Fäl­len damit auch die beruf­li­che Inte­gra­ti­on auf den all­ge­mei­nen Arbeits­markt (vgl. Bie­ker, 2013b, S. 410f.; vgl. Trost, 2013a, S. 57f.). Eine sich ver­ste­ti­gen­de Segre­ga­ti­on des Arbeits­mark­tes war die Fol­ge. Durch Ent­wick­lun­gen, wie bspw. der unter­stütz­ten Beschäf­ti­gung in den 80er Jah­ren, bra­chen die­se Ver­ste­ti­gun­gen lang­sam auf (vgl. Trost, 2013b, S. 381ff.), wur­den aber gleich­zei­tig durch Umstruk­tu­rie­run­gen des Arbeits­mark­tes in den 90er Jah­ren und die fort­schrei­ten­de Digi­ta­li­sie­rung sowie den damit ein­her­ge­hen­den Anfor­de­run­gen in der heu­ti­gen Arbeits­welt wie­der zurück­ge­wor­fen (vgl. Seyd, 2015, S. 152).

Die sich ver­än­dern­den gesell­schaft­li­chen Bedin­gun­gen drück­ten sich im Ver­lauf der Jahr­zehn­te auch in einer sich ver­än­dern­den Geset­zes­la­ge aus. The­sing (2015, S. 48–58) beschreibt in sei­ner Dis­ser­ta­ti­on die his­to­risch gewach­se­nen Rol­len und Auf­trä­ge einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen und dar­aus resul­tie­ren­de Ziel­kon­flik­te, die sich vor allem in der Kol­li­si­on des Insti­tu­ti­ons- und Orga­ni­sa­ti­ons­cha­rak­ters einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen erge­ben (sie­he Abbil­dung 2–1). Die pri­mä­ren Rol­len einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen als Beschäf­ti­gungs­an­bie­ter und Wirt­schafts­un­ter­neh­men haben einen klas­si­schen Orga­ni­sa­ti­ons­cha­rak­ter. Ins­be­son­de­re die Rol­le als Wirt­schafts­un­ter­neh­men kol­li­diert sowohl mit dem Auf­trag der Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen als Bil­dungs- und Reha­bi­li­ta­ti­ons­dienst­leis­ter, den Insti­tu­ti­ons­cha­rak­te­ris­ti­ken, in hohem Aus­maß (eben­da, S. 52ff.). The­sing (2015, S. 52f.) kon­tras­tiert den Kon­flikt mit der Rol­le als Bil­dungs­dienst­leis­ter auf der Ebe­ne der Auf­trags­aus­wahl, ob die­se nach Lukra­ti­vi­tät oder Bil­dungs­po­ten­ti­al aus­ge­wählt wer­den. Auf der ande­ren Sei­te pro­ble­ma­ti­siert er den Reha-Auf­trag für ein Wirt­schafts­un­ter­neh­men als „Fort­gang leis­tungs­fä­hi­ger Beschäf­tig­ter [, der die Pro­duk­ti­vi­tät und den rela­ti­ven Mehr­wert senkt, Anm. PK]“.

Auch auf der Mikroebe­ne der Hand­lungs­ak­teu­re in einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen spie­gelt sich der beschrie­be­ne Kon­flikt eben­so wider. Die sog. Fach­kraft zur Arbeits- und Berufs­för­de­rung (FAB) nach §9 Abs. 3 WVO bewegt sich eben­so wie die Ein­rich­tung der Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen im Kon­flikt­feld zwi­schen Orga­ni­sa­ti­on und Insti­tu­ti­on. Auf der einen Sei­te ste­hen nach The­sing (2015, S. 58f.) die Rol­len der FAB im Micro­ma­nage­ment und der Pro­duk­ti­on, der Bil­dungs­be­glei­tung und Arbeits­ver­mitt­lung aus einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen hin­aus gegen­über. „Die Anfor­de­run­gen der jewei­li­gen Rol­le durch die Hier­ar­chie­ebe­nen [wer­den, Anm. PK] nach unten wei­ter gereicht […, Anm. PK] bis zu der Stel­le, an der der Ziel­kon­flikt wie­der bei einer Funk­ti­ons­trä­ge­rin zusam­men­fällt: der FAB“ (eben­da, S. 66).

Abbildung 2-1 Rollen (im Kreis) und Zielkonflikte (rote Pfeile) der WfbM zwischen Organisation und Institution auf Makroebene der Gesetzeslage sowie der Mikroebene der FAB als Akteure in der WfbM. Eigene Darstellung nach Thesing (2015, S. 52, 59).
Abbil­dung 2–1 Rol­len (im Kreis) und Ziel­kon­flik­te (rote Pfei­le) der WfbM zwi­schen Orga­ni­sa­ti­on und Insti­tu­ti­on auf Makro­ebe­ne der Geset­zes­la­ge sowie der Mikroebe­ne der FAB als Akteu­re in der WfbM. Eige­ne Dar­stel­lung nach The­sing (2015, S. 52, 59).

Die­se Anfor­de­run­gen an die FAB auf der Mikroebe­ne stel­len eine struk­tu­rel­le Über­for­de­rung dar und sind im Kon­text des tech­no­lo­gie­de­fi­zi­tä­ren Bil­dungs- und Reha­bi­li­ta­ti­ons­auf­tra­ges von der Ent­schei­dung der Han­del­en­den abhän­gig (vgl. eben­da, S 66). Dar­über hin­aus wirkt sich der Orga­ni­sa­ti­ons­cha­rak­ter nega­tiv auf das Errei­chen der Insti­tu­ti­ons­zie­le aus, da die Pro­duk­ti­ons­pro­zes­se die­se in ihrer „[…, Anm. PK] zweck­ra­tio­na­len Logik [über­for­men und, Anm. PK] selbst zu Hand­lungs­be­din­gun­gen des Per­so­nals in der WfbM wer­den, ins­be­son­de­re der FABs“ (ebd.), „sodass der Umgang mit die­ser Über­for­de­rung eine Ten­denz zur Pro­duk­ti­ons­ori­en­tie­rung zeigt“ (ebden­da).

2.2 Die Aus­ge­stal­tung des Über­gangs auf den all­ge­mei­nen Arbeitsmarkt

Der Reha­bi­li­ta­ti­ons­auf­trag in einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen hat u.a. das Ziel eines Wech­sels auf den all­ge­mei­nen Arbeits­markt und lässt sich durch einen insti­tu­tio­nel­len Über­gang von einer Werk­statt­be­schäf­ti­gung – dem Drin­nen – hin zu einer betrieb­li­chen Beschäf­ti­gung – dem Drau­ßen – beschrei­ben. Nach §219 Abs. 1 S. 3 SGB IX soll die Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen „den Über­gang geeig­ne­ter Per­so­nen auf den all­ge­mei­nen Arbeits­markt durch geeig­ne­te Maß­nah­men [för­dern; Anm. PK]“. Der Per­so­nen­kreis geeig­ne­ter Per­so­nen wird im Satz 2 mit „[…; Anm. PK] den­je­ni­gen behin­der­ten Men­schen, die wegen Art oder Schwe­re der Behin­de­rung nicht, noch nicht oder noch nicht wie­der auf dem all­ge­mei­nen Arbeits­markt beschäf­tigt wer­den kön­nen“ (§219 Abs. 1 S. 2 SGB IX) kon­kre­ti­siert. The­sing (2015, S. 170) argu­men­tiert vor dem Hin­ter­grund des Art. 27 Abs. 1 S. 1 UN-BRK, dass eine sol­che Unter­schei­dung nicht rechts­kon­form sei und dem­nach alle beschäf­tig­ten Mitarbeiter:innen einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen ein Anrecht auf beruf­li­che Reha­bi­li­ta­ti­on haben und geeig­ne­te Per­so­nen i.S.v. §219 Abs. 1 S. 3 SGB IX sind. Wei­ter­hin sei der „all­ge­mei­ne Arbeits­markt ein unscharf bestimm­ter Begriff, der sich auf Arbeits­ar­ran­ge­ments [bezie­he; Anm. PK], die sich im Erle­ben der Beschäf­tig­ten als Arbeit in regu­lä­ren Betrie­ben außer­halb der Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen [dar­stell­ten; Anm. PK]“ (eben­da, S. 173). Geeig­ne­te Maß­nah­men sind The­sing (2015, S. 177) nach „[…; Anm. PK] wech­sel­sei­ti­ge Anpas­sung von Arbeits­markt­be­din­gun­gen und Qua­li­fi­zie­run­gen der Beschäf­tig­ten [und; Anm. PK] Maß­nah­men, die dar­auf abzie­len, dass Indi­vi­du­en in tat­säch­li­chen Inklu­si­ons­er­eig­nis­sen von Teil­sys­te­men des Arbeits­mark­tes kom­mu­ni­ka­tiv adres­siert wer­den“. Die Ver­mitt­lung von beschäf­tig­ten Mit­ar­bei­tern einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen in exter­ne Betrie­be mit geeig­ne­ten Maß­nah­men wird von Mitarbeiter:innen der Werk­statt den FAB (sog. Inte­gra­ti­ons­be­glei­tun­gen (IB)), die ambu­lant vom regu­lä­ren Werk­statt­be­trieb los­ge­löst agie­ren, durch das Absol­vie­ren von Prak­ti­ka dem Kon­zept der Unter­stütz­ten Beschäf­ti­gung nach „erst plat­zie­ren, dann qua­li­fi­zie­ren“ (vgl. Doo­se, 2007; sie­he Trost, 2013b, S. 381ff.) durch­ge­führt und aus­ge­stal­tet. Sie sind damit nicht den Orga­ni­sa­ti­ons­zwän­gen der Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen unter­wor­fen, jedoch aber auf die Koope­ra­ti­on mit den FAB am Werk­statt­stand­ort (sog. Grup­pen­lei­tun­gen) und mit exter­nen Betrie­ben ange­wie­sen, um ihr Ziel zu errei­chen, da sie die Her­kunfts- und Ziel­sys­te­me der Klient:innen im Pro­zess der beruf­li­chen Erpro­bung ausgestalten.

Abbildung 2-2 Prozess der beruflichen Erprobung (eigene Darstellung nach Anlage 1, S. 68).
Abbil­dung 2–2 Pro­zess der beruf­li­chen Erpro­bung (eige­ne Darstellung).

Die indi­vi­du­el­len Prak­ti­ka zur beruf­li­chen Erpro­bung (sie­he Abbil­dung 2–2) ste­hen im Kon­trast zur regu­lä­ren inter­nen Werk­statt­be­schäf­ti­gung, die in Arbeits­grup­pen orga­ni­siert statt­fin­det. Beschäf­tig­te Mitarbeiter:innen aus einer Werk­statt wech­seln somit in einem Prak­ti­kum aus einem grup­pen­päd­ago­gi­schen Kon­text in einen ein­zel­päd­ago­gi­schen Kon­text. Der Pro­zess der beruf­li­chen Erpro­bung wird durch Mitarbeiter:innen einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen ver­mit­telt und aus­ge­stal­tet. Die bMA neh­men selbst­stän­dig oder über eine Mitarbeiter:in am Stand­ort Kon­takt auf. Eine Ent­schei­dung über ein Prak­ti­kum ist damit unab­hän­gig von der Pro­duk­ti­on in Werk­stät­ten für Men­schen mit Behin­de­run­gen. Die Teil­pro­zes­se Erstkontakt/ Pro­fil­ing sowie Akqui­se und Erschlie­ßung fin­den noch in den betrieb­li­chen Bezü­gen der Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen statt. Nach einem Erst­kon­takt und anschlie­ßen­der Bil­dung eines beruf­li­chen Pro­fils wird die Ent­schei­dung getrof­fen, ob ein Prak­ti­kum wei­ter­ver­folgt wer­den soll. Soll­te dies nicht der Fall sein, wird die Zusam­men­ar­beit been­det. Bei einem Prak­ti­kums­wunsch wird wei­ter zusam­men nach pas­sen­den Stel­len in Betrie­ben gesucht (Akquise/ Erschlie­ßung, sie­he Abbil­dung 2–2). Kommt es schließ­lich nicht zu einer Ver­ein­ba­rung über ein Prak­ti­kum, so wird ent­schie­den, ob wei­ter zusam­men­ge­sucht wird oder ob die Zusam­men­ar­beit been­det wird. Kommt es zu einer Ver­ein­ba­rung, beginnt anschlie­ßend die eigent­li­che betrieb­li­che Erpro­bung, der Wech­sel in den Betrieb steht bevor – bMA ver­lässt die Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen. Nach einer Ein­ar­bei­tungs- und Coa­ching­pha­se wird der Bedarf an Beglei­tung fest­ge­legt und das Prak­ti­kum idea­ler­wei­se bis zum Schluss nach vier Wochen durch­ge­führt. Eine vor­zei­ti­ge Been­di­gung der Erpro­bung wird als Abbruch defi­niert. An das been­de­te Prak­ti­kum schließt sich eine Aus­wer­tungs­pha­se an. Schließ­lich wird dar­über ent­schie­den, ob eine Ver­mitt­lung in den Betrieb mög­lich ist. Wenn dies nicht der Fall ist, kann ein aus­ge­la­ger­ter Arbeits­platz in einem Betrieb eine ande­re Mög­lich­keit der Beschäf­ti­gung auf dem all­ge­mei­nen Arbeits­markt sein. Ist die­se auch nicht mög­lich oder gewünscht, kön­nen sich wei­te­re Prak­ti­ka in ande­ren Betrie­ben anschlie­ßen oder die bMA keh­ren zurück an den Werk­statt­stand­ort, wo Mit­ar­bei­ten­de der Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen die Rück­kehr päd­ago­gisch begleiten.

Aus der Gegen­über­stel­lung von päd­ago­gi­schen Maß­nah­men mit Klient:innen im Pro­zess der beruf­li­chen Erpro­bung (sie­he Tabel­le 2 1, S. 12) wird ersicht­lich, dass die Mit­ar­bei­ten­den am Werk­statt­stand­ort in Abschnit­ten des Pro­zes­ses zeit­gleich mit den Mit­ar­bei­ten­den im Reha­bi­li­ta­ti­ons­auf­trag mit Klient:innen arbei­ten, da die ers­ten drei Abschnit­te des Über­gan­ges noch im Bereich der Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen statt­fin­den. Eben­so erfolgt eine Zusam­men­ar­beit nach einer Rück­kehr in die Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen. Mit­ar­bei­ten­de mit dem Reha­bi­li­ta­ti­ons­auf­trag arbei­ten zu jedem Zeit­punkt des Pro­zes­ses mit Klient:innen auch außer­halb der Werk­statt bspw. im Betrieb der Erprobung.

Pro­zess­ab­schnittPro­duk­ti­onReha­bi­li­ta­ti­on
1. WfbMXX
2. Erstkontakt/ ProfilingXX
3. Akquise/ ErschließungXX
4. Einarbeitung/ JobcoachingX
5. Bedarfs­ge­rech­te BegleitungX
6. Aus­wer­tungX
7. Ver­mitt­lungX
8. aus­ge­la­ger­ter Arbeitsplatz/ all­ge­mei­ner ArbeitsmarktX
Tabel­le 2–1 Päd­ago­gi­sche Maß­nah­men mit Klient:innen im Pro­zess beruf­li­che Erpro­bung durch FAB mit Pro­duk­ti­ons- und Reha­bi­li­ta­ti­ons­auf­trag (eige­ne Darstellung).

In der Werk­statt erge­ben sich dadurch Momen­te der Zusam­men­ar­beit, die von den Akteurs­grup­pen indi­vi­du­ell aus­ge­stal­tet wer­den. Im Bereich des Prak­ti­kums (Pro­zess­ab­schnit­te 4–8) fin­den ledig­lich Maß­nah­men durch die MA im Reha­bi­li­ta­ti­ons­auf­trag statt. Eine geplan­te Rück­kopp­lung an den Werk­statt­stand­ort erfolgt ledig­lich bei einer Been­di­gung der Maß­nah­me und anschlie­ßen­der Rück­kehr in die Werk­statt. Die Ana­ly­se des Pro­zes­ses zur beruf­li­chen Erpro­bung zeigt, dass es sowohl Poten­tia­le für mög­li­che Zusam­men­ar­beit zwi­schen den bei­den Akteurs­grup­pen gibt als auch Abschnit­te, in denen kei­ne Zusam­men­ar­beit ein­ge­plant ist.

Die­se Auf­tei­lung begrün­det sich vor allem in der räum­li­chen Aus­ge­stal­tung des Pro­zes­ses zwi­schen der Werk­statt als Stand­ort und dem Prak­ti­kums­be­trieb, da nur die MA im Reha­bi­li­ta­ti­ons­auf­trag Klient:innen außer­halb der Werk­statt beglei­ten. Die MA im Pro­duk­ti­ons­auf­trag sind an die Ein­rich­tung der Werk­statt gebun­den und bil­den im Fal­le einer Rück­kehr ein Auf­fang­netz für die Klient:innen, das ihre Erpro­bung absi­chert, indem so eine Rück­kehr in das Her­kunfts­sys­tem ermög­licht wird. Der Ziel­kon­flikt Pro­duk­ti­on-Reha­bi­li­ta­ti­on ver­schiebt sich damit. Nicht mehr nur eine Akteurs­grup­pe muss die­sen Kon­flikt in sich bewäl­ti­gen, son­dern er wird durch den so aus­ge­stal­te­ten Pro­zess zu einem Kon­flikt zwi­schen zwei Akteurs­grup­pen, die nach ihren jewei­li­gen Auf­trä­gen han­deln und in Tei­len par­al­lel mit den bMA arbei­ten. Dar­aus erge­ben sich sowohl Fra­gen an die erfolg­ten Momen­te der Zusam­men­ar­beit als auch an die die Pro­zess­ab­schnit­te, in denen kei­ne Zusam­men­ar­beit ein­ge­plant ist, da sowohl die erfolg­te als auch nicht erfolg­te Zusam­men­ar­beit einen Ein­fluss auf die Akteurs­grup­pen und ihr päd­ago­gi­sches Han­deln mit den Klient:innen sowie ihre gegen­sei­ti­ge Wahr­neh­mung hat. Die Fra­ge nach der Bewäl­ti­gung des Ziel­kon­flik­tes wird durch die Auf­tei­lung auf zwei Grup­pen nicht gelöst, son­dern nur ver­scho­ben und ein Span­nungs­feld zwi­schen zwei Grup­pen ent­steht, in des­sen Mit­te sich die beschäf­tig­ten Mitarbeiter:innen befin­den, die für die Rea­li­sie­rung ihrer per­sön­li­chen Teil­ha­be gleich­sam auf die gelin­gen­de Zusam­men­ar­beit mit bei­den Grup­pen ange­wie­sen sind.

Der Per­so­nen­kreis einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen setzt sich aus Men­schen mit Teil­ha­be­ein­schrän­kun­gen im Sys­tem des Arbeits­le­bens durch kör­per­li­che, geis­ti­ge, psy­chi­sche Beein­träch­ti­gun­gen sowie Sin­nes­be­ein­träch­ti­gun­gen zusam­men. Die Auf­trä­ge einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen haben sich his­to­risch im Kon­text der Inklu­si­ons­de­bat­te kumu­liert. Die­se Auf­trä­ge ste­hen sowohl auf Geset­zes­ebe­ne als auch auf der Akteurs­ebe­ne in Ziel­kon­flik­ten. Ins­be­son­de­re der Pro­duk­ti­ons­auf­trag steht dabei im Kon­flikt mit dem Reha­bi­li­ta­ti­ons­auf­trag, der Fokus die­ser Arbeit ist, da Pro­duk­ti­ons­lo­gi­ken den Reha­bi­li­ta­ti­ons­auf­trag zweck­ra­tio­nal über­for­men. In einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen wer­den des­halb die bei­den Auf­trä­ge auf unter­schied­li­che Akteurs­grup­pen ver­teilt. Die Ein­tritts­ent­schei­dung über einen Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­zess kann so auf der Sei­te der Klient:innen unab­hän­gig vom Kon­flikt Pro­duk­ti­on-Reha­bi­li­ta­ti­on gemacht wer­den. Auf der Sei­te der Mit­ar­bei­ten­den wird der beschrie­be­ne struk­tu­rel­le Ziel­kon­flikt ledig­lich von einem inne­ren Kon­flikt in einer Akteurs­grup­pe zu einem Kon­flikt zwi­schen zwei Akteurs­grup­pen ver­scho­ben. Wodurch ins­be­son­de­re die Akteu­re im Reha­bi­li­ta­ti­ons­auf­trag als Pro­zess­ver­ant­wort­li­che, die unab­hän­gig vom Werk­statt­stand­ort arbei­ten, den Kon­flikt mit den MA am Stand­ort bewäl­ti­gen müs­sen, um eine gelin­gen­de Reha­bi­li­ta­ti­on zu rea­li­sie­ren. Der Fra­ge nach der Art und Wei­se, wie Kon­flik­te bewäl­tigt wer­den und wie Koope­ra­ti­on vor dem Hin­ter­grund eines Kon­flik­tes aus­ge­stal­tet wer­den kann, kommt damit eine beson­de­re Bedeu­tung zu.

3. Vom Kon­flikt zur Koope­ra­ti­on – Koope­ra­ti­on als Ant­wort auf Kon­flik­te und ihre Bewältigung

Die Arbeit im Reha­bi­li­ta­ti­ons­auf­trag befin­det sich auf­grund struk­tu­rel­ler Gege­ben­hei­ten in einem Ziel­kon­flikt zwi­schen Pro­duk­ti­on und Reha­bi­li­ta­ti­on, der sich in einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen in einem Span­nungs­feld zwi­schen zwei Akteurs­grup­pen mit Klient:innen im Mit­tel­punkt ent­lädt. Im Fol­gen­den wird des­halb in sozia­le Kon­flik­te ein­ge­führt, wie die­se Ana­ly­siert und wie Kon­flik­te bewäl­tigt wer­den. Koope­ra­ti­on wird vor die­sem Hin­ter­grund als gewinn­brin­gen­de Stra­te­gie gese­hen, die Gewin­ne bei bei­den Akteurs­grup­pen ermög­li­chen kann. Aus die­sem Grund wird im Fol­gen­den ein Ein­blick in die Struk­tur­merk­ma­le pro­fes­sio­nel­ler Koope­ra­ti­on nach Mer­ten et al. (2019) gege­ben, Zie­le und For­men sowie Ebe­nen und Bedin­gun­gen der Koope­ra­ti­on dar­ge­stellt und in den Kon­text einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen ein­ge­ord­net. Abschlie­ßend wird auf Kom­pe­ten­zen zur kon­struk­ti­ven Kon­flikt­be­wäl­ti­gung und in der Koope­ra­ti­on ein­ge­gan­gen, um Anfor­de­run­gen an pro­fes­sio­nel­les Han­deln zu erfas­sen. Anschlie­ßend wird ein Ver­such unter­nom­men Koope­ra­ti­on für die­se Arbeit zu rekon­stru­ie­ren, indem Koope­ra­ti­on defi­niert und Leit­prin­zi­pi­en her­aus­ge­ar­bei­tet wer­den. Die­se wer­den ergänzt um For­men und Ebe­nen der Koope­ra­ti­on, um eine mög­li­che Hand­lungs­ge­stalt der Koope­ra­ti­on zu erfas­sen, sodass abschlie­ßend Vor­aus­set­zun­gen für gelin­gen­de Koope­ra­ti­on und Erfolgs­fak­to­ren sowie eine grund­le­gen­de Koope­ra­ti­ons­kom­pe­tenz dar­stellt wer­den können.

3.1 Sozia­le Kon­flik­te und ihre Bewältigung

Für das Ver­ständ­nis der vor­herr­schen­den Kon­flikt­li­ni­en in einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen wird im Fol­gen­den eine Ein­füh­rung in sozia­le Kon­flik­te und ihre Struk­tur gege­ben, sodass sich Kon­flik­te folg­lich anhand eines Ana­ly­se­ras­ters beschrei­ben las­sen. Dar­über hin­aus wird ein Ein­blick in mög­li­che Bewäl­ti­gungs­stra­te­gien für vor­lie­gen­de Kon­flik­te gege­ben, da die­se Maß­geb­li­chen Ein­fluss auf die Wahr­neh­mung eben­die­ser haben. In die­sem Kon­text wird in eine Kon­flikt­kom­pe­tenz ein­ge­führt, die ein kon­struk­ti­ves Bear­bei­ten von Kon­flik­ten ermög­li­chen sollen.

Der Defi­ni­ti­on für sozia­le Kon­flik­te nach Glasl (2013, S. 17 in Kae­gi & Käser, 2019, S. 201f.) fol­gend, las­sen sich sozia­le Kon­flik­te als Dif­fe­ren­zen in der Wahr­neh­mung, dem Den­ken bzw. Vor­stel­len, dem Füh­len und dem Wol­len defi­nie­ren, die in der Inter­ak­ti­on zwi­schen Akto­ren ein­tre­ten und so zu Beein­träch­ti­gun­gen in der Ver­wirk­li­chung füh­ren. Balz & Spieß (2009, S. 47f.) füh­ren an, dass gera­de im Zusam­men­hang mit Koope­ra­ti­on inter­per­so­na­le Kon­flik­te von Bedeu­tung sind. Sie zäh­len dazu Bewer­tungs- oder Ziel­kon­flik­te, Beur­tei­lungs­kon­flik­te, Ver­tei­lungs­kon­flik­te und Bezie­hungs­kon­flik­te. Ziel­kon­flik­te, die Fokus die­ser Arbeit sind, las­sen sich durch dif­fe­rie­ren­de Ziel­set­zun­gen bei Akto­ren cha­rak­te­ri­sie­ren, d.h. sie haben unter­schied­li­che Zie­le, die sich in dif­fe­ren­ten Maß­nah­men aus­drü­cken. Auf die Situa­ti­on in der Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen bezo­gen heißt das, dass die bei­den Akteurs­grup­pen mit ihren unter­schied­li­chen Auf­trä­gen (Zie­len) an die bMA her­an­tre­ten und mit ihnen zusam­men wei­te­re Zie­le und Maß­nah­men ablei­ten. Dabei las­sen sich bereits aus der Struk­tur der Ziel­di­men­sio­nen (sie­he Kapi­tel 2.1) Unver­ein­bar­kei­ten erken­nen, da die MA im Reha­bi­li­ta­ti­ons­auf­trag mit den bMA eine Ein­glie­de­rung auf dem all­ge­mei­nen Arbeits­markt errei­chen wol­len, wäh­rend die MA im Pro­duk­ti­ons­auf­trag den Wirt­schafts­be­trieb WfbM auf­recht­erhal­ten müs­sen. Die Maß­nah­me der Reha­bi­li­ta­ti­on und damit ver­bun­de­nen Her­aus­füh­rung aus einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen steht damit der Maß­nah­me einer Beschäf­ti­gung im Pro­duk­ti­ons­be­trieb WfbM ent­ge­gen. Die Zie­le divergieren.

Für die Arbeit in Kon­flikt­fel­dern ist es nach Kae­gi & Käser (2019, S. 211) not­wen­dig, einen ana­ly­ti­schen Blick auf Kon­flik­te zu legen. Sie beschrei­ben, dabei drei Dimen­sio­nen von Kon­flik­ten, die für eine Ein­schät­zung von Bedeu­tung sind: die Are­na, die Reich­wei­te und das Kli­ma. Die­se drei Dimen­sio­nen füh­ren sie in ein Ana­ly­se­ras­ter, den sog. Kon­flikt­ana­ly­se­wür­fel (sie­he Abbil­dung 3–1) über, da sie in unter­schied­li­chen Kom­bi­na­tio­nen auf­tre­ten kön­nen und sich Kon­flik­te so durch qua­li­ta­ti­ve Merk­ma­le unter­schei­den las­sen. Die­se drei Dimen­sio­nen mün­den nach Kae­gi & Käser (2019, S. 211) in einen soge­nann­ten Kon­flik­t­an­an­ly­se­wür­fel. Mit­hil­fe des­sen sich Kon­flik­te bild­lich in einem drei­di­men­sio­na­len Raum dar­stel­len und beschrei­ben las­sen. Die Are­na beschreibt, wel­che Akto­ren an Kon­flik­ten betei­ligt sind. Je nach Aktor, der eine Per­son, Grup­pe, Orga­ni­sa­ti­on oder sogar ein Teil der Gesell­schaft sein kann, ver­än­dert sich die Dyna­mik in Konflikten.

Abbildung 3-1 Konfliktanalysewürfel nach Kaegi & Käser (2019, S. 211)
Abbil­dung 3–1 Kon­flikt­ana­ly­se­wür­fel nach Kae­gi & Käser (2019, S. 211)

So wird des­halb zwi­schen der mikro­so­zia­len Are­na (weni­ge Per­so­nen in face-to-face Inter­ak­tio­nen), der meso­so­zia­len Are­na (Grup­pen unter­schied­li­cher Grö­ße als sozia­le Ein­hei­ten) sowie der makro­so­zia­len Are­na (Inter­es­sen­ver­bän­de oder auch poli­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen, die in die Gesell­schaft wir­ken) unter­schie­den. (vgl. Kae­gi & Käser, 2019, S. 207f.)

In der Reich­wei­te von Kon­flik­ten wird zwi­schen der Frik­ti­on, dem Posi­ti­ons­kampf und der Sys­tem­ver­än­de­rung unter­schie­den. Hier­bei geht es um das the­ma­ti­sche Aus­maß, heißt wie groß ist der Kon­flikt. Bei Frik­tio­nen geht es um rela­tiv enge The­men, die Kom­pe­ten­zen und Posi­tio­nen der Gegen­par­tei­en unbe­rührt las­sen, d.h. bspw. Strei­tig­kei­ten inhalt­li­cher Natur über die eine oder ande­re Metho­de. Bei Posi­ti­ons­kämp­fen geht es um Bezie­hungs- und Macht­fra­gen, die letzt­lich in einer ver­än­der­ten Posi­ti­on bzw. Neu­ord­nung im Sys­tem mün­den. Die Akto­ren wol­len folg­lich die Posi­ti­ons­ver­hält­nis­se ver­än­dern und kämp­fen des­halb gegen­ein­an­der um die­se Posi­ti­on. Sys­tem­ver­än­de­run­gen gehen dar­über hin­aus. Hier­bei geht es um die Ver­än­de­run­gen, die das gan­ze Sys­tem betrifft. So kann hier­bei die grund­sätz­li­che Art und Wei­se der Arbeit in einer Orga­ni­sa­ti­on in Fra­ge gestellt wer­den und bis­he­ri­ge Ansät­ze wür­den zuguns­ten ande­rer Ansät­ze ver­wor­fen. (vgl. Kae­gi & Käser, 2019, S. 208f.)

Das Kon­flikt­kli­ma wird in zwei gegen­sätz­li­che Dimen­sio­nen unter­teilt (vgl. Kae­gi & Käser, 2019, S. 209ff.). Das Kli­ma wird defi­niert durch die domi­nie­ren­den Ver­hal­tens­wei­sen der Kon­flikt­par­tei­en. So gibt es laut Glasl hei­ße und kal­te Kon­flik­te. In hei­ßen Kon­flik­ten herrscht ein offe­ner Kampf zwi­schen Posi­tio­nen und die Par­tei­en ver­su­chen sich gegen­sei­tig von der eige­nen Posi­ti­on zu über­zeu­gen. Neben die­ser Über­ak­ti­vi­tät gibt es aber gleich­sam auch eine Über­emp­find­lich­keit bei der Ver­tei­di­gung der eige­nen Posi­ti­on. Offe­ne Angrif­fe und vie­le Emo­tio­nen sind die Fol­ge. Über­ei­fer wird hier als Hand­lungs­ma­xi­me beschrie­ben. Kal­te Kon­flik­te stel­len den Gegen­pol zu den hei­ßen Kon­flik­ten dar. Die Akti­vi­tä­ten wir­ken eher gelähmt und es herr­schen Frust und ande­re Res­sen­ti­ments, die die Kon­flikt­par­tei­en auch noch außer­halb von direk­ten Kon­flikt­si­tua­tio­nen und nach­träg­lich beein­flus­sen. Die Fron­ten ver­här­ten sich und direk­te Kon­fron­ta­tio­nen wer­den ver­mie­den. Es wird ver­sucht, die ande­re Par­tei bei der Umset­zung ihrer Zie­le zu behin­dern. Als Hand­lungs­ma­xi­me ste­hen hier Pro­ze­du­ren im Vordergrund.

Nicht jeder Kon­flikt ist gleich. Kon­flik­te kön­nen sich auf unter­schied­li­chen struk­tu­rel­len Ebe­nen abspie­len. Sie kön­nen sich um einen engen the­ma­ti­schen Fokus dre­hen oder auch alles in einer Orga­ni­sa­ti­on in Fra­ge stel­len. Eben­so unter­schei­den sie sich in ihrer Dyna­mik und ver­lau­fen bspw. wie ein offe­ner Kampf oder auch wie ver­deck­te Machen­schaf­ten im Hin­ter­grund. Der Kon­flikt­ana­ly­se­wür­fel ermög­licht somit nicht nur eine Dar­stel­lung von Kon­flik­ten, son­dern auch die Mög­lich­keit unter­schied­li­che Kon­flikt­si­tua­tio­nen qua­li­ta­tiv zu unter­schei­den. Die­se Unter­schei­dung wird durch die Beschrei­bung in den drei Dimen­sio­nen Are­na, Reich­wei­te und Kli­ma ermög­licht und gibt Pro­fes­sio­nel­len damit ein Werk­zeug für eine ers­te Beschrei­bung von Kon­flikt­si­tua­tio­nen. So kön­nen sie einen ers­ten Ein­druck von vom Aus­maß und der Dyna­mik erlan­gen. Neben den For­men und Dimen­sio­nen von Kon­flik­ten, die maß­geb­lich für die Ana­ly­se und Beschrei­bung von Kon­flik­ten genutzt wer­den, beschreibt Tho­mas (1992 in Balz & Spieß, 2009, S. 48f.) For­men der Kon­flikt­be­wäl­ti­gung, die in Orga­ni­sa­tio­nen von Bedeu­tung sind. Bei der Kon­flikt­be­wäl­ti­gung geht es dar­um, wie Kon­flik­te durch Akto­ren been­det wer­den (vgl. Spieß, 2021). Tho­mas (1992 in Balz & Spieß, 2009, S. 48f.) beschreibt die Bewäl­ti­gung ent­lang von zwei Dimen­sio­nen: der Durch­set­zung, d.h. inwie­fern die eige­nen Inter­es­sen ver­folgt wer­den, und den bei­den Polen Koope­ra­ti­on und Nicht­ko­ope­ra­ti­on. Dar­aus erge­ben sich fünf Kon­flikt­sti­le (sie­he Abbil­dung 3–2), die unter­schied­li­che For­men der Kon­flikt­be­wäl­ti­gung dar­stel­len: Kon­kur­renz, Anpas­sung, Kom­pro­miss, Ver­mei­dung und Zusam­men­ar­beit. Unter dem Kon­flikt­stil der Kon­kur­renz wird ein Zwang zur Kon­flikt­hand­lung ver­stan­den, d.h. eige­ne Inter­es­sen wer­den ohne Rück­sicht auf ande­re Par­tei­en durch­ge­setzt. Kon­kur­renz ist eine Gewinn-Ver­lust-Stra­te­gie, bei der eine Par­tei gewinnt und die ande­re Par­tei ver­liert. Hier­bei kann es zu nega­ti­ven Ent­wick­lun­gen in der wei­te­ren Zusam­men­ar­beit kom­men, da sich die Gegen­par­tei­en in zukünf­ti­gen Situa­tio­nen ver­wei­gern könn­ten. Bei Akto­ren, die in Kon­flik­ten die Bewäl­ti­gungs­form der Anpas­sung aus­üben, wird auf die Durch­set­zung eige­ner Inter­es­sen ver­zich­tet, um die Wogen zu glät­ten. Die eige­nen Bedürf­nis­se kom­men des­halb oft zu kurz. Auch hier liegt eine Ver­lust-Gewinn-Stra­te­gie jedoch in ande­re Kon­stel­la­ti­on vor. Bei einem Kom­pro­miss kön­nen bei­de Par­tei­en ihre Inter­es­sen nicht voll­ends durch­set­zen, somit ist nicht nur eine Par­tei die Verliererin.

Abbildung 3-2 Konfliktstile nach Thomas (1992 in Balz & Spieß, 2009, S. 48f.).
Abbil­dung 3–2 Kon­flikt­sti­le nach Tho­mas (1992 in Balz & Spieß, 2009, S. 48f.).

Durch die Stra­te­gie der Ver­mei­dung blei­ben Pro­ble­me bestehen, was dazu führt, dass bei­de ver­lie­ren – Ver­lust-Ver­lust-Stra­te­gie. Einer Kon­fron­ta­ti­on wird aus dem Weg gegan­gen, sodass Pro­ble­me ledig­lich ver­scho­ben wer­den. Die Zusam­men­ar­beit ist für bei­de Kon­flikt­par­tei­en ein Gewinn, da bei­de Par­tei­en durch Koope­ra­ti­on ihre Inter­es­sen durch­set­zen kön­nen. Es ent­ste­hen Syn­er­gie­ef­fek­te – Gewinn-Gewinn-Stra­te­gie. Da Kon­flik­te auf so unter­schied­li­che Art und Wei­se bewäl­tigt wer­den kön­nen hat Herr­mann (2013, S. 32f. in Kae­gi & Käser, 2019, S. 203) soge­nann­te „Basis­kom­pe­ten­zen zum Umgang mit Kon­flik­ten in der Sozia­len Arbeit“, die sich in drei Teil­kom­pe­ten­zen auf­tei­len, beschrie­ben: die Selbst‑, Fall- und Sys­tem­kom­pe­tenz. Unter der Selbst­kom­pe­tenz wird ein Erken­nen des Selbst im Kon­flikt ver­stan­den, d.h. es geht dar­um eige­ne Antei­le oder auch Hand­lungs­mus­ter auf­grund eige­ner Kon­flikt­bio­gra­fien erken­nen zu kön­nen und inwie­fern die­se mit dem fach­li­chen Auf­trag und sei­ner Ver­wirk­li­chung im Zusam­men­hang ste­hen. Die Fall­kom­pe­tenz geht über das Selbst hin­aus und nimmt die kon­flikt­haf­te Situa­ti­on in den Fokus. Pro­fes­sio­nel­le sol­len dem­nach in der Lage dazu sein, die Kon­flikt­si­tua­tio­nen zu erken­nen und zu ana­ly­sie­ren und wir­ken dees­ka­lie­rend, da sie ent­spre­chen­de Zie­le und Hand­lungs­schrit­te ein­lei­ten kön­nen. Die Sys­tem­kom­pe­tenz beschreibt die Fähig­keit zum Per­spek­tiv­wech­sel auf ande­re Pro­fes­si­ons­lo­gi­ken und die Fähig­keit mit ande­ren Pro­fes­sio­nen zusam­men­zu­ar­bei­ten. Auch wird hier­un­ter die Fähig­keit zum Erken­nen, Ana­ly­sie­ren und Bear­bei­ten von struk­tu­rel­len Kon­flikt­po­ten­tia­len in und zwi­schen Orga­ni­sa­tio­nen ver­stan­den. (vgl. Herr­mann, 2013, S. 32f. in Kae­gi & Käser, 2019, S. 203)

Basis­kom­pe­tenzDefi­ni­ti­on
Selbst­kom­pe­tenzPro­fes­sio­nel­le erken­nen ihre sub­jek­ti­ven Aspek­te in Kon­flik­ten, ken­nen die eige­ne Kon­flikt­bio­gra­fie und eige­ne Hand­lungs­mus­ter. Sie erken­nen den fach­li­chen Auf­trag und die Ver­wirk­li­chung auf­grund des Auf­trags und der per­sön­li­chen Aspek­te (eige­ne Kon­flikt­bio­gra­fie und eige­nen Kon­flikt­stil ken­nen und reflek­tie­ren; Kon­flik­te als grund­sätz­li­che Chan­ce zu Veränderungen). 
Fall­kom­pe­tenzPro­fes­sio­nel­le kön­nen Kon­flik­te in Fel­dern der Sozia­len Arbeit erken­nen und ana­ly­sie­ren und bear­bei­ten, sie ken­nen Zie­le und Hand­lungs­schrit­te zur Dees­ka­la­ti­on und set­zen die­se ein.
Sys­tem­kom­pe­tenzPro­fes­sio­nel­le erken­nen fall­über­grei­fen­de Dimen­sio­nen und kön­nen die eige­ne pro­fes­sio­nel­le Logik mit der Logik ande­rer Pro­fes­sio­nen koope­ra­tiv ver­bin­den. Sie erken­nen, ana­ly­sie­ren und bear­bei­ten struk­tu­rel­le Kon­flikt­po­ten­zia­le in der eige­nen Orga­ni­sa­ti­on und in Zusam­men­ar­beit mit ande­ren Organisationen.
Tabel­le 3–1 Basis­kom­pe­ten­zen der Kon­flikt­be­ar­bei­tung in der Sozia­len Arbeit nach Herr­mann (2013, S. 32f. in
Kae­gi & Käser, 2019, S. 203)

In Orga­ni­sa­tio­nen befin­den sich Indi­vi­du­en und Grup­pen in einem Abhän­gig­keits­ver­hält­nis. In einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen sind die MA im Reha­bi­li­ta­ti­ons­auf­trag und im Pro­duk­ti­ons­auf­trag durch ihre gemein­sa­me Arbeit mit einem bMA in einem Abhän­gig­keits­ver­hält­nis. Die unter­schied­li­chen Auf­trä­ge die­ser bei­den Grup­pen kön­nen als Ziel­kon­flik­te zu Tage tre­ten, da die bei­den Grup­pen ver­su­chen, von­ein­an­der unab­hän­gi­ge Zie­le zu errei­chen. Mit­hil­fe des Kon­flikt­ana­ly­se­wür­fels kön­nen Kon­flik­te ana­ly­siert und unter­schie­den wer­den. Die­se Ana­ly­se bie­tet einen ers­ten Zugang für Pro­fes­sio­nel­le, um ein Ver­ständ­nis der Kon­flikt­si­tua­tio­nen zu erlan­gen. Damit Kon­flik­te so bewäl­tigt wer­den kön­nen, dass bei­de Kon­flikt­par­tei­en mit einem Gewinn aus der Situa­ti­on gehen kön­nen, ist Koope­ra­ti­on not­wen­dig. Für eine erfolg­rei­che Kon­flikt­be­wäl­ti­gung wur­den des­halb Basis­kom­pe­ten­zen zum pro­fes­sio­nel­len Umgang mit Kon­flik­ten beschrie­ben, die Pro­fes­sio­nel­le in drei Dimen­sio­nen zur kon­struk­ti­ven Kon­flikt­be­wäl­ti­gung im Sin­ne einer Koope­ra­ti­on befä­hi­gen sollen

3.2 Koope­ra­ti­on als inten­dier­te Zusam­men­ar­beit – eine Rekonstruktion

Für das Ver­ständ­nis der Koope­ra­ti­on als mög­li­che Ant­wort auf vor­herr­schen­de Ziel­kon­flik­te in einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen, wird ein Ver­such unter­nom­men, Koope­ra­ti­on für die Unter­su­chung der Zusam­men­ar­beit im Über­gang auf den all­ge­mei­nen Arbeits­markt zugäng­lich zu machen. Hier­für wird Koope­ra­ti­on mit sei­nen Leit­prin­zi­pi­en defi­niert und anschlie­ßend durch For­men und Ebe­ne der Koope­ra­ti­on struk­tu­riert. Abschlie­ßend wird auf Vor­aus­set­zun­gen und Erfolgs­fak­to­ren sowie eine Koope­ra­ti­ons­kom­pe­tenz ein­ge­gan­gen, um Fak­to­ren für das Gelin­gen koope­ra­ti­ven Han­delns zu erfassen.

Koope­ra­ti­on wird nach van San­ten & Seckin­ger (2003, S. 29 in Mer­ten et al., 2019, S. S. 19) als ein „Ver­fah­ren der inten­dier­ten Zusam­men­ar­beit [ver­stan­den; Anm. PK], bei dem im Hin­blick auf geteil­te oder sich über­schnei­den­de Ziel­set­zun­gen durch Abstim­mung der Betei­lig­ten eine Opti­mie­rung von Hand­lungs­ab­läu­fen und/oder eine Erhö­hung von Hand­lungs­fä­hig­keit bzw. Pro­blem­lö­sungs­kom­pe­tenz ange­strebt wird“. Koope­ra­ti­on lässt sich damit durch ein „bewuss­tes und plan­vol­les Her­an­ge­hen bei der Zusam­men­ar­beit sowie durch Pro­zes­se der gegen­sei­ti­gen Abstim­mung“ (sie­he Balz & Spieß, 2009, S. 19f.) beschrei­ben. Sie wird damit zu einer „inten­dier­ten Zusam­men­ar­beit am glei­chen Gegen­stand bezie­hungs­wei­se an der glei­chen sozia­len Pro­blem­stel­lung“ (sie­he Mer­ten et al., 2019, S. S. 22). Die Hal­tun­gen und Hand­lun­gen in Koope­ra­tio­nen stüt­zen sich im Kern auf die Gedan­ken der Wech­sel­sei­tig­keit oder auch Rezi­pro­zi­tät, d.h. der gegen­sei­ti­ge Aus­gleich steht im Vor­der­grund (vgl. eben­da), eben­so wie Gleich­wer­tig­keit, Par­ti­zi­pa­ti­on und Mul­ti­per­spek­ti­vi­tät und sie wird in den Sys­te­men von Pro­fes­si­on und Orga­ni­sa­ti­on erbracht. Koope­ra­ti­on gelingt vor die­sem Hin­ter­grund, wenn es „Mög­lich­kei­ten zur Ziel­ab­stim­mung, zum Infor­ma­ti­ons­aus­tausch, wech­sel­sei­ti­ger Kom­mu­ni­ka­ti­on und gegen­sei­ti­ger Unter­stüt­zung, kon­struk­ti­ver Pro­blem­dis­kus­sio­nen [sowie Zeit für Erpro­bun­gen und die Ent­wick­lung von Ver­trau­en gibt; Anm. PK]. Eine koope­ra­ti­ve Situa­ti­on setzt zudem Ent­schei­dungs- und Hand­lungs­frei­heit der betei­lig­ten Part­ner vor­aus.“ (sie­he eben­da). Koope­ra­ti­on rich­tet sich folg­lich nach Mer­ten et al. (2019, S. S. 23–29) nach sie­ben Leit­prin­zi­pi­en und Aspek­ten im Sin­ne von Struk­tur­merk­ma­len und Hand­lungs­ma­xi­men: Wer­te, Par­ti­zi­pa­ti­on, Pro­fes­si­on, Orga­ni­sa­ti­on, Wir­kung, Mul­ti­per­spek­ti­vi­tät und Kommunikation.

Die Sozia­le Arbeit agiert in sozia­len Pro­blem­la­gen, indem Pro­fes­sio­nel­le in sozia­len Orga­ni­sa­tio­nen sozia­le Pro­ble­me ana­ly­sie­ren, bear­bei­ten, ver­wal­ten und lin­dern. Die Berufs­ethik des Deut­schen Berufs­ver­ban­des für Sozia­le Arbeit e. V. (DBSH) beschreibt den „Gegen­stand der Sozia­len Arbeit [als, Anm. PK] sozia­le Pro­blem­la­gen von Per­so­nen. Sozia­le Pro­blem­la­gen sind Lebens­la­gen, in denen die sozia­le Exis­tenz von Per­so­nen gefähr­det ist. Die sozia­le Exis­tenz von Per­so­nen ist gefähr­det, wenn die Selbst­stän­dig­keit, Teil­ha­be oder mate­ri­el­le Grund­si­cher­heit nicht sicher­ge­stellt ist“ (sie­he Greu­ne et al., 2014, S. 27). Die Kon­struk­ti­on eines sozia­len Pro­blems ist in ers­ter Linie auf ein Wert­ur­teil und nicht eine fach­li­che Begrün­dung zurück­zu­füh­ren. Des­halb müs­sen Pro­fes­sio­nel­le der Sozia­len Arbeit ihre Wert­ur­tei­le trans­pa­rent und nach­voll­zieh­bar machen. (vgl. Mer­ten et al., 2019, S. 26)

Par­ti­zi­pa­ti­on oder auch Teil­ha­be ist dem­nach eng ver­knüpft mit den berufs­ethi­schen Wer­ten der Sozia­len Arbeit und hat ist in der Ein­glie­de­rungs­hil­fe für Men­schen mit Behin­de­run­gen obers­te Ziel­di­men­si­on. So bie­ten bspw. auch Werk­stät­ten für Men­schen mit Behin­de­run­gen Leis­tun­gen zur Teil­ha­be am Arbeits­le­ben an. Par­ti­zi­pa­ti­on als Struk­tur­merk­mal der Koope­ra­ti­on geht aber über blo­ße Leis­tungs­an­ge­bo­te hin­aus. Hier­bei geht es immer um Betrof­fe­ne. Im Fall der Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen sind dies Men­schen mit Behin­de­run­gen, die „nicht, noch nicht oder nicht wie­der“ einer Beschäf­ti­gung auf dem all­ge­mei­nen Arbeits­markt nach­ge­hen. Nach Uebel­hart & Zängl (2013, S. 21 in Mer­ten et al., 2019, S. 26) hat Sozia­le Arbeit „in koope­ra­ti­ven Pro­zes­sen dafür zu sor­gen, dass Par­ti­zi­pa­ti­on für die ein­zel­nen Men­schen mög­lich wird, dass sie selbst­wirk­sam wer­den und im Rah­men ihrer Mög­lich­kei­ten ent­schei­den kön­nen, wel­che Orga­ni­sa­ti­on bei­zu­zie­hen ist, um sozia­le Her­aus­for­de­run­gen zu lösen“. Die selbst­stän­di­ge Ent­schei­dung wird in der Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen bspw. in Pro­zes­sen umge­setzt. Beim Pro­zess der beruf­li­chen Erpro­bung (sie­he Kapi­tel 2.2) kön­nen bMA selbst über den Ein­tritt in wei­ter­füh­ren­de Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­men aus Werk­stät­ten für Men­schen mit Behin­de­run­gen her­aus ent­schei­den und Kon­takt zu den Mit­ar­bei­ten­den aufnehmen.

Die bei­den Prin­zi­pi­en der Pro­fes­si­on und der Orga­ni­sa­ti­on gehö­ren zu den „gesell­schaft­li­chen Leis­tungs­sys­te­men“ (sie­he Mer­ten et al., 2019, S. 22). So wird die Pro­fes­si­on Sozia­le Arbeit als gesell­schaft­li­ches Funk­ti­ons­sys­tem defi­niert und Orga­ni­sa­tio­nen als sozia­le Sub­funk­ti­ons­sys­te­me der Sozia­len Arbeit. Unter dem Leit­prin­zip der Pro­fes­si­on wird die Ver­pflich­tung gegen­über der eige­nen Pro­fes­si­on ver­stan­den, d.h. die Hal­tun­gen, Ein­stel­lun­gen und Posi­tio­nen der eige­nen Pro­fes­si­on wert­schät­zen, ein­hal­ten und ver­tre­ten. Wäh­rend unter der Orga­ni­sa­ti­on als Leit­prin­zip die Ver­pflich­tun­gen gegen­über dem Kon­text der eige­nen Orga­ni­sa­ti­on wie Leit­bild, Auf­trag, Kon­zept und Umwelt ver­stan­den wird. Pro­fes­sio­nel­les Han­deln in der Sozia­len Arbeit ist dabei geprägt von begrenz­ter Stan­dar­di­sier­bar­keit der Inter­ven­tio­nen sowie durch das Ein­brin­gen von Pro­fes­sio­nel­len als gan­ze Per­son in den Hil­fe­pro­zess, um trag­fä­hi­ge Bezie­hun­gen aus­zu­ge­stal­ten. Ins­be­son­de­re an die­sem Aspekt wird das ein­gangs beschrie­be­ne Tech­no­lo­gie­de­fi­zit von päd­ago­gi­schen Maß­nah­men im Kon­trast zum stan­dar­di­sier­ten öko­no­mi­schen Han­deln der Pro­duk­ti­ons­lo­gi­ken deut­lich (sie­he Kapi­tel 2.1). Die Auf­trä­ge einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen sind durch gesetz­li­che Vor­ga­ben defi­niert und stel­len Wider­sprüch­lich­kei­ten dar, die durch die Pro­fes­sio­nel­len bewäl­tigt wer­den müs­sen. Die­se Span­nung wird durch das Leit­prin­zip der Orga­ni­sa­ti­on ver­stärkt. Die insti­tu­tio­nel­len Auf­trä­ge zur Bil­dung und Reha­bi­li­ta­ti­on kön­nen mit dem Leit­prin­zip der Pro­fes­si­on ein­her­ge­hen, da sie über die Beschäf­ti­gung in einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen hin­aus ver­su­chen die Hand­lungs­fä­hig­keit zu erhö­hen und Lebens­be­din­gun­gen der bMA zu ver­bes­sern, indem eine Ein­glie­de­rung auf dem all­ge­mei­nen Arbeits­markt durch Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung und eine Beschäf­ti­gung außer­halb der Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen geför­dert wer­den, wäh­rend die orga­ni­sa­tio­na­len Auf­trä­ge als Beschäf­ti­gungs­an­bie­ter und Wirt­schafts­un­ter­neh­men dazu in einem Span­nungs­feld ste­hen. Sie ent­la­den sich in einer Spal­tung in orga­ni­sa­tio­na­le und insti­tu­tio­nel­le Auf­trä­ge, die mit­ein­an­der kon­kur­rie­ren und so Koope­ra­tio­nen für die Akto­ren erschwe­ren. Pro­fes­sio­nel­le ste­hen des­halb vor der Her­aus­for­de­rung, die Span­nun­gen vor dem Hin­ter­grund ihrer eige­nen Pro­fes­si­on mit ihrer Orga­ni­sa­ti­on in Ein­klang zu brin­gen (vgl. Mer­ten et al., 2019, S. 24f.).

Die Span­nung zwi­schen der Pro­fes­si­on und Orga­ni­sa­ti­on resul­tie­ren dem­nach durch gesetz­lich ver­an­ker­te Wir­kungs­zie­le, die in der Orga­ni­sa­ti­on durch Pro­fes­sio­nel­le erreicht wer­den sol­len. Die Leit­idee der Wir­kung nach Mer­ten et al. (2019, S. 25) beschreibt, wie „gemein­schaft­li­che Auf­ga­ben erfüllt, ein gemein­sa­mer Gegen­stand bear­bei­tet und sich auf die Erfül­lung eige­ner und gemein­sa­mer Zie­le kon­zen­triert wird“. Pro­fes­sio­nel­les Han­deln soll­te dabei nach Mer­ten et al. (2019, S. 25) fol­gen­de Wir­kungs­zie­le in den Fokus nehmen:

  • Ver­meh­rung und Opti­mie­rung der klient:innenbezogenen Hand­lungs­op­tio­nen und Ver­bes­se­rung der Pro­blem­lö­sungs­kom­pe­tenz der betei­lig­ten Fachkräfte;
  • Koor­di­na­ti­on der fach­li­chen, struk­tu­rel­len und per­so­na­len Res­sour­cen und Ver­mei­den von Dop­pel­spu­rig­kei­ten im Behandlungsprozess;
  • Ver­bes­se­rung des gegen­sei­ti­gen Infor­ma­ti­ons­flus­ses und Wis­sens­trans­fers sowie Stei­ge­rung des Wis­sens über die ande­ren Kooperationspartner:innen;
  • Ver­bes­se­rung der Ziel­er­rei­chung und Ergeb­nis­qua­li­tät und Ver­min­de­rung von Folgekosten;
  • Ver­bes­se­rung der orga­ni­sa­tio­na­len und fach­li­chen Kom­pe­ten­zen als ler­nen­de Organisation;
  • Stei­ge­rung der gemein­sa­men Wett­be­werbs­fä­hig­keit und För­de­rung des soli­da­ri­schen Handelns;
  • Ver­bes­se­rung der wirt­schaft­li­chen Situa­ti­on (Kos­ten-Nut­zen-Bewusst­sein) und Siche­rung der eige­nen Zukunft durch geziel­te Zusam­men­ar­beit.
    (sie­he Mer­ten et al., 2019, S. 25)

Die unter­schied­li­chen Auf­trags­la­gen der MA in einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen bedür­fen der Kom­mu­ni­ka­ti­on und fer­ner auch der Mul­ti­per­spek­ti­vi­tät, um in einen kom­mu­ni­ka­ti­ven Pro­zess der Koor­di­na­ti­on über­zu­ge­hen. Mul­ti­per­spek­ti­vi­tät als Leit­prin­zip basiert auf dem Gedan­ken, dass unter­schied­lichs­te Wirk­lich­keits­kon­struk­tio­nen zu mehr Hand­lungs­op­tio­nen füh­ren kön­nen, d.h. die Offen­le­gung von inter­dis­zi­pli­nä­ren und mul­ti­per­spek­ti­vi­schen Sicht­wei­sen und Hand­lungs­lo­gi­ken ermög­licht die Erwei­te­rung der Zugän­ge für die Bear­bei­tung des Hil­fe­pro­zes­ses. Die Koor­di­na­ti­on die­ser Infor­ma­tio­nen hin zu gemein­sa­men Zie­len gelingt durch Kom­mu­ni­ka­ti­on. Die­se wird „ver­stan­den als ver­ba­ler oder auch non­ver­ba­ler Aus­tausch von Infor­ma­tio­nen“ (sie­he Mer­ten et al., 2019, S. 26). In einem sol­chen kom­mu­ni­ka­ti­ven Koor­di­nie­rungs­pro­zess, geht es um die Aus­rich­tung ver­schie­de­ner Akteu­re auf ein Ziel, um inten­dier­te Zie­le erreich­bar zu machen. Kom­mu­ni­ka­ti­on mana­get folg­lich die Abhän­gig­kei­ten zwi­schen den betei­lig­ten Akteu­ren. Sie ist dabei ange­wie­sen auf „kla­re Kom­mu­ni­ka­ti­ons­struk­tu­ren und ‑gefä­ße, Ver­hand­lungs­ge­schick, Kon­flikt­fä­hig­keit, Infor­ma­tio­nen zu rele­van­ten Daten und Trans­pa­renz über die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­par­tei­en“ (sie­he Mer­ten et al., 2019, S. 26). Kom­mu­ni­ka­ti­on ist damit der zen­tra­le Vek­tor der Koope­ra­ti­on und als Aus­tausch­be­zie­hung anfäl­lig für Miss­ver­ständ­nis­se und Konflikte.

Die Art und Wei­se, wie in koope­ra­ti­vem Han­deln kom­mu­ni­ziert wird, um gemein­sam Zie­le zu errei­chen, ermög­licht es nach Spieß (1996, 1998, 2004 in Balz & Spieß, 2009, S. 35ff.) die Koope­ra­ti­on in drei Dimen­sio­nen zu unter­tei­len: die stra­te­gi­sche Koope­ra­ti­on, die empa­thi­sche Koope­ra­ti­on und die Pseu­do­ko­ope­ra­ti­on. Stra­te­gi­sche Koope­ra­ti­on ist durch „ratio­na­len und ziel­ge­rich­te­ten Nut­zen“ (sie­he Balz & Spieß, 2009, S. 35) cha­rak­te­ri­siert, sodass mög­lichst effek­tiv Zie­le ohne zusätz­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­zes­se des gegen­sei­ti­gen Ver­ste­hens abge­ar­bei­tet wer­den (vgl. Balz & Spieß, 2009, S. 35). Dem­ge­gen­über steht die empa­thi­sche Koope­ra­ti­on, bei der eben die­ser Ver­stän­di­gungs­pro­zess die Grund­vor­aus­set­zung für das koope­ra­ti­ve Han­deln ist, d.h. durch Kom­mu­ni­ka­ti­on der Betei­lig­ten, die gegen­sei­ti­gen Inten­tio­nen zu ver­ste­hen und sich durch Ein­ver­ständ­nis als gegen­sei­ti­ge Part­ner zu gewin­nen (vgl. eben­da.). Lie­gen kei­ne gemein­sa­men Zie­le vor, kann dies zu einer sowohl stra­te­gi­schen als auch empa­thi­schen Pseu­do­ko­ope­ra­ti­on füh­ren, d.h. es kommt zu einem „Als-ob-Han­deln“ (sie­he Balz & Spieß, 2009, S. 36) mit ober­fläch­li­cher Kom­mu­ni­ka­ti­on auf for­ma­ler Ebe­ne ohne gegen­sei­ti­ges Ver­trau­en (vgl. ebenda.).

Koope­ra­ti­on lässt sich aber nicht nur „anhand von Leit­prin­zi­pi­en und Aspek­ten im Sin­ne von Struk­tur­merk­ma­len und Hand­lungs­ma­xi­men“ (vgl. Mer­ten et al., 2019, S. S. 23–29) betrach­ten oder anhand sei­ner kom­mu­ni­ka­ti­ven Hand­lungs­wei­sen. Koope­ra­ti­on lässt sich anhand von unter­schied­li­chen Akteurs­ebe­nen beschrei­ben. Balz & Spieß (2009, S. 20–28) unter­such­ten Koope­ra­ti­on auf drei Ebe­nen. Dazu gehört die indi­vi­du­el­le Ebe­ne, die inter­per­so­nel­le Ebe­ne sowie die struk­tu­rel­le Ebe­ne. Auf der Ebe­ne des Indi­vi­du­ums spie­len „Per­sön­lich­keits­merk­ma­le, Wert­hal­tun­gen, Ein­stel­lun­gen und Ver­trau­en eine wich­ti­ge Rol­le“ (sie­he Balz & Spieß, 2009, S. 21). Balz & Spieß (2009, S. 21f.) benen­nen als bedeu­ten­de Per­sön­lich­keits­merk­ma­le „emo­tio­na­le Sta­bi­li­tät, Extra­ver­si­on, Offen­heit für Erfah­run­gen, Freundlichkeit/Verträglichkeit und Beharrlichkeit/Gewissenhaftigkeit“ aus den „Big Five“ (sie­he Coas­ta und McCa­re, 1992; Per­vin, 2000 in Balz & Spieß, 2009, S. 21). Eben­so erleich­te­re die Fähig­keit zur Empa­thie den kom­mu­ni­ka­ti­ven Abstim­mungs­pro­zess (vgl. eben­da.). Indi­vi­du­el­le Wert­hal­tun­gen, die „kol­lek­ti­ve Moral, sozia­les Inter­es­se und sozia­le Ver­ant­wor­tung, pro­so­zia­le Ori­en­tie­rung sowie die Sor­ge um ande­re“ beto­nen, haben nach Balz & Spieß (2009, S. 22) eben­so einen Ein­fluss auf Koope­ra­ti­on, wie Ein­stel­lun­gen und Ver­trau­en in Form einer siche­ren Bin­dung. Fünf Ein­stel­lun­gen haben Unter­su­chun­gen nach einen Ein­fluss auf die indi­vi­du­el­le Ebe­ne der Koope­ra­ti­on. Per­so­nen mit die­sen Ein­stel­lun­gen zie­len auf die Maxi­mie­rung des eige­nen Vor­teils ab (indi­vi­dua­lis­ti­sche Ein­stel­lung), wol­len den Part­ner über­tref­fen (Wett­be­werbs­ori­en­tie­rung), ori­en­tie­ren sich an den eige­nen sowie den Gewin­nen des Part­ners (koope­ra­ti­ve Ein­stel­lung), wol­len vor allem die Zie­le des Part­ners durch­set­zen (altru­is­ti­sche Ein­stel­lung) und „Stre­ben nach Gleich­heit der Beloh­nun­gen“ (sie­he Bier­hoff und Mül­ler, 1993 in Balz & Spieß, 2009, S. 22). Auf der inter­per­so­nel­len Ebe­ne geht es um zwi­schen­mensch­li­che Abstim­mungs­pro­zes­se, d.h. Grup­pen­dy­na­mi­ken kön­nen hier eine Rol­le spie­len. Ver­trau­en ist nicht nur auf der indi­vi­du­el­len Ebe­ne als Aus­druck des eige­nen Bin­dungs­ver­hal­tens von Bedeu­tung, son­dern auch auf der inter­per­so­nel­len Ebe­ne, da die Kooperationspartner:innen „sich [auf­ein­an­der, Anm. PK] ver­las­sen [müs­sen, Anm. PK] und [sind, Anm. PK] zeit­wei­lig auf die Arbeits­leis­tung ande­rer ange­wie­sen“ (sie­he Bier­hoff und Mül­ler, 1993 in Balz & Spieß, 2009, S. 23). Nach Lewi­cki und Bun­ker (1995 in Balz & Spieß, 2009, S. 23) lässt sich Ver­trau­en in drei For­men unter­schie­den. Zum einen das kal­ku­la­ti­ve Ver­trau­en, das einer kal­ku­lier­ten Berech­nung ent­springt, um bspw. eige­ne Ziel durch­zu­set­zen, das Ver­trau­en auf­grund von Wis­sen bzw. Erfah­rung beruht auf dem Erfah­rungs­wis­sen, dass eine Per­son ver­läss­lich ist. Lang­jäh­ri­ge Bezie­hun­gen zwi­schen den Koope­ra­ti­ons­part­nern begüns­ti­gen das Ver­trau­en auf­grund von Erfah­rung. Zum ande­ren Ver­trau­en, das auf der Basis von gegen­sei­ti­ger Iden­ti­fi­ka­ti­on beruht, d.h. die Kooperationspartner:innen unter­stüt­zen die Absich­ten der jeweils ande­ren Per­son und kön­nen die­se ver­tre­ten. Die struk­tu­rel­le Ebe­ne „umfasst Orga­ni­sa­tio­nen, Lern­kul­tu­ren in Unter­neh­men, Koope­ra­ti­on in und zwi­schen Abtei­lun­gen, Füh­rung und For­men der Arbeits­ge­stal­tung“ (sie­he Balz & Spieß, 2009, S. 24).

Als Vor­aus­set­zung für gelin­gen­de inter­pro­fes­sio­nel­le und ‑orga­ni­sa­tio­na­le Koope­ra­ti­on benen­nen Mer­ten et al. (2019, S. 29f.) die Klä­rung der Erwar­tungs­hal­tun­gen und Res­sour­cen­ein­sat­zes. Seckin­ger (2008, S. 9ff. in Mer­ten et al., 2019, S. 29f.) beschreibt dafür zehn Erfolgs­fak­to­ren, die als Vor­aus­set­zun­gen einen Koope­ra­ti­ons­pro­zess begüns­ti­gen kön­nen. Die Koope­ra­ti­ons­part­ner ent­wi­ckeln eine rea­lis­ti­sche Arbeits­pla­nung und nut­zen gemein­sam Model­le eige­ner Pro­blem­lö­sungs­sys­te­ma­ti­ken (1), die je ne nach Pro­fes­si­on oder auch Orga­ni­sa­ti­on bspw. vari­ie­ren kön­nen. Sie legen vor der eigent­li­chen Hand­lung die Art der Ergeb­nis­si­che­rung, die Form des Infor­ma­ti­ons­flus­ses fest (2) und schaf­fen ein Wis­sen über­ein­an­der bzw. gehen in den gegen­sei­ti­gen Aus­tausch (3). Sie berei­ten Ver­trau­ens­bil­dungs- und Bezie­hungs­klä­rungs­pro­zes­se vor (4), legen die Lauf­zeit der Koope­ra­ti­on fest und sor­gen in die­ser Zeit für per­so­nel­le Kon­ti­nui­tät (5). Dabei schaf­fen sie Rück­kopp­lungs­pro­zes­se, um Ergeb­nis­se in ihren Orga­ni­sa­tio­nen zu kom­mu­ni­zie­ren (6). In dop­pel­ter Ziel­kon­gru­enz wer­den die Ziel­per­spek­ti­ven geklärt und Dif­fe­ren­zen und mög­li­che Fol­gen the­ma­ti­siert und reflek­tiert (7/8). Für nega­ti­ve Kon­se­quen­zen für Drit­te über­neh­men die Part­ner die Ver­ant­wor­tung und beschrei­ben des­halb Zustän­dig­kei­ten (10). Die Koope­ra­ti­ons­be­zie­hung wird nach außen durch ein erkenn­ba­res Koope­ra­ti­ons­pro­fil iden­ti­fi­zier­bar und legi­tim (9). (vgl. Seckin­ger, 2008, S. 9ff. in Mer­ten et al., 2019, S. 29f.)

Mer­ten et al. (2019, S. 32) pos­tu­lie­ren, dass „Maß­nah­men, die das gegen­sei­ti­ge Ver­trau­en und Ver­ständ­nis för­dern und reflek­tie­ren“ jeg­li­che Form der Koope­ra­ti­on opti­mie­ren kön­nen. Erfolgs­fak­to­ren sind nach Mer­ten et al. (2019, S. 31f.): die Klä­rung von Zweck und Inhalt der Koope­ra­ti­on, die Fest­le­gung von Zustän­dig­kei­ten, Ver­ant­wor­tungs­be­rei­chen in Pro­zess- und Auf­bau­mo­del­len, die Teil­nah­me von betei­lig­ten Akteu­re der jewei­li­gen Pro­blem­stel­lung, Gegen­sei­ti­ges Sich-ken­nen und Ver­trau­en, Fes­te Struk­tu­ren und Kon­ti­nui­tät, Nut­zen aus der Koope­ra­ti­on für die Partner:innen, zeit­li­che Res­sour­cen als zen­tra­ler Erfolgs­fak­tor und per­so­nen­be­zo­ge­ne Fak­to­ren, d.h. eine hohe Koope­ra­ti­ons­kom­pe­tenz sowie Kon­ti­nui­tät bei den betei­lig­ten Par­tei­en. Die Koope­ra­ti­ons­kom­pe­tenz lässt sich nach San­ten und Seckin­ger (2003 in Mer­ten et al., 2019, S. 30f.) durch acht Fak­to­ren auf der indi­vi­du­el­len Ebe­ne beschrei­ben, die im Fol­gen­den zitiert wer­den sol­len: „Koope­ra­ti­on erfor­dert die Bereit­schaft und Fähig­keit zur Koope­ra­ti­on[, d.h. Kom­pe­ten­zen, Anm. PK] wie Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit, Kon­flikt­fä­hig­keit und Ver­hand­lungs­kom­pe­tenz, Offen­heit, empa­thi­sches Ver­mö­gen und die dienst­recht­li­che Kom­pe­tenz der Orga­ni­sa­ti­on [wer­den für koope­ra­ti­ves Han­deln benö­tigt, Anm. PK]“ (sie­he San­ten und Seckin­ger, 2003 in Mer­ten et al., 2019, S. 30f.) (1). Koope­ra­ti­on ist ein damit ein hoch­gra­dig kom­mu­ni­ka­ti­ver Pro­zess der zwi­schen­mensch­li­chen Aus­hand­lung, in dem gemein­sa­me nutz­brin­gen­de und damit moti­vie­ren­de Zie­le defi­niert wer­den (2) und Infor­ma­tio­nen durch ein­zel­ne Vertreter:innen aus ihren Her­kunfts­or­ga­ni­sa­tio­nen wei­ter­trans­por­tiert (3) und Ergeb­nis­se durch sie in die­se zurück­ge­tra­gen wer­den (4). Sie benö­ti­gen dazu struk­tu­rel­le Wis­sen („Auf­trags­zie­le, Arbeits­wei­sen und Hand­lungs­mög­lich­kei­ten, inter­ne Orga­ni­sa­ti­ons- und Ablauf­struk­tu­ren, Per­so­nal­res­sour­cen, Hand­lungs­lo­gi­ken, Hand­lungs­grund­la­gen sowie Zustän­dig­kei­ten“ (sie­he San­ten und Seckin­ger, 2003 in Mer­ten et al., 2019, S. 30f.).) der jewei­li­gen Her­kunfts­or­ga­ni­sa­tio­nen (5) und eine grund­le­gen­de Basis des Ver­trau­ens und der Ver­läss­lich­keit, um den Infor­ma­ti­ons­aus­tausch gelin­gen zu las­sen (6). Dabei müs­sen Erwar­tun­gen, Zie­le und das jewei­li­ge Koope­ra­ti­ons­ver­ständ­nis vor­her geklärt wer­den, um poten­zi­el­le Bar­rie­ren prä­ven­tiv zu ver­hü­ten (7). Eben­so muss sich über den Ein­satz von „Res­sour­cen (Arbeits­zeit, Infor­ma­ti­ons­fluss, Eigen­stän­dig­keit sowie Finan­zen) und Ein­fluss­mög­lich­kei­ten (Kom­pe­ten­zen und Zustän­dig­kei­ten)“ (sie­he San­ten und Seckin­ger, 2003 in Mer­ten et al., 2019, S. 30f.) ver­stän­digt wer­den (8). (vgl. San­ten und Seckin­ger, 2003 in Mer­ten et al., 2019, S. 30f.)

Koope­ra­ti­on lässt sich also als absichts­vol­le Zusam­men­ar­beit beschrei­ben, durch die gemein­sa­me Zie­le erreicht wer­den sol­len, um Abläu­fe, Fähig­kei­ten und Fer­tig­kei­ten für die Bear­bei­tung von sozia­len Pro­ble­men zu opti­mie­ren. Struk­tur­merk­ma­le und Hand­lungs­ma­xi­men der Koope­ra­ti­on sind Wer­te und Par­ti­zi­pa­ti­on, Pro­fes­si­on und Orga­ni­sa­ti­on, Wir­kung, Mul­ti­per­spek­ti­vi­tät und Kom­mu­ni­ka­ti­on. Ins­be­son­de­re die Ziel­kom­mu­ni­ka­ti­on als zen­tra­ler Abstim­mungs­pro­zess einer gemein­sa­men Wir­kung hat in der Koope­ra­ti­on eine form­ge­ben­de Rol­le. Koope­ra­ti­on kann dabei auf drei Ebe­ne des Indi­vi­du­ums, der zwi­schen­mensch­li­chen Ebe­ne sowie inner­halb von Struk­tu­ren voll­zo­gen wer­den und ist wie­der­um von den Ein­flüs­sen der jewei­li­gen Ebe­ne cha­rak­te­ri­siert. Als grund­le­gen­de Vor­aus­set­zung für Koope­ra­ti­on wird die Klä­rung der Erwar­tungs­hal­tun­gen und des Res­sour­cen­ein­satz pos­tu­liert. Maß­nah­men, die für so einen kom­mu­ni­ka­ti­ven Pro­zess also Ver­trau­en und Ver­ständ­nis för­dern wol­len, sind wich­ti­ge Erfolgs­fak­to­ren für eine gelin­gen­de Koope­ra­ti­on. Eben­so gehö­ren dazu die Klä­rung von Zweck und Inhalt sowie Zustän­dig­kei­ten inner­halb der Koope­ra­ti­on, die Aus­wahl der betei­lig­ten Per­so­nen an der Pro­blem­stel­lung, Pro­zes­se des gegen­sei­ti­gen Ver­trau­ens und Ver­ständ­nis­ses von­ein­an­der, fes­te und kon­ti­nu­ier­li­che Struk­tu­ren, Nut­zen für die Koope­ra­ti­ons­par­tei­en sowie zeit­li­che Res­sour­cen und per­so­nel­le Kon­ti­nui­tät und Kooperationskompetenzen.

Auf­grund der theo­re­tisch begrün­de­ten struk­tu­rel­len Ziel­kon­flik­te in Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen zwi­schen dem Pro­duk­ti­ons­auf­trag und dem Reha­bi­li­ta­ti­ons­auf­trag wur­de eine Ein­füh­rung in sozia­le Kon­flik­te vor­ge­nom­men und gezeigt, wie die­se bewäl­tigt wer­den kön­nen. Koope­ra­ti­on erwies sich dabei als erfolg­rei­che Kon­flikt­be­wäl­ti­gungs­stra­te­gie, die Gewin­ne bei bei­den Kon­flikt­par­tei­en ermög­licht und so Syn­er­gie­ef­fek­te frei­set­zen kann. Koope­ra­ti­on als inten­dier­te Zusam­men­ar­beit bün­delt also die Kräf­te der betei­lig­ten Par­tei­en, um zusam­men ein gemein­sa­mes Ziel zu errei­chen. Durch die Aus­ein­an­der­set­zung mit den Leit­prin­zi­pi­en sowie For­men und Ebe­nen der Koope­ra­ti­on konn­te schließ­lich in Vor­aus­set­zun­gen und Erfolgs­fak­to­ren samt Koope­ra­ti­ons­kom­pe­tenz über­führt wer­den, die ent­schei­dend zum Gelin­gen von Koope­ra­ti­on bei­tra­gen kön­nen. Im Fol­gen­den wird des­halb ein Unter­su­chungs­in­stru­ment für die Erfas­sung der vor­herr­schen­den Zusam­men­ar­beit in einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen mit den betei­lig­ten Akteu­ren ent­wor­fen. Beson­de­res Gewicht wer­den hier­bei per­sön­li­che Erleb­nis­se und Erfah­run­gen aus der jewei­li­gen Akteurs­per­spek­ti­ve sein, um Hand­lungs­mus­ter und die ihnen zugrun­de­le­gen­den Begrün­dungs­zu­sam­men­hän­ge auf­zu­schlüs­seln, sodass sich durch die­se Unter­su­chung nicht nur die gegen­sei­ti­ge Wahr­neh­mung beschrei­ben lässt, son­dern auch wel­ches Ver­ständ­nis von Koope­ra­ti­on bei den betei­lig­ten Akteu­ren vorliegt.

4. Selbst­re­fle­xi­on von Koope­ra­ti­ons­pro­zes­sen – eine epi­so­dische Interviewstudie

Bis­her wur­de theo­re­tisch in die For­schungs­si­tua­ti­on ein­ge­führt und geklärt, wel­che struk­tu­rel­le Pro­blem­si­tua­ti­on in Werk­stät­ten für Men­schen mit Behin­de­run­gen vor­liegt. In der exem­pla­risch dar­ge­leg­ten Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen wird der Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­zess durch zwei Grup­pen von FAB umge­setzt. Den Grup­pen­lei­tun­gen vor Ort und den ambu­lan­ten Inte­gra­ti­ons­be­glei­tun­gen zwi­schen Werk­statt und Betrieb. Zwei Akteurs­grup­pen, die unter­schied­li­che Zie­le ver­fol­gen und sich auf den ent­ge­gen­ge­setz­ten Sei­ten der Kon­flikt­li­nie in WfbM befin­den, sol­len also zusam­men den struk­tu­rell benach­tei­lig­ten Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­zess umset­zen. Die­se Arbeit möch­te die­se Situa­tio­nen der Zusam­men­ar­beit beleuch­ten und dabei die sub­jek­ti­ven Bedeu­tungs­ge­bun­gen der bei­den Akteurs­grup­pen erfas­sen, sodass sich schließ­lich die vor­herr­schen­den Koope­ra­ti­ons­ver­ständ­nis­se eben­so wie die gegen­sei­ti­gen Wahr­neh­mun­gen in der Zusam­men­ar­beit ver­glei­chen las­sen. Dafür wird erläu­tert, war­um gera­de ein epi­so­di­sches Inter­view eine geeig­ne­te Metho­de für die Erfas­sung des Koope­ra­ti­ons­ver­hal­tens ist. Anschlie­ßend wird das For­schungs­mo­dell und ‑design anhand des Unter­su­chungs­in­stru­men­tes sowie die Daten­do­ku­men­ta­ti­on vorgestellt.

4.1 Das epi­so­dische Inter­view zur Erfas­sung von Erfahrungswissen

Die qua­li­ta­ti­ve Sozi­al­for­schung möch­te den Sinn sozia­ler Wirk­lich­keit ver­ste­hen. Dabei ist es egal ob ein oder meh­re­re Fäl­le vor­lie­gen. Der i.d.R. offe­ne und fle­xi­ble Ablauf ermög­licht eine Feld­for­schung, die in der Lage ist, sub­jek­ti­ve Sicht­wei­sen zu erfas­sen. Die­se Arbeit hat das Ziel, die Bedarfs­la­ge bei Fach­kräf­ten einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen zu erfas­sen. Da auch die­se Arbeit damit sub­jek­ti­ve Sicht­wei­sen erfas­sen möch­te, wer­den qua­li­ta­ti­ve Metho­den für das For­schungs­vor­ha­ben aus­ge­wählt. Dabei wer­den ins­be­son­de­re Befra­gun­gen in Form von Inter­views die Metho­den der Wahl sein, da der Fokus auf der Wahr­neh­mung von mensch­li­chem Ver­hal­ten in der Pra­xis bzw. im Feld liegt und die the­ma­ti­sier­te Rück­kehr von bMA teils schon eini­ge Zeit zurück lie­gen kann (vgl. Attes­lan­der et al., 2010; vgl. Häder, 2019; vgl. Hug & Posche­sch­nik, 2020). 

Auch wenn die Metho­de der Befra­gung ein ers­ter Schritt zur Kon­kre­ti­sie­rung des For­schungs­de­signs ist, so stellt sich bei der Viel­zahl an Inter­view­for­men die Fra­ge, wel­che Inter­view­form für die geplan­te Erhe­bung am geeig­nets­ten erscheint (vgl. Hug & Posche­sch­nik, 2020, S. 127–132; vgl. Mey & Mruck, 2020). Für die Beant­wor­tung der Fra­ge­stel­lung liegt der Fokus auf dem Erfah­rungs­wis­sen von Fach­kräf­ten über eine bestimm­te Hand­lungs­si­tua­ti­on und wie sie sich und ihre Kolleg:innen in die­ser Situa­ti­on der Zusam­men­ar­beit wahr­neh­men. Bogner et al. (2014, S. 18f.) spre­chen in die­sem Fall von Pro­zess­wis­sen und Deu­tungs­wis­sen. Es geht auf der einen Sei­te um die Ein­sicht in den Ablauf der Zusam­men­ar­beit und auf der ande­ren Sei­te um die sub­jek­ti­ven Sicht­wei­sen und Deu­tun­gen der Fach­kräf­te über die Situa­ti­on der Zusam­men­ar­beit. Der For­schungs­fo­kus bezieht sich auf eine noch unbe­kann­te und kom­ple­xe Situa­ti­on. Am Ende der Unter­su­chung soll ein schär­fe­res Pro­blem­be­wusst­sein für die­se Situa­ti­on vor­lie­gen. In die­sem Fall wird von einem explo­ra­ti­ven Inter­view gespro­chen, das zur Erschlie­ßung des For­schungs­fel­des genutzt wer­den kann (vgl. Bogner et al., 2014b, S. 23 f.).

Dem­nach muss ein ent­spre­chen­des qua­li­ta­ti­ves Inter­view wie folgt cha­rak­te­ri­siert sein: Ein­zel­in­ter­views mit ermit­teln­der Inten­ti­on und halb-struk­tu­rier­ter Stan­dar­di­sie­rung, um gleich­sam offen für die unter­schied­li­chen Erfah­run­gen der Fach­kräf­te zu sein. Auch ist hier­bei eine münd­li­che Befra­gung in einer face-to-face-Situa­ti­on mit wei­chen Fra­gen erfor­der­lich, um die Offen­heit wei­ter zu unter­stüt­zen, indem eine ver­trau­ens­vol­le Atmo­sphä­re geschaf­fen wer­den kann, aber auch um den Ein­fluss durch das Fra­gen auf die All­tags­er­zäh­lun­gen mög­lichst zu mini­mie­ren. (vgl. Lam­nek & Krell, 2010, S. 302–314)

Das epi­so­dische Inter­view nach Flick (2011) stellt ein geeig­ne­tes Unter­su­chungs­in­stru­ment für das Vor­ha­ben die­ser Arbeit dar, da es (halb-)offene Fra­gen zur Erhe­bung von Deu­tungs­wis­sen mit Erzähl­an­läs­sen zur Erhe­bung von sub­jek­ti­ven Erfah­run­gen oder Pro­zes­sen ver­eint (vgl. Flick, 2011, S. 273). Zwei Wis­sens­for­men las­sen sich also mit die­ser Metho­de erfas­sen: nar­ra­tiv-epi­so­di­sches Wis­sen, das aus der All­tags­er­fah­rung und dazu­ge­hö­ri­gen Erin­ne­run­gen besteht, womit Situa­tio­nen und ihre Abläu­fe dar­ge­stellt wer­den, sowie seman­ti­sches Wis­sen, das Wis­sen beinhal­tet, dass aus den Erfah­run­gen abge­lei­tet wird. Dies kön­nen „Gene­ra­li­sie­run­gen, Abs­trak­tio­nen und gesetz­te Zusammenhänge“(siehe Lam­nek & Krell, 2010, S. 343f.), indem Begrif­fe benannt und anschlie­ßend in eine Bezie­hung gesetzt wer­den. Der Fokus im epi­so­dischen Inter­view­liegt damit auf Erfah­run­gen. Die befrag­ten ent­schei­den dabei selbst, was sie beschrei­ben oder erzäh­len wol­len. Die Kon­tex­te des Arbeits­all­ta­ges wer­den als Erzäh­lung for­mu­liert und durch Begrif­fe und Regeln argu­men­tiert. (vgl. Lam­nek & Krell, 2010, S. 343f.)

Dem epi­so­dischen Inter­view liegt ein Leit­fa­den zugrun­de, die­ser stellt dabei genau­so Struk­tur- wie auch Hilfs­mit­tel für die Inter­view­si­tua­ti­on dar. Je nach The­ma vari­iert des­halb nicht nur der Grad der Struk­tur, son­dern auch die Form des Leit­fa­dens. Der Leit­fa­den ist redu­ziert aus­ge­drückt ein Mit­tel, um gezielt Erzähl­auf­for­de­run­gen in das Gespräch zu geben (vgl. Helf­fe­rich, 2019, S. 675 f.). Es soll­te dar­auf geach­tet wer­den, dass Erzähl­sti­mu­li zu bestimm­ten Situa­tio­nen die Anzahl der Nach­fra­gen über­wie­gen (vgl. Flick, 2011, S. 275). Lam­nek & Krell (vgl. 2010, S. 344) cha­rak­te­ri­sie­ren das Nach­fra­gen durch die Anre­gung der Fan­ta­sie und fokus­sier­tem Fra­gen „nach sub­jek­ti­ven Defi­ni­tio­nen oder abs­trak­ten Zusam­men­hän­gen“. Im Fol­gen­den wird der Leit­fa­den vor­ge­stellt, der mit­hil­fe von Fra­gen­kom­ple­xen, die sich am For­schungs­stand ori­en­tie­ren, vor­struk­tu­riert wurde.

4.2 Vor­stel­lung des Untersuchungsinstrumentes

Ziel die­ser Unter­su­chung ist ein erwei­ter­tes Ver­ständ­nis der Zusam­men­ar­beit im Über­gang auf den all­ge­mei­nen Arbeits­markt. Die­ser Über­gang wird im spe­zi­el­len von den Inte­gra­ti­ons­be­glei­tun­gen in Zusam­men­ar­beit mit den Grup­pen­lei­tun­gen und dem Sozi­al­dienst aus­ge­stal­tet. Für ein bes­se­res Ver­ständ­nis von Koope­ra­ti­ons­pro­zes­sen ist zu klä­ren, wel­che gegen­sei­ti­gen Erwar­tungs­hal­tun­gen vor­lie­gen und wel­che Res­sour­cen ein­ge­setzt werden.

Dafür soll die TZI nach Ruth Cohn (sie­he Beh­nisch et al., 2013, S. 86–102) als Grund­le­gen­de Struk­tur reflek­tie­ren­den Den­kens für das Unter­su­chungs­in­stru­ment genutzt wer­den. In der Spra­che der TZI wird damit die Zusam­men­ar­beit als situa­ti­ver For­schungs­kon­text zum ES der per­sön­li­chen Hand­lungs­re­fle­xi­on gemacht. Die indi­vi­du­el­le Eben der Koope­ra­ti­on kommt damit dem ICH in der TZI gleich. Kon­kre­te Erleb­nis­se und Erfah­run­gen der Koope­ra­ti­on mit den jewei­li­gen Kolleg:inen wer­den somit unter dem Fokus des WIR the­ma­ti­siert, da hier ins­be­son­de­re die Unter­schei­dung von eige­nen Antei­len und der Sicht auf die ande­re Akteurs­grup­pe ermög­licht wird. In Ver­bin­dung damit kön­nen bspw. Erwar­tungs­hal­tun­gen an in die Zusam­men­ar­beit the­ma­ti­siert wer­den und im fol­gen­den Schritt kann sich auf die struk­tu­rel­le Ebe­ne fokus­siert wer­den. Die struk­tu­rel­le Ebe­ne der Zusam­men­ar­beit wird damit dem GLOBE gleich­ge­setzt und wird defi­niert durch „das unmit­tel­ba­re Umfeld einer Arbeits­grup­pe, den insti­tu­tio­nel­len Rah­men, in dem Inter­ak­tio­nen statt­fin­den“ (sie­he Beh­nisch et al., 2013, S. 93). Aber auch „[der aktu­el­le sozia­le, poli­ti­sche und öko­no­mi­sche] Hin­ter­grund sowie z.B. his­to­ri­sche Zusam­men­hän­ge“ (sie­he Beh­nisch et al., 2013, S. 93) kön­nen so berück­sich­tigt wer­de. Die­se Zusam­men­hän­ge wir­ken immer auch auf das Indi­vi­du­um, das ICH, die Situa­ti­on der Zusam­men­ar­beit mit den Kolleg:innen, das WIR, sowie den Über­gang auf den all­ge­mei­nen Arbeits­markt, das ES, zurück (sie­he Beh­nisch et al., 2013, S. 91ff.).

Im Fol­gen­den wird der Leit­fa­den und sei­ne inhalt­li­che Kon­struk­ti­on vor­ge­stellt. Um im ers­ten For­schungs­kom­plex die eige­ne Arbeits­si­tua­ti­on, das ICH im Zusam­men­hang mit dem ES, als Aus­gangs­punkt der Erzäh­lung zu fas­sen, ist das Wis­sen über die Situa­ti­on in einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen also um die Aus­gangs­la­ge ent­schei­dend. In einem epi­so­dischen Inter­view, dass pri­mär eine freie Erzäh­lung ermög­li­chen soll, kön­nen des­halb Aspek­te des Per­so­nen­krei­ses von Men­schen mit Behin­de­run­gen deren sozia­le und indi­vi­du­el­le Bedarfs­la­gen oder auch deren Bio­gra­fien und Beein­träch­ti­gungs­bil­der eine Rol­le spie­len. Eben­so kön­nen die Werk­stät­ten für Men­schen mit Behin­de­run­gen selbst in den Fokus der Erzäh­lung gera­ten, da sie die all­täg­li­chen Arbeits­ver­hält­nis­se aus­ge­stal­ten. Dar­un­ter fal­len auch die jewei­li­gen insti­tu­tio­nel­len und orga­ni­sa­tio­na­len Auf­trä­ge sowie gesetz­li­che Grund­la­gen, die sich struk­tu­rie­rend auf die Arbeit der Befrag­ten aus­wir­ken. Ins­be­son­de­re für die indi­vi­du­el­le Ebe­ne der Koope­ra­ti­on sind Per­sön­lich­keits­merk­ma­le, Wert­hal­tun­gen, Ein­stel­lun­gen und Ver­trau­en bedeu­ten­de Ein­fluss­fak­to­ren. Die Befrag­ten wer­den des­halb über ihren per­sön­li­chen beruf­li­chen Wer­de­gang befragt, um einen Ein­stieg in die eige­ne aktu­el­le beruf­li­che Situa­ti­on zu ermög­li­chen. Die­ser Arbeits­all­tag ist des­halb zen­tra­ler Aspekt des ers­ten Erzähl­im­pul­ses „Wie sieht denn so dein Arbeits­all­tag aus?“. Hier­durch kön­nend die Inter­view­ten frei aus ihrem all­täg­li­chen Erle­ben berich­ten und auch schon auf Koope­ra­ti­ons­er­eig­nis­se ein­ge­hen, soll­ten die­se ihnen begeg­ne. Als Nach­fra­gen zur Erzäh­lung über den Arbeits­all­tag wird nach ande­ren Men­schen gefragt, mit denen man zusam­men­ar­bei­te oder auch wel­che Auf­ga­ben die Per­son im All­tag aus­führt. Die Fan­ta­sie kann hier­bei durch Fra­gen wie „Was fällt dir leicht? Was fällt dir eher schwer?“ ange­regt wer­den. Ins­be­son­de­re die Auf­for­de­rung nach Bei­spie­len und „Was ist dir wich­tig als GL?“ ermög­licht es, sub­jek­ti­ve Defi­ni­tio­nen und abs­trak­te Zusam­men­hän­ge zu erfahren.

Im zwei­ten For­schungs­kom­plex, der Koope­ra­ti­on im Über­gang, was dem WIR im Zusam­men­hang mit dem ES gleich­kommt, besteht ein grund­le­gen­der Ziel­kon­flikt in WfbM zwi­schen dem Pro­duk­ti­ons- und Reha­bi­li­ta­ti­ons­auf­trag. Des­halb sind hier­zu Kon­flikt­be­wäl­ti­gungs­stra­te­gien eine bedeu­ten­de Grund­la­ge, da die Koope­ra­ti­on im Über­gang schon vor dem eigent­li­chen Ereig­nis der inter­per­so­nel­len Zusam­men­ar­beit durch die­sen Kon­flikt struk­tu­rell beein­träch­tigt wird. Die Befrag­ten kön­nen in die­sem Kon­text auf Gelin­gens­be­din­gun­gen für Koope­ra­ti­on ein­ge­hen, indem sie ihre aktu­el­le Situa­ti­on zu ihren indi­vi­du­el­len Wün­schen kon­tras­tie­ren. Eben­so wer­den zwi­schen­mensch­li­che Abstim­mungs­pro­zes­se und Ver­trau­en als Teil der Inter­per­so­nel­len Ebe­ne von Koope­ra­ti­on eine Part in den Erzäh­lun­gen spie­len. Mit dem Impuls „Mir geht es um die Fra­ge der Zusam­men­ar­beit. Wie sieht denn die­se Zusam­men­ar­beit in dei­nem All­tag aus?“ wird der Erzähl­fo­kus auf erleb­te Koope­ra­ti­ons­er­eig­nis­se gelenkt. Auch hier­bei wer­den gezielt Nach­fra­gen zur Auf­recht­erhal­tung des Erzähl­flus­ses genutzt, d.h. „Was gelingt gut? Was ist eher schwie­rig? Wie erlebst du die­se? Was ist dei­ner Mei­nung nach wich­tig für die Zusam­men­ar­beit?“, um die Fan­ta­sie anzu­re­gen, indem die befrag­te Per­son noch ein­mal mit einer ande­ren Per­spek­ti­ve auf die Zusam­men­ar­beit bli­cken muss. Soll­te die befrag­te Per­son den Fokus nicht auf die Zusam­men­ar­beit mit den Kolleg:innen im Über­gang legen, besteht hier am Ende der Erzäh­lung noch ein­mal die Mög­lich­keit einer ande­ren Fra­ge, d.h. „Was ist dei­ner Erfah­rung nach von Bedeu­tung für eine kol­le­gia­le Zusam­men­ar­beit im Über­gang aus einer Werk­statt?“. Auch dar­an könn­ten sie oben genann­te Nach­fra­gen anschlie­ßen las­sen, um dem oder der Erzäh­len­den die Mög­lich­keit zu geben, mög­lichst alle Facet­ten der Situa­ti­on zu erzäh­len. Ins­be­son­de­re die Fra­ge nach Ein­stel­lungs­kri­te­ri­en für die eige­ne Stel­le unter der Berück­sich­ti­gung einer Zusam­men­ar­beit im Über­gang stellt noch ein­mal eine ande­re Per­spek­ti­ve für die Befrag­ten dar, sodass sie eine meta-per­so­nel­le Eben ein­neh­men können.

Im drit­ten For­schungs­kom­plex, den struk­tu­rel­len Gege­ben­hei­ten, also dem GLOBE im Kon­text des ES, geht es maß­geb­lich um die struk­tu­rel­le Ebe­ne der Koope­ra­ti­on, d.h. es kön­nen die Unter­neh­mens­kul­tur, Füh­rungs­kräf­te, die Arbeits­ge­stal­tung und die gemein­sa­me Ziel­er­rei­chung sowie Gesell­schaft und Kul­tur in den Fokus genom­men wer­den, wes­halb der erzähl­ge­ben­de Impuls in die­sem Fall nach dem fragt, was erfah­rungs­ge­mäß die Zusam­men­ar­beit beein­flusst. Einen ande­ren Zugang zu einer Erzäh­lung bie­tet die Fra­ge nach Rah­men­be­din­gun­gen für die Zusam­men­ar­beit? Da die­ser letz­te Impuls sehr offen ist und vie­le unter­schied­li­che Rich­tun­gen gehen kann, soll mit einer Wunsch­fra­ge eine kon­klu­die­ren­de Erzäh­lung ermög­licht wer­den, d.h. Aspek­te in der Zusam­men­ar­beit, die für die erzäh­len­de Per­son von Zukunfts­be­deu­tung für die eige­ne Arbeit im Über­gang haben, wer­den hier in den Fokus genom­men. Das Inter­view endet mit einer abschlie­ßen­den Fra­ge, die die befrag­te Per­son auf das Ende der Erzäh­lung ein­stimmt und sie noch ein­mal bit­tet über ihre bis­he­ri­ge Erzäh­lung nach­zu­den­ken, um dabei mög­li­che feh­len­de oder noch nicht erzähl­te Aspek­te in den Fokus zu neh­men. Im Wei­te­ren wird die Aus­wahl der Befrag­ten und der erfolg­te Kon­takt­ab­lauf sowie das genutz­te Tran­skrip­ti­ons­sys­tem für die Ver­schrift­li­chung der Inter­views darstellt.

4.3 Doku­men­ta­ti­on der Datensammlung

Zu den Befrag­ten die­ser Inter­viewstu­die gehö­ren die Grup­pen­lei­tun­gen in Werk­stät­ten sowie die Inte­gra­ti­ons­be­glei­tun­gen, aber auch Mitarbeiter:innen aus dem Sozi­al­dienst, da sie eine koor­di­nie­ren­de Auf­ga­be im Ein­glie­de­rungs­pro­zess über­neh­men. Grup­pen­lei­tun­gen sind die Bezugsmitarbeiter:innen, die täg­lich mit den bMA zusam­men­ar­bei­ten und sie auch teils schon seit vie­len Jah­ren ken­nen. Es hat sich eine Bezie­hung zwi­schen Grup­pen­lei­tung und bMA auf­ge­baut. Die Grup­pen­lei­tun­gen sind dar­über hin­aus auch struk­tu­rell ver­ant­wort­lich für die Umset­zung der geplan­ten päd­ago­gi­schen Maß­nah­men und wer­den auch im HMB-T-Ver­fah­ren für die Rekon­struk­ti­on her­an­ge­zo­gen, das wie­der­um in der Ver­ant­wor­tung der Sozi­al­diens­te liegt und für die Erfas­sung der Res­sour­cen und Unter­stüt­zungs­be­dar­fe genutzt wird (vgl. Lebens­hil­fe Nie­der­sach­sen e.V., 2015; vgl. Nie­der­säch­si­sches Lan­des­amt für Sozia­les Jugend und Fami­lie, 2016). Die Inte­gra­ti­ons­be­glei­tun­gen sind in einer aus­ge­la­ger­ten Abtei­lung nage­sie­delt und betreu­en Beschäf­tig­te mit einem Ver­mitt­lungs­wunsch. Sie kom­men für die­sen Pro­zess der Beglei­tung und Betreu­ung auf den all­ge­mei­nen Arbeits­markt in die Stand­or­te und arbei­ten dort bis zur kon­kre­ten beruf­li­chen Erpro­bung in Betrie­ben mit den bMA zusam­men, um sie bei der Bewäl­ti­gung des Über­gangs zu unter­stüt­zen. Somit wer­den in die­ser Unter­su­chung drei Grup­pen von Akteu­ren befragt. Die Grup­pen­lei­tun­gen und Sozi­al­diens­te, die am Werk­statt­stand­ort sit­zen, sowie die Inte­gra­ti­ons­be­glei­tun­gen, die den Über­gang ambu­lant betreuen.

Der Kon­takt zu den Grup­pen­lei­tun­gen, Inte­gra­ti­ons­be­glei­tun­gen und Sozi­al­diens­ten wur­de per­sön­lich und unter­stützt durch ein Anschrei­ben zusam­men mit der Daten­schutz­er­klä­rung auf­ge­baut. An die­ser Befra­gung haben sechs Mitarbeiter:innen aus einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen teil­ge­nom­men. Dazu gehö­ren zwei MA aus dem Sozi­al­dienst, zwei MA aus dem Grup­pen­dienst einer Werk­statt sowie zwei Inte­gra­ti­ons­be­glei­tun­gen aus der Arbeits­ver­mitt­lung. Eine Blan­ko­ver­si­on des Anschrei­bens mit der bei­lie­gen­den Daten­schutz­er­klä­rung liegt dem Anhang bei. Von den Inter­views wur­de eine Audio­auf­zeich­nung ange­fer­tigt, was wäh­rend der Durch­füh­rung eine schrift­li­che Doku­men­ta­ti­on erüb­rigt und damit dem Inter­view­er mehr Kon­zen­tra­ti­on auf den Gesprächs­ver­lauf ermög­licht (vgl. Bogner et al., 2014a, S. 39 ff.; vgl. Kuckartz, 2018, S. 165).

Die Tran­skrip­ti­on der Audio­auf­zeich­nun­gen erfolgt mit dem Tran­skrip­ti­ons­sys­tem nach Jef­fer­son (1984). Die Tran­skrip­te wer­den ent­spre­chend der Daten­schutz­er­klä­rung anony­mi­siert indem alle Daten, die zur Iden­ti­fi­ka­ti­on der Per­son füh­ren könn­ten aus dem Inter­view ver­än­dert oder ent­fernt wer­den. Das Sys­tem nach Jef­fer­son bie­tet die Mög­lich­keit die Aus­sa­gen zu qua­li­fi­zie­ren, indem bspw. Über­lap­pun­gen, Pau­sen und Unter­bre­chun­gen kennt­lich gemacht wer­den kön­nen. Genau­so wie auch Into­na­tio­nen und Modu­la­tio­nen der Spra­che in Geschwin­dig­keit und Laut­stär­ke. Auch beson­de­re Äuße­run­gen und Geräu­sche kön­nen dar­ge­stellt wer­den. Dazu gehö­ren bspw. auch Atem­ge­räu­sche, unkla­re Äuße­run­gen oder auch non-ver­ba­le Akti­vi­tä­ten. (vgl Kuckartz, 2018, S. 166–171)

Das vor­lie­gen­de Unter­su­chungs­vor­ha­ben ver­sucht sub­jek­ti­ve Erfah­run­gen und Erleb­nis­se für ein erwei­ter­tes Ver­ständ­nis der Koope­ra­ti­ons­si­tua­ti­on im Über­gang auf den all­ge­mei­nen Arbeits­markt zu erfas­sen. Die­ser kon­kre­te Situa­ti­ons­be­zug und die Bedeu­tung der unter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven auf­ein­an­der sowie die Struk­tur pro­fes­sio­nel­ler Koope­ra­ti­on erfor­dern die Nut­zung eines epi­so­dischen Inter­views, wel­ches gleich­sam die Mög­lich­keit zur freu­en Erzäh­lung wie auch für geziel­te Nach­fra­gen bie­tet, um sub­jek­ti­ve Defi­ni­tio­nen und Zusam­men­hän­ge zu erfas­sen. Sechs Mit­ar­bei­ten­de aus einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen wur­den mit einem For­schungs­in­stru­ment befragt, dass sich in sei­ner grund­le­gen­den Struk­tur an der TZI ori­en­tiert und so drei fokus­sier­te Erzäh­lun­gen ermög­licht, die sich um die Wahr­neh­mung der eige­nen Arbeits­si­tua­ti­on, die Situa­ti­on in der Zusam­men­ar­beit mit den Kolleg:innen im Über­gang sowie struk­tu­rel­le Ein­fluss­fak­to­ren auf die eige­ne Arbeit und die Zusam­men­ar­beit dre­hen. Im Fol­gen­den wer­den die tran­skri­bier­ten Inter­views ausgewertet.

5. Aus­wer­tung der geführ­ten epi­so­dischen Inter­views anhand des zir­ku­lä­ren Dekonstruierens

In die­sem Kapi­tel wird die Aus­wer­tung der geführ­ten Inter­views erfol­gen. Dazu wird sich an der Theo­rie des zir­ku­lä­ren Dekon­stru­ie­rens ori­en­tiert. Im Rah­men der Vor­stel­lung der Ein­zel­in­ter­views wer­den die befrag­ten Per­so­nen vor­ge­stellt, die Inter­views inhalt­lich zusam­men­ge­fasst sowie para­phra­siert. Zudem wer­den die zen­tra­len Ergeb­nis­se der ein­zel­nen Inter­views vor­ge­stellt, um abschlie­ßend die Ergeb­nis­se in einer ver­glei­chen­den Zusam­men­fas­sung, der Syn­op­sis darzustellen.

5.1 Theo­rie des zir­ku­lä­ren Dekonstruierens

Zur inter­pre­ta­ti­ven Aus­wer­tung von qua­li­ta­tiv erho­be­nen Daten wur­de die Metho­de des zir­ku­lä­ren Dekon­stru­ie­rens nach Jaeg­gi et al. (1998) her­an­ge­zo­gen. Die Beson­der­heit bei der Arbeit mit die­ser Metho­de steckt bereits im Namen: Aus­ge­hend vom Tran­skript wird sich „in krea­ti­ven Gedan­ken­schlei­fen intui­ti­ons- und theo­rie­ge­lei­tet” (vgl. Jaeg­gi et al., 1998, S. 5f.) um das Aus­gangs­ma­te­ri­al bewegt. Dabei kommt es zu mehr­fa­chen Per­spek­ti­ven­wech­seln auf­grund einer zir­ku­lä­ren und rekur­si­ven Dekon­struk­ti­on des Aus­gangs­tex­tes. Durch das anschlie­ßen­de Zusam­men­set­zen, wer­den „impli­zi­te Sinn­ge­hal­te sicht­bar” (sie­he Jaeg­gi et al., 1998, S. 5) und es kön­nen neu­ar­ti­ge Erkennt­nis­se und Theo­rie­bau­stei­ne zum For­schungs­ge­gen­stand gewon­nen wer­den. Die Metho­de glie­dert sich in zwei Aus­wer­tungs­pha­sen. Die ers­te Aus­wer­tungs­pha­se besteht aus sechs Schrit­ten, wel­che eine schnel­le und prak­ti­ka­ble Aus­wer­tung ermög­li­chen sol­len und im Fol­gen­den erläu­tert werden.

Im ers­ten Schritt, der For­mu­lie­rung eines Mot­tos, soll ein zusam­men­fas­sen­der prä­gnan­ter Satz gefun­den wer­den, um die emo­tio­na­le Arbeit mit dem Tran­skript zu erleich­tern (sie­he Jaeg­gi et al., 1998, S. 7). Der zwei­te Schritt ent­hält die zusam­men­fas­sen­de Nach­er­zäh­lung, in wel­cher wesent­li­che Infor­ma­tio­nen zusam­men­ge­fasst und ers­te Inter­pre­ta­ti­ons­schwer­punk­te gesetzt wer­den, wodurch der Text über­sicht­lich gestrafft wird (vgl. ebd., S. 8). Im drit­ten Schritt muss eine Stich­wort­lis­te auf Grund­la­ge der zusam­men­fas­sen­den Nach­er­zäh­lung erstellt wer­den: „Alle auf­fäl­li­gen, gehalt­vol­len Wor­te oder Begrif­fe des Tex­tes wer­den chro­no­lo­gisch hin­ter­ein­an­der auf­ge­lis­tet” (sie­he Jaeg­gi et al., 1998, S. 9). Ziel ist es, den Text wei­ter zu kür­zen und einen ers­ten Zugang zur Struk­tu­rie­rung zu erlan­gen (vgl. Jaeg­gi et al., 1998, S. 9). Im nächs­ten Schritt steht der The­men­ka­ta­log zen­tral. Hier sol­len durch das Fin­den von Ober­be­grif­fen für ähn­li­che oder über­ein­stim­men­de Äuße­run­gen, aus der Stich­wort­lis­te ange­spro­che­ne The­men­kom­ple­xe ent­nom­men und trenn­scharf gemacht wer­den. Dadurch wird die wei­te­re Aus­wer­tung noch wei­ter vor­struk­tu­riert (vgl. Jaeg­gi et al., 1998, S. 9f.). Hier kommt bereits der theo­re­ti­sche For­schungs­stand zu Kon­flik­ten und Koope­ra­ti­on sowie sub­jek­ti­ve Ein­schät­zun­gen des Aus­wer­ten­den aus sei­nem beruf­li­chen All­tag zum Tra­gen (vgl. Jaeg­gi et al., 1998, S. 10).

Die Para­phra­sie­rung (Schritt 5) nimmt die inhalt­li­chen Aspek­te des Inter­views vor dem Hin­ter­grund der gebil­de­ten und vor­struk­tu­rier­ten The­men in den Blick. The­men kön­nen zu Ober­the­men zusam­men­ge­fasst wer­den, ein­zel­ne The­men kön­nen wei­ter aus­for­mu­liert wer­den oder in den Hin­ter­grund gera­ten (vgl. Jaeg­gi et al., 1998, S. 12). Ziel ist es, den sechs­ten Schritt, die inter­view­spe­zi­fi­sche Kate­go­rien­bil­dung, vor­zu­be­rei­ten. Die Kate­go­rien­bil­dung erfolgt somit auf Grund­la­ge der fünf vor­an­ge­gan­ge­nen Schrit­te. Die Autoren for­mu­lie­ren fol­gen­des Ziel des sechs­ten Schrit­tes: „Die zen­tra­len Kate­go­rien die­nen […, Anm. PK] dem Ver­gleich­bar­ma­chen ver­schie­de­ner Inter­views“ (sie­he Jaeg­gi et al., 1998, S. 14).

In der zwei­ten Aus­wer­tungs­pha­se schließt sich der kon­tras­tie­ren­de, sys­te­ma­ti­sche Ver­gleich an. Im ers­ten Schritt, der Syn­op­sis, wer­den Häu­fun­gen im Ver­gleich der zen­tra­len Kate­go­rien sicht­bar gemacht, wel­che Grund­la­ge für Schritt zwei, die Ver­dich­tung, bil­det. Hier wird aus der Gesamt­heit der inter­view­spe­zi­fi­schen zen­tra­len Kate­go­rien ein inter­view­über­grei­fen­der Kate­go­rien­ka­ta­log gebil­det, wel­cher die sub­jek­ti­ven Inter­pre­ta­ti­ons­leis­tun­gen des Aus­wer­ten­den und Rück­griff auf das Aus­gangs­ma­te­ri­al wider­spie­gelt (vgl. Jaeg­gi et al., 1998, S. 15).

Der letz­te Schritt ist die kom­pa­ra­ti­ve Para­phra­sie­rung. Hier wer­den vor dem Hin­ter­grund der gebil­de­ten inter­view­über­grei­fen­den Kate­go­rien kon­tras­ti­ve Ver­glei­che zum Bei­spiel hin­sicht­lich erleb­ter Zusam­men­ar­beit in den jewei­li­gen Berei­chen oder der eige­nen Ansprü­che ange­stellt. So wer­den sich neue Erkennt­nis­se auf einer Meta-Ebe­ne in Bezug auf den For­schungs­ge­gen­stand erhofft (vgl. Jaeg­gi et al., 1998, S. 16f.).

5. 2 Vor­stel­lung der Einzelinterviews

Es erfolgt eine Vor­stel­lung der befrag­ten Per­son sowie eine Zusam­men­fas­sung des Inter­views, um ein ers­tes Ver­ständ­nis von die­sen zu bekom­men. Anschlie­ßend wer­den die ein­zel­nen Inter­views para­phra­siert und bedeut­sa­me Ergeb­nis­se im Zusam­men­hang mit dem Mot­to dargestellt.

5.2.1 Inter­view 01 – Sozialdienst

Mot­to: „Die per­sön­li­che Ebe­ne muss stimmen”

Vor­stel­lung der befrag­ten Person

Die inter­view­te Per­son arbei­tet seit Jahr­zehn­ten im Sozi­al­dienst einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen und hat bereits vor ihrer aktu­el­len Tätig­keit in Prak­ti­ka sowie ihrem Aner­ken­nungs­jahr prak­ti­sche Erfah­run­gen in Werk­stät­ten für Men­schen mit Behin­de­run­gen gesam­melt. Auf­grund ihrer admi­nis­tra­ti­ven Funk­ti­on im Ein­glie­de­rungs­pro­zess ist sie am Über­gang auf den all­ge­mei­nen Arbeits­markt beteiligt.

Zusam­men­fas­sung des Interviews

Die inter­view­te Per­son berich­tet, dass ihr for­ma­le Aspek­te schwer­fal­len, ihr per­sön­li­che Bezie­hun­gen zu bMA und GL hin­ge­gen gut gelin­gen. Ihr sind Wer­te wie Kol­le­gia­li­tät, Ver­trau­en und Fair­ness wich­tig. Dar­auf ange­spro­chen, berich­tet sie, dass ihr die­se Wer­te in der letz­ten Zeit in der eige­nen Tätig­keit fehl­ten und for­mu­liert Wün­sche dahin­ge­hend. Im Hin­blick auf die Zusam­men­ar­beit im beruf­li­chen All­tag weist sie dar­auf hin, dass sie auf die GL ange­wie­sen ist, da sie selbst nicht direkt mit den bMA zusam­men­ar­bei­tet. Sie wünscht sich mehr Infor­ma­ti­ons­aus­tausch und Bera­tung inner­halb des Kol­le­gi­ums. Sie selbst beschreibt ihre Zusam­men­ar­beit im Über­gang so, dass sie Prak­ti­kums­wün­sche der bMA an die IB mel­det und Ter­mi­ne für einen Aus­tausch von Infor­ma­tio­nen abspricht. Sie berich­tet von einem guten Umgang unter­ein­an­der. Als schwie­rig, beschreibt sie die Zusam­men­ar­beit mit Kolleg:innen in der Heim­ar­beit. Gelun­gen betrach­tet sie die Zusam­men­ar­beit mit den IB. Gelin­gens­fak­to­ren für eine gute Zusam­men­ar­beit sind ihrer Mei­nung nach Ver­trau­en, zuver­läs­si­ges Ein­hal­ten von Abspra­chen sowie die Hal­tung, von­ein­an­der zu ler­nen, unab­hän­gig von der Dau­er der Unter­neh­mens­zu­ge­hö­rig­keit. Als gewinn­brin­gend für eine gelin­gen­de Zusam­men­ar­beit im Über­gang wer­den von ihr Locker­heit, Humor und Tole­ranz gegen­über ande­ren Sicht­wei­sen genannt. Zudem benennt sie Eigen­schaf­ten wie Kom­pro­miss­be­reit­schaft und Kon­flikt­lö­se­stra­te­gien. Der Wunsch der bMA ist von obers­ter Prio­ri­tät für die eige­ne Arbeit. Ihre per­sön­li­chen Arbeits­be­zie­hun­gen haben dabei einen maß­geb­li­chen Ein­fluss auf ihre Zusam­men­ar­beit. Über Rah­men­be­din­gun­gen für die Zusam­men­ar­beit hat sich die inter­view­te Per­son wenig Gedan­ken gemacht. Sie nimmt die IB als Akteur:innen des Über­gangs war. Dar­über hin­aus for­mu­liert sie den Wunsch nach mehr Per­so­nal in der AV.

Para­phra­sie­rung des Interviews

Über ihre Erwerbs­bio­gra­fie berich­tet die inter­view­te Per­son, dass sie über Prak­ti­ka und das Aner­ken­nungs­jahr in WfbM (1) gekom­men ist. Dort ist sie seit 30 Jah­re am glei­chen Stand­ort (2). Zu ihren beruf­li­che Tätig­kei­ten Büro­tä­tig­kei­ten mit Berichts­we­sen, admi­nis­tra­ti­ven Auf­ga­ben und dem Kon­takt zum Leis­tungs­trä­ger (3). Außer­dem betreut sie Schülerpraktikant:innen als zusätz­li­che Auf­ga­be (4). In der Zusam­men­ar­beit inner­halb der Werk­statt ist ihr Kol­le­gia­li­tät beson­ders wich­tig. Die­se beinhal­tet gegen­sei­ti­ge “Kol­le­gia­li­tät, Fair­ness, Hilfs­be­reit­schaft unter­ein­an­der” (S. 2, Z. 44f.) (7). Im SD wird gegen­sei­ti­ge kol­le­gia­le Bera­tung und Unter­stüt­zung durch die jeweils per­sön­li­chen Stär­ken gelebt (7). Sie steht jedoch nur mit weni­gen Kol­le­gen im engen Aus­tausch (7). Als SD ist sie “unheim­lich” (S. 3, Z. 7) auf die Zusam­men­ar­beit mit GL ange­wie­sen, denn sie “weiß ja gar nichts” (S. 3, Z. 9) über die bMA. (8). For­ma­ler Fach­aus­tausch fin­det alle 4 Wochen über alle Arbeits­grup­pen hin­weg an einem Stand­ort statt und mög­li­che per­so­nel­le Ver­än­de­run­gen in den Grup­pen wer­den dabei the­ma­ti­siert (9). Per­so­na­le Anfor­de­run­gen an die eige­nen Tätig­kei­ten sind des­halb ein guter Kon­takt zu bMA und GL in “persönliche[n] Situa­tio­nen” (S. 2, Z. 22) (5) sowie Arbeits­tu­gen­den wie “Kol­le­gia­li­tät, Fair­ness und Ver­trau­en” (S. 2, Z. 29) (6). In der Zusam­men­ar­beit mit den Inte­gra­ti­ons­be­glei­tun­gen ist sie als Sozi­al­dienst für die Mel­dung eines Ver­mitt­lungs­wun­sches zustän­dig (10). Sie infor­miert IB und ein ers­ter Aus­tausch erfolgt sowie eine Ter­mi­nie­rung eines gemein­sa­men Aus­tau­sches mit allen Akteu­ren (10). Das Erfah­rungs­wis­sen der GL aus ihrer beruf­li­chen Tätig­keit wur­de schon „klas­se” (S. 4, Z. 18) für die Vor­be­rei­tung von Prak­ti­ka genutzt (11). In ihrer Zusam­men­ar­beit wird sie lau­fend infor­miert, was ihrer Ansicht nach einer guten Zusam­men­ar­beit ent­spricht (10). Dar­über hin­aus gelin­ge Zusam­men­ar­beit, wenn Abspra­chen zuver­läs­sig sind und ver­trau­ens­voll behan­delt wer­den (12/13). Aus ihrer bis­he­ri­gen Erfah­rung stellt sie per­so­na­le Anfor­de­run­gen an die Inte­gra­ti­ons­be­glei­tun­gen. Dazu gehört Ver­trau­en und Zuver­läs­sig­keit (14). Ver­trau­en bedeu­tet für sie “sehr zuver­läs­sig” (S. 4, Z. 39) zu sein. Unter­mau­ert wird dies durch ver­läss­li­che Abspra­chen, durch das inter­ne Aus­tra­gen von Kon­flik­ten und damit ver­bun­de­ner Dis­kre­ti­on (14). Sie betont das Zurück­grei­fen auf bestehen­des lang­jäh­ri­ges Erfah­rungs­wis­sen. Die­ses kön­ne aber auch die Wahr­neh­mung beein­flus­sen (“Brett vorm Kopf” (S. 5, Z. 5)), wes­halb auch die Ein­drü­cke der IB ange­nom­men wer­den sol­len (15). Bei­de könn­ten von­ein­an­der “was ler­nen” (S. 5, Z. 16) (15). Die­se Ein­stel­lung sei des­halb so wich­tig, da sie einen Gene­ra­ti­ons­kon­flikt durch lang­jäh­ri­ge Erfah­rung und jun­ge neue Per­spek­ti­ven wahr­neh­me (15). Ver­trau­en, ande­re Per­spek­ti­ven zuzu­las­sen und zu ver­su­chen, sich gegen­sei­tig vom bes­ten Weg zu über­zeu­gen sei­en wich­ti­ge Anfor­de­run­gen an eine gelin­gen­de Zusam­men­ar­beit (14). Sich gegen­sei­tig wert­schät­zen und mit­ein­an­der ver­su­chen das Bes­te für bMA als gemein­sa­mes Ziel zu errei­chen (16) hat eben­so einen Ein­fluss auf die Zusam­men­ar­beit, wie Kol­le­gia­li­tät. Kol­le­gia­li­tät heißt für sie sich gegen­sei­tig zu hel­fen und die per­sön­li­chen Gren­zen zu akzep­tie­ren (16). Kom­pro­miss­be­reit­schaft ist des­halb auch eine Anfor­de­rung an die Inte­gra­ti­ons­be­glei­tun­gen, was für sie bedeu­tet, auf­ein­an­der zuge­hen und von sei­nem Ziel abzu­wei­chen, um kei­ne ein­sei­ti­gen Lösun­gen zu errei­chen (17). Für die Wir­kung sei es wich­tig, dass bei­de Sei­ten glei­che Ziel errei­chen wol­len und “dass bei­de Sei­ten das Bes­te eigent­lich für den Beschäf­tig­ten wol­len” (S. 6, Z. 40f.) (18). Pro­ble­me in der Zusam­men­ar­beit wer­den von der inter­view­ten Per­son auf der per­sön­li­chen Ebe­ne gere­gelt (19). Per­sön­li­che Bezie­hun­gen zu Kol­le­gen soll­ten daher gelin­gen, denn sie haben folg­lich einen Ein­fluss auf den Über­gang (19/20). Als struk­tu­rel­le Anfor­de­run­gen an die Arbeits­ver­mitt­lung benennt die Per­son aus dem Sozi­al­dienst, dass IB die Pro­zess­ho­heit über den Über­gang haben (20) und sie sich des­halb auf die per­sön­li­che Ebe­ne kon­zen­trie­re (19). Sie äußert den Wunsch nach mehr Per­so­nal für schnel­le­re Ein­rich­tun­gen von Prak­ti­ka (21). Ein akzep­ta­bler Rah­men für bMA für ein ers­tes Gespräch sei­en dabei vier Wochen (21).

Bedeut­sa­me Ergebnisse

Im Hin­blick auf die Zusam­men­ar­beit wer­den durch die Mit­ar­bei­ten­de im Sozi­al­dienst die Arbeits­tu­gen­den Kol­le­gia­li­tät, Fair­ness und Ver­trau­en beson­ders hoch­ge­hal­ten. Ver­trau­en wird von der befrag­ten Per­son über Zuver­läs­sig­keit und Dis­kre­ti­on defi­niert. Dabei ist ihr eine per­sön­li­che Bezie­hung zu ihren Kolleg:innen ein beson­de­res Anlie­gen – auch, da sie in ihrer Arbeit auf das Erfah­rungs­wis­sen der GL ange­wie­sen ist. Die­se per­sön­li­che Bezie­hung sieht sie als Grund­stein, um von­ein­an­der zu ler­nen und gemein­sa­me Zie­le errei­chen zu kön­nen. Das eige­ne Koope­ra­ti­ons­er­le­ben wird durch die­se indi­vi­du­ell Wert­vor­stel­lung maß­geb­lich beein­flusst, wodurch sich das Mot­to des Inter­views „Die per­sön­li­che Ebe­ne muss stim­men” begründet.

5.2.2 Inter­view 07 – Sozialdienst

Mot­to: „Mehr Fach­lich­keit für Lösun­gen vor Ort“

Vor­stel­lung der befrag­ten Person

Die inter­view­te Per­son arbei­tet seit Jahr­zehn­ten im Sozi­al­dienst einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen und hat bereits vor ihrer aktu­el­len Tätig­keit pri­va­te Erfah­run­gen mit Werk­stät­ten für Men­schen mit Behin­de­run­gen gesam­melt. Auf­grund ihrer admi­nis­tra­ti­ven Funk­ti­on im Ein­glie­de­rungs­pro­zess ist sie am Über­gang auf den all­ge­mei­nen Arbeits­markt beteiligt.

Zusam­men­fas­sung des Interviews

Die inter­view­te Per­son über­nimmt admi­nis­tra­ti­ve Kern­auf­ga­ben und hat die sta­tio­nä­ren sowie ambu­lan­ten Zustän­dig­kei­ten. Abspra­chen unter­ein­an­der wer­den als schwie­rig bezeich­net. Die Beglei­tung im BBB wird als gewinn­brin­gend betrach­tet. Gleich­wohl wer­den für den Über­gang in den AB eine inten­si­ve­re Zusam­men­ar­beit zwi­schen AB und BBB eben­so wie stär­ke­re Par­ti­zi­pa­ti­on sei­tens des SD als Wunsch geäu­ßert. Als wich­tig für die Zusam­men­ar­beit erach­tet sie Team­ar­beit, per­sön­li­chen Aus­tausch, ver­läss­li­che Abspra­chen sowie fach­li­chen Anspruch. Die Zusam­men­ar­beit mit den IB wird als gelun­gen beschrie­ben, da regel­mä­ßi­ger Aus­tausch besteht. Dar­aus resul­tie­re bei­spiels­wei­se eine höhe­re Ver­mitt­lungs­quo­te. Die eige­ne Zusam­men­ar­beit als SD mit der AV wird eben­so als erfolg­reich ange­se­hen. Eine neue Zusam­men­ar­beit mit dem Leis­tungs­trä­ger ermög­licht den Auf­bau von Netz­wer­ken. Damit ein­her gehen jedoch auch höhe­re und neue Bedar­fe. Einen Ein­fluss auf gelun­ge­ne Zusam­men­ar­beit haben ihrer Mei­nung nach der inten­si­ve­re Aus­tausch und eine höhe­re Prä­senz vor Ort. Prak­ti­ka erlebt sie zum Teil als Lösungs­weg für pro­ble­ma­ti­sche Beschäf­tig­te, was ihr nach auf eine aus­bau­fä­hi­ge Fach­lich­keit schlie­ßen lässt.

Para­phra­sie­rung des Interviews

Die inter­view­te Per­son berich­tet, dass sie bereits Werk­statt­er­fah­rung hat (1) und somit früh der Wunsch nach einem Stu­di­um und der Arbeit in einer Werk­statt bestand (1). Sie ist mitt­ler­wei­le seit bereits 22 Jah­ren im Unter­neh­men (2) und ver­rich­tet admi­nis­tra­ti­ve Auf­ga­ben wie Behör­den­an­ge­le­gen­hei­ten, Doku­men­ta­ti­on und Berichts­we­sen (3). Ihre Tätig­kei­ten beschreibt sie als abwechs­lungs­reich durch den Wech­sel zwi­schen ambu­lan­ter und sta­tio­nä­rer Arbeit sowie dem häu­fi­gen Kon­takt zu Kolleg:innen (4). Der BBB wird auf­grund sei­ner per­so­nen­zen­trier­ten Aus­rich­tung her­vor­ge­ho­ben (5), jedoch wird der Infor­ma­ti­ons­fluss hin­sicht­lich man­geln­der Abspra­chen und schwie­ri­gen Über­gan­gen kri­ti­siert (6). Team­ar­beit wird als „A und O“ (S. 2, Z. 27) betrach­tet und wird von ihr mit offe­nem Infor­ma­ti­ons­aus­tausch, gemein­sa­men Über­le­gun­gen und gutem Kon­flikt­ma­nage­ment defi­niert (7). Sie wünscht sich mehr Fach­lich­keit. Dies kann ihr zufol­ge durch regel­mä­ßi­ge­ren Kon­takt sowie offe­ne Anspra­che von Pro­ble­men erfol­gen (8). Der Wech­sel aus dem BBB in den AB erfolgt mit wenig Kon­takt zwi­schen AB und BBB, was sie als “sehr getrennt” (S. 3, Z. 6) wahr­nimmt. Sie wünscht sich hier mehr Zusam­men­ar­beit (9/10) sowie enge­re Abspra­chen und auch Zusam­men­ar­beit in der Ein­glie­de­rungs­pla­nung (11). Auf­grund unkla­rer Ziel­über­mitt­lung gelang der Über­gang in den AB in der Ver­gan­gen­heit nicht, mit der Fol­ge, dass Prak­ti­ka auf­grund von Über­for­de­rung der bMA schei­tern (“biss­chen viel für den Teil­neh­mer” (S. 3, Z. 30f.) (9). Der Wunsch nach mehr Par­ti­zi­pa­ti­on zur bes­se­ren Vor­be­rei­tung durch vor­ge­la­ger­ten Aus­tausch wird deut­lich (12). Mehr offe­ner Aus­tausch und Pla­nung bei der Ein­glie­de­rungs­pla­nung „mit Zie­len und Wün­schen und Vor­stel­lun­gen für den Arbeits­be­reich” (S. 4, Z. 6f.) wäre wün­schens­wert (13). Den Infor­ma­ti­ons­aus­tausch erach­tet sie als wich­tig zur Vor­be­rei­tung des AB auf mit­ge­brach­te Zie­le von bMA aus dem BBB. Die Ein­füh­rung von BENi sorgt jedoch für eine Ver­bes­se­rung des Aus­tau­sches (14). Die Netz­werk­ar­beit wur­de als Gelin­gens­fak­tor für den Infor­ma­ti­ons­aus­tausch betrach­tet, da alle “an einem Tisch saßen und gemein­sam über­legt haben und uns aus­ge­tauscht haben, was mög­lich ist und was nicht” (S. 4, Z. 32f.) (15). Die Bezie­hungs­ar­beit mit den IB wird als “gut” (S. 5, Z. 2) beschrie­ben (16). Als Grün­de wer­den eine neue Struk­tur, enga­gier­ter Aus­tausch sowie die Mög­lich­keit von Rück­fra­gen ange­führt. Eine höhe­re Ver­mitt­lungs­quo­te wird auf die höhe­re Effek­ti­vi­tät bei Prak­ti­ka zurück­ge­führt (17). Das Enga­ge­ment sei­tens der Arbeits­ver­mitt­lung wird posi­tiv erwähnt. Ange­führ­te Grün­de sind hier die schnel­le Rück­mel­dung sowie der ers­te Aus­tausch mit den IB (18). Der Infor­ma­ti­ons­aus­tausch mit den IB sei gut. Die IB wer­den als “bemüht” (S. 5, Z. 40) beschrie­ben, Infor­ma­tio­nen ein­zu­ho­len und ertei­len schnel­le Rück­mel­dun­gen. Erwähnt wird jedoch auch, dass durch die Zusam­men­ar­beit eini­ge Bedar­fe vor Ort geweckt wer­den, wel­che ihr dau­er­haft schwer umsetz­bar schei­nen (19/20). Bestän­di­ge, lang­fris­ti­ge Struk­tu­ren sowie Ver­läss­lich­keit wer­den als Wunsch geäu­ßert, wor­in sie gleich­zei­tig die Her­aus­for­de­rung sieht (21). Nied­rig­schwel­ler Aus­tausch wird als Gelin­gens­fak­tor für bestän­di­ge Struk­tu­ren benannt. Ein Bei­spiel sei hier unver­bind­li­che Bera­tung vor Ort (22). Moti­va­ti­on zum kol­le­gia­len Aus­tausch sowie die Ver­mitt­lung von “fähi­gen Leu­ten” (S. 7, Z. 1) auf den Arbeits­markt wer­den als per­so­na­le Anfor­de­run­gen benannt (23). Dar­über hin­aus muss die Über­zeu­gungs­ar­beit für die Aus­la­ge­rung in den Grup­pen in den Blick genom­men wer­den – auch auf die Gefahr hin, dass die GL “nicht gera­de begeis­tert” (S. 7, Z. 5) sein wird (24). Die Wis­sens­er­wei­te­rung des Auf­tra­ges zur Reha­bi­li­ta­ti­on muss im inten­si­ve­ren Aus­tausch mit den GL erfol­gen, um so das Bewusst­sein hier­für zu schär­fen und den Kon­flikt zwi­schen Pro­duk­ti­on und Reha­bi­li­ta­ti­on abzu­mil­dern. Dabei kön­nen ihr zufol­ge mög­li­cher­wei­se Fort­bil­dun­gen hel­fen (25). Für die Arbeit mit den IB wird der Wunsch nach mehr Kon­ti­nui­tät geäu­ßert. Dazu gehört für sie ein regel­mä­ßi­ger Aus­tausch inner­halb eines fes­ten Teams vor Ort (26). Zudem muss mehr Bezie­hungs­ar­beit geleis­tet wer­den. Dafür bedarf es dem Ken­nen­ler­nen der jewei­li­gen Per­spek­ti­ven sowie der Prä­senz vor Ort (27) Ihr “fehlt manch­mal ein biss­chen auch so die Fach­lich­keit.” (S. 8, Z. 23f.). Sie äußert die Wahr­neh­mung, dass die fach­li­che und die per­sön­li­che Wei­ter­ent­wick­lung in WfbM sta­gniert. (28). Um fach­li­che­re Arbeit zu gene­rie­ren, bedarf es fach­li­cher Kom­pe­ten­zen wie der Fähig­keit zum Per­spek­tiv­wech­sel oder zur fach­li­chen Dis­kus­si­on (28). Durch fach­li­che Lösun­gen erhofft sie sich eine Erhö­hung der Arbeits­qua­li­tät (28). Sie beschreibt, “dass Pro­ble­me ja gar nicht vor Ort gelöst wer­den” (S. 9, Z. 15), son­dern Prak­ti­ka als Pro­blem­lö­se­stra­te­gie genutzt wer­den (29). Pro­ble­me schei­nen aus­ge­la­gert zu wer­den, was die inter­view­te Per­son nicht als pas­sen­de Lösung betrach­tet. Sie bekräf­tigt noch­mals den Wunsch nach fach­li­cher Lösung vor Ort.

Bedeut­sa­me Ergebnisse

Team­ar­beit im Sin­ne einer engen Zusam­men­ar­beit und Par­ti­zi­pa­ti­on in Über­gän­gen von abge­ben­den und auf­neh­men­den Abtei­lun­gen haben für die inter­view­te Per­son eine beson­de­re Bedeu­tung. Gera­de im Über­gang aus dem BBB ver­misst sie Koope­ra­ti­on. Die­se gelingt ihrer Mei­nung nach über Kon­ti­nui­tät und Bezie­hungs­ar­beit. Für die Arbeit vor Ort wünscht sie sich eine höhe­re Fach­lich­keit der geleis­te­ten Arbeit, um Lösun­gen vor Ort zu errei­chen. Dar­aus resul­tiert das Mot­to: „Mehr Fach­lich­keit für Lösun­gen vor Ort“.

5.2.3 Inter­view 04 – Gruppenleitung

Mot­to: „Mehr Wer­bung über die Wege aus der Werkstatt”

Vor­stel­lung der befrag­ten Person

Die inter­view­te Per­son arbei­tet seit einem Jahr­zehnt in einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen im Grup­pen­dienst und hat­te bereits vor­her Kon­takt zu Men­schen mit kogni­ti­ver Behin­de­rung. Sie ist aus einer nicht-päd­ago­gi­schen Tätig­keit über eine Hel­fer­stel­le in die Tätig­keit als Grup­pen­lei­tung gekom­men und lei­tet eine Arbeits­grup­pe mit bMA im Tätig­keits­be­reich des Einzelhandels.

Zusam­men­fas­sung des Interviews

Die inter­view­te Per­son ver­sucht in ihrem Arbeits­all­tag den Ver­kauf genau­so wie regel­mä­ßi­ge Ange­bo­te zur beruf­li­chen Bil­dung zu ermög­li­chen. Sie beschreibt Schwie­rig­kei­ten in der eige­nen Tätig­keit auf­grund einer hohen Teil­zeit­quo­te in der Grup­pe und wenig Ruhe für Pla­nun­gen und Doku­men­ta­ti­on. Die Team­ar­beit hebt sie als gelun­gen her­vor. Für die eige­ne Arbeit wich­tig erach­tet sie eine posi­ti­ve Feed­back­kul­tur, Zufrie­den­heit sowie gegen­sei­ti­ge Acht­sam­keit. Die Beglei­tung im Betrieb durch IB wird posi­tiv ange­se­hen. Die Zusam­men­ar­beit in der Vor­be­rei­tung von Über­gan­gen sieht die Per­son kri­tisch. Sie zeigt sich zuneh­mend unzu­frie­den mit den geführ­ten Erst­ge­sprä­chen sowie der Akqui­se von Prak­ti­kums­be­trie­ben. Die Klient:innenzentrierung wird von ihr sehr her­vor­ge­ho­ben. Für die zukünf­ti­ge Zusam­men­ar­beit wich­tig beschreibt sie die öffent­lich­keits­wirk­sa­me Arbeit, wel­che sie sei­tens der Arbeits­ver­mitt­lung ver­misst. Zudem wünscht sie sich mehr Enga­ge­ment für die bMA sei­tens der AV sowie Infor­ma­ti­ons­aus­tausch im Kol­le­gi­um. Schluss­end­lich spricht sie Trans­pa­renz als Wunsch für eine zukünf­ti­ge gelin­gen­de Zusam­men­ar­beit an.

Para­phra­sie­rung des Interviews

Die inter­view­te Per­son kommt aus einem nicht-päd­ago­gi­schem Beruf (1) und hat pri­va­te Erfah­run­gen mit Men­schen mit Behin­de­run­gen in ehren­amt­li­cher Tätig­keit gesam­melt (2). Sie ist in die Werk­statt über eine Hel­fer­tä­tig­keit gekom­men und hat sich dort zur Grup­pen­lei­tung fort­ge­bil­det (3). Die inter­view­te Per­son muss die Pro­duk­ti­on ihrer Arbeits­grup­pe auf­recht­erhal­ten, also das “Augen­merk auf den Laden” (S. 2, Z. 7) rich­ten und dabei wirt­schaft­li­che Gesetz­mä­ßig­kei­ten ein­hal­ten (4). Sie reizt dabei die Ver­bin­dung von wirt­schaft­li­chen Tätig­kei­ten und päd­ago­gi­schen Maß­nah­men mit Men­schen mit Behin­de­run­gen (5). Regel­mä­ßi­ge Bil­dungs­an­ge­bo­te sowie der Schutz der Beschäf­tig­ten vor Kun­den sind der inter­view­ten Per­son wich­tig (6/7). Neben dem lau­fen­den Betrieb fal­len auch Doku­men­ta­ti­ons­auf­ga­ben wie Ziel­pla­nun­gen an (8). Der Betrieb steht im struk­tu­rel­len Kon­flikt zu den Doku­men­ta­ti­ons­auf­ga­ben, für die im All­tag wenig Zeit bleibt, dort da hin­ke sie “zum Teil jetzt durch Coro­na bedingt auch wirk­lich hin­ter­her” (S. 3, Z. 20f.) (9). „Stolz“ (S. 3, Z. 42) ist die inter­view­te Per­son des­halb auf die gelin­gen­de Team­ar­beit in ihrer Grup­pe sowie die damit ver­bun­de­ne Feed­back­kul­tur (10/11), die eine wich­ti­ge struk­tu­rel­le Anfor­de­rung für eine gelin­gen­de Zusam­men­ar­beit dar­stellt. Die Feed­back­kul­tur fin­det sich vor allem in regel­mä­ßi­gen Tref­fen und einer Hal­tung der gegen­sei­ti­gen Acht­sam­keit wie­der, die sie mit posi­ti­vem Feed­back unter­stützt (11). Als per­so­na­le Anfor­de­run­gen an die eige­ne Tätig­keit beschreibt die inter­view­te Per­son ein Enga­ge­ment für beschäf­tig­te Mit­ar­bei­ten­de (26) sowie kol­le­gia­len Aus­tausch, der in Ver­bin­dung mit der Fähig­keit zur Mul­ti­per­spek­ti­vi­tät ste­he (27/28). In der Zusam­men­ar­beit mit den Inte­gra­ti­ons­be­glei­tun­gen der Arbeits­ver­mitt­lung hebt sie die betrieb­li­che Beglei­tung durch IB als “ wirk­lich toll” (S. 5, Z. 11) her­vor (12). Die­ser posi­ti­ve Ein­druck ste­he ihrer Mei­nung nach in Ver­bin­dung mit einem gelin­gen­den Infor­ma­ti­ons­fluss durch regel­mä­ßi­ges Feed­back und Rück­mel­dun­gen, sie füh­le sich “auch sehr gut abholt” (S. 5, Z. 12) (13). Die inter­view­te Per­son sieht die exter­ne Öffent­lich­keits­ar­beit bei den Arbeit­ge­bern als man­gel­haft an (14). Eben­so als Her­aus­for­de­rung beschreibt sie eine man­geln­de inter­ne Öffent­lich­keits­ar­beit, die sie als Grund für erleb­te Trä­ger­wech­sel bei Beschäf­tig­ten anführt (14/15). Beson­de­re Kri­tik äußert sie bezüg­lich erfolg­ter Erst­ge­sprä­che, die sie “ein biss­chen erschro­cken” (S. 5, Z. 40f.) haben. Die­se wür­den auf­grund ihrer per­so­nen­zen­trier­ten Struk­tur und ihres intrans­pa­ren­ten Ver­fah­rens zu einer Belas­tung für Beschäf­tig­te (16/17/18/19). Dabei stün­den vor allem star­re Zustän­dig­kei­ten im Kon­trast zu einer kon­se­quen­ten Per­so­nen­zen­trie­rung im Über­gang (17/18). Sie wünscht sich von den Inte­gra­ti­ons­be­glei­tun­gen über ein trans­pa­ren­tes Stel­len­ma­nage­ment hin­aus den Auf­bau von per­sön­li­chen Bezie­hun­gen zwi­schen den IB und bMA (20/21), was sie als Vor­aus­set­zung, für die eine Mel­dung eines Ver­mitt­lungs­wun­sches der bMA bei der AV sieht (25). Dar­über hin­aus sei eine inter­ne Öffent­lich­keits­ar­beit mit­tels “wie­der aktiv Wer­bung” (S. 9, Z. 11) machen, ein wei­te­rer Gelin­gens­fak­tor, um den Fokus stär­ker auf den Reha­bi­li­ta­ti­ons­auf­trag zu len­ken (22/23), was sie in den bis­he­ri­gen Jah­ren ihrer Unter­neh­mens­zu­ge­hö­rig­keit ver­miss­te (24). Als per­so­na­le Anfor­de­run­gen defi­niert sie zudem die Fort­füh­rung des guten Infor­ma­ti­ons­flus­ses durch “regelmäßig[e] ganz tol­le E‑Mails“ (S. 11, Z. 24) wäh­rend der betrieb­li­chen Beglei­tung und Zugrif­fe für Inte­gra­ti­ons­be­glei­tun­gen auf die digi­ta­le Akte, um sich aus­rei­chend auf Ver­mitt­lungs­wün­sche vor­zu­be­rei­ten (30). Zu den struk­tu­rel­len Anfor­de­run­gen an eine Zusam­men­ar­beit im Über­gang zählt die inter­view­te Per­son eine inter­ne Öffent­lich­keits­ar­beit in der Werk­statt in Ver­bin­dung mit geziel­ten Infor­ma­ti­ons­an­ge­bo­ten für Kolleg:innen und Beschäf­tig­te (29/31).

Bedeut­sa­me Ergebnisse

Die gelun­ge­ne Team­ar­beit und akti­ve Feed­back­kul­tur im eige­nen Team, wird von der inter­view­ten Per­son her­aus­ge­stellt und von ihr als Gelin­gens­be­din­gung für erfolg­rei­che Koope­ra­ti­on betrach­tet. Exter­ne sowie inter­ne Öffent­lich­keits­ar­beit las­sen jedoch noch zu wün­schen übrig. Hier feh­le ihr der Fokus und kon­se­quen­te Umset­zung des Reha­bi­li­ta­ti­ons­auf­trags. Daher wur­de das Mot­to „Mehr Wer­bung über die Wege aus der Werk­statt” gewählt.

5.2.4 Inter­view 08 – Gruppenleitung

Mot­to: „Mehr Par­ti­zi­pa­ti­on der Gruppenleitungen“,

Vor­stel­lung der befrag­ten Person

Die inter­view­te Per­son arbei­tet seit einem Jahr­zehnt in einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen im Grup­pen­dienst und vor­her kei­ne Erfah­run­gen mit Men­schen mit Behin­de­run­gen gemacht. Sie ist aus einer nicht-päd­ago­gi­schen Tätig­keit in die Tätig­keit als Grup­pen­lei­tung gekom­men und lei­tet eine Arbeits­grup­pe mit bMA im Tätig­keits­be­reich des EDV-Bereiches.

Zusam­men­fas­sung des Interviews

Die inter­view­te Per­son ist in der Beglei­tung von bMA und der Pro­duk­ti­on tätig. Zudem gehö­ren Ver­mitt­lungs­tä­tig­kei­ten zwi­schen bMA und deren Betreu­ung zu den beruf­li­chen Auf­ga­ben. Sie nimmt wenig Moti­va­ti­on zur Ver­än­de­rung bei den bMA wahr und begrün­det dies mit der Bedeu­tung der sozia­len Sicher­heit der Arbeit in WfbM. Die Zusam­men­ar­beit mit der AV sieht sie pro­ble­ma­tisch, da wenig Infor­ma­tio­nen flie­ßen, kaum zusam­men­ge­ar­bei­tet wird. Sie kri­ti­siert die Rol­le der GL und die man­geln­de Trans­pa­renz. Sie sieht Bil­dung als Grund­la­ge und die Pro­duk­ti­on im Fokus der Arbeit und kri­ti­siert die Exklu­si­vi­tät der Arbeits­ge­sell­schaft, wel­che ihr zufol­ge bMA aus­schließt. Die befrag­te Per­son wünscht sich eine Platt­form für mehr Kom­mu­ni­ka­ti­on. Für die eige­ne Tätig­keit wich­tig erach­tet sie päd­ago­gi­sche Erfah­rung, beruf­li­ches Fach­wis­sen sowie Auf­ge­schlos­sen­heit für ande­re Per­spek­ti­ven. Für die Zusam­men­ar­beit wich­tig, ist für sie Par­ti­zi­pa­ti­on sowie Wer­bung sei­tens der AV.

Para­phra­sie­rung des Interviews

Die inter­view­te Per­son kommt ursprüng­lich aus dem kauf­män­ni­schen Bereich und ist vor 20 Jah­ren als Quer­ein­stei­ger in WfbM gekom­men. Sie lei­tet eine Arbeits­grup­pe als Grup­pen­lei­tung (1/2/3). Zu ihren Tätig­kei­ten gehö­ren die Beglei­tung von bMA, die Pro­duk­ti­on sowie die Betreu­ung und Media­ti­on, da „Streit […] ein The­ma in der Grup­pe“ sei. (S. 2, Z. 12) (4/5/6/7). Beschäf­tig­te in einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen haben ihrer Mei­nung nach eine gerin­ge Moti­va­ti­on zur Ver­än­de­rung, da sie die sta­bi­le und siche­re Situa­ti­on mit den sozia­len Mög­lich­kei­ten schät­zen und dies auch in ihren Ein­glie­de­rungs­zie­len ver­ba­li­sie­ren wür­den („“ (S. 2, Z. 24)) (8/9/10). Als per­so­na­le Anfor­de­rung an die eige­ne Tätig­keit benennt sie Enga­ge­ment, um bei­spiels­wei­se den Kon­takt zu bMA in Prak­ti­ka auf­recht­zu­er­hal­ten (11/12). Auch sieht die inter­view­te Per­son sich als gutes Bei­spiel für abwei­chen­de Bio­gra­fien (13). Die Pro­duk­ti­on lie­ge für sie im Fokus, wobei Bil­dung für sie die Grund­la­ge sei, „weil wenn die nicht geleis­tet wür­de, wür­de das Pro­dukt erst gar nicht ent­ste­hen“ (S. 3, Z. 43) (15/14). Wei­ter sieht sie die Mischung aus päd­ago­gi­schem Wis­sen und beruf­li­chem Fach­wis­sen als wich­ti­ge Anfor­de­rung an ihre Stel­le an (24/25). Feed­back anzu­neh­men und vor­ge­schla­ge­nes erst ein­mal aus­zu­pro­bie­ren, ist eine wich­ti­ge Ein­stel­lung für die befrag­te Per­son (27). Auf die Fra­ge nach der Zusam­men­ar­beit mit den Inte­gra­ti­ons­be­glei­tun­gen negiert sie eine Zusam­men­ar­beit. Beschäf­tig­te wür­den sich selbst bei der Arbeits­ver­mitt­lung oder über den Sozi­al­dienst mel­den. Auch habe sie nur wenig Wis­sen über die Arbeit der AV und wür­de sich dahin­ge­hend mehr rele­van­te Infor­ma­tio­nen und gemein­sa­me Pla­nun­gen wün­schen, um Beschäf­tig­te gezielt zu qua­li­fi­zie­ren, da sie um die Stär­ken und Res­sour­cen der bMA wis­se (16/17/18/19). Im Kon­text einer exklu­si­ven Arbeits­ge­sell­schaft berich­tet sie auch davon, wie Beschäf­tig­te in Betrie­ben aus­ge­nutzt wür­den. „Also man fühl­te sich da so ein biss­chen ver­schau­kelt“ (S. 6, Z. 9) (20). Als struk­tu­rel­le Anfor­de­rung an die Arbeits­ver­mitt­lung nennt sie Trans­pa­renz über Stel­len­an­for­de­run­gen, um zukünf­tig gezielt zu qua­li­fi­zie­ren (21). Sie selbst habe nur wenig Wis­sen über den Über­gang und wer­de ledig­lich durch den Sozi­al­dienst infor­miert (28). Sie wünscht sich des­halb eine Par­ti­zi­pa­ti­ons­platt­form, damit der Infor­ma­ti­ons­aus­tausch über Bedar­fe, Anfor­de­run­gen sowie Qua­li­fi­zie­rungs­vor­ha­ben in WfbM gelin­gen kön­ne (22/23/28/29). Auch for­dert sie direk­te Öffent­lich­keits­ar­beit durch die IB vor Ort, damit die regel­mä­ßi­gen Stel­len­an­ge­bo­te nicht nur „gele­sen und […] abge­hef­tet“ wer­den (S. 8, Z. 4) (22). Als per­so­na­le Anfor­de­run­gen an die IB wünscht sich die inter­view­te Per­son mehr Enga­ge­ment durch die­se, um das betrieb­li­che Netz­werk an Koope­ra­ti­ons­be­trie­ben aus­zu­bau­en, damit sie nach gemein­sa­mer Rück­spra­che durch Qua­li­fi­zie­rung in der Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen einen Bei­trag zum Über­gang leis­ten kön­ne (29/30/31).

Bedeut­sa­me Ergebnisse

Die befrag­te Per­son wünscht sich dem Mot­to des Inter­views fol­gend „Mehr Par­ti­zi­pa­ti­on der Grup­pen­lei­tun­gen“, da für sie zwar die Pro­duk­ti­on im Fokus ihrer Arbeit steht, Bil­dung jedoch die Grund­la­ge dafür ist. Im Kon­text des Über­gan­ges wünscht sie sich des­halb eine enge Par­ti­zi­pa­ti­on mit der Arbeits­ver­mitt­lung und struk­tu­rell imple­men­tier­ten Infor­ma­ti­ons­aus­tausch in Form einer Stel­len­platt­form, um gezielt beschäf­tig­te Mit­ar­bei­ten­de auf Stel­len und somit für einen Über­gang zu qualifizieren.

5.2.5 Inter­view 05 – Integrationsbegleitung

Mot­to: „Mehr Zeit für qua­li­ta­ti­ve Arbeit“

Vor­stel­lung der befrag­ten Person

Die inter­view­te Per­son ist seit fast einem Jahr­zehnt in der Arbeits­ver­mitt­lung tätig. Sie hat kei­ne Vor­er­fah­run­gen aus dem Grup­pen­dienst in einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen und ist in der Arbeits­ver­mitt­lung als Inte­gra­ti­ons­be­glei­tung für die Aus­ge­stal­tung des Über­gan­ges auf den all­ge­mei­nen Arbeits­markt zuständig.

Zusam­men­fas­sung des Interviews

Als hilf­reich für die eige­ne Arbeit beschreibt die inter­view­te Per­son die Umver­tei­lung von Per­so­nal und die Trans­pa­renz der Zustän­dig­kei­ten. Über­for­de­rung, den Per­so­nal­man­gel und die Unzu­frie­den­heit mit der Arbeits­qua­li­tät beschreibt sie als schwie­rig. Zeit wird als limi­tie­ren­der Fak­tor für Qua­li­tät und Ansprü­che beschrie­ben. Sie wünscht sich für gelun­ge­ne Zusam­men­ar­beit mehr Zeit für Vor­be­rei­tung sowie für Netz­werk­ar­beit und Par­ti­zi­pa­ti­on. Sie beklagt sich über die vie­len Zustän­dig­kei­ten, man­geln­de Pla­nung und Struk­tur und damit ein­her­ge­hen­de Über­for­de­rung sowie die Blo­ckie­rung des Über­gangs durch die GL. Die Rol­le der GL wird als starr sowie tra­diert beschrie­ben. Der Wunsch nach Trans­pa­renz, mehr Per­so­nal und Zeit sowie nach mehr Koope­ra­ti­on mit den GL wird geäu­ßert. Als Gelin­gens­be­din­gun­gen inner­halb der eige­nen Tätig­keit für eine erfolg­rei­che Zusam­men­ar­beit beschreibt sie die Fähig­keit zum Per­spek­tiv­wech­sel, Krea­ti­vi­tät, die adres­sa­ten­ge­rech­te Anspra­che sowie das Beherr­schen von Pro­blem­lö­se­stra­te­gien. Sie kon­sta­tiert die Zusam­men­ar­beit in der Vor­be­rei­tung als Gelin­gens­fak­tor für den Prak­ti­kums­start und wirft die Idee einer Über­gangs­grup­pe für die Wei­ter­ver­mitt­lung von rück­keh­ren­den Beschäf­tig­ten auf.

Para­phra­sie­rung des Interviews

Die inter­view­te Per­son hat kei­ne vor­he­ri­ge Tätig­keit im Grup­pen­dienst in einer Werk­statt absol­viert als sie sich vor neun Jah­ren in der Arbeits­ver­mitt­lung bewor­ben hat (1/38). Zu ihren beruf­li­chen Tätig­kei­ten gehört die Beglei­tung und Betreu­ung von beschäf­tig­ten Mit­ar­bei­ten­den auf ihrem Über­gang auf den all­ge­mei­nen Arbeits­markt durch Prak­ti­ka, die in aus­ge­la­ger­ten Arbeits­plät­zen oder dem Bud­get für Arbeit mün­den kön­nen (2). Nach einer Vor­be­rei­tungs­pha­se in Werk­statt erfolgt eine unter­stüt­ze Ein­ar­bei­tung im Prak­ti­kums­be­trieb (2). Die Aus­schrei­bung von Stel­len­an­ge­bo­ten und Akqui­se von moti­vier­ten beschäf­tig­ten Mit­ar­bei­ten­den in den Stand­or­ten sowie von pas­sen­den Betrie­ben gehört eben­falls zu ihren Auf­ga­ben (3). Die Abtei­lung wird als Team mit gutem Zusam­men­halt beschrie­ben (4). Die Tätig­keit sei fami­li­en­freund­lich auf­grund der fle­xi­blen Arbeits­zei­ten und bie­te eine gro­ße Viel­falt an Auf­ga­ben, die auch über­for­dern kön­ne (4). Grund­sätz­lich bestehe die Mög­lich­keit der akti­ven Par­ti­zi­pa­ti­on in der Abtei­lung, die jedoch durch Zeit­man­gel erschwert wür­de (4). In der Arbeit inner­halb der Arbeits­ver­mitt­lung nimmt sie zeit­li­che Über­for­de­rung durch Per­so­nal­man­gel und dar­aus resul­tie­ren­de Unzu­frie­den­heit mit der eige­nen Arbeits­qua­li­tät wahr (4/5). Eine omni­prä­sen­te Zustän­dig­keit (“So aktu­ell machen wir halt alle alles […].” (S. 12, Z. 39)) sor­ge für “das Gefühl” (S. 2, Z. 27) von Über­for­de­rung, da Plä­ne und Struk­tu­ren fehl­ten (4). Eine regio­na­le Zuord­nung von Mit­ar­bei­ten­den zu Werk­statt­stand­or­ten hat Trans­pa­renz über fes­te Zustän­dig­keit und ermög­licht regel­mä­ßi­gen Aus­tausch vor Ort geschaf­fen, dies emp­fin­de sie als “super” und “hilf­reich” (S. 2, Z. 9) (6). Die vor­herr­schen­de Über­for­de­rung füh­re zur Fokus­sie­rung und Prio­ri­sie­rung auf Kern­auf­ga­ben, d.h. die Beglei­tung im Betrieb (37). Auf­ga­ben neben der Beglei­tung wer­den dadurch ver­nach­läs­sigt (37). Regi­ons­über­grei­fen­der per­sön­li­cher Aus­tausch wie er durch die regio­na­le Zuord­nung ermög­licht wer­den soll­te, ist des­halb erschwert durch die aktu­el­len Bedin­gun­gen (37). Eine beson­de­re Auf­ga­be im Tätig­keits­feld der inter­view­ten Inte­gra­ti­ons­be­glei­tung ist die Vor­be­rei­tung eines Prak­ti­kums. Die­se sieht sie als “mit einer der wich­tigs­ten Pha­sen” (S. 2, Z. 36f.) für das Gelin­gen des Über­gan­ges an und sei ein zeit­lich inten­si­ver Pro­zess mit allen Akteur:innen (7). Man brau­che Zeit für nie­der­schwel­li­ge Gesprä­che und eine lang­sa­me Pla­nung sowie gemein­sa­me Gestal­tung des Über­gan­ges. Die Anbah­nung sei jedoch durch Zeit­man­gel behin­dert (8/9). In der Anbah­nung eines Prak­ti­kums wer­den Bezie­hun­gen auf­ge­baut und die Res­sour­cen erfasst, Unter­stüt­zung durch Übung und Anlei­tung gege­ben, um einen pas­sen­den Arbeits­platz zu fin­den (9/10/11). Die Vor­be­rei­tung ist Arbeit, wel­che “halt nicht sicht­bar” (S. 10, Z. 5) sei auf­grund der feh­len­den Kos­ten­stel­len­zu­ord­nung (31). Auch den Umgang mit der Rück­kehr aus einem Prak­ti­kum im Über­gang emp­fin­det die inter­view­te Per­son als “scha­de” (S. 10, Z. 32). Die Mög­lich­keit der Rück­kehr nach einem Prak­ti­kum gebe Beschäf­tig­ten zwar Sicher­heit, aber hem­me dadurch auch den Antrieb für erneu­te Ver­su­che (32). Es fehlt eine Über­gangs­grup­pe für die Qua­li­fi­zie­rung und die Vor­be­rei­tung wei­te­rer Prak­ti­ka (33/35) unter den Bedin­gun­gen des all­ge­mei­nen Arbeits­mark­tes (34). Die „Auf­fang­grup­pe” (S. 10, Z. 36) soll einen Rück­schritt im Über­gang ver­hin­dern und kurz­zei­tig Mög­lich­kei­ten zur per­sön­li­chen Wei­ter­bil­dung geben (34). Aus­ge­la­ger­te Arbeits­grup­pen und Inte­gra­ti­ons­be­trie­be wür­den in gerin­gem Aus­maß schon so genutzt (34). Von einer Über­gangs­grup­pe mit Fokus auf Qua­li­fi­zie­rung und Per­so­nen mit ähn­li­chen Zie­len erhofft sie sich poten­zi­el­le Syn­er­gie­ef­fek­te (33/35). Die inter­view­te Per­son lei­tet aus ihren Erfah­run­gen im Arbeits­all­tag per­so­na­len Anfor­de­run­gen an die eige­ne Tätig­keit ab. Sie sehe “die Inte­gra­ti­on oder Reinte­gra­ti­on auf den ers­ten Arbeits­markt […] als Pri­mär­ziel” (S. 4, Z. 33f.) (16). Inter­ne Öffent­lich­keits­ar­beit für Werkstattkolleg:innen feh­le, wie bspw. Hos­pi­ta­ti­ons­na­ge­bo­te, theo­re­ti­sche Ein­hei­ten sowie die Klä­rung von Schnitt­stel­len (21). Infor­ma­ti­ons­an­ge­bo­te sor­gen Ansicht nach für Trans­pa­renz und erhöh­ten die Bereit­schaft zur Koope­ra­ti­on (21). Dazu wür­de auch Ange­bo­te im Inter­net und Intra­net gehö­ren (21). Als per­sön­li­che Arbeits­tu­gen­den benennt sie Offen­heit und Fle­xi­bi­li­tät, um sich auf neue Per­spek­ti­ven und Situa­tio­nen ein­las­sen zu kön­nen (23). Der Über­gang müs­se ihrer Mei­nung nach indi­vi­du­ell und klein­schrit­tig aus­ge­stal­tet sein (24). Adres­sa­ten­ge­rech­te Anspra­chen für eine gelin­gen­de Kom­mu­ni­ka­ti­on mit unter­schied­li­chen Akteu­ren sei­en des­halb genau­so wich­tig (24), wie funk­tio­nie­ren­de Netz­wer­ke, die eine Res­sour­ce für den Über­gang sein (25). Eben­so müs­se eine Inte­gra­ti­ons­be­glei­tung „Lust auf unter­schied­li­che Tätig­kei­ten” (S. 7, Z. 31) und direk­te Arbeit mit Men­schen haben (26). Dabei sei aber auch Sen­si­bi­li­tät für Pro­blem­la­gen sowie das Füh­ren von Pro­blem- und Lösungs­ge­sprä­chen in Kri­sen- oder Kon­flikt­si­tua­tio­nen not­wen­dig (27). Krea­ti­vi­tät hel­fe in ihrer Tätig­keit für die Ent­wick­lung von bedarfs­ge­rech­ten Arbeits­pro­zes­sen (28). Als struk­tu­rel­le Anfor­de­run­gen an die Arbeits­ver­mitt­lung nennt sie einen nied­ri­ge­ren Betreu­ungs­schlüs­sel auf­grund struk­tu­rel­ler Über­for­de­rung durch höhe­ren anfäng­li­chen Unter­stüt­zungs­be­darf sowie die Viel­falt und Men­ge der Auf­ga­ben pro bMA (5). Zeit für kol­le­gia­len Aus­tausch und Par­ti­zi­pa­ti­on am Stand­ort feh­le und min­de­re die Arbeits­qua­li­tät (8). Es feh­len ihrer Aus­sa­gen nach Struk­tu­ren und die Finan­zie­rung für die Vor­be­rei­tung eines Prak­ti­kums und die Qua­li­fi­ka­ti­on von bMA (12/13). Auch bemän­gelt sie feh­len­de Struk­tu­ren für die Wei­ter­ent­wick­lung der Abtei­lung, um mehr Arbeits­plät­ze zu schaf­fen und zu beglei­ten (36). Die Sät­ti­gung in ihrer Tätig­keit begrün­de sich in der hohen Per­so­nal­aus­las­tung: “Wir sind irgend­wie alle voll so was unse­re lie­be Betreu­ung, Beglei­tung angeht und […] wir haben gar nicht die Mög­lich­keit neue zu akqui­rie­ren” (S. 12, Z. 20ff.) (36). Eine Lösung wird mit­tel­fris­tig in mehr Per­so­nal und kurz­fris­tig in wei­te­rer tätig­keits­spe­zi­fi­scher Spe­zia­li­sie­rung gese­hen (36). Ein posi­ti­ves Bei­spiel für eine Spe­zia­li­sie­rung wird in der bereits erfolg­ten the­ma­ti­schen Spe­zia­li­sie­rung zu Exper­ten gese­hen (36). Die Zusam­men­ar­beit mit den Grup­pen­lei­tun­gen in Werk­statt beschreibt die inter­view­te Per­son kon­tras­tie­rend. Auf der einen Sei­te sehe sie einen “total gute[n] Aus­tausch“ (S. 4, Z. 24) mit dem Sozi­al­dienst. Die­ser beinhal­tet gemein­sa­me Pla­nun­gen und gegen­sei­ti­ges Feed­back zur Erwei­te­rung der Per­spek­ti­ven, die Kom­mu­ni­ka­ti­on eige­ner Gren­zen, gegen­sei­ti­ge Offen­heit und Inter­es­se (14). Auf der ande­ren Sei­te beschreibt sie die Blo­ckie­rung durch GL auf­grund des Pro­duk­ti­ons­druck und des­halb diver­gie­ren­der Zie­le zurück­ge­führt (15). Bei den Kolleg:innen im Grup­pen­dienst nimmt sie teils star­re Denk- und Hand­lungs­mus­ter, die sie auf eine frü­he­re Aus­bil­dung und die Struk­tu­ren der Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen zurück­führt (15). Auch merkt sie kri­tisch an, dass die Blo­ckie­rung durch GL ein Miss­brauch der Macht sei, da sie “sehr gro­ßen Ein­fluss auf die beschäf­tig­ten Mit­ar­bei­ter haben” (S. 4, Z. 41f.) (17). Feh­len­de Zusam­men­ar­beit oder offe­ne Blo­ckie­rung durch GL wir­ke abschre­ckend auf Beschäf­tig­te (17). Gleich­wohl sieht die inter­view­te Per­son die geleis­te­te Vor­ar­beit in Werk­statt, wes­halb GL ein Tür­öff­ner für den gelin­gen­den Über­gang sei­en. Des­halb sol­len GL wert­ge­schätzt wer­den und am Pro­zess par­ti­zi­pie­ren (22). Sie möch­te die Erfah­run­gen der GL als Res­sour­ce nut­zen und sich “ein­las­sen” (S. 6, Z. 30) (22). Als per­so­na­le Anfor­de­run­gen an die Grup­pen­lei­tun­gen wird Koope­ra­ti­on als Wunsch genannt. Koope­ra­ti­on hei­ße gemein­sam Plä­ne ent­wi­ckeln und die gegen­sei­ti­gen Erfah­run­gen wert­schät­zen (18). Koope­ra­ti­on gelin­ge durch ein Mit­ein­an­der, wel­ches „offen und ehr­lich” (S. 5, Z. 27) ist, was wie­der­um wich­tig für den Aus­tausch sei (18/19). Ein gemein­sam defi­nier­tes Ziel sei die Vor­aus­set­zung, an der sich Zusam­men­ar­beit aus­rich­te, sol­le und auf das dann gemein­sam hin­ge­ar­bei­tet wer­den kön­ne (29). Auch for­dert sie Raum und Zeit für gegen­sei­ti­ges Inter­es­se und kol­le­gia­le Bera­tungs­ge­sprä­che sowie Rück­spra­chen, um den Infor­ma­ti­ons­fluss auf­recht­zu­er­hal­ten – ver­bal oder schrift­lich – sowie die Mög­lich­keit zur Beglei­tung durch GL im Betrieb (30). Als struk­tu­rel­le Anfor­de­run­gen an die Werk­statt erwar­te sie, dass das Reha­bi­li­ta­ti­ons­zie­le durch die Lei­tung kom­mu­ni­ziert wür­de, d.h. den Über­gang auf den all­ge­mei­nen Arbeits­markt durch indi­vi­du­el­le Unter­stüt­zung zu ermög­li­chen (20).

Bedeut­sa­me Ergebnisse

Die befrag­te Per­son braucht „Mehr Zeit für qua­li­ta­ti­ve Arbeit“, da sie eine gro­ße Über­for­de­rung im Arbeits­all­tag wahr­nimmt, was sich so auch im Kon­flikt zwi­schen der Beglei­tung im Betrieb und der Arbeit vor Ort in den Werk­statt­stand­or­ten wie­der­spei­gelt. Sie wünscht sich ins­be­son­de­re mehr Zeit, um Prak­ti­ka gelin­gend vor­zu­be­rei­ten und um mit den Grup­pen­lei­tun­gen und Beschäf­tig­ten in Koope­ra­ti­on zu treten.

5.2.6 Inter­view 06 – Integrationsbegleitung

Mot­to: „Teil­ha­be durch Bildung“

Vor­stel­lung der befrag­ten Person

Die inter­view­te Per­son ist seit einem Jahr­zehnt in Werk­stät­ten für Men­schen mit Behin­de­run­gen im Berufs­bil­dungs­be­reich tätig und anschlie­ßend in die Arbeits­ver­mitt­lung gewech­selt. Als Inte­gra­ti­ons­be­glei­tung ist sie für die Aus­ge­stal­tung des Über­gan­ges auf den all­ge­mei­nen Arbeits­markt zuständig.

Zusam­men­fas­sung des Interviews

Die Zusam­men­ar­beit mit dem BBB beschreibt die inter­view­te Per­son als gelun­gen. Hier nennt sie das jun­ge Team, den guten Infor­ma­ti­ons­aus­tausch sowie den Fokus auf die Reha­bi­li­ta­ti­on als Grün­de. Die Zusam­men­ar­beit mit den GL im AB beschreibt sie als Hür­de. Als Grund nennt sie die Angst der GL vor Ver­lust von Arbeits­kräf­ten. Sie kon­sta­tiert, dass die GL die bMA als Res­sour­ce in der Pro­duk­ti­on betrach­ten und sich auf die Defi­zi­te der bMA, statt auf den Reha­bi­li­ta­ti­ons­auf­trag fokus­sie­ren. Zudem habe die GL ihr zufol­ge kei­ner­lei Kennt­nis über die Arbeit der AV. Dabei sieht sie ihr per­so­nen­ori­en­tier­tes Arbei­ten als Chan­ce. Die Arbeit inner­halb des BBB wird als moti­vie­rend und unter­stüt­zend beschrie­ben. Hier ste­he die Bil­dung im Vor­der­grund und neue Metho­den sowie ein bes­se­rer Per­so­nal­schlüs­sel begüns­ti­gen dies ihrer Mei­nung nach. Der AB sträu­be sich hin­ge­gen gegen Ver­än­de­run­gen und reagie­re mit Ableh­nung. Als Ziel beschreibt die inter­view­te Per­son die Teil­ha­be von bMA durch Bil­dung und damit ein­her­ge­hen­de erfor­der­li­che Beglei­tung und Betreu­ung die­ser durch indi­vi­du­el­le Maß­nah­men. Als Wün­sche äußert sie mehr Par­ti­zi­pa­ti­on der GL und weni­ger Anfein­dun­gen durch den AB. Für gelin­gen­de Zusam­men­ar­beit sieht sie lösungs­ori­en­tier­tes Arbei­ten als essen­ti­ell an.

Para­phra­sie­rung des Interviews

Die inter­view­te Per­son gehört dem Unter­neh­men seit 10 Jah­ren an (1) und konn­te Erfah­run­gen im Werk­statt­be­reich im Berufs­bil­dungs­be­reich sam­meln (2). Zu den eige­nen Tätig­kei­ten zählt sie die ambu­lan­te Beglei­tung der Ent­wick­lung von wenig selbst­be­wuss­ten bMA im Grup­pen­set­ting hin zu inte­grier­ten Mit­ar­bei­tern im Betrieb durch eige­ne Arbeit (7). Hier kön­ne sie die Ent­wick­lungs­schrit­ten und Erfol­gen direkt wahr­neh­men (7). Ihrer Mei­nung nach steht die Betreu­ung im Betrieb der Prä­senz und per­sön­li­chem Aus­tausch vor Ort im Weg (24), dabei sei ihr Prä­senz vor Ort wich­tig, um Inter­es­sen­ten zu erken­nen und Kon­takt auf­zu­bau­en (24). Als per­so­na­le Anfor­de­run­gen an die eige­ne Tätig­keit beschreibt sie den Wunsch nach indi­vi­du­el­lem “personenzentrierte[m] Arbei­ten” (S. 1, Z. 28), was im Grup­pen­set­ting nicht mög­lich war (3). Sie hebt die gute Bezie­hung zu Kol­le­gen im BBB posi­tiv her­vor (18). Ihr sei es wich­tig, vor Ort in die Grup­pen zu gehen, sich mit den GL aus­zu­tau­schen, die bMA vor­zu­be­rei­ten und Bezie­hung auf­zu­bau­en (18). Ihr zufol­ge müs­sen Inte­gra­ti­ons­be­glei­tun­gen fle­xi­bel, kom­mu­ni­ka­tiv, offen und krea­tiv sein und lösungs­ori­en­tiert arbei­ten (32). Als struk­tu­rel­le Anfor­de­run­gen an die Arbeits­ver­mitt­lung sieht sie “den Auf­trag, Kli­en­ten inklu­siv zu unter­stüt­zen” (S. 5, Z. 19f.), die Öff­nung der Arbeits­ge­sell­schaft, dass jeder bMA mit Arbeits­wunsch dort eine Chan­ce bekommt (14). Die Unter­stüt­zung der bMA erfolgt durch Beglei­tung und Betreu­ung mit indi­vi­du­el­len Maß­nah­men, um mehr aus­ge­la­ger­te Arbeits­grup­pen sowie gesell­schaft­li­che Ver­än­de­run­gen zu ermög­li­chen (14). Einen ers­ten Auf­bruch erle­be sie durch inklu­si­ve Kin­der­gär­ten und Schu­len (14). Das Bild von Men­schen mit Beein­träch­ti­gun­gen in der Gesell­schaft sei defi­zit­ori­en­tiert und behü­tend (15). Werk­stät­ten wür­de jedoch eher die Gesell­schaft vor Men­schen mit Beein­träch­ti­gun­gen schüt­zen (16). Man­geln­de Zeit ist ein ent­schei­den­der struk­tu­rel­ler Fak­tor in ihrer eige­nen Arbeit, der Auf­klä­rung über die eige­ne Arbeit und Prä­senz in den Grup­pen sowie Netz­werk­ar­beit und den kol­le­gia­len Aus­tausch vor Ort behin­de­re (33). Hin­sicht­lich der Arbeit in einer Werk­statt äußert die inter­view­te Per­son, die fle­xi­ble abwechs­lungs­rei­che Arbeit mit hoher Mobi­li­täts­an­for­de­rung in der Arbeits­ver­mitt­lung im Kon­trast zum Grup­pen­dienst mit fes­ter Arbeits­zeit und guter Plan­bar­keit durch fes­te Grup­pen am Stand­ort stün­de (5/6). Die GL hät­ten enge Bezie­hung zu bMA und wür­den mit deren Arbeits­kraft in der Pro­duk­ti­on pla­nen. Zudem haben sie gro­ßen Ein­fluss auf bMA, wes­halb ihre Mei­nung ent­schei­den­den Ein­fluss auf die Bewäl­ti­gung des Über­gangs habe (28). Die Zusam­men­ar­beit mit Grup­pen­lei­tun­gen im Berufs­bil­dungs­be­reich beschreibt sie als gut. Als Grün­de hier­für nennt sie den “ rich­tig guten” (S. 2, Z. 32) kol­le­gia­len Aus­tausch, die stär­ken­ori­en­tier­te Per­spek­ti­ve (8) sowie das jun­ge Team im BBB, wel­ches ihren Fokus auf Bil­dung und Reha­bi­li­ta­ti­on legt (8). Dabei wird die per­so­nel­le Durch­mi­schung (“das Per­so­nal­ka­rus­sell” (S. 3, Z. 14 )) von Kol­le­gin­nen mit BBB-Erfah­rung als per­spek­ti­vi­scher Gewinn gese­hen (8). Wei­ter gebe es dort kei­nen Pro­duk­ti­ons­druck und Bil­dung und Qua­li­fi­zie­rung stün­den im Vor­der­grund, wäh­rend im AB die Pro­duk­ti­on im Vor­der­grund stün­de (8). Eben­so unter­schei­den sich Per­so­nal­schlüs­sel und die Arbeits­wei­sen in bei­den Berei­chen (8). Sie wür­de dies­be­züg­lich Erfah­run­gen im BBB mit jun­gen Kol­le­gin­nen machen, wel­che ihrer Aus­sa­ge nach anders aus­ge­bil­det wur­den (11). Im BBB wer­den ihrer Erfah­rung nach, regel­mä­ßig neue Metho­den und Ansät­ze zusam­men mit der Arbeits­ver­mitt­lung (“Pla­nungs­tag” (S. 4, Z. 40)) erprobt (12). Die metho­di­sche Viel­falt bei den über­wie­gend jun­gen Kol­le­gen sieht sie als posi­tiv an (36). Im Rah­men der Initi­ie­rung eines Über­gangs mel­den die Grup­pen­lei­tun­gen im BBB selbst Ver­mitt­lungs­wün­sche bei der Arbeits­ver­mitt­lung an (22). Im BBB gelin­ge ihrer Aus­sa­ge nach, der Aus­tausch mit GL, ganz im Gegen­satz zum AB. Die GL tre­ten in Kon­takt und in gegen­sei­ti­gen Infor­ma­ti­ons­aus­tausch mit der Arbeits­ver­mitt­lung (26/27). Sie äußert den Wunsch nach Koope­ra­ti­on im AB, wel­che ihrer Aus­sa­ge nach in BB schon gelin­ge, d.h. gemein­sam die Zie­le der bMA ermög­li­chen (30). Eine gelin­gen­de Koope­ra­ti­on im BBB zeigt sich auch in der Teil­nah­me an Team­sit­zun­gen (30). Regel­mä­ßi­ger gegen­sei­ti­ger kol­le­gia­ler Aus­tausch in den jewei­li­gen Teams sei wich­tig, um die eige­ne Arbeit wahr­zu­neh­men und zu sehen. “Dafür Zeit und Raum zu haben” (S. 9, Z. 37), stellt einen Wunsch dar (30). In Bezug auf die Zusam­men­ar­beit mit Grup­pen­lei­tun­gen im Arbeits­be­reich äußert sie, dass lang­jäh­ri­ge Kolleg:innen den Pro­duk­ti­ons­auf­trag fokus­sie­ren und “Angst” (S. 2, Z. 37) hät­ten, die Arbeits­kraft der bMA nicht ver­lie­ren zu wol­len (9), wäh­rend die IB den Reha­bi­li­ta­ti­ons­auf­trag fokus­sie­ren (8). Die GL haben ihr zufol­ge jedoch eine begrenz­te werk­statt­zen­trier­te Per­spek­ti­ve auf die bMA und ken­nen die Arbeit der Arbeits­ver­mitt­lung nicht. Sie begeg­nen die­ser mit offe­ner Ableh­nung in Form einer defi­zit­ori­en­tier­ten und über­be­hü­ten­den Per­spek­ti­ve (9). Die Kolleg:innen im AB weh­ren daher die Arbeits­ver­mitt­lung ab (9). So wür­den Kon­flik­te ent­ste­hen (9). Der AB ist ihrer Mei­nung nach ver­än­de­rungs­scheu und Auf­klä­rung sowie Fort­bil­dun­gen wer­den als not­wen­dig erach­tet (13). Sie beschreibt die Wahr­neh­mung von Skep­sis gegen­über neu­en Tech­ni­ken auf­grund funk­tio­nie­ren­der Metho­den und Miss­erfol­gen beim Aus­pro­bie­ren von neu­en Tech­ni­ken sei­tens des AB (13). Sie ver­mu­tet hier als Grund für die Ableh­nung, die nicht erfolg­te Anlei­tung (13). Zudem feh­le ihr die Teil­nah­me an Team­sit­zun­gen des AB, um das gegen­sei­ti­ge Ver­ständ­nis von­ein­an­der zu ver­än­dern (31). Sie berich­tet von despek­tier­li­chen Aus­sa­gen, wel­che sie “sehr ärger­lich” (S. 11, Z. 23) fand, von älte­ren Kolleg:innen über die Arbeit in der Arbeits­ver­mitt­lung, was sie auf lan­ger­jäh­ri­ge Arbeit im Grup­pen­dienst und die über­hol­ten Aus­bil­dungs­stan­dards zurück­führt (35). Bei Grup­pen­lei­tun­gen wird von ihr eine metho­di­sche Mono­to­nie beschrie­ben, die auf man­geln­de Fort­bil­dun­gen im per­so­nen­zen­trier­ten indi­vi­du­el­len Arbei­ten zurück­ge­führt wird (35). Mit Blick auf die Zusam­men­ar­beit mit dem Sozi­al­dienst in Werk­statt erzählt sie davon, dass die bMA durch den Sozi­al­dienst und sich selbst vor­ge­stellt wer­den und nur sel­ten durch die GL (20/21). Der Sozi­al­dienst muss in Ein­glie­de­rungs­pla­nung zudem auf die Aus­la­ge­rung auf­merk­sam machen (25). Es wird die Gefahr gese­hen, dass der Über­gang der beschäf­tig­ten Mit­ar­bei­ten­den in der Werk­statt unge­wollt sta­gnie­ren könn­te (25). Als struk­tu­rel­le Anfor­de­run­gen an die Werk­statt sieht sie die Aus­wei­tung der Infor­ma­ti­ons­an­ge­bo­te für GL und bMA (23) sowie die Aus­wei­tung von Bil­dungs- und Fort­bil­dungs­an­ge­bo­ten für GL und bMA für mehr Trans­pa­renz im Pro­zess (23). Es sei die struk­tu­rel­le Auf­ga­be, GL mit­zu­neh­men und zu begeis­tern für einen viel­fäl­ti­gen Metho­den­ein­satz (23). Dazu bedarf es eines gegen­sei­ti­gen Infor­ma­ti­ons­aus­tau­sches über Team­sit­zun­gen, um die jewei­li­ge Arbeit ken­nen­zu­ler­nen (“das wis­sen ja ganz vie­le gar nicht” (S. 7, Z. 34f.) und dadurch die Akzep­tanz erhö­hen (34).

Bedeut­sa­me Ergebnisse

„Teil­ha­be durch Bil­dung“ möch­te die befrag­te Per­son für Men­schen mit Behin­de­run­gen errei­chen. Dafür sieht sie die Öff­nung der Arbeits­ge­sell­schaft als obers­ten Auf­trag an, um bMA den Zugang zum Arbeits­markt über per­so­nen­zen­trier­te Maß­nah­men zu ermög­li­chen. Die Koope­ra­ti­on im BBB gelingt ihr nach vor allem, weil dort der Arbeits­fo­kus auf dem Reha­bi­li­ta­ti­ons- und Bil­dungs­auf­trag liegt und sie an wich­ti­gen Schnitt­stel­len, wie Team­sit­zun­gen teil­nimmt sowie ein regel­mä­ßi­ger kol­le­gia­ler Aus­tausch und Infor­ma­ti­ons­aus­tausch eta­bliert wurde.

5.3 Ver­gleich der Einzelinterviews

Im Fol­gen­den wer­den die Kate­go­rien aus den Ein­zel­in­ter­views inter­view­über­grei­fend zu Kon­struk­ten zusam­men­ge­fasst und inner­halb die­ser Kon­struk­te ein Ver­gleich über Unter­schie­de und Gemein­sam­kei­ten vor­ge­nom­men. Ein­gangs wer­den in Form einer Über­sicht das Kon­strukt und dazu­ge­hö­ri­ge Kate­go­rien mit der Num­me­rie­rung aus der Syn­op­sis auf­ge­lis­tet (sie­he Tabel­le 5–1).

Tabelle 5-1 Synopsis der geführten Interviews.
Tabel­le 5–1 Syn­op­sis der geführ­ten Interviews. 
5.3.1 Erwerbs­bio­gra­fie

Erwerbs­bio­gra­fie

  • Erwerbs­bio­gra­fie (1)

Das Kon­strukt der Erwerbs­bio­gra­fie setzt sich aus der Kate­go­rie der Erwerbs­bio­gra­fie zusam­men, die über alle Inter­views hin­weg in den Erzäh­lun­gen the­ma­ti­siert wur­de. Inter­view­über­grei­fend haben die befrag­ten Per­so­nen über ihre vor­han­de­ne oder auch nicht vor­han­de­ne Werk­statt­er­fah­rung und ihre Unter­neh­mens­zu­ge­hö­rig­keit berich­tet. Kei­ne vor­he­ri­ge Werk­statt­er­fah­rung hat­ten die bei­den GL (Inter­view 4/8). Auch eine IB (Inter­view 5) hat­te vor­her kei­ne Werk­statt­er­fah­rung. Als Beson­der­heit fällt die pri­va­te Erfah­rung mit Men­schen mit Behin­de­run­gen der GL in Inter­view 4 auf. Eine Gemein­sam­keit der GL ist, dass sie bei­de vor­her in einer nicht-päd­ago­gi­schen beruf­li­chen Fach­rich­tung gear­bei­tet haben: „Ich sel­ber stam­me aus dem kauf­män­ni­schen Sek­tor, bin also ein Quer­ein­stei­ger und hat­te nach 28 Jah­ren Zuge­hö­rig­keit, das Ver­gnü­gen“ (Inter­view 7, S. 1, Z. 21).

5.3.2 Beruf­li­che Tätigkeiten

Beruf­li­che Tätigkeiten

  • Beruf­li­che Tätig­kei­ten (2)

Das Kon­strukt der beruf­li­chen Tätig­kei­ten bil­det sich aus einer Kate­go­rie, die Inter­view­über­grei­fend the­ma­ti­siert wur­de. Die beruf­li­chen Tätig­kei­ten haben Gemein­sam­kei­ten inner­halb der jewei­li­gen Berufs­grup­pen. SD haben admi­nis­tra­ti­ve Kern­auf­ga­ben (Inter­view 1/7). Ein SD (Inter­view 1) hat eine Zusatz­auf­ga­be am Ein­satz­ort. GL die Pro­duk­ti­on (Inter­view 4/8) im Fokus. Ein SD hat sowohl sta­tio­nä­re als auch ambu­lan­te Zustän­dig­kei­ten (Inter­view 7): „Also natür­lich auch vie­le Behör­den­an­ge­le­gen­hei­ten für Doku­men­ta­tio­nen, Berich­te, klar, aber das emp­fin­de ich auch im guten Gleich­ge­wicht zu den prak­ti­schen Sachen, die ich so mache.” (Inter­view 7, S. 1, Z. 35f.). Die GL nen­nen klient:innenenbezogene Tätig­kei­ten der Moti­va­ti­on und des Schut­zes (Inter­view 4) sowie die Beglei­tung, Betreu­ung und Media­ti­on (Inter­view 8). Dar­über hin­aus nennt die GL in Inter­view 4 Bil­dung und Doku­men­ta­ti­on als Auf­ga­ben in ihrer Tätig­keit. Die IB haben die Betreu­ung und Beglei­tung im Betrieb (Inter­view 5/6) gemein­sam. Eine IB (Inter­view 5) benennt das Stel­len- und Bewer­ber­ma­nage­ment als zusätz­li­che Aufgabe.

5.3.3 Zusam­men­ar­beit im eige­nen Arbeitsbereich

Zusam­men­ar­beit im eige­nen Bereich

  • Zusam­men­ar­beit inner­halb der Werk­statt (3)
  • Arbeit inner­halb der Arbeits­ver­mitt­lung (10)
  • Arbeit in einer Werk­statt (15)
  • Zusam­men­ar­beit mit dem Berufs­bil­dungs­be­reich (19)

Das Kon­strukt der Zusam­men­ar­beit im eige­nen Bereich setzt sich aus den Kate­go­rien 3, 10, 15 und 19 zusam­men. Die Kate­go­rie 3 the­ma­ti­siert die eige­ne Zusam­men­ar­beit des Sozi­al­diens­tes mit den Akteu­ren am Werk­statt­stand­ort. Die Zusam­men­ar­beit mit dem Berufs­bil­dungs­be­reich the­ma­ti­siert eben­falls die Zusam­men­ar­beit eines SD mit dem BBB am Stand­ort. Die bei­den IB the­ma­ti­sie­ren inner­halb der Kate­go­rie 10 die Arbeit inner­halb ihrer Abtei­lung der Arbeits­ver­mitt­lung. In Kate­go­rie 15 berich­tet eine IB von ihrer vor­he­ri­gen Tätig­keit im Grup­pen­dienst einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen. Allen Kate­go­rien ist gemein, dass die befrag­ten Per­so­nen über ihre Zusam­men­ar­beit mit ihren Kolleg:innen im eige­nen Arbeits­be­reich berichten.

Die SD the­ma­ti­sie­ren infor­mel­le und for­mel­le Set­tings des Infor­ma­ti­ons­aus­tau­sches. So berich­tet der SD in Inter­view 1 über kol­le­gia­len Aus­tausch und Unter­stüt­zung sowie regel­mä­ßi­gen for­ma­len Aus­tausch wäh­rend der SD in Inter­view 7 den infor­mel­len Infor­ma­ti­ons­fluss bei Wech­sel aus dem BBB pro­ble­ma­ti­siert und for­ma­le­re Set­ting des Infor­ma­ti­ons­aus­tau­sches wie in Ein­glie­de­rungs­pla­nun­gen schon vor dem Über­gang aus dem BBB in den AB wünscht. Sie schätzt zwar die per­so­nen­zen­trier­te Arbeit, kri­ti­siert aber gleich­zei­tig den schlech­ten Infor­ma­ti­ons­fluss im Über­gang. Mit den Sozi­al­diens­ten gemein hat die IB in Inter­view 8 ihre Erfah­run­gen mit den Grup­pen­lei­tun­gen, deren Wis­sen und Bezie­hung ent­schei­dend für die Zusam­men­ar­beit sei­en, wie sie aus ihrer eige­nen Bio­gra­fie wis­se. Bei­de Inte­gra­ti­ons­be­glei­tun­gen pro­ble­ma­ti­sie­ren den Kon­flikt zwi­schen betrieb­li­cher Betreu­ung und Prä­senz vor Ort in den Werk­statt­en, was ihre Arbeits­qua­li­tät beein­flus­se und sich in der hohen Per­so­na­len Aus­las­tung begrün­de. Die IB in Inter­view 5 spricht immer noch von räum­lich-zeit­li­cher Über­for­de­rung, obwohl bereits eine trans­pa­ren­te ört­li­che Zustän­dig­keit eta­bliert wur­de. Die IB in Inter­view 6 pro­ble­ma­ti­siert die dies wei­ter, indem sie die Arbeits­be­din­gun­gen zwi­schen der Arbeits­ver­mitt­lung und dem Grup­pen­dienst in Werk­statt gegen­über­stellt. „Mein jet­zi­ger Arbeits­all­tag äh fle­xi­bel, ähm nicht plan­bar, […, Anm. PK] man kann nix pla­nen. Also im Grup­pen­all­tag ist es halt wirk­lich dies von halb acht bis um vier. Man hat sei­ne fes­ten Grup­pe. Man ist schon sehr fle­xi­bel. Wenn man plant etwas sei­nen Tag und dann geht das Tele­fon und muss doch irgend­wo anders agie­ren und flitzt von einem Betrieb zum Ande­ren“ (Inter­view 6, S. 2, Z. 5).

5.3.4 Per­so­na­len Anfor­de­run­gen an eige­ne Tätigkeiten

Per­so­na­len Anfor­de­run­gen an eige­ne Tätigkeiten

  • Per­so­na­le Anfor­de­run­gen an eige­ne Tätig­kei­ten (4)

Zum Kon­strukt der per­so­na­len Anfor­de­run­gen an die eige­ne Tätig­keit gehört die gleich­na­mi­ge Kate­go­rie, die inter­view­über­grei­fend von jeder befrag­ten Per­son the­ma­ti­siert wur­de. Den­noch wur­de die­se Kate­go­rie divers benannt, d.h. die unter­schied­li­chen Akteurs­grup­pen setz­ten ganz unter­schied­li­che Schwer­punk­te. So benen­nen die Grup­pen­lei­tun­gen (Inter­views 4/5) bei­de Enga­ge­ment für die bMA sowie Mul­ti­per­spek­ti­vi­tät, d.h. unter­schied­li­che Per­spek­ti­ven zu berück­sich­ti­gen, sei ihnen wich­tig. Auch die Inte­gra­ti­ons­be­glei­tung in Inter­view 5 nennt die­se bei­den The­men als wich­ti­ge Aspek­te für ihre Arbeit. Die IB (Inter­view 5/6) nen­nen bei­de Per­so­nen­zen­trie­rung, Netz­werk­ar­beit und den Fokus auf die Reha­bi­li­ta­ti­on als bedeu­ten­de Anfor­de­run­gen. Inter­ne Öffent­lich­keits­ar­beit sowie der Fokus auf die Reha­bi­li­ta­ti­on ist auch ein wich­ti­ges The­ma für den Sozi­al­dienst in Inter­view 7. Beson­ders her­aus sticht der SD in Inter­view 01, der den Fokus auf die per­sön­li­che Ebe­ne legt und Arbeits­tu­gen­den wie Kol­le­gia­li­tät, Fair­ness und Ver­trau­en als wich­tig erach­tet: „Kol­le­gia­li­tät, Fair­ness, Ver­trau­en. in wel­che Rei­hen­fol­ge auch immer ja” (Inter­view 1, S. 2, Z. 29f.). Der SD in Inter­view 7 legt wie­der­um gro­ßen Wert auf Fach­lich­keit und Team­ar­beit, was in einen Zusam­men­hang zur Kol­le­gia­li­tät des ande­ren SD ver­mu­ten lässt. Der gelin­gen­de Aus­tausch mit Kol­le­gen scheint in die­sem Kon­strukt von über­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung zu sein, denn kol­le­gia­ler Aus­tausch ist auch der GL in Inter­view 4 wich­tig. Der gelin­gen­de Aus­tausch von Sicht­wei­sen wird dabei auch durch die Mul­ti­per­spek­ti­vi­tät, die erst durch einen gelin­gen­den Infor­ma­ti­ons­aus­tausch geschaf­fen wer­den kann. Wes­halb damit auch die in Inter­view 5 benann­te Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit damit ein­her­geht. In die­sem Pro­zess des Aus­tau­sches der unter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven sowie dem Wunsch nach enger Zusam­men­ar­beit durch Kol­le­gia­li­tät in Aus­tausch oder durch Team­ar­beit wird das Motiv des gegen­sei­ti­gen sich Ein­be­zie­hens deut­lich. Dane­ben zeich­net sich ein ande­res Motiv ab und zwar das Enga­ge­ment für bMA, wel­ches mit der Moti­va­ti­on in Inter­view 7 und der Krea­ti­vi­tät in Inter­view 5 ein­her­geht, um Lösun­gen für die bMA zu fin­den. Die­se Lösungs­ori­en­tie­rung wird bereits in Inter­view 8 durch die IB benannt. Dar­über hin­aus ist für Grup­pen­lei­tun­gen und Inte­gra­ti­ons­be­glei­tun­gen die Bezie­hungs­ar­beit von Bedeu­tung. So nennt die IB in Inter­view 6 die Bedeu­tung der Bezie­hungs­ar­beit und die GL in Inter­view 8 sich auf­grund ihrer eige­nen Bio­gra­fie als Vor­bild­funk­ti­on. Dar­über hin­aus beschreibt die­se GL auch den Zusam­men­hang zwi­schen Pro­duk­ti­on und Bil­dung in ihrer Arbeit, dass sie zwar die Pro­duk­ti­on fokus­sie­re, aber ohne Bil­dung auch kei­ne Pro­duk­ti­on mög­lich sei, wes­halb gleich­sam beruf­li­ches Wis­sen sowie päd­ago­gi­sches Wis­sen für die eige­ne Arbeit von Bedeu­tung sei.

5.3.5 Zusam­men­ar­beit mit Inte­gra­ti­ons­be­glei­tun­gen der Arbeitsvermittlung

Zusam­men­ar­beit mit Inte­gra­ti­ons­be­glei­tun­gen der Arbeitsvermittlung

  • Zusam­men­ar­beit mit Inte­gra­ti­ons­be­glei­tun­gen der Arbeits­ver­mitt­lung (5)

Das Kon­strukt der Zusam­men­ar­beit mit Inte­gra­ti­ons­be­glei­tun­gen setzt sich aus der gleich­na­mi­gen Kate­go­rie zusam­men, die in den Inter­views der Sozi­al­diens­te und Grup­pen­lei­tun­gen the­ma­ti­siert wur­den. Ein­zig die Grup­pen­lei­tung in Inter­view 8 beschreibt kei­ne Zusam­men­ar­beit mit den IB. Glo­ba­les The­ma der vier Befrag­ten ist der erleb­te Infor­ma­ti­ons­fluss in der Zusam­men­ar­beit. Wäh­rend die Sozi­al­dienst eher posi­ti­ve Erfah­run­gen mit den Inte­gra­ti­ons­be­glei­tun­gen gemacht haben, sind die Grup­pen­lei­tun­gen ver­hal­ten bis kri­tisch ein­ge­stellt. Den SD nach mel­den sie in der Regel einen Ver­mitt­lungs­wunsch und stün­den wäh­rend der Betreu­ung von bMA im regel­mä­ßi­gen Aus­tausch mit den IB. „Es waren noch nicht so ganz schreck­lich vie­le Kon­tak­te, aber eigent­lich immer ver­nünf­tig behan­delt wor­den. Ver­nünf­tig auf dem Lau­fen­den gehal­ten wor­den” (Inter­view 1, S. 4, Z. 2f.). Ins­be­son­de­re durch die neue ört­li­che Zustän­dig­keit habe sich die Zusam­men­ar­beit ver­bes­sert, was sich an der höhe­ren Ver­mitt­lungs­quo­te und der Bezie­hungs­ar­beit der IB mit den bMA zei­ge (Inter­view 7). Dar­über hin­aus regis­trie­re der SD in Inter­view 7 ein hohes Enga­ge­ment bei den IB, was aber auch neue Bedar­fe bei den bMA nach Ver­mitt­lung wecke. Der SD aus Inter­view 8 berich­tet über zuver­läs­si­ge Abspra­chen, was für einen guten Infor­ma­ti­ons­aus­tausch steht sowie den Ein­be­zug der GL durch den Ein­satz des­sen Wirt­schafts­kon­tak­ten, die ein Gewinn für den Über­gang wären. Die GL in Inter­view 4 mel­det eine gute Betreu­ung der bMA wäh­rend der betrieb­li­chen Erpro­bung auf­grund des erfolg­ten Infor­ma­ti­ons­flus­ses zurück. Den­noch steht sie auf­grund belas­ten­der Erst­ge­sprä­che für bMA in der Vor­be­rei­tung eines Prak­ti­kums kri­tisch gegen­über den IB. Ihr feh­len Infor­ma­tio­nen über die die Arbeit der IB, Öffent­lich­keits­ar­beit wäre ihrer Ansicht nach beson­ders wich­tig, auch weil bereits bMA zu ande­ren Trä­gern gewech­selt sei­en, weil sich nie­mand um sie geküm­mert habe. Ver­mitt­lungs­wün­sche von bMA mel­de sie selbst eher dem SD oder an die Arbeits­ver­mitt­lung, anstel­le, dass bMA sich selbst mel­den wür­den. Eben­so mel­det die Grup­pen­lei­tung in Inter­view 8 kei­ne Ver­mitt­lungs­wün­sche, son­dern for­dert die bMA auf dies selbst zu tun. Sie mel­de­te auch zurück, dass sie kei­ne wirk­li­che Zusam­men­ar­beit mit den IB habe, son­dern vie­les über die SD lau­fe. Sie bemän­gelt die Trans­pa­renz bei IB auch was Exklu­si­ons­er­eig­nis­se von bMA bei der Erpro­bung ange­he und wün­sche sich dies­be­züg­lich mehr Partizipation.

5.3.6 Per­so­na­le Anfor­de­run­gen an Integrationsbegleitungen

Per­so­na­le Anfor­de­run­gen an Integrationsbegleitungen

  • Per­so­na­le Anfor­de­run­gen an Inte­gra­ti­ons­be­glei­tun­gen (6)

Als per­so­na­le Anfor­de­run­gen an die Inte­gra­ti­ons­be­glei­tun­gen kumu­lie­ren sich hier­un­ter die For­de­run­gen der GL und der SD aus gleich­na­mi­ger Kate­go­rie in ihren Inter­views. So wün­schen sich die Sozi­al­diens­te und die Grup­pen­lei­tung aus Inter­view 4 eine dau­ern­de Arbeits­be­zie­hung zu den IB, die auf Ver­trau­en, Kol­le­gia­li­tät und Kon­ti­nui­tät beruht (Inter­view 1/7). Der Sozi­al­dienst im Inter­view 1 baut dabei auf Ziel­gleich­heit für eine gelin­gen­de Wir­kung und ist auch bereit sich in der Sache mit den IB zu strei­ten, damit das Bes­te für die bMA dabei raus­kommt. „Das ist ja wit­zig, da kann, da kann ich ja was ler­nen oder so also“ (Inter­view 01, S. 5, Z. 15). Die Grup­pen­lei­tun­gen wün­schen sich eher ein grö­ße­res Enga­ge­ment der IB, ins­be­son­de­re, was die inter­ne und exter­ne Öffent­lich­keits­ar­beit angeht, aber auch der Zugrif­fe auf die digi­ta­le Akte sei­en wich­ti­ge Vor­aus­set­zun­gen (Inter­view 4). Auch wird Netz­werk­ar­beit gefor­dert, was die Akqui­se von Betrie­ben und neu­en Stel­len angeht (Inter­view 8).

5.3.7 Struk­tu­rel­le Anfor­de­run­gen an die Arbeitsvermittlung

Struk­tu­rel­le Anfor­de­run­gen an die Arbeitsvermittlung

  • Struk­tu­rel­le Anfor­de­run­gen an die Arbeits­ver­mitt­lung (7)
  • Vor­be­rei­tung eines Prak­ti­kums (11)
  • Rück­kehr aus einem Prak­ti­kum (12)

Das Kon­strukt der struk­tu­rel­len Anfor­de­run­gen an die IB setzt sich aus der gleich­na­mi­gen Kate­go­rie sowie den Kate­go­rien der Vor­be­rei­tung auf ein Prak­ti­kum und der Rück­kehr aus einem Prak­ti­kum zusam­men. In allen Kate­go­rien wer­den struk­tu­rel­le Pro­blem­la­gen the­ma­ti­siert und dar­auf­hin Anfor­de­run­gen für das zukünf­ti­ge Gelin­gen gestellt. So wird auch im SD (Inter­view 1) ein Per­so­nal­man­gel in der Arbeits­ver­mitt­lung fest­ge­stellt, da die IB hier Zeit­man­gel für zeit­na­he Vor­be­rei­tun­gen von Prak­ti­ka und Erst­ge­sprä­che kom­mu­ni­zie­ren. Zeit wird dabei ins­be­son­de­re auch von den IB selbst als bedeu­ten­des The­ma in ihrer Arbeit wahr­ge­nom­men. Ins­be­son­de­re für die Vor­be­rei­tung von Prak­ti­ka feh­le ihnen die Zeit, da ihre Arbeit bis zum ers­ten Prak­ti­kums­tag unsicht­bar sei, denn ein Kos­ten­stel­len­wech­sel erfol­ge erst mit dem ers­ten Prak­ti­kums­tag. Par­ti­zi­pa­ti­on, res­sour­cen­ori­en­tier­te Arbeit und die Akqui­se von Betrie­ben sei­en unter den aktu­el­len Struk­tu­ren sehr zeit­in­ten­si­ve Abläu­fe und wären behin­dert, obwohl gera­de die Vor­be­rei­tung ein wich­ti­ger Gelin­gens­fak­tor für ein Prak­ti­kum sei. Hier­für wer­den mehr Per­so­nal und eine tätig­keits­ori­en­tier­te Auf­tei­lung in der Arbeits­ver­mitt­lung vor­ge­schla­gen (Inter­view 5). Die­ser Zeit­pro­ble­ma­tik gegen­über ste­hen die Anfor­de­run­gen aus der eige­ne Abtei­lung (Inter­view 6) danach die Arbeits­ge­sell­schaft zu ver­än­dern, und das Bild von bMA und der Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen zu ver­än­dern oder die Rück­kehr aus Prak­ti­ka durch eine Über­gangs­grup­pe zu beglei­ten gegen­über. Aber auch die For­de­run­gen der Grup­pen­lei­tun­gen und Sozi­al­diens­te schei­nen davor schwer erfüll­bar. So wünscht sich der Sozi­al­dienst in Inter­view 1 bestän­di­ge Struk­tu­ren und nie­der­schwel­li­ge Ange­bo­te, was mit dem Wunsch der Grup­pen­lei­tung in Inter­view 8 ein­her­geht. Die­se wünscht sich mehr Par­ti­zi­pa­ti­on und Öffent­lich­keits­ar­beit, um bMA gezielt zu qua­li­fi­zie­ren. „Grün­de sind eigent­lich im Prin­zip, man weiß eigent­lich zu wenig über die Arbeit der Kol­le­gen in der [Arbeits­ver­mitt­lung] was ist da gera­de gefragt” (Inter­view 8, S. 5, Z. 5f.). Die ande­re Grup­pen­lei­tung wünscht sich eben­falls Öffent­lich­keits­ar­beit, aber in Form von mehr Wer­bung und Informationsnageboten.

5.3.8 Struk­tu­rel­le Anfor­de­run­gen an Werkstatt

Struk­tu­rel­le Anfor­de­run­gen an Werkstatt

  • Struk­tu­rel­le Anfor­de­run­gen an Werk­statt (8)
  • Struk­tu­rel­le Anfor­de­run­gen an den Berufs­bil­dungs­be­reich (20)
  • Prak­ti­ka als Pro­blem­lö­sung (22)

Das Kon­strukt der struk­tu­rel­len Anfor­de­run­gen an Werk­statt setzt sich aus der gleich­na­mi­gen Kate­go­rie sowie den struk­tu­rel­len Anfor­de­run­gen an den Berufs­bil­dungs­be­reich und den Prak­ti­ka als Pro­blem­lö­sung zusam­men. Allen ist gemein, dass sie Struk­tu­ren in einer Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen ver­än­dern wol­len. Die Inte­gra­ti­ons­be­glei­tun­gen wün­schen sich von der Sei­te der Werk­statt her, dass das Reha­bi­li­ta­ti­ons­ziel mehr kom­mu­ni­ziert wird (Inter­view 6). Auch wol­len sie mehr Infor­ma­ti­ons­an­ge­bo­te über Mög­lich­kei­ten des Über­gan­ges für bMA und GL sowie in Schnitt­stel­len des Arbeits­be­rei­ches, wie Team­sit­zun­gen teil­neh­men, um Bezie­hun­gen und Ver­trau­en auf­zu­bau­en (Inter­view 6). Struk­tu­rel­le Anfor­de­run­gen an die Werk­statt wer­den aber auch die MA in Werk­statt for­mu­liert. So wünscht sich der SD in Inter­view 7 mehr Par­ti­zi­pa­ti­on, auch bevor es zu einem Über­gang im BBB kommt, um ange­mes­sen auf Zie­le zu agie­ren. „Also manch­mal ist das sogar so, dann kom­men Men­schen mit Zie­len aus dem Berufs­bil­dungs­be­reich und wir ken­nen die gar nicht, so, weißt du?” (Inter­view 7, S.4, Z. 18f.). Auch wünscht sie mehr Fach­lich­keit vor Ort, um eine Lösungs­ori­en­tie­rung in der Arbeit mit bMA zu errei­chen, damit die­se nicht über ein Prak­ti­kum abge­scho­ben wer­den müss­ten. Auf der sozia­len Ebe­ne sieht die Grup­pen­lei­tung aus Inter­view 4 neben guter Team­ar­beit und einer posi­ti­ven Feed­back­kul­tur aus­rei­chend Zeit als struk­tu­rel­le For­de­rung an die Werkstatt.

5.3.9 Beschäf­tig­te in Werkstätten

Beschäf­tig­te in Werkstätten

  • Beschäf­tig­te in Werk­stät­ten (9)

Das Kon­strukt der Beschäf­tig­ten in einer Werk­statt setzt sich aus einer Kate­go­rie in Inter­view 8 zusam­men. In die­ser Kate­go­rie beschreibt die Grup­pen­lei­tung den Habi­tus der beschäf­tig­ten Mit­ar­bei­ten­den im Kon­text des Über­gan­ges, dass sie wenig moti­viert dazu sei­en und die sozia­le Sicher­heit sowie sozia­le Mög­lich­kei­ten in der Werk­statt für Men­schen mit Behin­de­run­gen schät­zen wür­den. Die­se gerin­ge Bereit­schaft zur Ver­än­de­rung spieg­le sich auch in den Ein­glie­de­rungs­pla­nun­gen wider: „Nee, ich will hier blei­ben, bloß nix ver­än­dern“ (Inter­view 8, S. 2, Z. 24).

5.3.10 Zusam­men­ar­beit mit Werkstatt

Zusam­men­ar­beit mit Werkstatt

  • Zusam­men­ar­beit mit Grup­pen­lei­tun­gen in Werk­statt (13)
  • Zusam­men­ar­beit mit Grup­pen­lei­tun­gen im Arbeits­be­reich (16)
  • Zusam­men­ar­beit mit Grup­pen­lei­tun­gen im Berufs­bil­dungs­be­reich (17)
  • Zusam­men­ar­beit mit dem Sozi­al­dienst in Werk­statt (18)

Das Kon­strukt der Zusam­men­ar­beit in Werk­statt setzt sich aus den Kate­go­rien 13, 16, 17 und 18 zusam­men, die von den Inte­gra­ti­ons­be­glei­tun­gen the­ma­ti­siert wur­den. Die IB in Inter­view 6 kon­tras­tiert dabei die Zusam­men­ar­beit im BBB mit der Zusam­men­ar­beit im AB sowie der Zusam­men­ar­beit im SD. Die IB in Inter­view 5 benennt eine Koope­ra­ti­on mit dem SD, die auch in Inter­view 6 bestä­tigt wird. In der Zusam­men­ar­beit mit Grup­pen­lei­tun­gen sehe sie Ziel­kon­flik­te, die durch die enge Bezie­hung und durch vor­han­de­nes Erfah­rungs­wis­sen über die bMA noch ver­stärkt wür­den. Die Kolleg:in aus der Arbeits­ver­mitt­lung bestä­tigt die­se Sicht auf die Zusam­men­ar­beit im Arbeits­be­reich, wo sie Ableh­nung, einen Fokus auf die Pro­duk­ti­on, Angst vor Ver­än­de­run­gen und Kon­flik­te gera­de bei älte­ren GL erfah­re. „Ableh­nung durch ähm die ken­nen es nicht. Angst vor Ver­än­de­rung. Es lief ja jetzt 10 Jah­re so gut, war­um soll ich was ver­än­dern. Ich glau­be man müss­te den ich nicht dem viel mehr mit Auf­klä­rung, Fort­bil­dun­gen begeg­nen” (Inter­view 6, S. 5, Z. 9ff.). Dem Gegen­über ste­he die Zusam­men­ar­beit mit dem BBB, wo gera­de jun­ge Kolleg:innen offen für neue Metho­den und Koope­ra­ti­on mit den IB sei­en und mit ihr zusam­men an der Erfül­lung des Reha­bi­li­ta­ti­ons­auf­tra­ges arbei­ten würden.

5.3.11 Per­so­na­le Anfor­de­run­gen an Gruppenleitungen

Per­so­na­le Anfor­de­run­gen an Gruppenleitungen

  • Per­so­na­le Anfor­de­run­gen an Grup­pen­lei­tun­gen (6)

Das Kon­strukt der per­so­na­len Anfor­de­run­gen an Grup­pen­lei­tun­gen setzt sich aus der gleich­na­mi­gen Kate­go­rie in Inter­view 5 zusam­men. In die­ser Kate­go­rie geht es um Anfor­de­run­gen an die Grup­pen­lei­tun­gen als kon­kre­te Akteu­re. Die befrag­te IB for­dert dabei Koope­ra­ti­on bei den GL ein, was sie in Ver­bin­dung mit Ziel­trans­pa­renz und dadurch mög­li­cher Wir­kung setzt, wenn bei­de Par­tei­en an einem Ziel zusam­men­ar­bei­ten. Ins­be­son­de­re der Infor­ma­ti­ons­aus­tausch sei hier­bei ein wich­ti­ger inter­per­so­nel­ler Aspekt: „So da wür­de ich mir an der einen oder ande­ren Stel­le ein­fach mehr Koope­ra­ti­on wün­schen, dass man sich zusam­men hin­set­zen und zusam­men einen Plan macht und der Grup­pen­lei­ter auch für sich gucken kann, wo kann er unter­stüt­zen und so […, Anm. PK]” (Inter­view 5, S. 5, Z. 14).

5.3.12 Zusam­men­ar­beit mit Leistungsträger

Zusam­men­ar­beit mit Leistungsträger

  • Zusam­men­ar­beit mit Leis­tungs­trä­ger (21)

Die Zusam­men­ar­beit mit dem Leis­tungs­trä­ger wur­de aus­schließ­lich in Inter­view 7 the­ma­ti­siert. Der befrag­te Sozi­al­dienst benennt Gesprä­che im Rah­men des B.E.Ni-Verfahrens, zu denen alle Betei­lig­ten ein­ge­la­den wür­de, was den posi­ti­ven Effekt habe, dass so Netz­wer­ke gebil­det wer­den könn­ten. „Der Kos­ten­trä­ger weiß, wenn er sich mel­den muss, man hat sich auch schon mal gese­hen, man hat zusam­men gespro­chen. Also ich mein die­ses Netz­wer­kes ist ein­fach her­ge­stellt auch“ (Inter­view 7, S. 4, Z. 39).

6. Dis­kus­si­on, Inter­pre­ta­ti­on der Ergeb­nis­se und Fazit

Die Inte­gra­ti­ons­be­glei­tun­gen berich­ten aus ihrer Arbeit, dass sie eine gro­ße Über­for­de­rung wahr­neh­men. Die­se spieg­le sich in all­täg­li­chen Ent­schei­dun­gen wider, ob nun eher eine Betreu­ung im Betrieb von bereits eta­blier­ten Prak­ti­ka oder aus­ge­la­ger­ten Arbeits­plät­zen erfol­gen soll oder die Zeit in den Werk­statt­stand­or­ten für die Akqui­se oder Vor­be­rei­tung von Prak­ti­ka genutzt wer­den sol­le. Ins­be­son­de­re die Vor­be­rei­tung wird als wich­ti­ger Aspekt für das Gelin­gen eines Über­gan­ges ange­führt. Im All­tag kommt den­noch die Zeit im Stand­ort zu kurz. Die Inte­gra­ti­ons­be­glei­tun­gen sind unzu­frie­den mit die­ser struk­tu­rel­len Schief­la­ge, die auch schon im Werk­statt­stand­ort im Sozi­al­dienst und bei den Grup­pen­lei­tun­gen wahr­ge­nom­men wird.

Abbildung 6-1 Vergleich der Akteursgruppen in ihren Wahrnehmungen über die eigene Tätigkeit, Anforderungen an die eigene Tätigkeit, Zusammenarbeit mit den jeweils anderen Akteuren sowie ihren Anforderungen an eine zukünftige Zusammenarbeit.
Abbil­dung 6–1 Ver­gleich der Akteurs­grup­pen in ihren Wahr­neh­mun­gen über die eige­ne Tätig­keit, Anfor­de­run­gen an die eige­ne Tätig­keit, Zusam­men­ar­beit mit den jeweils ande­ren Akteu­ren sowie ihren Anfor­de­run­gen an eine zukünf­ti­ge Zusammenarbeit. 

Legt man die per­sön­li­chen Anfor­de­run­gen an die eige­ne Tätig­keit zugrun­de, so wün­schen sich die Mit­ar­bei­ten­den eine Zusam­men­ar­beit, die sich über drei struk­tu­rel­le Anfor­de­run­gen aus Werk­statt an die Arbeits­ver­mitt­lung beschrei­ben lässt. Zum einen wün­schen sie sich eine nie­der­schwel­li­ge per­sön­li­che Betreu­ung, die Par­ti­zi­pa­ti­on der Grup­pen­lei­tun­gen sowie inter­ne und exter­ne Öffent­lich­keits­ar­beit. Die­se Anfor­de­run­gen ste­hen im Zusam­men­hang zum eige­nen Koope­ra­ti­ons­ver­ständ­nis, dass sich durch die per­so­na­len Anfor­de­run­gen an die eige­ne Tätig­keit cha­rak­te­ri­sie­ren lässt. So erwar­ten die Mit­ar­bei­ten­den von sich selbst, dass sie in die Bezie­hungs­ar­beit gehen, d.h. Bezie­hun­gen zu Kolleg:innen sowie zu den bMA auf­bau­en. Vor allem der Fokus auf den Wün­schen der Beschäf­tig­ten ist eine gemein­sa­me Per­spek­ti­ve, die sich die Mit­ar­bei­ten­den tei­len. Sie wün­schen sich des­halb Par­ti­zi­pa­ti­on. Sie wol­len sich gegen­sei­tig ein­be­zie­hen und ein­be­zo­gen wer­den, um ein gegen­sei­ti­ges Ver­ständ­nis der jewei­li­gen Per­spek­ti­ven zu errei­chen. Die­se Par­ti­zi­pa­ti­on mit den Akteu­ren vor Ort braucht Zeit, die aktu­ell nicht in der Arbeits­ver­mitt­lung gege­ben ist, wodurch die Sicht­wei­se der Werk­statt wei­ter for­dernd bleibt.

Abbildung 6-2 Das Kooperationsverständnis der Akteure abgeleitet aus den Voraussetzungen für eine gelingende Kooperation nach Seckinger (2008, S. 9ff. in Merten et al., 2019, S. 29f.)
Abbil­dung 6–2 Das Koope­ra­ti­ons­ver­ständ­nis der Akteu­re abge­lei­tet aus den Vor­aus­set­zun­gen für eine gelin­gen­de Koope­ra­ti­on nach Seckin­ger (2008, S. 9ff. in Mer­ten et al., 2019, S. 29f.)

Die struk­tu­rel­len For­de­run­gen gehen ein­her mit den Erfolgs­fak­to­ren für gelin­gen­de Koope­ra­ti­on, d.h. sie wol­len Zweck und Inhalt der Koope­ra­ti­on klä­ren, die Zustän­dig­kei­ten fest­le­gen, Ver­ant­wor­tungs­be­rei­che beschrei­ben, die betei­lig­ten Akteu­re teil­ha­ben las­sen, sich gegen­sei­ti­ges Ken­nen und Ver­trau­en, fes­te Struk­tu­ren und Kon­ti­nui­tät schaf­fen und Nut­zen aus der Koope­ra­ti­on für die Beschäf­tig­ten zie­hen. Die zeit­li­che Res­sour­ce gilt dabei als zen­tra­ler Erfolgs­fak­tor eben­so wie Kon­ti­nui­tät bei den betei­lig­ten Par­tei­en, d.h. fes­te Ansprech­part­ner vor Ort zu schaf­fen, scheint in der Retro­spek­ti­ve eine rich­ti­ge Ent­schei­dung vor dem Hin­ter­grund gelin­gen­der Koope­ra­ti­on und den Anfor­de­run­gen der Mit­ar­bei­ten­den gewe­sen zu sein, jedoch muss die­se neue Zustän­dig­keit auch zeit­lich durch die Inte­gra­ti­ons­be­glei­tun­gen aus­ge­füllt wer­den können.

Abbildung 6-3 Gegenüberstellung der Anforderungen von Sozialdienste und Gruppenleitungen zu den Effekten einer regionalen Zuordnung zu Werkstattstandorten in der Arbeitsvermittlung im Kontext des dortigen Konfliktes zwischen Werkstatt und Betrieben in Verbindung mit den gegenseitigen Wahrnehmungen von Gruppenleitungen und Integrationsbegleitungen.
Abbil­dung 6–3 Gegen­über­stel­lung der Anfor­de­run­gen von Sozi­al­diens­te und Grup­pen­lei­tun­gen zu den Effek­ten einer regio­na­len Zuord­nung zu Werk­statt­stand­or­ten in der Arbeits­ver­mitt­lung im Kon­text des dor­ti­gen Kon­flik­tes zwi­schen Werk­statt und Betrie­ben in Ver­bin­dung mit den gegen­sei­ti­gen Wahr­neh­mun­gen von Grup­pen­lei­tun­gen und Integrationsbegleitungen. 

7. Lite­ra­tur­ver­zeich­nis

Attes­lan­der, P., Cromm, J., Gra­bow, B., Klein, H., Mau­rer, A., & Sie­gert, G. (2010). Metho­den der empi­ri­schen Sozi­al­for­schung (13., neu bear­bei­te­te und erwei­ter­te Auf­la­ge). Erich Schmidt Ver­lag. https://amzn.to/3Br1Wcs

Balz, H.-J., & Spieß, E. (2009). Koope­ra­ti­on in sozia­len Orga­ni­sa­tio­nen: Grund­la­gen und Instru­men­te der Team­ar­beit ; ein Lehr­buch (1. Aufl). Kohl­ham­mer. https://amzn.to/3DLgZR8

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